Net(t) effect

Über was soll man in diesen Tagen philosophieren, wenn die österreichische Nation teilweise noch im Songcontest-Sieger-Taumel rudert und vermehrt nach Wurst verlangt? Wenn das Plakat zum Life Ball mit einer nackten Eva, die über weibliche Silikon-Attribute verfügt und (!) über das beste Stück des Mannes, aufmerksamen Kinderblicken nicht entgeht und deren Eltern in den Erklärungsnotstand kommen? Dann bleiben nur die sogenannten Eis-Heiligen, die jedes Jahr zwischen 12. und 15. Mai jeden beschäftigen und die faktisch jeder kennt, sogar beim Namen. 2014, da wurden die Heiligen zu kleinen Teufelchen, denn die Kälte, die derzeit durch die Glieder fährt, wird nur noch durch böig ins Gesicht geworfene Regentropfen in Straußeneiergröße getoppt!

Ich stand jedenfalls heute Morgen vor der Qual: passe ich mich in dunklem Grau-Schwarz der Farbe der Wolken an oder begebe ich mich auf Regenwurm-Höhe und sehe die Welt in Grün, Braun – aber halt nass? Ich habe die Regenwurm-Perspektive gewählt: wärmendes Textil in erdig-blassem Braun, dazu aus besonderem Anlass Gummistiefel, Regenjacke (oh Schreck: der Lackstoff ist am Ärmel unwiderruflich aufgerissen!) und sogar einen wenig attraktiven Regenhut – für den kurzen Weg in die Arbeit: Wurst (schon wieder nichts Vegetarisches!) oder egal, noch dazu, wo heute jeder den Blick nach unten gerichtet hat, so, als ob in den Wasserpfützen der Reichtum schwimmen würde. Wo bleibt hier der Net(t) Effect? Wo bleibt das frühlings-/zauberhafte Lächeln in den Augen? Wo bleibt das kühne Pfeifen, wenn ein kurzes Röckchen die Hüften zum Schwingen und das Testosteron zum Glühen bringt? Plötzlich wimmelt es von Würmern, Maulwürfen, Mäusen und anderem Getier, dem das Sich-Verkriechen zur Natur geworden ist. Wo bleiben die stolzen Löwen, Giraffen und frechen Äffchen? Alles im Dunst der Regentropfen verschwunden.

Aber man soll nicht den Mut verlieren. Yvette, das Tief, das uns alle in den Boden zwingt, hat genug gewütet und wird uns demnächst verlassen – dann werden uns wieder Momente des Auf- und Erblühens erfreuen – und dann (!) erwarte ich mir von allen einen Nett-Effekt!

Verliert nicht den Mut und verzweifelt nicht! Und wenn alles nichts hilft: Kuscheln und Schokolade!