Sale ist nicht immer erfolgreich

Ich habe vor kurzem über meinen Sale-Rausch geschrieben – nun, ich bin wieder nüchtern bzw. kam die Ernüchterung, als ich die online-Bestellungen dann in Händen hielt:

# die sternverzierten Zehensandalen von Cavalli erwiesen sich als einfach haltlos-rutschig-flaches Sohlenwerk

# das locker fallende Kleid von Michael Kors hatte trotz farblicher Anlehnung an ein gesundes Korallenriff nicht den Schick, auch wenn es sich fabelhaft an meine Formen anpasste

# zu viel Pink ist leider nicht alltagstauglich und war im konkreten Fall too shorty, um als Kleid gelten zu können

# die Laufschuhe ließen kaum Platz für das Zehengewurrle an der Spitze und führten sogar im unbewegten Zustand zu einem Schweißausbruch

Meine Enttäuschung hält sich in Grenzen, habe ich meine endgültige Entscheidung doch durch mehrfaches Anprobieren und Posieren und die Akzeptanz meines impulsiven Bauchgefühls getroffen – und keine Angst: das eine und andere und noch ein weiteres schicke Stück haben die Probe bestanden: Willkommen das Shirt von Versace; Hello zum schon leicht herbstlichen saftig-roten Sack-Kleid von Armani und du natürlich auch, du weichfallendes No-Name Kleidchen mit dreiviertel-Arm und drei kräftigen Blockstreifen in Beige-Schwarz-knall-Blau, so luftig, dass es mich demnächst an einem mäßig warmen Sommertag begleiten darf.

Mensch 2.0

Wie stolz muss Mensch doch gewesen sein, als er entdeckte, dass er seine vier Gliedmaßen unterschiedlich einsetzen kann: die Arme & Hände zum Greifen, Streicheln, Schlagen / die Beine & Füße zum Gehen, Laufen, sich Fortbewegen. Die Hirnmasse wurde schwerer (auch bei der weiblichen Art!), die Ganglien, Synapsen, Neutronen komplexer miteinander verstrickt und vernetzt – der Mensch konnte mit einem Male vor- und nachdenken, entscheiden, grübeln, erfinden, reden, dichten, komponieren, lügen, und vieles mehr.

Ein Blick in die Runde im Jahr 2014 macht nachdenklich: was ist geblieben von diesem Geschenk und Erfahrungsschatz, der den Menschen an sich auszeichnet und von anderen Spezies abhebt? Da wird faul auf dem Sofa herumgeknotzt und der Zeigefinger wischt träge über das Smartphone / Tablet. Die Sprache reduziert sich auf sms-geschrumpfte Kürzeln und Floskeln. Wer muss noch nachdenken, wenn einem eine App jede Entscheidung abnimmt? Der einfache Schritt wird durch Scooter / Skateboard / Segway ersetzt, das in-die-Pedale-Treten durch einen Elektromotor erleichtert. Und trotzdem ist jeder überlastet, ausgepowert und lechzt nach Yoga, Wellness, Chillen.

Das Wunder ist eigentlich nur mehr bei den ganz Kleinen zu spüren: wie stolz sind Mama & Papa, wenn ihr Sprössling den ersten Schritt macht – egal, ob Babyprince George oder das kleine Mäderl von nebenan -, wenn die ersten Worte halbwegs verständlich den kleinen Mund verlassen, wenn das Patschhandi den Löffel selbst hält und den Brei ohne Verlust zum offenen Schnabel führt, wenn die Neugierde auch schon mal eine Beule verursacht.

Mir geht es nicht darum, dass jeder jetzt auf der Stelle sich auf Wanderschaft begibt, sein I-Phone im Stadtpark vergräbt, und schwere Bücher wälzt. Es ist dem Grunde nach schon ok, dass ein Großteil der Bevölkerung auf dieser einzigen Erde sich diesen Luxus der Bequemlichkeit leisten kann – aber vergesst nicht, welche Qualitäten in Euch stecken – körperliche und geistige. Nutzt Eure bunten Gehirnzellen, zeigt Phantasie, bleibt neugierig, zupft zwischendurch mal mit der Hand das Unkraut aus, geht barfuß über eine Wiese …. – BEGREIFT das Leben, weil das ist und bleibt immer 1.0!