Po zu groß für die Linse

Heute Morgen, besser gesagt, heute Vormittag, denn am Sonntag gönne ich mir ein sportfreies Ausschlafen – und deshalb gibt es Frühstück erst nach der Kirche. Jedenfalls dient unser Hochtisch mehr als Ablage als dass er wie ein Esstisch ausschaut. Bodo nutzt die große Fläche gerne als Ablage für Post, Computerzeitschriften und die Fotoausrüstung wird auch hier ab & dann zwischengelagert. Und nachdem es gestern ein kleines Zeitfenster gegeben hat, das Bodo für eine Panoramaaufnahme am windgepeitschten Terrassendeck genutzt hat,

siehe Link:

Wien_Panorama

landete die Canon mit dem Riesenobjektiv auf besagtem Tisch. Aber für das sonntägliche Frühstück muss Platz gemacht werden – ein „sanfter“ Hinweis, und Bodo richtet das Objektiv auf mich, besser gesagt auf meine Kehrseite, löst aber mit einem Grunzer nicht aus und meint hämisch: „Der ist zu groß – der passt da nicht rauf!“ Wenn ich nicht ich wäre, hätte das jetzt das Ende eines harmonisch-verregneten Sonntags bedeutet. Was jetzt nicht bedeutet, dass es bei meinem Gegenüber kein kleines „Aua!“ gegeben hätte …

Männer tun sich schon schwer, die richtigen Worte zu finden, wenn es um bestimmte Körperteile und Formen des weiblichen Geschlechts geht. Ein harmlos gemeintes Adjektiv – und der Haussegen liegt schief. Besonders, wenn es um den weiblichen geographischen Mittel-, ähem, Schwerpunkt geht, also das Becken und die beiden kugelförmigen Muskelpackerln, die das Ganze abrunden. Frauen sind da sehr empfindlich. Apfel, Birne oder Kartoffel? Knackig, dellig, mit oder ohne Falte? Prall, rund oder wie zwei müde Säcke? Sexy oder peinlich? Perfekt oder einfach ein Star?

Jennifer Lopez hat ihren Po mit 250 Millionen Dollar versichert.

Kim Kardashian presst ihren Body bewusst in auf die Haut geschneiderte Edelroben.

Beyoncé Knowles mag es auf der Bühne gerne Body-like und shakert mit ihren Backen.

Paris Hilton mag es luftig und vergisst schon gern auf Spitze und Satin.

Victoria Beckham zeigt all over Size Zero und meint (zu Recht), dass sie nackt betrachtet, gar keinen Hintern hat.

Der Preis für den größten Promi-Po geht aber an Coco Austin, der unbekannten Ehefrau von Ice-T.

Die Star-Magazetten schreiben also vom:

  • sexy Po
  • perfekten Po
  • Model-Po
  • heißen Po
  • imposanten Po
  • knack- Popo
  • schönen Po
  • Star Hintern
  • winzigen Popöchen
  • runden Po
  • Wackel-Po

Und Männer flüstern gerne: „Was für ein A….!“ Müssen sie auch, denn wenn ihnen das Objekt der Begierde die kalte Schulter zeigt und kurz darauf den Rücken, bleibt der Blick ohne Zweifel dort hängen, wo man(n) einen herben Klaps setzen kann und wo man(n) gerne kneterische Fähigkeiten unter Beweis stellt.

Frauen sind zu wenig oft mit ihrem Gluteus maximus zufrieden. Komisch eigentlich, denn die eigene Rückseite kann frau nie in ihrer unverzerrten Pracht sehen, kann sich daher eigentlich kein objektives Bild über die Wirkung ihres Hinterteils machen: steht frau vor dem Spiegel, um einen Blick auf Jeansfigur zu werfen, passiert dies einseitig und mit verrenktem Hals. Und Fotos sind sowieso nicht aussagekräftig (passend zum Titel meiner heutigen Gedanken). Aber jede Frau ist sich dessen bewusst, dass ihre Geschlechtsgenossinnen nur zu genau den Fokus auf den Po der anderen richten – vergleichend, kritisch, neidisch, selten bewundernd (das wär nicht ehrlich) – und das macht nervös!

Ich habe mich einigermaßen arrangiert mit meinem Po und richte meinen skeptischen Blick schon eher auf meine ausgeprägten Oberschenkel, die es mir manchmal erschweren, eine passende Hose zu finden. Nichtsdestotrotz tu ich was für meine Sitzmuskeln – meinen Jahresvorsatz, weniger oft mit dem Lift ins Dachgeschoss zu fahren, und stattdessen keuchend die fast 100 Stufen zu erklimmen, halte ich bis dato ein. Und im Stehen kann man fast überall und unbemerkt kurze Kontraktionen der Gesäßmuskulatur durchführen – das 100 Mal am Tag und man(n) wird sich bald die Zähne ausbeißen!

Stell dir vor, der Strom macht blau!

Nachrichten der letzten Tage sprechen darüber, dass der starke Schneefall starke Bäume und damit  Oberleitungen in die Knie gezwungen hat. Deshalb sitzen einige Tausend Menschen im Dunkeln und frieren. Das bringt mich ins Grübeln:

Stell dir vor, der Strom macht blau!

Stell dir vor, der Strom hat ein Burn out.

Stell dir vor, der Strom nimmt sich ein Sabbatical.

Stell dir vor, der Strom hat genug von schlecht bezahlter Arbeit und geht in Streik.

Stell dir vor, der Strom wandert aus.

Stell dir einfach vor, dass der Strom plötzlich nicht mehr da ist. –

In unserer verwöhnten Gesellschaft ein Fiasko!

In der Früh kommt nur kaltes Wasser aus dem Duschkopf.

Dir bleibt nur eine Kaffeebohne, an der du kaust, um dein Koffein-Depot aufzufüllen. (Es ist nicht ratsam, luftdicht verschweißte Nespresso-Tabs mit den Zähnen aufzubeißen und sich das schwarze Pulver über einen Strohhalm in die Schleimhäute zu ziehen.)

Das Laufband im Fitness-Club bleibt stumm.

Das Vitamin D versteckt sich in der dunklen Solarium-Kapsel.

Elektro-Autos sind out, noch bevor sie den Status It-Car erringen konnten.

Du beißt dir die Zähne an der Tiefkühlpizza aus, und in der Mikrowelle herrscht nur eine laue Brise.

Du kannst dein Handy / Smartphone nicht mehr aufladen und bist ohne App handlungsunfähig.

Du bist abgeschnitten von Facebook, Skype, Google, … – die worldwideweb-community versinkt in der Steinzeit.

Zalando, Amazon und andere Online-Shops verlieren ihre KundInnen.

Die Konsequenzen?

Deine Haut wird zwar rot, aber straff, denn je kälter es an deiner Körperoberfläche ist, desto mehr ziehen sich die Fettzellen im Inneren zusammen.

Du spürst den reinen Geschmack, klaren, kalten Wassers und fühlst dich nachhaltig erfrischt.

Bewegung an der frischen Luft beansprucht jeden Muskel und kräftigt nebstbei auch deine Sinne.

Du entwickelst eine gewisse Demut gegenüber unserem lebensspendenden Feuerball.

Du entstaubst dein altes Fahrrad oder gehst doch zu Fuß.

Du füllst deinen Magen mit den Früchten der Natur und gehst sorgsamer mit diesen Gaben um.

Du nimmst die Personen in deiner unmittelbaren Umgebung, in deiner Nachbarschaft und sprichst (!) – du hörst deine eigene Stimme, und dein Daumen streichelt wieder über Wangen anstelle über Buchstabentasten.

Unsere Welt wird wieder kleiner; der Mikrokosmos wird ganz groß.

Wir haben alles, was wir brauchen.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn es gibt gewichtige, übergreifende Gründe, warum ein Strom-Aus Gefahr für Leben und Gesundheit bedeuten würde: Operationen könnten nur mehr mit Unterstützung von Notstromaggregaten durchgeführt werden. Lebenserhaltende Maschinen würden das Gegenteil bewirken. Der öffentliche und der individualisierte Verkehr würden zum Erliegen kommen. Die Weltwirtschaft würde zusammenbrechen, weil das Schreien der Broker ohne Echo bliebe. Und weil der Mensch ja evolutionsbedingt immer einen Fussel Böses in sich trägt, würde Gewalt unbeschwert durch die Straßen ziehen können.

Lieber Strom!

Lass dich nicht von weißen Schneemassen, dicken Ästen und sonstigen Hindernissen zu Fall bringen. Wir halten deine Lei(s)tung hoch und versuchen, dir dein Leben so angenehm wie möglich zu machen.

Lieber Strom: lass mich nicht allein!