´ne Meise im Loft

Sonntag Morgen! Um 7 Uhr läuten wie immer die nahen Kirchenglocken ihr Lied. 3 Minuten später springt Bodo mit dem Aufruf: „Ein Vogel hier!“ aus dem Bett. Hat sich doch glatt eine kleine schüchterne, nun aufgeregte, Meise herein verirrt und sitzt verdattert auf den dünnen Ästen unseres Fikus Benjaminus. Bodo verfällt in einen kindlichen Lobgesang und ermuntert den kleinen Besucher, den Weg ins Freie zu suchen. Doch so klein die Meise, so klein auch anteilig das Hirn. Zwei Versuche, nach draußen zu fliegen, scheitern erbärmlich und enden mit leichtem Kopfbrummen – der laut hörbare Tutsch gegen Wände und Glasscheibe tut auch mir in den Ohren weh. Der Vogel zwitschert uns ein kleines Lied und scheint Gefallen an seinem neuen Baum zu haben – doch, kleiner Vogel, kannst du hier nicht bleiben, denn außer Staub auf den Ästen und Robert, unserer mikroskopisch kleinen Hausspinne der 6.Generation. fehlt es hier an weiteren Insekten. Wir können dir nur ein paar Brotkrumen anbieten, doch dein Leben spielt sich halt nicht in einem Mini-Loft ab, das dir riesig erscheinen muss, sondern in einer Welt mit anderen Piepmätzchen, Wolken am Himmel und Würmern in der Erde.

Ich lege Bodo nahe, den Vogel zu fangen und mit einem kleinen Schubs ins normale Vogelleben zu befördern – er will noch einen weiteren Fluchtversuch abwarten. Ich stehe dann doch auf und nähere mich mit unserer Tagesdecke dem Busch, was dem Kleinen gar nicht zu gefallen scheint – denn schwuppdiwupp hat er den Ausgang gefunden!

Adieu und einen schönen Sonntag noch!

(Bodo hat natürlich ein paar Beweisfotos geschossen …)

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Kehr-Seite eines Festivals

Große Entrüstung – gestern in der Früh, kurz nach 6 Uhr:

Meine Laufschritte ziehen mich – auf meiner letzten ausgiebigeren Jogging-Tour vor unserem gemächlichen Wandern, das am kommenden Donnerstag beginnt – Richtung Donaukanal, um hier eine weite Schleife vor dem Einkehrschwung in den Prater zu ziehen. Doch kaum nähere ich mich dem stillen Wasser inmitten der Stadt, weiten sich meine Augen vor Entsetzen, denn ich finde mich in einer gewaltigen Müllhalde wieder: 3 Tage Kanal-Treiben hieß es in den Ankündigungen. Das heißt übersetzt: viele Lokale, viel Musik, viele (junge und jung gebliebene) Menschen und viel Alkohol in Dosen und Flaschen. Aber was ich nicht verstehe: wie kann ich ein Festival planen, ohne dass ich genügend Müllgefäße bereit stelle? Die Promenadenwege sind mit den für einen urbanen Raum üblichen kleinen runden Abfallbehältern ausgestattet – neuerdings auch mit einem Ascher und dem Sacki-fürs-Gacki-Behälter. Aber diese hängenden zylindrischen Gefäße sind halt viel zu klein, um es mit endlos durstiger Kehlen aufnehmen zu können. Also häufen sich um und weit entfernt von den offiziell-städtischen Müllsammelstellen Aluminium-Dosen mit einem Resthauch von Bier. Scherben von zerbrochenen Flaschen säumen den Weg, sodass Jogger und Hunde Gefahr laufen / trippeln, sich ernsthaft zu verletzen.

Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes fassungslos und empört. Das einzig Gute daran ist, dass mein noch leicht verschlafener Laufstil ein bisschen mehr Impuls erfährt – je schneller ich von hier weg komme, umso besser.

Doch etwas dreht sich in meinem Kopf weiter – dieser Kreislauf ohne Anfang und Ende: wie soll die Jugend zu einem vernünftigen Abfall-Verständnis kommen, wenn die Erwachsenen keinen erzieherischen Input liefern? Vielleicht ist es ein Irrglaube, es als selbstverständlich anzusehen, dass Menschen, wenn sie die Mülltonne direkt vor ihre Augen hingesetzt bekommen, ihren Unrat auch dort hineinwerfen und nicht auf den Boden fallen lassen. Vielleicht ist unser soziales Verhalten aber auch schon so weit missraten, dass die Einstellung hoch gehalten wird: sollen sich doch die Müllmänner in ihren knallorangen Overalls darum kümmern – die werden ja auch dafür bezahlt!

Wie würden sich die Festival-Besucher fühlen, wenn diese Männer in Orange streiken würden und der zweite Tag des Festivals genau dort beginnt, wo der erste aufgehört hat, nämlich unter Dosen und Scherben? Ich denke, dann wäre der Aufruhr enorm und das Festival ein in allen Tagesblättern kritisierter Mega-Flopp!

Alle, die nachts das Event mit verdunkeltem, benebeltem Blick verlassen haben, sollten tags darauf, wenn der Geist wieder halbwegs klar ist und die Augen weit geöffnet sind, an den Ort des Geschehens kommen und sehen / erkennen, was sie angerichtet haben – am besten gleich mit Schaufel und Besen bewaffnet.

Manchmal muss der Mensch erschüttert werden, um zur Besinnung zu kommen! Eine weggeworfene Bierdose, eine einzelne weggeschnippte Zigarette allein fallen nicht auf – wird sich der eine oder andere denken -, aber in der Masse, da wird das Ganze bedrohlich, unheimlich, beklemmend, beängstigend, verwirrend, empörend.

Was muss sich nur ein Müllmann denken, wenn er hier zum Einsatz kommt? – Das wäre die Schlagzeile: Müllmann lauft Amok und zeigt dem Festival seine Kehr-Seite!