Fastenzeit Spezial

Das neue Jahr ist noch keine 90 Tage alt und schon steht alles Kopf! Nur dass es sich nicht um einen erfrischenden Kopfstand handelt, sondern um ein schwindelerregendes Gefühl, als würde man in einem Karussell sitzen, das außer Rand und Band geraten ist.

… Ich mag keine wild kreisenden Karussells, die meinen Magen bis zum Gaumen hinauf katapultieren!

Wer oder was ist schuld?

Wer oder was maßt es sich an, die Spezies Mensch auf so brutale Weise zu provozieren?

Handelt es sich um ein blödes Hoppala mit weitreichender Wirkung oder hat hier jemand bewusst ein unsichtbares Monster freigesetzt?

Und wer hat diesem Virus den eigentlich recht lieblichen Namen Corona [lat. die Krone] verliehen?

Wird uns da etwas verheimlicht? Oder warum geraten alle so in Panik, obwohl eigentlich – bezogen auf die gesamte Menschheit – „nur“ ein minimaler Bruchteil massiv betroffen ist?

Warum werden Menschen, die an Influenza erkranken und sterben, warum werden Menschen, die am Hunger leiden und sterben, warum werden Menschen, die auf der Flucht sind und im Meer oder an einer abweisenden Grenze sterben, von einem mikroskopisch winzigen und fürs freie Auge unsichtbaren Virus aus den Schlagzeiten vertrieben?

Warum werden aus Angst die Supermärkte geradezu überfallen?

Und warum wird vor allem Klopapier gehamstert?

Vieles ist nicht zu verstehen und schon gar nicht zu begreifen!

Als das ganze Schlamassel in China begann, erinnerte man sich noch vage an den damaligen Ausbruch von SARS, der den Mundschutz zum panikhemmenden Accessoire avancieren ließ. Nur: SARS „gehörte“ primär den Asiaten, nicht den Europäern, nicht den Amerikanern.

Jetzt ist es anders: der Segen der Globalisierung wird mit einem Schlag zum Fluch, der sich über die gesamte Welt legt. Covid-19 betrifft jetzt UNS und nicht mehr nur „die anderen“! Wir sind entsetzt über das, was in der Lombardei begonnen hat und konnten doch die heranrollende Lawine nicht aufhalten.

Europa ist großteils (noch) eine Union, aber nun bleibt nichts anderes mehr übrig, als die Grenzen dicht zu machen. Jeder Staat, jede Nation muss nun schauen, mit der so beklemmenden Situation alleine zurecht zu kommen. Unsere neue Regierung zeigt – erstmals!? – gemeinsam mit der Opposition Einigkeit zur Schau, und alle ziehen gemeinsam am gleichen Ende des Stricks – liegt tatsächlich in jedem Übel auch ein Körnchen Gutes? Eine gewaltige Bewährungsprobe – hübsch garniert mit einem Überzug aus beschwichtigender Härte. Viele Menschen bangen um ihren Job. Presse, Radio und Berichterstattung im Fernsehen und Internet erleben ein Revival unermesslichen Ausmaßes. Aber ja, es ist einfach wichtig, jeden von uns medial zu erreichen, denn es kommt jetzt auf jeden einzelnen von uns an!

Aber für jeden einzelnen ist es unangenehm, befremdlich, verstörend, nervenaufreibend, hart – Isolation ist angesagt. Die persönliche Bewegungsfreiheit wird stark eingeschränkt. Man ist auf sich allein gestellt bzw. muss mit den Menschen, mit denen man im gemeinsamen Haushalt lebt, auskommen – dauernd, von Früh bis Abend. Und ich glaube, DAS ist für viele von uns die Belastungsprobe schlechthin – wie auf einem Pilgerweg, den man wochenlang gemeinsam geht. Klar, man liebt die Menschen, mit denen man Bett, Tisch, Bad und WC teilt, aber doch nicht den ganzen Tag! Wo bleibt die Privatsphäre? Wo die Momente, wo man einfach mal in Ruhe gelassen wird?

Und auf der anderen Seite die – mehr als zahlreich – vorwiegend älteren Mitmenschen – die sogenannten „schutzbedürftigen Risikopersonen“, die eigentlich gerne ein wenig Unruhe in ihren vier Wänden hätten, jetzt aber isoliert bleiben müssen. Von einzelnen Schicksalsschlägen, von denen wir in den Medien erfahren, ganz zu schweigen …

Für die Mehrheit aber zum Nachdenken: Dürfen wir in irgendeiner Form aufgebracht, wütend, undankbar sein? Da strampeln sich Menschen ab, die dafür sorgen, dass die Regale in den Supermärkten nicht leer sind. Da arbeiten Menschen pausenlos in den Krankenhäusern – und werden leider selbst zu Opfern. Post und Zeitung werden weiterhin zugestellt. Unser Müll wird abgeholt. Wir haben Radio, Fernsehen, Internet. Telefon – sind daher nach wie vor mit der Außenwelt verbunden.
… und zum Glück haben wir gutes Leitungswasser!

Sehen wir doch diese so spezielle Zeit zum Innehalten, zum Entschleunigen, zur Wiederentdeckung zwischenmenschlicher Grundpfeiler, wie Empathie, Solidarität, Verständnis, Geduld – einfach: (Nächsten-)Liebe.

So wird diese so spezielle Zeit zu einer „Fastenzeit“ für alle Konfessionen oder Nicht-Konfessionen. Wir sitzen alle im gleichen Boot, im gleichen Schlamassel und werden von einer Flut von Emotionen überrollt.

Ja, es ist langweilig den ganzen Tag daheim! Homeoffice hin oder her, aber wenn ein Großteil meiner Arbeit aus der Teilnahme an Planungs- und Baubesprechungen besteht, die jetzt alle nicht stattfinden, wenn meine Ordnerablage sowieso perfekt ist und mein Outlook-Postfach aufgeräumt, dann wird es schon ein wenig „zach“ [zäh], einen produktiven Arbeitstag zu verzeichnen. Die Fitnessclubs haben natürlich auch alle geschlossen – also nichts mit Animation, Motivation und gesundem Schweiß.

Disziplin ist weiterhin angesagt: ich stehe weiterhin um 5:00 Uhr auf, gehe laufen (das ist zum Glück nicht verboten), daheim dann ein paar Stretch-Übungen, die Zeit im Bad, die Zeit vor dem Kleiderschrank – denn auch im homeoffice will ich „ordentlich“ angezogen sein – ab 8:00 Uhr vor dem Bildschirm: mal schauen, das eine / andere Mail kommt dann doch rein bzw. werden wir im Team heute mal eine interne Telefonkonferenz versuchen – die App ist schon heruntergeladen. Tapfer widerstehe ich dem verlockenden Angebot an den in weiser Voraussicht gekauften Knabbereien (ungesalzene Nüsse, Müsliriegel!), damit ich nach dieser Ausnahmesituation nicht mit einem Mehr an Kilos zu kämpfen habe. Gestern habe ich in der „Mittagspause“ die Terrasse geschrubbt und die Fenster geputzt, war danach wieder motiviert, mir eine sinnvolle Arbeit zu suchen“. Abends habe ich dann noch Yoga praktiziert – Bodo hat mir mein Stoffschaf als „Ersatzschüler“ hingesetzt -, bis es dann endlich (!) Zeit war, Abendessen herzurichten – Bärlauchsuppe aus am Sonntag selbstgezupften Blättern, die den Waldboden übersät hatten. Heute werde ich mich unter Umständen und zu gegebener Zeit dem Kleiderschrank widmen – auch hier könnte ein Frühjahrsputz nicht ganz falsch sein. – In der auferlegten Isolation erstrahlt die Wohnung in neuem Glanz!

Mein Tipp: macht Euch einen Plan, was Ihr daheim tun könntet – und tut es dann auch! Dann kommt auch keine Langeweile auf.

Und vor allem, Ihr alle da draußen – drinnen in Euren Wohnungen:

Verliert nicht den Mut, die Hoffnung, die Zuversicht und schon gar nicht Euren Humor!

Der Lückenschluss

Ein Adventskalender hat 24 Türchen, Sackerln, Geschenke, Ideen, Anregungen, Schokolade, …

Und mittendrin gibt es – beinahe schon in alter Tradition – das unfassbare, wunderbare, einzigartige, originelle, humorvolle, gedankenreiche, höchst interessante, mit Wort und Bild liebevoll verarbeitete, – oder einfach nur:

Unser 13. Pilger-Wander-Fußmarsch-Lachen-Weinen-Schmerzen-Freude-TAGEBUCH ist da!

http://www.brinkmann.at/2019-unser-lueckenschluss.pdf

Aus zweiter Hand

Es gibt die Erste Hilfe, die Dritte Welt, die 4 Kerzen auf dem Adventkranz – und den 2nd Hand Shop.

Erste Hilfe beginnt damit, dass man nicht weg sieht, wenn etwas passiert ist, dass man tröstet, die Rettungskräfte anruft und unter Umständen sogar eine Herzdruckmassage macht.

Die Dritte Welt verursacht permanent schlechtes Gewissen, aber auch Skepsis, weil: Weiß man, ob die Spenden auch dort ankommen, wofür sie gedacht waren?

Die 4 Kerzen sollen Licht in die dunkle Jahreszeit bringen, vor Augen führen, dass die Zeit auch langsam vergehen kann – im Trend daher auch das Selbst-Kranz-Binden und -Schmücken zur Einstimmung. Zwei Freundinnen von mir sind da bereits voll im Trend – ich bekenne mich weiterhin zu einer „anderen“ Adventdekoration – nur: 4 Kerzen müssen natürlich sein.

Bei Ware aus zweiter Hand hatte ich bislang etwas gemischte Gefühle: ge- und verbrauchte Kleidungsstücke, die in einen Container gestopft werden, sind für mich „aus den Augen – aus dem Sinn“ – hier kommt das rein, was zwar noch irgendwie und einigermaßen gebrauchsfähig ist, aber nichts, mit dem ich auf einer Kleidertauschparty aufwarten würde wollen.

Die ehemaligen Swap Parties waren zwar gut gemeint, aber die Qualität der Ware … containerverdächtig – mit dem Unterschied, dass sich jeder erhofft, im Gegenzug für seine zerschlissene Kleidung ein Glamourstückerl zu ergattern.

Da waren die beiden Menschenanziehen-Zusammenkünfte im kleinen Kreis eine echte Wohltat, gepaart mit netten Kontakten und Spaß!

Blieb mir noch – vor dem Sturm auf Boutiquen in der City oder dem umstrittenen Online-Shoppen – der Besuch eines 2nd Hand Shops.

Per Zufall – bzw. weil mich Bodo darauf aufmerksam gemacht hatte – bin ich auf einen solchen Laden im 5.Bezirk gestoßen – 2nd Hand Rose. Pro Quartal kann man hier selbst, ähnlich wie auf dem Flohmarkt, Kleidungsstücke verkaufen – allerdings ist der Unkostenbeitrag nicht ganz ohne. Und hin und wieder gibt es am Freitag und Samstag längere Öffnungszeiten. Meine Neugierde war geweckt, und nachdem der Armbalance-Workshop, an dem ich vor kurzem an einem Samstag teilnahm, ganz in der Nähe war, bin ich nach einer schnellen Dusche und noch feuchten Haaren zur Rose gedüst.

Der Shop in einer wenig belebten Straße, eingebettet in Gemeindebauten, der Eingang eine schmale Tür, die Auslage minimalistisch.

Und doch, mit dem Betreten wurde ich von einer wohligen Atmosphäre empfangen: gedämpfte Beleuchtung, leise Hintergrundmusik, die Shopbetreiberin (?) zwar schon etwas ermattet, aber im zweiten Raum gute Laune bei den vielleicht 5 interessierten Damen.

Die Kleidung akribisch nach Farbton sortiert, zwei schmale Spiegel, keine Umkleidegarderobe.

Mir wurde heiß bzw. war mir nach dem Handstand-Üben doch noch ziemlich warm; also Yogamatte, Jacke, Schal und Handtasche in einem Eck deponiert – immer mit einem Blick darauf, auch wenn kaum anzunehmen war, dass sich hier Langfinger hätten reinschleichen können -, und los ging`s! Zuerst wurde ich – vorübergehend – bei Farbe Braun fündig: ein langer, schmaler Schlauchrock und eine Jerseyjacke – der Blick auf das Preisetikett hat mich verblüfft: jedes Teil unter EUR 20,- … die Qualität 1A! Anprobieren ohne Umkleidekabine? Da nur Frauen anwesend waren, konnte ich mich guten Gewissens „obenrum“ auch nur im BH bewegen, „unten“ behielt ich aber meine Jeans an – der Rock war zum Glück aus Stretch.

Ja? Nein? Vielleicht?

Die beiden Teile kurz mal sicherstellen, aber doch lieber noch weiterschauen. Vielleicht verstecken sich ja irgendwo noch ein paar Gustostückerln, die mir auf den Leib geschneidert sind?! Ein zerfetztes Lederkleid vielleicht? Sah cool aus, aber wo ziehe ich´s praktischerweise an? Als Krampus verkleidet vielleicht?

Die Vernunft siegte: leider nein!

Ich war eigentlich schon fast am Gehen, als ich dann noch per Zufall auf einen Strichmantel von Transit stieß, in einem dunklen, matten Grünton. Und dann tat sich mit einem Mal der Vorhang auf: Binnen weniger Minuten hatte ich ein ganzes Ensemble zusammen! Alles für sich allein zwar Standing-alone-Teile, aber aufgrund von Farbschattierungen und Details wie füreinander gemacht: ein Wickelrock, knielang, in Schwarz, mit Patschwork-Elementen, ein langärmeliges Shirt in Schlammgrün mit lockerem Kragen und zwei unterschiedlichen Bündchen (teilweise aus Strick), ein Gilet mit Stehkragen in Grau-Grün und dazu der Strickmantel –

Yes! Thats´s quite for me!

Eins, zwei, drei, vier schöne Teile und mit Nr. 5 noch eine legere Styling-Jacke aus dünnem Baumwollstoff dazu – gut, dass ich da eine Recyclingtasche mit dabei hatte. Fünf Kleidungsstücke aus zweiter Hand und doch wie neu – zu einem echt fairen Preis!

Da muss ich wieder hin!

Der Brunnen des Schweigens wird wieder geflutet

Das war jetzt aber eine gewaltig lange Schweigeminute! Wieder einmal, aber ab & dann versiegt halt der Brunnen der Mitteilsamkeit, um dann zu gegebener Zeit wieder geflutet zu werden. – Ich glaube, es ist jetzt soweit!

Es ist, wie es ist: Dieser Sommer war einfach zu heiß, um dann auch noch mit Worten feurige Hitze zu entfachen!

Nach einem harmonischen und begeisternden Jakobsweg im Juni – das Reisetagebuch dazu ist gerade im Entstehungsprozess – waren die anschließenden Monate mit dem täglichen Allerlei-Mix aus Arbeit und Sport gefüllt.

Was quasi neu ist, ist meine Morgenroutine, die ich nunmehr bereits um 05:00 Uhr früh beginne und nicht erst 15 Minuten später. Was sind schon 15 Minuten? Ganz schön viel, wenn sich der innere Schweinehund heftigst dagegen auflehnt und versucht, das „Ich-wach-jetzt-fröhlich-auf-Ich“ niederzuhalten? Diese Umprogrammierung hat zugegebenermaßen doch etwas länger als angenommen gedauert und war nur wegen dem frühen Tagesanbruch möglich. Und: die Von-selbst-Aufwachkurve zeigt von Montag bis Freitag eine absolute Hinunterkurve an. Doch das Gute daran ist, dass ich dadurch 15 Minuten „dazugewinne“, die ich dann nach dem Morgensport und bis ich zur Arbeit gehe, herrlich vertrödeln kann!

Der Montag gehört dem Laufen, sofern es beim Aufwachen nicht in Strömen regnet.

Dienstags ist eher Yoga dran, mal daheim, mal im Studio oder doch eher laufen?

Mittwochs kommt dann das dran, was dienstags zurückstecken musste.

Am Donnerstag halte ich meine Indoor-Cycling-Stunde ab, die zwar erst um 07:00 Uhr beginnt, aber ich trotzdem um 06:00 Uhr von daheim weg, zu Fuß eine knappe halbe Stunde und radle mich dann schon mal ein. Beim schlafenden Bodo verabschiede ich mich mit den Worten: „Ich geh jetzt mal spinnen!“

Freitags ziehe ich lieber meine Laufschuhe an. Im Sommer habe ich mich aber mit ein paar wenigen Freundinnen im Park getroffen, um dem Morgen mit Yoga zu begrüßen. Zuerst entsetzt über den Beginn um 06:30 Uhr, war es dann aber auch für sie ein Genuss – und es waren ein paar sehr schöne Momente dabei!

Und am Wochenende? Da ist der Wecker ausgeschalten!

Meine Laufschuhe von Salomon lösen sich schön langsam auf. Anders als bei Asics oder Saucony ist es dieses Mal aber nicht der Ferseninnteil des Schuhs oder die Zehenkappe, die aufreißen und löchrig werden, sondern der Schuh wird an der Innenkante des Fußes kaputt. Ich gebe dem Schuh und mir noch bis Ende des Jahres eine Gnadenfrist, dann wird es Zeit für den Schuh-Friedhof!

Mein Yogaplatz daheim ist vielleicht etwas eigen, denn, um Bodo nicht aufzuwecken, schwebe ich sozusagen zwischen Vorraum und Küche und starre auf die weiße Schrankwand, die auch schon mal als Hilfe beim Handstand herhalten muss. Allerdings nehme ich es daheim mit der Ashtanga-Tradition, also der klassischen und strikten Abfolge, nicht so genau und bin bei weitem nicht so diszipliniert als in der Yogawerkstatt. Manchmal reicht es auch nur für ein paar träge Sonnengrüße, einen Kopfstand und dafür einem längeren Shavasana. Allerdings bin ich danach so gar nicht ausgeglichen, wenn mein morgendlicher Bewegungsdrang zu kurz gekommen ist. Ganz schlimm, wenn ich dann fast den ganzen Tag in Besprechungen sitze …

Besser ist es natürlich in der Yogawerkstatt, wo ich im Mysore zwar für mich alleine praktiziere, aber allein durch die Anwesenheit von Lehrern und anderen Yogis arbeite ich brav die Asana-Reihenfolge ab, soweit ich sie halt kann. Ich stocke seit längerem im ersten Drittel der zweiten Serie – und glaube nicht, dass ich da noch allzu weit fortschreiten werde, denn ein paar der Übungen sind mit meiner Anatomie nicht kompatibel!

Im Oktober habe ich mir vier Tage im Gasteinertal gegönnt, wo seit ein paar Jahren im Frühling wie im Herbst ein umfangreiches, aber trotzdem lockeres Yogaprogramm angeboten wird. Meine Erwartungshaltung wurde zwar nicht ganz erfüllt, weil ich von Namaste am See ausgegangen bin – das Programm am Wörthersee war viel dichter (2 Einheiten vormittags, 2 Einheiten nachmittags) und aufgrund der Internationalität der Lehrer/-innen auch spannender; in Gastein ging es beschaulicher zu: morgens und nachmittags war jeweils nur eine Einheit möglich, weil die Stunden gleichzeitig, aber verteilt auf mehrere Hotels und zwei Orte angeboten wurden – und nachdem ich keinen Klon habe, musste ich mich für eine Yogaklasse entscheiden, was nicht so einfach war und viel an Vorarbeit abverlangt hat – Stundenplan erstellen, reihen, entscheiden. Dazwischen gab es die Möglichkeit für zumindest eine Outdoor-Sache, wie zum Beispiel Yoga auf der Alm. Und spät abends habe ich eine Yoga-Nidra-Einheit besucht: eine geführte Tiefenentspannung in den Tiefen des Hotel-Spas. Das Wetter war zum Glück super, und als Bodo dann am Samstag nachkam, sind wir auch noch ein bisschen gewandert. Alles in allem schöne vier Tage — auf mein Feedback hat der Touristenverband allerdings noch nicht geantwortet …

Abseits von Bewegung, Atmung und Entspannung hatte ich den einen oder anderen und mit Sicherheit einen zusätzlichen Rappel, denn meine Herbst-/Wintergarderobe wurde um einige Neuheiten aufgestockt! Das geht von einer luftigen Hose im Leoprint über Sweater in Petrol und Blau bis hin zu einem gestreiften Hemdblusenkleid mit Wickeloptionen, und nicht zu vergessen die Sweat-Culotte in Lila.

Im Schuhschrank tummeln sich nunmehr neue sneaker-artige Phänomene bis hin zu knallweißen Combat-Boots … Ich weiß, ich bin verrückt, aber ich liebe auffälliges Schuhwerk – nur schade, dass die meistens versteckt unterm Schreibtisch bleiben. Ich muss einfach öfters im Bürogebäude spazieren gehen und nicht nur mittags beim Buffet ein belegtes Weckerl holen! Ich finde es aber immer wieder sensationell, wie auch die neuen Teile Platz im Schuh- bzw. Kleiderschrank finden!

Ach ja, das Wichtigste, was meine Person betrifft: Ich habe in der Schweiz meine Schäfchenlocken nach einer Haarwäsche mit einem Duschgel verloren! Anfangs habe ich dem nicht allzu viel Bedeutung zugemessen, weil wir noch mit dem Rucksack unterwegs waren. Als dann aber auch daheim nach diversen Haarkuren und einem Friseurtermin keine Besserung eingetreten ist, wurde es mir angst und bang! Sind die Hormone schuld? Auch meine Friseurin war ziemlich ratlos, meinte sie doch, dass die Haare an sich gesund wären. Resignation pur und knapp am Tränenvergießen. Ich habe dann wohl aus einer unbewussten Intuition heraus damit aufgehört, meine Haarspitzen mit einem Haaröl zu bearbeiten oder ölhaltige Kuren anzuwenden – und siehe da: so schön langsam kringeln sie sich wieder ein, die Haare!

Das war ein Schock, kann ich nur sagen! Helfen die Locken doch, dass ich nicht alle 6-8 Wochen zum Schneiden & Färben gehen muss, sondern nur alle 10 Wochen – zeit- und kostentechnisch nicht unwesentlich!

So gesehen, alles im Lot, wobei diese Ausgeglichenheit gestern nachmittags doch etwas ins Wanken gekommen ist, denn als ich gerade aus dem Auto steigen wollte, ist ein Radfahrer, den ich einfach nicht herankommen gesehen habe, der sich öffnenden Autotür ausgewichen und dabei zu Sturz gekommen – mitten auf die Fahrbahn! Ein Kleintransporter konnte auf den Millimeter genau noch rechtzeitig abbremsen … Der 34-jährige Radfahrer hatte unwahrscheinliches Glück – und ich auch!!! Ich glaube, da waren eine Menge Schutzengel gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort! – ein aufgeschürftes Knie und ein kaputtes Handy. Ohne zu überlegen habe ich natürlich die Rettung angerufen. Die Polizei kam etwas früher herbei, das Unfallkommando nach einer halben Stunde. Insgesamt zwei Rettungswägen, fünf Polizisten, viel Blaulicht. Der junge Mann war zwar etwas verwirrt, weil es wegen dem Sturz so viel Tamtam gegeben hat, aber besser so, als … Bodo meinte, ich wäre sehr souverän und sachlich vorgegangen – das Zittern kam dann erst später daheim – und daran war nicht das lange Warten in der Abendkälte Schuld!

Danke, Ihr Schutzengel! Ich habe aus der Sache gelernt und werde mir beim nächsten Einparken auf einer Einkaufsstraße mit viel Verkehr wohl mehrmals den Kopf verrenken, bis ich die Autotür öffne!

Unschuldsweiß an frechen Füßen

Ich hätte mir nie, nie, NIE gedacht, dass ich 1) auf Sneakers im Allgemeinen und 2) auf die Farbe Weiß an den Füßen im Speziellen stehe! Aber es führt offenbar kein Weg daran vorbei. Und bis auf Begräbnisse, Ballveranstaltungen oder Pilgerwanderungen kann mann/frau diese bequemen Treter eigentlich zu jedem Anlass, zu jeder Aktivität, zu jedem Outfit tragen. Mit ein Grund, warum meine im Vorjahr bei einer Fashion Flash-Party günstig erworbenen hellen Treter aus Velour-Leder mit Seitenmasche mittlerweile schon etwas mitgenommen ausschauen – kein Wunder, halten sich die kühlen Temperaturen doch so hartnäckig, dass es für Sandalen einfach noch zu kalt ist und ich daher doch lieber zu geschlossenem Schuhwerk greife (Söckchen inklusive, um die Schweißbildung zu reduzieren).

Also Zeit für ein neues reines Weiß? Ja, Zeit für ein neues unschuldig-reines Weiß für meine frechen Füßchen!

Um die Qual der Wahl bei der Auswahl möglichst brutal zu gestalten, loggte ich mich daher (wieder einmal) in einen der beliebtesten Online-Shops auf Erden ein – und was soll ich sagen: die Auswahl an dick-sohligen, der Sportmode nachempfundenen Schuhe in der eigentlich gänzlich unpraktischen Farbe Weiß … ist riiiiiesig! Mit zusammengekniffenen Augen und Brillengestell auf der Nase versuchte ich, die einzelnen angebotenen Modelle näher unter die Lupe zu nehmen – ein schwieriges Unterfangen, denn … hat der Fotograf nicht kapiert, dass ein weißer Schuh vor weißem Hintergrund quasi unsichtbar wird? Kein Wunder, dass sich auf meiner Merkliste alsbald über 40 verschieden-ähnliche Modelle an weißen Sneakers mit dicker Sohle etwas ratlos einfanden. Zwar alle ähnlich, zwar alle weiß, aber mit Preisspannweiten von € 40,- bis über € 200,-!

Was mir immer hilft, um schlussendlich zu einer Bestellung zu kommen, ist, die Merkliste ein paar Tage unbeachtet zu lassen. Danach schaffe ich es eigentlich immer, mit einem objektiveren Blick an meine Bedürfnisdeckung heran zu gehen. Und tatsächlich, wurden aus den ursprünglich über 40 Paar Schuhen in relativ kurzer Zeit „nur“ mehr knapp zwanzig. Und nach ein paar kurzen weiteren Tagen, reduzierte sich die Anzahl ein weiteres Mal, einfach aus dem Grund, dass das eine oder andere Modell zwischenzeitlich von anderen Girls und Ladies aufgekauft wurde und mir dann nur übrig bleibt, blöd-entgeistert durch die Finger zu schauen! Grundsätzlich ärgere ich mich dabei dann nur über mich selbst und über meine Unentschlossenheit – leid hat es mir dieses Mal nur um die weißen Converse Chucks mit gelöchertem Textil getan, die nun nicht mehr aufzutreiben sind.

In den Bestellkorb gelangten dann schlussendlich – nach mehreren Tagen des Überlegens – zwei Paar weiße Sneaker in Größe 41 … das eine Paar sitzt perfekt und lässt meinen großen Zehen genug Spiel, das andere Paar muss leider zurück, weil mein Fuß darin Klaustrophobie bekommt!

Was ich bei schwarzen Schuhen schon längst erkannt habe, muss ich jetzt aber erst bei der Konträr-Farbe lernen: nicht jeder Sneaker ist gleich, nicht jedes Weiß passt zu meinem Fuß … und viel schlimmer als bei schwarzen Schuhen drängt sich die Frage auf: Wie schafft man es, dieses unschuldige Reinweiß möglichst lange so unbefleckt zu bewahren? Denn die Straßen dieser Stadt sind gefährlich, überall lauert das Dunkel, lauern Schmutz und Dreck und haben es unbarmherzig auf meine weißen Sneakers abgesehen!

Ich lebe … auf zu großem Fuß!

Ab wann wird man zum Wiederholungsjunkie? Ich bin ja eine begeisterte Thriller-Leserin – und da spricht man dann schon ab dem zweiten Mordopfer von einem Serienkiller. Nun gut, dann kann ich mich also auch schon als Wiederholungstäterin einstufen lassen – denn ich fuhr am vergangenen Freitag zum zweiten Mal mit einem vollgestopften Köfferchen in den 15. Gemeindebezirk, zu Alex´ monatlich stattfindender Kleidertauschparty. Pünktlich um 19 Uhr vor dem geschlossenen Haustor – blind wie ein Tiefsee-Aal konnte ich die passende Türklingel nicht ausfindig machen. Zum Glück kam da eine junge Frau und konnte mir weiterhelfen. Zwei Stockwerke zu Fuß hoch, zwischendrin noch ein „wichtiger“ Anruf, leicht atemlos dann endlich im Flur.

Die Gastgeberin in einem coolen Outfit – kommt die luftige Jacke vielleicht zur „Versteigerung“? – mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Im großen Zimmer schon weiße Sessel und ein paar wenige gepolsterte Stühle aufgereiht.

Auch wenn ich erst zum zweiten Mal hier bin, zeichnet sich doch ein deutlich erkennbares Muster ab, denn die „Stammgästinnen“ haben auch ihre Stamm-Stühle / -Sessel – neu sind die „Reservierungs-Kissen“! – und bilden ein zusammengeschweißtes Grüppchen! Damit wird die zweite (und zudem zahlenmäßig unterlegene) Gruppe der „Novizinnen“ und „Ich-komm-nur-hin-und-wieder-Teilnehmerinnen“ – räumlich an die schmäleren der vier Wände gedrängt. Mir macht das nichts aus, denn ich habe mich heute um einen Platz weiter nach links gesetzt als beim ersten Mal und habe alles gut im Blick! Dieses Mal sind so viele Ladies hier, dass die Gastgeberin gar keinen Sitzplatz mehr bekommt und stattdessen im Türrahmen stehend unser typisch weibliche Verhaltensmuster beobachtet und auch kommentiert.

Meinem Empfinden nach ist das heutige „Ich-“ und „Tanzkarte-„Schreien nicht so dynamisch wie bei meinem erstem Mal im November. Deutlich zeichnet sich auch ab, dass Wintersachen, wie dicke Strickjacken oder Schals, im Frühling kaum Abnehmerinnen finden – also Mädels: kommt damit erst wieder im Oktober!

Ich habe in meinen Koffer dieses Mal ein paar Zweiteiler eingepackt – aber ich glaube, dass die Oberteile und Hosen/Röcke ab nun getrennte Wege gehen! Es ging wieder mal so schnell, dass ich da den Überblick verloren habe … 🙂

Meine persönliche Lesson learned: Ich lebe einfach auf zu großem Fuß!

Schuhgröße 41 ist absolut OUT!

IN ist mitnichten der zierlich kleine Fuß in 37!

Also mussten meine HighHeel-Sandalen leider wieder mit … und ich weiß einfach nicht, wie und wo ich hierfür leidenschaftliche Trägerinnen finde …?

Auch in meinem Koffer, als ich mich auf den Heimweg machte: ein leichter schwarzer Mantel mit Bindegürtel – ein cooles Über-Drüber- und Aufpepp-Accessoire … mir schweben da schon einige Outfits im Kopf herum (bunt-gemusterte Yoga-Tights inklusive) –

… daher einfache Formel: Mehr Qualität als Quantität plus ein bisschen Phantasie und Vielfaches macht zusammen einen nachhaltigen Fashion-Gewinn!

Glaub an Dich und greife nach den Sternen

Eine Woche ist es her, da hatte ich einen echt guten Flow – bin seit etlichen Jahren des inneren Widerstands wieder einmal beim Vienna City Marathon mitgelaufen – wohlweislich aber nur in der halben Distanz. Zu mehr – ehrlicherweise – haben Ehrgeiz und Motivation nicht gereicht, insbesondere, weil in der Vorbereitungszeit weder Körper noch Geist dazu bereit waren, auch samstags früh morgens aufzustehen und 2 bis 3 Stunden laufen zu gehen. Und was ich im Training morgens nicht leiste, das passiert auch zu späterer Tageszeit nicht mehr – shoppen, putzen, lesen, faulenzen, mit Bodo was unternehmen … wo lassen sich da dann noch 3 Stunden schweißtreibende Bein- und Lungenarbeit unterbringen? Außerdem gehört die Wiener Streckenführung nicht zu meinen beliebtesten – beim letzten 42-km-Start bin ich deswegen auch bei Kilometer 27 einfach stehen geblieben …

Also bin ich 2-3 Mal pro Woche – einfach so – laufen gegangen, 75 … 80 … 90 Minuten, seltener auch länger. Kein Druck, kein Stress, einfach dem Restschlaf und der Müdigkeit weglaufend, morgens zwischen 5:30 und 7:00 Uhr.
In der Woche vor dem Start natürlich Unruhe, Bauchweh, Ängste, Zweifel, noch wenig Vorfreude, …
Erst beim Abholen der Startnummer kamen positivere Gedanken hoch, die Ziffer 14617 bekam mit einem Mal einen spritzig-prickelnden Beigeschmack – auch wenn nicht durch Drei teilbar. Ein neues Shirt im Lagenlock, ein neues Bustier, weich und in Koralle – ich denke: Jetzt bin ich bereit für den Start!

Das Wetter am Sonntag: kühl, aber sonnig und wenig Wind – ich bin mir sicher, alle 40.000 am Start spürten die good vibes, insbesondere, als das 200 m² große Transparent mit dem Erste Bank Slogan #GlaubanDich über alle ungeduldig wartenden Köpfe hinweg gezogen wurde …

Glaub an Dich! Jawohl! Ich glaube an mich!

Dieses Mantra hat mich unbewusst/bewusst auf den beinahe kurzweiligen 21 km begleitet. Vom ersten Schritt, den ich über die Startlinie machte, bis zum letzten Hüpfer über die Ziellinie hatte ich einen positiv bestäubten Flow. Alles, was mich nur irgendwie negativ hätte beeinflussen können, wurde wie durch Magie ausgeblendet. Die vielen Mitläuferinnen nur ein buntes Bild und kein Hindernis, das Überholen gelang mit Leichtigkeit, das Ausweichen mit der nötigen Flexibilität, den leichten Anstieg bis nach Schönbrunn kehrte ich ins Gegenteil um, beim letzten Kilometer wurde nochmals kurz der Turbo eingeschaltet – nur an den beiden langsamen Läufern wenige Meter vor dem Ziel kam ich nicht vorbei – was soll´s: ich kam fast zeitgleich mit dem schnellsten Mann ins Ziel …. ok, ok: ertappt: der lief natürlich die doppelte Strecke!

Zugegeben: Kurz am Start war ich ein bisschen neidisch auf alle Startnummern, die sich als total-distance zu erkennen gaben; knapp vor dem Ziel, wo sich die 42 von den 21 km trennten, war ich versucht, auch auf der linken Spur zu bleiben. Aber dann im Ziel, tief ausatmend und den menschenüberfüllten Einlaufbereich langsam gehend verlassend, war´s dann doch total ok – besonders für meine Waden und Oberschenkel!

Angenehme Erschöpfung und gleichzeitig viel positive Energie – was kann man sich mehr wünschen? Ich muss nicht unbedingt zu den Sternen gelangen, ich bin einfach happy, dass ich es noch „kann“ – die Zeit meiner persönlichen Geschwindigkeits-Bestzeiten sind zwar vorbei (aber: mit 1:49 auch nicht gar so übel), aber ich glaube, dass die Zeit meiner persönlichen Mental-Bestzeiten eben erst begonnen hat – Ich glaube an mich!

Noch zwei (2) Monate …

Ohh – bald ist es wieder soweit – und es GEHT wieder los!

Und damit jeder versteht, warum wir 2019 einen Landstrich mit viel Abwechslung durchwandern wollen, unsere Erfahrungen aus 2018 – wieder verpackt in einem illustrierten Bericht (Es kann etwas dauern, bis das Titelbild erscheint … und natürlich auch die vielen, vielen Folgeseiten!) … viel Vergnügen beim Blättern und Lesen!

http://www.brinkmann.at/sempredritto–immergeradeaus.pdf

40 Tage Achtsamkeit

Ich schreibe gerne – privat: Reisetagebücher, Yogatagebuch, Blogs / beruflich: Protokolle, Protokolle, Protokolle – und jetzt auch für das Pfarrblatt, das in diesen Tagen mit einer Auflage von ein paar Tausend erschienen ist (die meisten Exemplare sind wahrscheinlich bereits im Altpapier gelandet …).

Passend zur Jahreszeit ist mein Beitrag der Fastenzeit gewidmet – und nachdem wir da heute fast in der Halbzeit angelangt sind, dachte ich mir, dass meine Gedanken vielleicht auch papierlos zur Anregung dienen könnten …

… daher …

Fasten 2019 – Mit Achtsamkeit und fröhlichem Herzen von Allem ein bisschen weniger!

Jetzt ist sie wieder da, diese ganz besondere Zeit des selbstauferlegten Verzichts. Auf was man verzichtet und wie man fastet, hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. Heute ist es, unabhängig von einer Glaubensorientierung, fast schon ein gesellschaftliches „Muss“, sich dieser Challenge zu stellen. – Und? Was machst du heuer in der Fastenzeit? Diese subtile Fragestellung zielt natürlich darauf ab, dass der andere geradezu mit „Ich […] NICHT“, „Ich […] KEIN(EN) […]“ antworten MUSS! Wäre es nicht besser, das persönliche Fastenopfer klein und bescheiden zu halten als öffentlich zur Trophäe zu machen? Oder braucht man die Öffentlichkeit als Ansporn, durchzuhalten und nicht zu versagen?

Neujahrs-Vorsätze sind eigentlich ja nur dazu da, dass sie bereits nach wenigen Stunden oder Tagen aufs nächste Jahr verschoben werden. Selten erreicht ein Neujahrs-Vorsatz den 21-Tage-Schwellenwert, den es wissenschaftlich belegt benötigt, um einen „Vorsatz“ zu einer „Gewohnheit“ umzuprogrammieren. Und jeder hat Verständnis dafür.

Fasten-Vorsätze hingegen werden da schon etwas ernster genommen. Worauf verzichtet wird, unterscheidet sich je nach Religion. Im religiösen Kontext dient das Fasten unter anderem der Reinigung der Seele, der Buße, der Abwehr des Bösen, dem Streben nach Konzentration, Erleuchtung oder Erlösung. Fasten ist die persönliche Einladung, sich auf das Wesentliche zu besinnen, nachzudenken und durch bewussten Verzicht die eigene Existenz zu überdenken.

• Fasten im Christentum – 40 Tage bewusster leben, um sich auf das wichtigste Fest im Christentum vorzubereiten. Von Aschermittwoch bis Ostersonntag, 46 Tage, die dank der Synode von Benevent im Jahr 1091 durch 6 „Jokertage“ auf 40 symbolhafte Tage verkürzt wurden. Knapp 6 Wochen, grob gerundet 10 % über ein Jahr gesehen, also nicht viel und doch eine große Chance.

• Fasten im Judentum – Faste oft, aber höchstens 25 Stunden: „Jom Kippur ist ein Tag, an dem wir auf so viele materielle Sachen verzichten, dass wir mehr wie Engel als Menschen sind. Wir verbringen den ganzen Tag in der Synagoge mit Gedanken an Reue oder die Rückkehr zu Gott.“ [Steven Langnas, Münchner Rabbiner]

• Fasten im Islam – Ramadan – Fasten, bis die Sonne untergeht: „Oh Ihr, die Ihr glaubt, vorgeschrieben ist Euch, zu fasten, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor Euch lebten, auf dass Ihr gottesfürchtig werdet […] Und esst und trinkt, bis der weiße Faden von dem schwarzen Faden der Morgendämmerung für Euch erkennbar wird. Danach vollendet das Fasten bis zur Nacht.“ [Sure 2, 183]

• Fasten in der orthodoxen Kirche – Nahrungsverzicht: “veganes Leben light”

• Fasten im Buddhismus – Fasten als Einkehr: die Überwindung der Ursachen von Leid, beispielsweise durch Egoismus

• Fasten im Hinduismus – Askese als Lebensaufgabe: Fasten bis zum Ende (Prayopavesa)

Ich kenne aber genug Menschen, die mit Religion bzw. der Kirche „nichts am Hut“ haben und sich trotzdem dem 40-tägigen Fasten anschließen. An erster Stelle steht natürlich der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel und Getränke. Wie praktisch, dass die christliche Fastenzeit direkt an die üppigen Weihnachtsfeiertage und die ausschweifende Faschingszeit anschließt: Entschlacken, Detoxen, Tuning für die warme Jahreszeit? Oder Fasten als therapeutische Motivation, die Ernährung vorübergehend oder auf Dauer umzustellen?

Heil-, Basen-, Intervallfasten und Trinkkuren … Internet und Bücherregale sind voll mit guten Ratschlägen und Anleitungen. Der Fasten-Tourismus boomt. Ist Fasten daher zu einem saisonalen Lifestyle-Event geworden?

Aber egal, aus welcher Motivation heraus: Fasten hat immer mit Veränderung des eigenen Ichs zu tun, mit einer Änderung fest eingetretener Alltagsgewohnheiten. Das schließt in unserer heutigen Zeit vermehrt auch den Umgang mit Smartphone, Internet, Social Media oder dem Auto ein. So, wie Hobbygärtner schon darauf warten, die Erde umzugraben, leistet Fasten einen wesentlichen Beitrag dazu, das eigene Ich umzugraben, Luft ran zu lassen und positive Nährstoffe freizusetzen.

Und wie gehe ich selbst mit dem Fasten um?

Ich kann mich an eine Zeit erinnern, da war der Aschermittwoch ein grauenvoller Tag für mich. Meine Gedanken drehten sich bis zur „erlösenden“ Suppe am Abend nur ums Essen, was umso verwunderlicher ist, da es genug Tage in meinem (Berufs)Leben gibt, an denen ich den ganzen Tag nicht zum Essen komme und deswegen nicht gleich verzweifle.
Mittlerweile bin ich zum Glück gelassener im Umgang mit dem Aschermittwoch, und den Karfreitag verbringe ich nach Möglichkeit bewusst reduziert in allem, was tagsüber so anfällt.

Und was ist in der Zeit dazwischen, der Fasten-Zeit?

Ich ernähre mich schon sehr lange vegetarisch, trinke keinen Kaffee und habe noch nie geraucht. Der Wegfall eines Hin-und-Wieder-Gläschens Prosecco stellt keinen echten Verzicht dar. Süße Gelüste zwischendurch lassen sich leicht durch ungesalzene Nüsse ersetzen. Ich betreibe mehr als regelmäßig Sport. Und social-media-abstinent bin ich schon mal aus Prinzip. Anstatt die Augen bei einer flachen TV-Soap zu entspannen, gebe ich Dokumentationen aus dem Tierreich den Vorzug – nebstbei: früher schlafen gehen ist sicher auch kein Fehler! Und anstatt aus Langeweile auf eine ausgedehnte Online-Shoppingtour zu gehen, widme ich mich lieber der Vorbereitung unserer diesjährigen Jakobsweg-Etappe.

Somit alles kein wirklicher Verzicht!

Wodurch also kann ich meinem „Fasten 2019“ eine besondere Prägung geben?

Ich werde ein kleines Fasten-Tagebuch mit dem Titel „40 Tage Achtsamkeit“ führen. Dort soll jede noch so kleine Handlung niedergeschrieben werden, die achtsam und mit Selbst- bzw. Nächstenliebe begangen wurde. Das kann ein Lächeln einem fremden Menschen gegenüber sein, ein freundliches Wort gegenüber jemanden, wo der Sympathiegrad nicht sehr hoch ist, ein kurzes inniges Gebet oder einfach mal ein Stillsein.

Tun. Niederschreiben. Merken. Nachlesen. Wiederholen. Sich besser fühlen.

Gut fühle ich mich schlussendlich auch mit „meiner“ Fastensuppe. Es gibt mehr als genug Rezepte dafür. Und auch die katholische Frauenbewegung verwöhnt für einen guten Zweck am Suppensonntag mit hausgemachten warmen Speisen zum Löffeln. Ich selbst bin mitnichten keine große Köchin, halte mich nie an durchdachte Rezepte, sondern folge lieber meiner Intuition bzw. dem Inhalt meines Kühlschranks. Daher könnte „meine“ Aschermittwoch-Suppe möglicherweise so aussehen:

Lauch oder Zucchini, Karotten, Zwiebel; je nach Belieben grob oder fein aufschneiden (ich bin eher der „schnelle Grob-Schnipsel-Typ“, damit ich dann auch etwas zum Kauen habe); wer keine Zeit und Lust hat, mit dem Messer zu arbeiten, dem empfehle ich die Tiefkühl-Gemüsemischung Karfiol-Brokkoli-Karotten. Gemüse in Öl ganz nach Geschmack und Vorlieben anschwitzen bis leicht anrösten, Ingwer dazu (gibt es fein gemahlen als Pulver oder cremig als Paste), vielleicht auch Petersilie, grob gezupft; mit gut-viel Wasser (ca. 500 ml pro Person) aufgießen und aufkochen lassen; dann natürlich die (rein pflanzliche) Suppenwürze hinzu. Da ich es gerne scharf mag, kommt sicher noch Curry- oder Chili-Gewürz hinein. Alternativ könnte man die Suppe mit Tomatenmark auch rötlich einfärben. Ein paar Minuten kochen lassen, dann den Herd abdrehen und noch nachziehen lassen. Allenfalls noch ein bisschen mit Pfeffer und Kräuter- oder Meersalz nachwürzen. Noch besser schmeckt die Suppe, wenn sie am Vortag vorbereitet und dann aufgewärmt wird. Am Aschermittwoch verzichte ich auf Parmesan, stattdessen gibt es eine Scheibe Knäckebrot dazu.

Fasten ist eigentlich keine allzu schwere Übung, solange man vom Überfluss ein bisschen weniger in sein Leben hineinlässt und gleichzeitig ein fröhliches Herz bewahrt.

p.s.1: Ich nehme das Fastentagebuch-Schreiben wirklich ernst und notiere da auch schon mal selbstkritische Gedanken, wenn mir etwas an mir auffällt, was nicht so nachahmenswert ist.

p.s.2: Anbei auch das Layout!

Pfarrblatt Maria-Drei-Kirchen