Mein Dienstgeber hat mich auf ein Seminar geschickt – 2 Tage zum Thema Sprechen & Auftreten! Es gab zum Thema „Wie spreche ich?“ viele Überraschungen, viele Erkenntnisse, viel Ernüchterung! Aber es war dank der Seminarleiterin und der anderen Teilnehmer:innen auch sehr lustig und alles in allem prägend und in Erinnerung bleibend! Aber mit den beiden Tagen allein ist es noch lange nicht getan. Mehrfach hieß es: Üben! Üben! Üben! Und zwar mit sich allein! Laut! Das Gesagte mit der Diktierfunktion am Handy aufnehmen und selbstkritisch abhören. Steigerungsstufe: sich dabei zu filmen, wenn man eine Rede an sich selbst hält!
Apropos Rede: Eine der Übungen in bzw. vor der Gruppe bestand darin, zuerst den Anfang und das Ende einer Präsentation im beruflichen Kontext zu halten und dann per Zuruf eines Stichworts eine Spontanrede zu halten! Warum auch immer, aber unsere Kursleiterin gab mir das Stichwort „KLEIDUNG“ – warum nur? 🙂
Spontanität bedeutet: Aufregung, Panik, Herzklopfen, nervös zuckende Augenbrauen … und im Nachgang betrachtet sinnloses Gebrabbel. Auch wenn das Feedback zu meinem Auftritt wohlwollen-wertschätzende Aspekte zeigte, die Selbstkritik ist immer noch die kritischste aller Kritiken!
So hat mich die perfekte Spontanrede über KLEIDUNG in Gedanken noch tagelang weiter beschäftigt – so sehr, dass ich vor dem Schlafengehen, beim Morgenlauf oder auf dem Weg zur Arbeit in Gedanken diese Spontanrede neu zu formulieren begann. Auch das ein Klassiker: Die besten, schlagfertigsten und treffendsten Aussagen fallen einem erst lange nach der Situation ein und nicht in der Situation, wenn sie so dringend benötigt werden!!!
Damit meine „perfekte“ Spontanrede nicht verloren geht, schreibe ich sie hier nieder … um sie bei Gelegenheit (und vor allem, wenn ich alleine bin und mich niemand hören kann!!!) laut vorzutragen – mit Betonung auf die Konsonanten am Anfang eines Wortes und mittendrin, denn das ist neben der Atmung, dem stabilen Stand, der stabilen Körperhaltung ein essentielles Puzzleteilchen für ein gelungenes Sprechmanöver! — Nun denn: höre zu:
KLEIDUNG ist für mich nicht nur eine Hülle, die meinen nicht mehr ganz so knackigen und nicht mehr ganz so knusprigen Körper verbirgt. Denn stellt Euch vor, ich würde hier nackt vor Euch stehen … Nein! Stellt Euch das bitte nicht vor!
KLEIDUNG ist für mich nicht nur Mittel zum Zweck, um mich an diesen kalten Tagen zu wärmen.
Nein, KLEIDUNG ist für mich ein Ausdruck meines zuweilen etwas sonderbaren Charakters, meiner nach wie vor schwach glühenden Kreativität, meiner einzigartigen Individualität, aber auch meiner Stimmung und meiner Laune! Wenn ich morgens vor meinem Kleiderschrank stehe und meinen Blick über den Inhalt des Kleiderschranks schweifen lasse, entscheidet meistens meine Stimmung am Morgen, was ich anziehen werde und nicht die Wetterlage draußen. In dem Moment, wo ich das erkenne, erscheint es mir aber schon sehr verwegen, dass ich meinen 7-Uhr-Mood bestimmen lasse, wie sich der weitere Tag entwickeln wird. Denn was, wenn sich meine Laune unterm Tag plötzlich ändern sollte (was durchaus der Fall sein kann, wenn irgendjemand oder irgendetwas massiv nervt oder etwas komplett schief läuft!!!), … kann ich dann doch nicht einfach nach Hause rasen, um mich umzuziehen?!
KLEIDUNG wird für mich zunehmend zum Wohlfühlfaktor!
Ich will nicht mehr atemlos durch die Nacht ziehen, weil mir ein zu knappes Oberteil die Luft abschnürt!
Ich will keine Krämpfe im Nabel mehr haben vor lauter Anstrengung, dass der Bauch schön flach erscheint!
Ich will nicht mehr herumzupfen müssen aus lauter Angst, dass sich der enge Minirock zum breiten Gürtel zusammenschoppt!
Ich will nicht mehr auf spitzen Stilettos herumstöckeln und einen Knöchelbruch riskieren!
Ich will mich wohlfühlen!
Ich will mich wohlfühlen in meiner originären Hülle, meiner Haut, die täglich gepflegt werden will (Und je älter ich werde, desto mehr Aufmerksamkeit wird hier verlangt, scheint mir jedenfalls so zu sein!). Ich will mich aber auch wohlfühlen in meiner äußeren Hülle, meiner KLEIDUNG, egal, wann und egal, in welchen Situationen!
Fühle ich mich wohl, bin ich gut gelaunt. Bin ich gut gelaunt, bin ich freundlich und nett zu meinen Mitmenschen. Bin ich freundlich und nett, werde ich mit einem Lächeln beschenkt. Werde ich mit einem Lächeln beschenkt, fühle ich mich wohl. Fühle ich mich wohl, …
Eine absolute Win-win-Situation! Probiere es aus!
Wenn sich jeder Mensch wohl fühlen würde in seiner Haut / in seiner Hülle, würde viel mehr gelächelt werden auf dieser Welt und nicht mehr so viel gegrantelt, würden die Menschen mehr aus sich herausgehen und Fröhlichkeit verbreiten, würde das Miteinander wieder in den Fokus geraten und nicht das Gegeneinander zu Zerstörung führen, würden mehr Spaß, Lockerheit und Offenheit auf unserer Erde verbreitet sein als gestresste Isolation und Frustration!
Probiere es aus: Kleide dich so, dass du dich wohlfühlst und sei neugierig, was passiert!

