Das große Fressen

In einer Tageszeitung stand heute: 5 Millionen Österreicher*innen trotz Ausgehbeschränkungen wieder unterwegs. – Wir beide waren Teil davon, haben uns aber – wie immer – Wege ausgesucht, die kaum von anderen Menschen gesucht / gefunden / begangen werden. Verlässt man die Großstadt und fährt hinaus „aufs Land“, wie zB nach Grillenberg – das ist wo? (gleich nach der Ortschaft Berndorf, berühmt für die Besteck-Manufaktur) -, tut man sich leicht, einen einsamen Wanderweg zu finden. Aber in und um Wien herum? Das ist ein Ding der Unmöglichkeit! Wir dachten ziemlich naiv, dass an einem brillanten Sonntag eh kein Mensch den beschwerlichen Stufenweg hinauf zum Leopoldsberg stapfen wird wollen – weit gefehlt: Menschenmassen tummelten sich da am Ausgangspunkt! Blieb nur eines: Weiterfahren! Bodo nahm die kurvenreiche Höhenstraße extrem sportlich, ein anderer Smart hinter uns als Herausforderer– ich extrem verkrampft am Beifahrersitz – the fast and the furious?

Am Kahlenberg war´s ähnlich dicht – der Imbisskiosk machte nach der langen Durststrecke wohl das Geschäft seines Lebens, in der kleinen Kirche herrschte MNS-Pflicht. Anfangs folgten wir gezwungenermaßen noch der Karawane, die diverse weitere Ausflugsziele anstrebte. Bei der erst besten Gelegenheit bogen wir aber rechts ab, hinein in den schattig-kühlen Wald und bald auf einem neu angelegten, vollgeschotterten Serpentinenweg. Ein paar Mountainbiker, wenige Geher – nur wir und das Vogelgezwitscher. Ungewiss, wohin dieser Weg aber führen mag. An einer Wegkreuzung wählten wir instinktiv den linken Abzweiger; ein Stück wieder bergauf, dann eine Wiese – mehr Menschen als Grashalme! Von Abstand halten keine Rede mehr – Fröhlichkeit, Ausgelassenheit – Corona findet uns hier nicht!

Zeit fürs Heimfahren, um noch ein paar ruhige Sonnen-Momente auf der blütenstaubigen Terrasse zu verbringen!

Heute Morgen beim Frühlauf in der Stadt – und repräsentativ im Augarten – dann ein Bild der Verwüstung: überquellende Müllgefäße, einfach fallengelassener Müll – und mittendrin jubilierende Krähen und Tauben, die nach den langen Wochen, in denen die Parkanlagen geschlossen bleiben mussten und sich wenig Volk auf den Straßen herumtrieb, mit einem Festmahl der Sondergüte verwöhnt wurden! – Wahrlich: das große Fressen bot sich mir da!

Sofort stellt sich aber eine Gleichung auf: Mensch ist gleich Müll! Und ich stelle die Frage: Steigt der Anfall von Müll linear mit der Menschheit an oder gar exponentiell? Ja, auch ich produziere einiges an Müll – oft mit schlechtem Gewissen, meistens mit dem Versuch, der sortenreinen Trennung. Aber so, wie Lärm, den man „sieht“, lauter erscheint als Lärm, der „unsichtbar“ bleibt, macht sichtbarer Müll auf den Straßen deutlich zorniger als der unsichtbare – von mir kontrollierte – Müll im hauseigenen Abfalleimer.

Ich gönne den Krähen und Tauben ihren Schmaus, auch wenn sie in diesem Zusammenhang viel dazu beitragen, dass Servietten, Pizzakartons etc. verstreut herumliegen. Aber es wäre schön, wenn jeder Mensch, der laut Evolution mehr Grips hat als eine Taube, etwas mehr Umsicht und Achtsamkeit an den Tag legen würde, wenn es um Abfall geht – und das inkludiert auch die MNS-Masken, die neuerdings die Gehsteige zieren. – Leute: diese unbequemen Dinger können mehrfach verwendet werden!