Benimm-Regeln 2020

Wem von uns wurde als Kind nicht eingetrichert, dass man beim Grüßen (vor allem von Erwachsenen) die Hand geben muss – und tue das ja nur mit der rechten Hand! Welches Kind hatte großen Spaß daran, „artig“ zu sein?

Aber wie bei allem, was man in jungen Jahren erlernt, indem man es immer und immer wieder tut / tun muss, stellt sich ein Automatismus ein, sodass das Aufeinandertreffen mit anderen Personen Hand-in-Hand geht mit dem Hand-nach-vor-Strecken.

Kumpels (gute Freunde) entwickeln oft ein Begrüßungszeremoniell, angelehnt an amerikanische Gangs, bestehend aus Faust, Abklatschen und ähnlichen „Figuren“ – aber eben auch alles mit direktem Körperkontakt.

Von innigen Umarmungen mag ich hier gar nicht reden!

Doch dann kam dieser kleine Virus angeflogen – und alles änderte sich: Nicht nur, dass man seine eigenen Hände nun ständig gründlich waschen soll (was zu extrem trockener Haut führt :-(), ist es jetzt absolut VERBOTEN, einem anderen Menschen zum Zeichen der Höflichkeit, des Respekts, der Freude ob des Wiedersehens oder der Versöhnung die Hand zu reichen. So, wie uns die Asiaten mit dem Tragen eines MNS einen mächtigen Schritt voraus waren, sind sie´s auch, was das Begrüßungszeremoniell betrifft: genügend Abstand zueinander, damit beim Verbeugen die Köpfe nicht aneinandertutschen. Nicht der Baby-Elefanten-Meter ist das Maß, sondern der entsprechende Abstand zur Vermeidung einer Beule auf der Stirn!

Ganz ohne Etikette kommen wir aber nicht aus!

Sich einfach nur anzulächeln fällt mittlerweile aus, weil die nach oben gezogene Lippenform durch den MNS abgedeckt wird. Oft reicht der MNS auch hinauf bis knapp unter die Augen, sodass auch hier schwer ablesbar ist, ob es sich beim Gegenüber um Freund oder Feind handelt.

Bleiben wohl wieder nur die Hände – die Handflächen nunmehr aber aneinandergepresst und dicht beim eigenen Körper – ob als Gebets-, Namaste-Haltung oder Anjali-(Herz-)Mudra interpretiert, sei jedem dahingestellt. Bislang nur beim Beten oder Yoga-Praktizieren „benutzt“, könnte ich mir schon vorstellen, diese Geste in meinen persönlichen Etikettenschatz aufzunehmen.

Was auch geht, ist ein Gruß mit leicht erhobenem – und wohl gemerkt: abgewinkeltem (!) – Arm und einer offenen Handfläche –als Zeichen für: ich bin ein Freund, bin waffenlos und dir wohlgesonnen!

Ja: nicht nur die Kinder unter uns, sondern auch wir Erwachsenen müssen jetzt umdenken und neu erlernen, wie wir unserem Nächsten entgegentreten – und die Benimmbücher müssen umgeschrieben werden.

MNS – wie trägt man dich, wenn man dich nicht trägt?

Mund-Nasen-Schutz oder einfach kurz „MNS“ – der neue Fashion-Trend für´s Frühjahr / Sommer 2020 … oder gar länger? Oder wohl eher eine lästige Plage, die einen schwindeln lässt und jedes Gesicht auf die Augenpartie beschränkt?

Ein Accessoire, das bislang vorwiegend dem medizinischen und labortechnischen Bereich vorbehalten war, schmückt nun auf Österreichs Straßen jeden, der dem Kindergartenalter entwachsen ist. Der schmucklosen Zellstoffmaske im sterilen OP-Himmelblau bald überdrüssig geworden und in vielen Fällen auch aus Langeweile in der Fadesse der Corontäne wurden in den Haushalten blitzschnell alte Hemden oder sonstige Textilien aussortiert, wurde mittels Anleitungen aus dem Internet und sonstigen Medien mit mehr oder weniger Geschick zu Schere, Nadel und Faden gegriffen, um dem eigenen MNS einen persönlichen / individuellen Touch zu geben. Auch der Handel hat aus der Not eine gewinnbringende Tugend gemacht und schnell darauf reagiert: Ein Drogeriemarkt appelliert ans schlechte Gewissen und bittet um Unterstützung heimischer Schneidereibetriebe. In meiner Heimatstadt „erdreistet“ sich ein Bekleidungsgeschäft, spezialisiert auf Kilts und Schottenröcke, eine Mund-Nasen-Maske im Style Kärnten Karo um satte EUR 15 anzubieten – aufgrund der großen Nachfrage bis zu 10 Tagen Lieferzeit! Zugegeben: fesch ist sie ja, diese Maske im dunklen Karo – und vielleicht erlangt sie noch Kultstatus, aber zu Ende gedacht hat das Schneiderlein offensichtlich nicht: Gibt es keine ansprechendere Lösung als diesen hässlich-schmucklosen 5 mm breiten Gummi?

Das führt mich zum eigentlichen Thema: wie trägt man eigentlich den MNS, wenn man ihn gerade nicht als Mund-Nasen-Schutz verwenden muss (also nicht im Supermarkt einkauft oder in der Straßenbahn sitzt), aber für spontane Einfälle griffbereit haben möchte?
Das Bild, das sich derzeit am häufigsten zeigt, ist der MNS als „Doppelkinn-Caché“, will heißen, dass der MNS, egal, ob aus Zellstoff, alter Baumwolle oder modernem Karo, von Mund und Nase einfach übers Kinn gezogen wird – die Schönheitschirurgen sollten sich schon jetzt darauf konzentrieren, neue Methoden zu entwickeln, um abstehende Ohrmuscheln wieder dichter an den Schädel andocken zu können!
Manche lassen den MNS auch an einem Ohr herunterbaumeln oder im Auto an der Mittelspiegelhalterung – dort, wo sonst das Anti-Rauchgestank-Duftbäumchen hängt.
Einige lassen den MNS auch permanent oben, sogar dann, wenn sie morgens mutterseelenallein mit dem Hund spazieren gehen – das sind meiner Meinung nach überdeutlich masochistische Anzeichen, denn wer, bitte!?!?, trägt dieses Ding freiwillig und atmet permanent seine eigene ausgeatmete Luft wieder ein? Ich habe schon nach wenigen Minuten des Tragens das Gefühl, dass mein Gehirn zu wenig Sauerstoff bekommt!
Einen Einzelfall, aber mal was Neues, habe ich gestern gesehen: ein Autofahrer hatte seinen MNS über seine Glatze gezogen. Wie sich das mit den Ohren ausging, konnte ich leider nicht erkennen … da machte mir die Grünphase an der Kreuzung einen Strich durch die Rechnung. Bei Kahlköpfen sicher ok und auch ein Schutz gegen Sonnenbrand – bei Haaren aber nicht empfehlenswert!
Ich selbst verwahre meinen MNS in einem kleinen Plastik-Sackerl, damit er nach dem Kurzgebrauch sauber in der Handtasche verwahrt werden kann. Dafür bieten sich an: Jausensackerln oder die durchsichtigen Travel-Beutel, die man (früher) verwendet (hat), wenn man im Handgepäck (flüssige) Hygieneartikel mit sich führt(e). Ich habe Bodo´s und meinen Schutzbeutel zudem beschriftet, damit hier nichts durcheinander gerät!
Was ich mir noch vorstellen könnte, wäre ein Karabiner am Handtaschengurt: da wäre der MNS sicher und könnte zwischendurch auch trocknen und / oder auslüften. Allerdings ist diese Methode dann doch nicht so hygienisch und was, wenn der Gummi reißt?

Man sieht: ein kleines Stück Stoff, rechteckig, manchmal gebogen, manchmal in dehnbare Falten gelegt, an den Schmalseiten zwei elastische „Bügel“ oder Bänder, wird zum Gesprächsstoff, zum Diskussionspunkt, zum „Buh-Accessoire“, macht kreativ oder einfach nur … wahnsinnig!