Es wird scho´glei´dumpa

Das Leben spielt sich derzeit zu einem überwiegenden Teil im Dunkeln ab. In der Früh muss der Wecker etwas lauter und intensiver schreien, bis die Geräusche in das Tiefenbewusstsein eindringen und dich aus den Fängen tiefer Träume entreißen. Du schälst und windest dich aus dem warmen Bett und eilst fröstelnd aufs Klo, wo du zum ersten Mal von allzu hell-strahlendem Neonlicht geblendest wirst. Wer hat jemals festgelegt, dass man beim intimen Pinkeln im Scheinwerferlicht stehen … ähem: natürlich sitzen muss?! Danach der lautlose Schrei beim Blick in den Spiegel – wer hat behauptet, dass sich im Schlaf der Körper erholt? Die Regeneration spielt sich anscheinend nur inwendig ab – heißt es nicht auch so schön: du hast den ganzen Tag Zeit, dich zu entfalten?

Viele Menschen brauchen jetzt dringend den ersten Kaffee.

Nachdem ich kein Koffein zu mir nehme und frühmorgens noch keinen Prosecco trinke :-), ziehe ich dann meistens gleich die Laufschuhe an oder packe meine Yogamatte oder setze mich neuerdings aufs Rudergerät (eine neue Anschaffung, die seit kurzem in unserem Mini-Loft eine prominente Stelle einnimmt und dafür auch einiges an Platz beansprucht) oder wedle mit dem Swiffer durch die Wohnung.

Jedenfalls bin ich danach annähernd wach genug, um mich der Kleiderwahl widmen zu können – keine Angst: ich steige vorher unter die Dusche!

Wenn ich morgens zum Yoga gehe, muss es schnell gehen, dh es gibt das eine oder andere Kleidungsstück, das quasi immer passt und in solchen Momenten herhalten muss. Daher liebe ich Kleider – dazu dann eine schwarze Leggings und die schwarzen bequemen Stiefel – und es kann schon los-gehen! Mein derzeitiger Favorit ist das Hängekleidchen, das ich mir bei der Weinverkostung gekauft habe – ein Glücksgriff!

Unter „Zeitdruck“ tue ich mir persönlich um einiges leichter, meine individuelle Tages-Wohlfühl-Klamotte zu finden. Aber je mehr Zeit zur Verfügung steht, desto mehr unbefriedigende Kreativitätsakrobatik findet vor dem Kleiderschrank und Spiegel statt – und meistens ist das Ergebnis dann nicht so, wie ich es mir erträumt habe. Und wenn ich dann unter Zeitdruck gerate – weil dann doch meine Anwesenheit im Job erwartet wird -, gerate ich in leichte Panik und Unwohlsein, das mich den ganzen Tag begleiten wird … bis ich dann abends daheim in legeres Outfit ohne Anspruch auf allzu große Schönheit schlüpfe. Keine Angst: die klassische hellgraue Jogginghose (Hallo! Jogging ist doch eigentlich mit aktiver Bewegung verbunden und nicht mit Sitzkissen-Kuscheln!?) ist nicht mein Ding.

Die Zeit, die wir momentan verbringen, umhüllt uns mit Grau in allen Schattierungen, von Anthrazit über Steingrau, Mausgrau, Lichtgrau, Blassgrau, …. bis zum schmutzigen Weiß … um nach wenigen Stunden bereits wieder ins dunkle Schwarz über zu wechseln. Kein Wunder, dass fast jeder jetzt Zuflucht bei warmem Kerzenschein und wärmenden Getränken mit und ohne Anteil an Hochprozentigem sucht.

Und wenn das Teelicht runtergebrannt ist, die Lider schwer werden und die Zähne geputzt sind (Zahnseidenkosmetik inkl.), ist es auch schon wieder Zeit, ins kuschelige Bett zu steigen.

…. und in wenigen Stunden beginnt der Kreislauf von Neuem!

Yoga im Strampler

Nicht, dass man meinen möge, ich wäre aufgrund meines Tanten-Status erst jetzt auf die Idee gekommen, beim Yoga-Praktizieren einen Einteiler / Jumpsuit oder halt Yoga-Strampler anzuziehen. Nein, diese Idee hatte ich schon vor ein paar Jahren, als ich mir einen ebensolchen in Schwarz von Casall zugelegt habe. Und neuerdings schlängle ich mich cat-woman-gleich auch in einen rötlich angehauchten Suit von adidas designed by Stella.

Der Vorteil dieser Einteiler – Bodo mag sie überhaupt nicht! – ist, dass beim abschauenden Hund oder im Kopfstand kein T-Shirt über die Augen rutschen kann und damit den Bauch gnadenlos enthüllt oder dass die Hose eine Abwärtstendenz aufweist und damit das kleine Bisschen Underwear zum Vorschein bringt. Ich habe den schmalgeschnittenen Schwarzen auch schon mal zum Laufen angezogen. Ein Sweatshirt drüber und fertig ist der Look!

Der Nachteil dieser Einteiler – und deswegen bin ich da auch mit einer gewissen Selbstkritik unterwegs – ist, dass Hüftspeck und Bauchröllchen gnadenlos zur Schau gestellt werden. An Tagen, an denen der Blick in den Spiegel eine deutliche Warnung ausspricht, ziehe ich mir dann schnell kurze Shorts mit Bund über – täuschen und tarnen!

Wie auch immer, ich bin gerade in einer Biophase, wo ich meine Strampler sehr schätze! Nach den Advent- und Weihnachtsnaschereien werde ich wohl wieder zum Camouflage-Look wechseln oder dem hämischen Spiegelblick eins auswischen, indem ich ihm keine Chance auf blöde Bemerkungen gebe. In diesem Sinne: OM – keep on running!

Tantendasein

Anna ist da – seit 22.10.2014, kurz nach 18:00.

Zeitgleich animierte ich im Fitness-Studio an die 30 Girls zu Squats und Sit-Ups und anderen shaping exercises – man kann ganz einfach auch Bauch-Beine-Po dazu sagen. Ich habe wahrscheinlich gleich viel geschwitzt wie der zum Papa werdende Bruder, aber weniger Spannung im Bauch verspürt wie die neue junge Mama, die nach 9 harten Monaten endlich preis gab, was da im Verborgenen heranwuchs.

Anna ist meine Nichte.

Was bedeutet es, Tante zu sein? Ich brüte gerade über der Antwort. Bin ich sonst meistens recht wortreich, auch wenn die Worte in ihrer Kombination und Abfolge nicht immer Sinn ergeben oder wenig diplomatisch sind – oft spricht hier der Bauch schneller als der Kopf -, so rutsche ich auf dieser einfachen Frage herum wie ein nasser Popo auf einer Seifenlauge.

Als Tante bist du weder Mama oder Oma, trägst damit weit weniger Verantwortung und ziehst in Erziehungsfragen stets den Kürzeren.

Als Tante wirst du selten die prall gefüllten Stinkbomben gegen sauber riechenden Zellstoff wechseln müssen.

Als Tante darfst du ab und dann das Flascherl reichen, auch wenn du das (zumindest beim ersten Mal) mit leicht verkrampfter Ellbeuge machst.

Als Tante wirst du zu Zeiten, wo schenken angesagt ist, in Babyboutiquen das Herz an putzig-flauschigen Stramplern verlieren, die du sinnvollerweise gleich ein wenig größer kaufst, damit die Kleine, für die Fashion nur halb so wichtig ist wie ein sattes Bäuerchen nach der Raubtierfütterung, länger daran Gefallen findet.

 Als Yoga-Tante wirst du mit der Kleinen bald den abschauenden Hund im Galopp machen und nach einem Babysitter-Nachmittag erschöpft in Savasana (Totenstellung bzw. etwas positiver ausgedrückt: Endentspannung) fallen.

Als Tante solltest du immer ein wenig Kleingeld dabei haben, um das Taschengeld aufzubessern.

Als Tante bist du hoffentlich dann eine gute, verständnisvolle Freundin, wenn der erste Liebeskummer die Augen anschwellen lässt und die Nase vom Rotzen knallrot ist. … ich mag nur nicht daran denken, dass ich, wenn mit diesem Herzschmerz zu rechnen ist, schon längst die magisch-schmerzhaften 50 überschritten haben werde – Anna, kannst du bitte schon im Kindergarten das erste Mal unglücklich verliebt sein?

Was bedeutet es, Tante zu sein?

Ein Mann sieht Gelb

Die folgende, absolut ernst zu nehmende Anekdote ist die Nacherzählung eines in bildhaften Worten geschilderten Dramas in einem Akt, denn die Krisis zeigt sich schon nach dem ersten Bühnenbild und der Höhepunkt ist schnell erklommen.

Bodo war einer der ersten, der aufs Handy-Parkticket umgestiegen ist, sich damit gleich einen Strafzettel eingefangen hat, um dann im persönlichen Gespräch der Behörden-Dame das jüngst ins Leben gerufenen System zu erklären. Man sieht: Personalschulung ist etwas, was im Servicebereich offensichtlich nicht mehr stattfindet. Aber einer muss sich halt als erster mit neuen Angeboten, die das tägliche (und abendliche) Leben erleichtern sollen, beschäftigen / testen / bewerten – weiter empfehlen oder ablehnen. Aber das ist eine …. andere …. Geschichte und mittlerweile Vergangenheit.

Daher zurück zur Gegenwart:

Bodo und ich sind mit der Zeit begeisterte Online-Shopper geworden, ich zugegebenermaßen schwerpunktmäßig im Fashion-&Sport-Bereich (Zalando, Impressionen, Best Secret, Adidas, Run21, um die wichtigsten zu nennen), Bodo ist auf der Amazon-Beliebtheitsskala unerreicht, benötigt er doch technische Goodies, um sein Computer- und Fotografen-Herz höher schlagen zu lassen. Damit ist klar, dass es regelmäßige Paketlieferungen an unsere Adresse geben muss.

Wenn unser Vermieter gerade nicht daheim ist, um unsere Pakete in Empfang zu nehmen und wir im Postfach oder an der Tür klebend eine Verständigung der Post vorfinden, trabt Bodo immer brav zur uns zugewiesenen Poststelle, reiht sich in die Schlange der Post-Kunden an, verweigert jedes Mal das Einscannen seines Führerscheins – denn es widerstrebt ihm zu Recht, dass persönliche Daten auf einem Server außerhalb seiner Kontrolle abgelegt werden. Die Gefahr von Identitätsklau und anderen missbräuchlichen Schandtaten werden uns ja tagtäglich vor Augen geführt – nicht nur die NSA lässt grüßen, auch Adobe, Visa und viele anderen mussten eingestehen, dass ihre ach so sicheren Server gehackt wurden. Es ist eine Frage der Zeit, dass auch die Postserver auf der Begehrlichkeitsliste der Datensammler stehen. Paranoia oder nicht: er weigert sich beharrlich und der Schalterbeamte muss stets seine Führerschein-Nummer abtippen.

Daher ist das Glitzern in seinen Augen verständlich, als eine Information ins Haus flattert: Die Postpaket-App ist da! Registriere dich – Formular, Ausweis-Kopie und Unterschrift inbegriffen – und dir öffnet sich ein neues Leben, denn du wirst per Mail oder SMS freundlich benachrichtigt, wenn Amazon oder Zalando zu dir wollen, du bestimmst, wo du das Paket abholen willst – dass eine Postbox nur ein paar Schritte von der Wohnung entfernt Tag und Nacht bereit steht – entlässt dich der Verantwortung, zu für Berufstätige wahrlich unmögliche Öffnungszeiten, zum Postamt zu eilen.

Bodo freut sich, all der aufgestaute Frust, den er seit einiger Zeit gegenüber dem Postwesen hegt (Filialen schließen, die Warteschlange ist lang und länger, für manche Kundinnen ist der Beamte hinter dem Schalter Beichtvater und Seelsorger in einem – nur: warum muss ich das mit anhören?), scheint ein Ende zu finden, als endlich die Bestätigung einlangt, das man geprüfter und registrierter Post-App-Kunde ist.

Jetzt heißt es, nur noch warten, bis sich das nächste Paket ankündigt; ausprobieren, ob das mit dem Umleiten auch so funktioniert wie mit großen Worten versprochen.

Amazon ante portas!

Und dann Verwunderung – Enttäuschung – aufsteigender Ärger: ein gelber Verständigungszettel im Postkasten. Aber wo bleibt das Verständigungsmail? Bodo checkt seine 148 Mails – nein, er will nicht die Welt retten, er will nur sein Packerl umleiten und dann bequem zur Postbox hinüberspazieren. Kein Mail!

Da sieht Bodo Gelb!

Bodo wählt die Post-Hotline – Warteschleife, was sonst.

Dann endlich eine junge Stimme am anderen Ende der Leitung, die zum Opfer seiner kräftigen Schimpftiraden wird: Warum bekomme ich für die Sendungsnummer xy keine Mailbenachrichtigung? Sie zaghaft: das geht nicht, weil es sich um einen Paketbrief handelt. Die Umleitung geht nur bei Paketen!

Bodo explodiert in Neon-Gelb.

Die junge Stimme wird von einer erfahrenen älteren Stimme mit Tiroler Akzent unterstützt – Stimme jung ist noch in Ausbildung und solchen Stress-Situationen nicht gewachsen. Der Souffleur windet sich und kommt damit (lasst es Euch auf der Zunge zergehen): Wien ist anders, denn hier werden Paket-Briefe vom Brief-Träger NICHT ausgeliefert, sondern verbleiben brav im Postamt…, mitgenommen wird nur der vorausgefüllte gelbe Benachrichtigungszettel!!.

Bodo hat gelben Schaum vor dem Mund!

Letzte Frage: kann ich den Paket-Brief beim Postamt abholen kommen – jetzt?

Die alte Stimme: nein geht nicht, weil erst ab 16:30 möglich. Es ist wohlgemerkt 16:25!

In Bodos Kopf schraubt sich die Entrüstung zu einer himmelstrebenden Spirale hoch – die Erkenntnis trifft ihn mit aller Gewalt: Wenn der Paket-Brief das Postamt nie verlassen hat, warum, bitte, kann man ihn erst ab einer bestimmten Uhrzeit, nämlich zu einer, wo viele andere Menschen auch zur Post gehen, um ihren Paket-Brief abzuholen – also Warteschlange vorbestimmt – in die schweißnasse Hände gedrückt bekommen?

Darauf Stille am anderen Ende der Leitung. Erleuchtung oder am Ende des Postler-Lateins?

Gibt es eine Steigerung zu Dunkel-Gelb? Loderndes Feuer vielleicht?

Denn in genau dieser „heiteren“ Stimmung hechtet Bodo nun zum Postamt, in der Erwartung eines Deja-vu. Aber als wäre von oben ein direkter Befehl ausgesprochen worden, ist die Schlange dieses Mal ein kleines Würmchen, keiner fragt nach seinem Ausweis, keiner will eine Unterschrift von ihm – nur ein Traum oder waren alle vorgewarnt, dass da ein Gelbgesichtler hereinstürzen wird, dem Amok nahe?

Das Gelb verblasst nur ganz langsam,

denn vor der Türe wartet ein anderes Ärgernis – in Form eines seit Monaten offensichtlich missbräuchlich aufgestellten Halten-Verboten-Schildes und eines kaum lesbaren, wohlgemerkt abgelaufenen, Bescheides, der es der benachbarten Botschaft eines mittlerweile sehr beliebten Urlaubslandes ermöglicht, hier 3-Auto-lang zu parken, wohingehend Postkunden meistens durch die Finger schauen und eine Ehrenrunde um den Häuserblock drehen müssen.

Aber das ist eine Geschichte für zukünftige Sozialstudien!

Weinverkostung mit Folgen

Freitag Nachmittag. Es beginnt gerade zu regnen, als wir uns aufmachen, um einer Weinverkostung im kleinen Rahmen beizuwohnen. Die Rotweine kommen aus dem Südburgenland. Die Risottokostproben werden in einer kleinen Küche zubereitet. Der Senf aus Ribisel und Ingwer begeistert jeden. Der Ort des exklusiven Geschehens: eine kleine Boutique im 3. Bezirk, genannt Samt und Sonders, mit exquisiten und delikaten Dingen, die vor allem Frauenherzen erwärmen. Mein Interesse an Wein und Risotto lässt bald nach, schweifen meine Augen doch in den Schau- und Verkaufsraum nebenan, wo es neben mehr oder weniger kitschigen Dingen aus Porzellan auch ausgesuchte Kleidungsstücke gibt. Ich habe mir hier im letzten Sommer ein T-Shirt gekauft, weil es sein musste – oder sollte ich einem Mops namens Lucy widerstehen können? Jetzt werde ich von zwei Kleidern magisch angezogen: das eine elegant, schlank, ohne Ärmel, vorne mit Schlangen-Fake, hinten mit langem Reißverschluss; das andere sportlicher mit bunter Grafik vorne – auch ein Papagei ist dabei und mischt die herbstlichen Töne auf -, hinten einfach grauer Sweatshirtstoff, die Ärmel schwarz aus dünnem Stoff unbestimmter Materialzusammensetzung. Ich schlüpfe rasch rein – und es kommt, wie es kommen muss: beide Kleider passen wie angegossen! Ich ernte das eine oder andere neidische Auge, als ich mich vor dem Spiegel drehe.

Ich war noch nicht sehr oft auf einer Weinverkostung, aber das war mitnichten diejenige, die mir zurecht einen leichten Schwips verpasst hat.

Als wir wieder heimgehen, regnet es noch immer. Bodo trägt seine Errungenschaft in Flaschenform, ich die meine mit Vorfreude, denn eines ist gewiss: ich hab sicher länger Spass an meiner Beute als Bodo am Rebensaft!

Man lernt nie aus

Das Phänomen Computer. Programme, ungeahnte Verknüpfungen und Verbandlungen, die den Umgang im täglichen Leben erleichtern sollen und dem Arbeiten einen spielerischen Touch geben sollen.

Meine Eltern gehören ja noch zu einer Generation, die mit Stenographie, stromloser Schreibmaschine und Wählscheiben-Telefon aufgewachsen sind. Der Sprung in die ach so hippe virtuelle Welt, wo Daten von unsichtbarer Hand und sensiblen Nervenbahnen von A nach B transportiert werden, oft schneller als ein Wimpernschlag, ist für Menschen, die in den wilden 50ern mit Petticoat und hochgestrafftem Pferdeschwanz getanzt haben, die sich in den 60ern mit ehrlicher Überzeugung das Ja-Wort zugehaucht haben, die in den nächsten 20 Jahren dann mit der Erziehung Ihrer Brut beschäftigt waren, die in den 90ern mit den ersten Wehwechen zu kämpfen hatten, die jetzt noch immer dann und wann im Schilling und nicht im Euro rechnen, nicht so leicht, wie für ein heute geborenes kleines Wesen – sei es meine gerade geschlüpfte Nichte, seien es die Kindergartenkinder meiner Nachbarn -, das mehr oder weniger das www-Gen in den Windeln eingepflanzt hat.

Ich bin so mitten drin. Auch ich habe noch einen Stenographiekurs besucht, aber schon auf der elektronischen Schreibmaschine die 10-Fingertechnik gelernt. Das Architekturstudium habe ich noch mit Tuschestiften und Schablone absolviert. Erst den Text zur Diplomarbeit habe ich in einen Computer reingetippt. Ausdrucke waren kaum leserlich, da auf Tintenstrahldrucker und Endlospapier. Zuerst wurden die Daten auf einer Floppy-Desk abgespeichert, dann kamen die kleinen quadratischen. Von USB und CD/DVD noch keine Rede!

Ich bin stiller, meist ungeduldiger und hin und wieder verzweifelter User. Seit mehr als 12 Jahren mit einem autodidaktischen Computer-Freak zusammen. Was uns unterscheidet: er hat keine Angst, er weiß, bis in welche Tiefen er abtauchen muss, um ein Hindernis beheben zu können, er probiert auch mal schon was aus – nachdem er eine Sicherung durchgeführt hat – und er ärgert sich auch schon mal sehr laut, wenn etwas so gar nicht funktioniert. Das ist dann der Zeitpunkt, wo ich mich ganz leise verhalte oder einladend das Fenster öffne, damit er den ganzen Krempel auf die Straße werfen könnte – was natürlich nicht passiert.

Die Abhängigkeit ist mittlerweile enorm. Alltag und Freizeit werden von Notebooks, Tablets und Smartphones bestimmt und dominiert.

Wie könnte ich sonst aber meine Gedanken in alle Welt hinausposaunen?

Warum habe ich nach langjähriger Ablehnung sofort Gefallen an meinem neuen Firmenhandy gefunden. Vorbei die Zeit des groben Drückens – die Menschheit sehnt sich nach Streicheln und sanften Berührungen. Daher gibt es jetzt wohl auch die Smartphones.

Und gerade eben – das mit der Auslöser für diesen tiefsinnig-irrelevanten Blog – haben wir eine Eigenschaft entdeckt, die es mir erlaubt, direkt aus dem Word eine Verknüpfung mit meiner Blogseite herzustellen – phänomenal!

Aber: schaut aus dem Fenster – ein strahlender Novembersonntag, ich sitze mit nackten, wenn gleich auch schon leicht erfrorenen Füßen auf dem Balkon und lasse mich von den mittäglichen Sonnenstrahlen an der Nase kitzeln. Und was tue ich? Dank technologischer Entwicklungen liegt jetzt ein Computer auf meinen Knien, kein Stromkabel wickelt sich schlangenartig um meinen dünnen Hals, und ich kann absolut entspannt und lässig meine in jungen Jahren erlernte 10-Fingertechnik trainieren.

Trotzdem: der heutige Morgenlauf im Wald, ganz ohne Technik (nicht mal Musik in den Ohren), war schon auch recht geil. Ich habe mich geradezu gefühlt wie ein flinkes Bit/Byte im Schwarm rund um die Welt!

Flop Swap auf einer Baustelle

Wieder ging die frohe Kunde rund: es darf wieder geswapped werden! Rund 300 Tauschfreudige fanden sich an diesem Wochenende in einer Seitengasse zum Prater, in einem aufgelassenen Seniorenheim, das zu einem Kulturen verbindenden sozialen Zentrum umgebaut wird (Magda´s Hotel). Baustelle bedeutet: Staubiger Boden, Strahler, welche die ausgestellten Tauschobjekte nur punktuell zum Leuchten bringen können, keine Heizung, weshalb sich die meisten Damen nur zögerlich in die Anprobe verirren. Ich natürlich als Helferlein wieder mit dabei. Einige der anderen kenne ich noch von den letzten Malen. Brigitte behält mich gleich bei der Annahme; sie erinnert sich wohl, dass ich dieser Rolle top bin. Eigentlich wäre ich ja bei der Flächenbetreuung eingeteilt gewesen. Aber die Annahme macht einfach viel mehr Spass, sieht man doch, wer was vorbeibringt – 5 Teile dürfen es dieses Mal sein, getauscht wird 1:1; nur die Helferlinge dürfen bis zu 10 Teile erswappen. Aber nur zu bald erkenne ich, dass ich mein Guthaben nicht aufbrauchen werde können, denn wie schon beim letzten Mal werden da Kleidungsstücke herbeigebracht, von denen ich kaum glauben, kann, dass es sowas überhaupt zu kaufen gibt! Ich habe natürlich wieder Top-Ware mitgebracht (zum letzten Mal!): eine kurze Jeansjacke mit Ösen und trachtig anmutenden Absteppungen, ein schwachsinniger Notkauf im Zuge einer Umtauscherei nach Weihnachten, eine Camouflage-Tasche von G-Star, die mir zu klein ist und immer von der Schulter rutscht, eine graue Hose im Pocket-Stil, was halt nicht so ganz mein Stil ist, schwarze Schuhe von Dominici, die ich nicht tragen kann, weil die Sohle meinen Fußballen zum Brennen bringt und die hellen Velour-Stiefel von Shoetation, die ich mir aus einer gierigen Unbesonnenheit in Größe 40 gekauft habe, wirklich unbesonnen, wie ich beim ersten Mal Tragen schmerzhaft erkennen musste. Super Teile, zu schade für diese Swap-Party, aber daheim im Schrank werden die Sachen auch nicht besser und bei willhaben.at hat sich bislang auch niemand dafür begeistern können.

Die Swapperei beginnt um 14 Uhr; die ersten Ladies stehen schon in den Startlöchern. Aber wer zuerst kommt, kann eigentlich nur seine eigenen Sachen swappen – so gesehen gehört auch einiges an Geduld dazu. Dann wird es zunehmend etwas voller im Laden. Die Innentemperaturen unterscheiden sich nur wenig vom Außenklima. Ich bin nur im dünnen Strickmäntelchen hergekommen, habe aber zum Glück noch einen Schal und einen Sweater dabei, sodass ich nicht ganz erfrieren werde. Meine Kolleginnen borgen sich zum Teil ankommende Jacken aus – keine schlechte Idee; die eine oder andere behält sich das Teil dann auch gleich. Wir arbeiten alle gut zusammen: drei an der Annahme, drei, die parat stehen,  um die neue Ware auf Bügeln in Empfang zu nehmen. Beim Check out ist klarerweise erst nach 2 Stunden zu tun – auch dort helfe ich mit: die Sachen müssen zwar dem Grunde nach abgezählt werden, aber Ehrlichkeit ist doch noch eine Tugend, die nicht ganz verschwunden ist.

Mit einer älteren Dame komme ich ins Streiten, weil sie 12 Teile mitbringt – schrecklich alte Fetzen – und wütend wird, weil ich ihr sage, dass wir kein Kleiderspendercontainer sind. Um des Friedens willen nehme ich alles an, gebe ihr die 5 Gutpunkte und werfe fast alles in eine Box, in der miese und beschädigte Ware landet.

Eine andere alte, aber sehr gepflegte Dame berührt mich, die sich mit Eifer und am Rollator hin- und her schiebend vom Swapfieber anstecken lässt. Ich helfe ihr beim Checkout. Sie hat hier ganz klar für andere Personen Kleidung gesucht. Am zweiten Swap-Tag ist sie wieder da, wieder mit 5 mitgebrachten Teilen, aber leider wenig erfolgreich im Tauschen.

Meine Nachbarin kommt mit den beiden kleinen Kindern. Eigentlich hätte sie einen „freien“ Nachmittag gehabt – aber wo sind die Väter, wenn man sie braucht? Ich biete mich zum Babysitten an, damit sie in Ruhe schauen und probieren kann. Nur leider machen da die Kids nicht mit: heulend peppen sie den chilligen Sound der Hintergrundmusik auf, da hilft kein Kitzeln und kein Apfelstrudel vom Bufett. Ein Anruf in mehr oder weniger bestimmten Tonfall – und der geländegängige Doppelkinderwagen geht in väterliche Obhut über. Zumindest findet die Jungmama ein paar Teile. Ich spendiere ihr einen meiner Gutpunkte und reiße mir im Gegenzug ihre Tasche unter den Nagel, die sie mitgebracht hat – groß und geräumig, als Citybag mit Sportsachen-Stau-Potential. Bodo meint später: warum auf einer Baustelle tauschen, wenn wir das bei uns im Stiegenhaus hätten machen können?

Ein einfaches beiges Kleid von Sisley wandert noch in meinen Besitz und muss jetzt den einen oder anderen Styling-Test durchlaufen. Das war´s aber auch schon an Beute.

Ich mache eine Überstunde, weil ich nun am Check out mithelfe. Aber dann wird´s kratzig im Hals und die Kälte hat Besitz von meinem Körper ergriffen. Ich bin von diesem dritten Swap-Event ein wenig enttäuscht. Aber nicht nur mir ist es so ergangen. Ich habe es vor allem heute am Sonntag, als ich für eine Stunde nochmals dort war, gespürt, dass die Erwartungen nur wenig erfüllt wurden. Aber Mädels, wenn jede einzelne von Euch ihren Kleiderschrott vorbeibringt, kann man dann wirklich erwarten, dass tolle Schnäppchen dabei sind? Meine Tauschobjekte haben jedenfalls sehr rasch einen Abnehmer gefunden – habt Spass bei Eurer neuen Besitzerin, Du Jacke, Du Hose, Du Tasche, Ihr Schuhe und Stiefel!

Als Vegetarier unter Hamburgern

Lasst mich die Zeit kurz zurückdrehen und beamt Euch mit mir ins Wochenende 10.-12.Oktober … strahlendes Wetter in Mitteleuropa, angenehme Temperaturen – und ein Flug nach Hamburg.

Wenn mein attraktiver Gegenpol ein halb rundes Jubiläum feiert und Freunde aus dem nördlichen Germanien nicht zum Feiern an die Donau kommen können, folgt eine Einladung an die Elbe – Kost und Logis inbegriffen.

Die Flugzeit ist nur mehr ein Klacks (1:15) – die Hansestadt ist allemal eine Reise wert: freundlich-reserviert die Menschen, alles wirkt weltoffener, weiter im Horizont, was wohl an der Schifffahrt liegen mag, an der Ungebundenheit der Matrosen, an der Zungenfertigkeit der leichten Mädels von St.Pauli, an den glitschigen Meerestierchen am viel besuchten Fischmarkt.

Wir staunen in der Miniwunderwelt, die in der alten Speicherstadt ihre Bühne hat, über die Feinheit und Liebe zum Detail. Das geht weit über das Modellbau-Hobby hinaus. Es werden Geschichten, Tragödien, freudige Ereignisse erzählt, im Wechsel von Tag und Nacht, Ankunft und Abreise per Bahn oder Flugzeug.

Wir wandeln in der neuen Speicherstadt und beneiden diejenigen, die sich hier eine Wohnung mit südseitiger Terrasse und freiem Blick leisten können.

Wir lachen in einem Musical in St. Pauli über St. Pauli.

Wir genießen das beste asiatisch-mongolische Buffet, das wir je zu sehen bekommen haben. Allerdings weigere ich mich vehement, gebratenes Krokodil zu kosten!

Ich verlaufe mich beim morgendlichen Run im Moor und bekomme Orientierungshilfe von zwei freundlichen Menschen auf dem Fahrrad.

Ich verliebe mich beim Blitz-Shoppen in eine schwarze offene Jacke aus Stoff und Leder. Bodo spendiert sich selbst ein Sackerl schwarze Lakritze.

Wir Frauen reden viel und noch mehr. Die Männer hören andächtig zu und trinken lieber ein Bier.

Viel zu schnell vergeht die Zeit – was bleibt, sind die Erinnerungen an ein wunderschönes (verlängertes) Wochenende in angenehmer Umgebung!

Hamburg: wir kommen wieder!

Frohgelaunt über die Ziellinie

Yes, I can!

Hände hochgestreckt, lauter Schrei, Überfreude 🙂

Nach den beiden persönlichen Marathonschlappen des heurigen Jahres – in Wien hatte ich schlichtweg relativ rasch einfach keine Lust mehr, mit 80.000 anderen mehr oder weniger behaarten Beinen asphaltierte öde Kilometer abzulaufen, und in der ach so schönen Wachau hat mich ein teuflisch falscher Ehrgeiz in die Misere geritten, indem er mich mit panischem Herzrasen und unfrohen Gedanken bestrafte.

Das Ergebnis: Selbst-Zweifel, Selbst-Kritik, Selbst-Mitleid, …

Aber wie heißt es so schön? Nach jedem Tief kommt ein Hoch? Kalt-Warm haltet den Kreislauf frisch. Yin und Yang wiegen sich in Balance.

Schon im Frühsommer hatte ich mich selbstsicher für einen weiteren Lauf angemeldet: Salzkammergut – Rundlauf um den Wolfgangsee mit einem knackigen Bergauf-/-ab-Teilstück – ein Lauf, in Natur eingebettet, noch nicht sehr über-laufen. Vielleicht 3.000 LäuferInnen absolvierten zuletzt 5, 10 oder 27 km und nicht mal 200 Waghalsige die 42,195 km, die in Bad Ischl beginnen. Somit quasi ein Laufprivatissimum?

Im September war ich sehr im Wickel-Wackel, ob ich an den Start gehen sollte.

Anfang Oktober hat das Leistungs-EKG bestätigt: ich bin topfit. Also liegt es nur am Kopf, wo meine beiden Gehirnzellen wohl arg am Streiten sind?

Egal: das Startgeld ist bezahlt, die Wetteraussichten sind brillant, die 3-stündige Fahrt flockt mit Stauumfahrung und größerem Herumirren in Bad Ischl, da aufgrund einer Mega-Baustelle eine Querung des Ortes nicht möglich ist. Die Unterkunft in einem etwas eigenartigen Ferien-Appartement (Minigarconniere mit ausklappbarem Sofa, Küchenzeile, Blick auf Fluss und Fußballplatz und Berg, geschmacklich nicht unser Stil, hätten uns eher ländlich-alpinen Stil erwartet) ist bereits zur Hälfte bezahlt.

Am Samstag holen wir uns die Startnummer in St.Wolfgang, genießen die Sonne und am anderen Seeufer einen und einen zweiten aufgespritzten Sturm. Abends gibt es natürlich Pasta und im zweiten Anlauf ein Glaserl Prosecco (der erste Spritzwein war untrinkbar, weil geschmacklich näher an fauligem Holz als an ausgepressten Trauben). Mein Schlaf ist tief und ruhig. Erst am Morgen macht sich dann richtig die Unruhe breit – meine momentanen Verstopfungsprobleme finden hier zumindest ein ausgiebiges Ende.

Die knapp 300 Marathonis (2014 wird zum Teilnehmerrekord) warten relaxed im Startbereich. Um 9:20 wird der Startschuss in die Luft geballert – es geht los! Bodo ist ein brillanter Schatz: er weiß, wie wichtig mir dieses Mal das Durchkommen / Ankommen im Ziel ist. Ich muss keine persönliche Bestzeit unterbieten, zumal dieser natur-nahe Lauf nicht mit einem ebenen Stadtlauf zu vergleichen ist. Ich muss nur fit im Kopf sein. Daher hat er mir eine Aufgabe gestellt: ich muss ein virtuelles, aber lebenswichtiges / lebensrettendes Medikament ins Ziel bringen! So komisch das jetzt klingen mag, aber in den nächsten 4 Stunden werde ich tatsächlich ab & dann daran denken. Doch noch nicht zu Anfang, denn da geht es eigentlich recht gemütlich los. Da ich fast ganz zum Schluss gestartet bin, bin ich geschwindigkeitsmäßig unter Gleichgesinnten. Aus Bad Ischl raus geht es teilweise über Trampelpfade im Gänse-Lauf; ein Überholen ist hier so gut wie nicht möglich. Auf der Straße teilen wir uns die Fahrbahn mit den wenigen Autos, die hier herumfahren. Zu beiden Seiten begleiten uns Berghöhen, über uns strahlt ein blitzblauer Himmel vor Freude – und diese Freude überträgt sich auch auf meine beiden Gehirnzellen. Die ersten 15 km führen bis nach St.Wolfgang, wo wir freundlich zum Weiterlaufen animiert werden – das Ziel ist noch 27 km entfernt. Nun treffen wir auf die LäuferInnen, die hier gestartet sind. Die schnellen Athleten sind natürlich schon längst am anderen Ufer (im wortwörtlichen Sinn gemeint!). Nach weiteren knapp 5 km sehe ich die Läuferkarawane ins Stocken kommen: es geht abrupt bergauf: zuerst ein Straßenstück, dann auf Waldboden. Ein Stoßgebet, ein Stück Banane, noch ein Schluck isotonisches Gift. Ich merke rasch, dass mich langsame Laufschritte zu sehr auspowern werden und verlagere mich wie die anderen rund um mich aufs zügige Bergaufgehen. Kurz kommen mir Erinnerungen ans Pilgern in den Sinn. Im Großen und Ganzen eine recht komische Situation, wenn man sich diese Massenwanderung von der Seite anschaut. Schon oben? Dann geht es ohne Aussicht rasend schnell wieder bergab. Dank an meine Knie – das wird für mich zur besten Teilstrecke! Ich flitze schnurzgerade oder im Zickzack hinunter, wenn ich andere eher vorsichtigere Damen und Herren umschiffen möchte. Habe ich sonst vor Bergab-Geschwindigkeiten eher Angst und stehe auf der Bremse, lasse ich hier die Zügel locker – mir ist fast danach, laut aufzujuchzen – aber vielleicht ist das doch unpassend? Mit diesem Schwung geht es dann entlang des Sees weiter. An jeder Labstation mache ich brav Halt, trinke Wasser und Iso-Getränk, nehme 3x ein Stück Banane und habe auch meine eigenen Tuben mit Mineralstoffen dabei. So bringe ich mich Kilometer um Kilometer weiter. Der anfängliche Frohsinn hat ein bisschen abgenommen. Es wird heiß, wir laufen sehr viel ohne Schatten – das ist die Zeit, wo ich ans „Medikament“ denke. Zaungäste gibt es nicht allzu viele, aber wir werden doch hin und wieder beklatscht und angefeuert. Die originellste Fangruppe darunter ist mit Sicherheit unangefochten die Belegschaft eines Altersheims: Pflegerinnen und betagte Gäste dick eingepackt in Rollstühlen im einseitigen Spalier. Zugegebenermaßen reagieren nicht viele auf mein dankbares Winken. 10 km vor dem Ziel treffe ich Bodo – Zeit für ein Bussi muss sein. Er ist beruhigt, dass es mir gut geht. Aufmunternd sind die Kilometeranzeigen: sonst werden meistens sehr pragmatisch Kilometer um Kilometer aufsummiert. Aber das Salzkammergut ist anders: Nur bis zum Berg werden die Kilometer chronologisch angezeigt. Nach dem Bergstück aber wechselt die Anzeige auf: „noch 19 km …. noch 14 km …. noch 3 km“ – das ist ein wahnsinnig guter Motivator, wenngleich ich 5 km vor dem Ziel dann schon ein wenig schwächle. Aber bei „noch 1 km“ hole ich die letzten Reserven hervor und gebe nochmals Gas. Eine minimale Steigung bis zum Ortsanfang – und dann im Schuss über die Ziellinie … nein: ich muss noch ein paar Meter weiterlaufen, denn die tatsächliche Ziellinie kommt knapp hinter der vorletzten Zeitnehmung. Der Teppich, über den ich die letzten paar Meter sprinte, ist nicht rot, sondern himmelblau – aber was zählt: ich habe es geschafft!

Hände hochgestreckt, lauter Schrei, Überfreude 🙂

Das Ergebnis: 04:02 / 100. von knapp 250 Startern, 15. bei den Frauen, 5. aus meinem Jahrgang … absolut ausbaufähig! Denn sollte es ein nächstes Mal geben (vorstellen könnte ich es mir durchaus), muss ich das „Medikament“ unter 4 Stunden ins Ziel bringen!

Fotos folgen …..

 

 

Die Frau im Automobil

Frauen und Autos sind für Männer der Albtraum schlechthin. Als GTI-Pupperl oder als Salamibrot-reichende Beifahrerin gerade noch akzeptiert, gerät die Abhängigkeit vom anderen Geschlecht zur alles verneinenden Verständnislosigkeit, sobald die Dame links einsteigt und sich den Autoschlüssel unter die scharfen Nägel krallt.

Und doch: es gibt die Frau im Automobil, und damit meine ich nicht die hinter dem Lenkrad klebende und mit den Zähnen klappernde furchtsame Genossin, sondern die toughe Lady, die sich den fahrbaren Untersatz zum schmucken Begleiter macht – wer braucht schon einen Gefährten, der Mucken macht, wenn man sich ein Gefährt leisten kann, das schnurrt wie ein Kätzchen? …. dass auch Katzen zum Aufmucken neigen, sei dahingestellt und für diese Story nicht relevant.

Da ich selbst seit einigen Jahren glückliche Nicht-Autobesitzerin bin und den kleinen Smart mit viel Innenleben nur am Wochenende fahre – vornehmlich zum Zwecke der Übung -, halte ich mich aus der weiteren Diskussion weitestgehend heraus. Was ich beitragen kann, sind objektive Beobachtungen.

Konkret geht es hier um 4 Frauen (Arbeitskolleginnen und Freundinnen), die mir gezeigt haben, dass ein 4-Räder unterm Popo nicht nur ein Symbol der Freiheit und Unabhängigkeit ist, sondern auch eine Frage des persönlichen Stils. Ein schnittiger BWM, ein spritziger Fiat 500, ein flotter Citroen und ein Beetle der Ultraklasse – Frau identifiziert sich mit Pferdestärke, Blech und Aluminium. Das eigene Auto muss nicht groß sein, aber über einen ausnehmend großen Kofferraum verfügen, denn Frau hat einfach immer etwas zu transportieren. Für große Felgen wird schon mal ein extra Schein in den Topf gelegt. Das Innenleben versprüht weiblichen Charme in Form von knackiger Armaturenverkleidung, einer guten Audio-Anlage, einem großen Rückspiegel und sonstigem Schnickschnack, wie: einem intelligentem Lenkrad, Einpark-Warnpiepsern, einer männlichen Stimme am Navigationspult, die vornehmlich Wörter wie „rechts“ und „links“ vermeidet und viel Licht innen und außen, damit die Sucherei in der Handtasche von Erfolg gekrönt ist.

Zwei Mädels haben tief aus ihrer Brust gesprochen: „Das habe ich mir geleistet!“. Männer: Ihr habt auf diesem Terrain leider offensichtlich hoffnungslos verloren. Frau und Auto sind emanzipiert genug – Ihr dürft froh sein, wenn Ihr auf eine Probefahrt mitkommen dürft. Nur: nicht das Salamibrot im Picknickkorb mitnehmen, sondern die Flasche Prosecco … vielleicht dürft Ihr die (trunkene) Holde dann auch in IHREM Auto nach Hause (und ins Bett?) (ent-)führen!