Freitag Nachmittag. Es beginnt gerade zu regnen, als wir uns aufmachen, um einer Weinverkostung im kleinen Rahmen beizuwohnen. Die Rotweine kommen aus dem Südburgenland. Die Risottokostproben werden in einer kleinen Küche zubereitet. Der Senf aus Ribisel und Ingwer begeistert jeden. Der Ort des exklusiven Geschehens: eine kleine Boutique im 3. Bezirk, genannt Samt und Sonders, mit exquisiten und delikaten Dingen, die vor allem Frauenherzen erwärmen. Mein Interesse an Wein und Risotto lässt bald nach, schweifen meine Augen doch in den Schau- und Verkaufsraum nebenan, wo es neben mehr oder weniger kitschigen Dingen aus Porzellan auch ausgesuchte Kleidungsstücke gibt. Ich habe mir hier im letzten Sommer ein T-Shirt gekauft, weil es sein musste – oder sollte ich einem Mops namens Lucy widerstehen können? Jetzt werde ich von zwei Kleidern magisch angezogen: das eine elegant, schlank, ohne Ärmel, vorne mit Schlangen-Fake, hinten mit langem Reißverschluss; das andere sportlicher mit bunter Grafik vorne – auch ein Papagei ist dabei und mischt die herbstlichen Töne auf -, hinten einfach grauer Sweatshirtstoff, die Ärmel schwarz aus dünnem Stoff unbestimmter Materialzusammensetzung. Ich schlüpfe rasch rein – und es kommt, wie es kommen muss: beide Kleider passen wie angegossen! Ich ernte das eine oder andere neidische Auge, als ich mich vor dem Spiegel drehe.
Ich war noch nicht sehr oft auf einer Weinverkostung, aber das war mitnichten diejenige, die mir zurecht einen leichten Schwips verpasst hat.
Als wir wieder heimgehen, regnet es noch immer. Bodo trägt seine Errungenschaft in Flaschenform, ich die meine mit Vorfreude, denn eines ist gewiss: ich hab sicher länger Spass an meiner Beute als Bodo am Rebensaft!