Shoetation auf Bestellung

Shoetation ist eine kleine Schuhboutique Nahe Schwedenplatz, dort, wo jetzt endlich das Wiener Hardrock-Café seinen Platz gefunden hat (das berühmte Lokal hat vor kurzem eröffnet, ohne dass eingefleischte Fans, die weltweit zu jeder Eröffnung hin pilgern, informiert worden waren – Skandal!). Ich habe mir dort vor Jahren aus einer unbändigen Gier heraus zwei Paar Stiefel gekauft – hellbeige Wildleder und knallig schwarze High-Heel-Over-Knee – beide in Größe 40, was bei meinen doch etwas größeren Füßen gar nicht gut angekommen ist. Ich hatte mehr Schmerzen als Freude daran und warte jetzt noch immer sehnsüchtig auf einen willigen Abnehmer bei will-haben.at (bis jetzt ohne Erfolg – und an Zuhälter verscherble ich die schwarzen Dominas sicher nicht!). Jedenfalls bin ich durch diesen Visa-belastendenen Samstag-kurz-vor-Geschäftschluss-Kauf in den Newsletter-Verteiler aufgenommen worden – war aber dann doch nie mehr aktiv dort Frust-/Lust-shoppen, weil das Sortiment nur auf kleine zierliche Aschenputtel-Füßchen abzielt und nicht auf Ich-steh-voll-im-Leben-Frauen. Bisher zumindest.

Denn heute habe ich einen eher unkonventionellen Newsletter bekommen mit irrsinnig vielen Bildern im Anhang – mit … natürlich! … Schuhen-Stiefeletten-Stiefel! Zuerst – geblendet von dieser unverhofft erhaltenen Nachricht – hing mir der Sabber schon am Kinn. Dann – den Text lesend – musste ich die Betrachtung mit etwas mehr Sorgfalt betreiben, um die an die Leserin gerichtete Aufgabe bravourös erfüllen zu können: Ich habe erwähnt, dass das Geschäft sehr klein ist. Dort wäre nie und nimmer Platz genug, alle vorgestellten Modelle ausstellen zu können. Und daher sammelt der Shoetationist jetzt das Feedback aufgeregter, schuh-begeisterter Frauen und wird die Schuhe-Stiefeletten-Stiefeln erst nach ermittelter Nachfrage bestellen. Ich habe meine Aufgabe gut gemacht, denn die Liste der interessanten Kultobjekte ist recht lang geworden – mit der Grundbedingung, dass ich nur dann interessiert bin bzw. sein kann, wenn das eine oder andere Modell eine großzügige 41 aufweist. Ich ahne schon, dass aus der Long-List rasch eine Short-List werden wird. Das Gute daran wäre: wer die Wahl hat, hat die Qual – wer große Latschen hat, nimmt, was er bekommen kann!

Ich halte Euch am laufenden!

Minus 5

„No Sports!“ „Sport ist Mord!“ – wie oft habe ich diese Sätze schon gehört.

Neu ist eine jüngst veröffentlichte Aussage, dass die Generationen nach mir gut und gerne 5 Jahre weniger ihr Leben genießen bzw. fristen werden, weil es an regelmäßiger Bewegung fehlt – und das beginnt bereits im Kindesalter. Couchpotatoe in Kombination mit viel Zucker und Salz ergänzen diesen Besorgnis erregenden Trend. Da ich mich nun alles andere als zu dieser Kategorie dazu zähle, habe ich die Studie gehört und wieder ein klein wenig beiseite geschoben. Aber vor ein paar Tagen habe ich einen Buben gesehen, vielleicht 8 Jahre alt, offensichtlich kreisrunden Pizzaschnitten, quatschigen Burgers und dunkelbraun schäumenden Limonaden nicht abgeneigt, der die Straße leicht bergauf gehend plötzlich schnaufend stehen blieb und sich an die Knie griff – Gelenkschmerzen, Atemlosigkeit – und das bereits kaum den Windeln entwachsen? Wo versagt hier die Verantwortlichkeit der Erwachsenen? Auch dazu eine neue Erkenntnis: ab einem Alter, das sich reif und erfahren nennen mag, entsteht die beständige Angst, dass der eigene Sprössling oder das Kind, das einem in die Obhut gegeben worden ist, zu Schaden an Gesundheit und Leben kommen könnte im Verlauf des an sich angeborenen Bewegungsdranges, der junges Blut auf Bäume und Leitern lockt oder zu rasanten Abfahrten verleitet. Klar, keiner wünscht einem jungen Menschen Schmerzen oder gar Schlimmeres, aber jeder muss Erfahrungen machen, um dem Leben an sich begegnen zu können. Erfahrungen sind meistens mit einem Aua verbunden: Brandblasen an den Händen, aufgeschundene Knie, ein Kratzer am Kinn, ein eingeklemmter Finger. Das, was in meiner Kindheit eigentlich ganz normal war – ich erinnere mich noch sehr gut, dass mich meine Mutter in Mehl gewälzt hat, nachdem ich der 4-jährigen Meinung war, die Herdplatte muss doch schon wieder kalt sein; oder als mein Großonkel die große Flasche Arnika hervor holte, als ich im Laufen die Kontrolle über meine Füße verlor und ziemlich heftig auf den Knien über einen Schotterweg rutschte; oder an den sich verfärbenden Fingernagel, weil ich mich als Handwerker mit Hammer und Nagel versuchte; oder an die sichtbare kleine Narbe an meiner Hand, als ich beim Verfassen eines Linolschnitts mit dem scharfen Messer nicht die Platte, sondern mich selbst ruinierte. Das sind bleibende Erinnerungen, aber das sind auch Erfahrungen, die ich nicht missen möchte, denn ich habe danach nie mehr auf eine heiße Herdplatte gegriffen (sondern nur ins heiße Backrohr); ich bin nie mehr auf Schotter ausgerutscht (sondern im Wald über Wurzeln gestürzt); ich weiß, dass der Hammer im Werkzeugkasten gut aufgehoben ist (und lasse den Könner handwerken); ich habe meine künstlerische Ader in den (vorübergehenden) Ruhestand geschickt (und beschneide mich nur mehr hin und wieder beim Gemüse-Schnipseln). Also das, was „damals“ ganz normal war, wird jetzt oft bereits ein Fall für den Anwalt, denn jeder Schmerz hat einen Schuldigen hinter sich. Schmerzensgeld ist nichts Unübliches mehr. Neu ist, dass dies auf dem Rücken der Jüngsten ausgefochten wird. Die einen verdienen Geld damit, den anderen vergeht die Freude an ihrer Berufung. Auf lange Sicht sind aber die, die uns in ein paar Jahren geistig und körperlich überholen sollten, die Leidtragenden.

Also lasst Eure Kids auf die wenigen Bäume, die dazu geeignet sind, klettern; jagt sie hinaus auf die Spielwiese. Kauft genügend bunte Pflaster ein und orange-färbiges Jod. Eine Umarmung und tröstende Worte heilen jeden Schmerz und machen aus dem blutigen Knie ein Abenteuer. Abhärtung statt Verweichlichung – auf ins Boot-Camp!

 

 

Schlange Ahoi!

Wie konnte ich nur vergessen?

Gestern habe ich ja von unserem ungarischen Wochenende berichtet. Ganz zum Schluss waren wir noch bei (aber nicht in) einem kleinen Segelboot-Club (Motorboote sind am Balaton tabu), um noch ein paar Sonnenstrahlen und den Blick aufs Wasser zu genießen. Ganz am letzten Ende der kleinen Mole ein Platzerl auf der Steinmauer nur für uns, etwas weiter weg stumme Angler mit ihren ausgeworfenen Ruten. Dass dann rundherum der Himmel zunehmend schwärzer wurde, hat uns noch nicht so beunruhigt, aber als der Wind immer kräftiger zu blasen begann, das Wasser an der Steinmauer raufspritzte und einzelne Segelboote mit Hochdruck in den Hafen hinein strebten, wurde auch uns bewusst: da kommt was ganz Starkes auf uns zu!

Aber nicht nur uns wurde das bewusst.

Was hab ich für einen Schreck bekommen, als ich plötzlich im Wasser einer Schlange gewahr wurde – und diese in flottem Schlingel-Schlangel unterwegs hinein ins Schilfdickicht. Das war´s dann wohl mit Schwimmen!? Vor allem: die eine gar nicht mal so kleine Schlange, die frech den Kopf aus dem Wasser streckte und erwartungsvoll-frech züngelte, war nicht allein! Dort ist noch eine, und dort, und dort auch …. Mann oh Mann, da war mächtig was los im trüben Wasser. Und vor allem: alle Schlangen miteinander dürften es extrem eilig gehabt haben. Eine war so eilig unterwegs, dass sie sich sogar auf die Wiese verirrt hatte. Nicht weit von dem Kringel entfernt eine Frau beim Sonnenbad! Ein Einheimischer hat das Problem dann schnell behoben: in der Schlange-Taille gepackt und ab ins Wasser damit!

Was bewegt eine Schlange, die doch normalerweise auf trockener Erde uns Menschen das Fürchten lehrt, sich ins – zugegebenermaßen sehr warme – Wasser abzutauchen? Ist es diesem Getier auf Erden zu warm geworden? Wurde hier ein Abenteuerurlaub gebucht? Droht gar eine Invasion? Ist das Adam&Eva-Erbgut schuld, dass wir diese an sich nicht uninteressanten und unhübschen Tiere so fürchten? Können wir uns gemeinsam das Wasser teilen, ohne dass der eine den anderen stört? Ich würde mich jedenfalls wohler fühlen, wenn ich beim Brustschwimmen und Wassertreten nicht von einer gespaltenen Zunge geküsst werde!

Schlange Ahoi & Adieu!

Was oder wo ist der Balaton?

Eigenartiger Zufall: aus den Medien ist heute zu entnehmen, dass sich unser derzeitiges blondes Aushängeschild – Modelanwärterin und Dschungel-Zicke – Larissa in einer Show blamiert hat, weil sie mit dem Begriff „Balaton“ nichts anfangen konnte – wir schon, denn wir waren genau zum Zeitpunkt der Ausstrahlung der Show live dort!

Um einem vielleicht weiteren Wochenend-Blues zu entgehen, hatten wir die spontane Idee, nach Budapest und zum Plattensee zu fahren. Um samstags rechtzeitig auf die Autobahn zu kommen, habe ich meinen rituellen Trainings-long-jog von Samstag Früh auf Freitag Nachmittag verlegt, was einerseits eine neue Erfahrung war, denn plötzliche starke Sonneneinstrahlung von hinten auf einer baumfreien Geraden hin zum Praterspitz (danach nur braunes Donauwasser) macht mehr als durstig, andererseits habe ich beim Lusthaus einen früheren Arbeitskollegen getroffen und wir sind die 4 km lange Strecke auf der Prater Hauptallee quatschend – leicht atemlos – flott dahingaloppiert. Danach war die Kraft aus den Beinen und der restliche slow-jog bestand aus einer Mischung aus Gehen und schleppend-langsamen Laufen. Zumindest war dann kein Schweiß mehr übrig, um nach dem Duschen in minutenlanges Nachschwitzen zu verfallen.

Jedenfalls waren wir so am Samstag Vormittag zeitig an der Grenze, um auf einer hilflos überfüllten Raststätte für die ungarische Vignette anzustehen: nur bar zu bezahlen, € 12,50 für 10 Tage – kleinere Zeiteinheiten leider nicht verhandelbar! Eigenartig jedenfalls, dass eine der Angestellten, die sich um den Gastrobereich gekümmert hat, nicht wußte, dass die Kollegen nebenan auch die Vignette verkaufen (?) Die ungarischen Autofahrer sind leider arg gewöhnungsbedürftig: zwischen Bremsern und Rasern ist so ziemlich alles vertreten. Und leider dürfen bei unseren Nachbarn samstags auch die LKWs die Autobahn befahren. Daher kamen wir nach etwas mehr als 2 Stunden Fahrzeit mit etwas Herzklopfen in Buda(pest) an – Frühstück ist angesagt – ein kleiner Platz, ein nettes Café im Freien, eine wohlige Stärkung, bevor wir uns einem ausgedehnten Shoppen widmen wollten. Allein, die drückende Hitze, machte es schlichtweg unmöglich, in kaufrauschähnliche Ekstase zu verfallen. Wir haben uns nur über die lange Einkaufsmeile dahingeschleppt und vergeblich nach Schatten gesucht. Die Beute: zwei auffällige Sonnenbrillen im Ausverkauf (die eine mit Orange und Schwarz, die andere in einem grünlichen Tarnton mit Gläsern, welche die Umwelt in kontrastfreundliches Sonnengelb tauchen) und ein schlichtes graues Sommerkleid aus Sweatshirt-Stoff.

Danach aber nur mehr das Bedürfnis: hinaus aus der Stadt und hinein in den See!

90 Minuten und wir nähern uns diesem gewaltig großen See mit einer relativ geringen Wassertiefe (2 Meter?). Aber noch sehen wir vom See so gut wie nichts, da er gut von Bewuchs, Schilf und Gebäuden abgeschirmt ist. Fast jeder Ort trägt vorweg die Bezeichnung „Balaton“, danach kommen Anhänge wie „-kenese“, „-keszthely“, „-vilagos“, das meiste unleserlich und an eine korrekte Aussprache ist gar nicht zu denken. Wir fahren hin und her, langsam aber sicher auf der Suche nach einem Quartier in Wassernähe. Endlich werden wir fündig und nehmen in Kauf, dass wir den Preis für 4 Personen zahlen, denn das Ehepaar (er freundlich, sie unsichtbar) vermietet nur ein Appartement mit 2 Zimmern. 600 Meter zum Strandbad – es ist 17:30, es bleibt uns etwas mehr als eine Stunde zum Entspannen! Entspannung? Das Bad ist verständlicherweise pumpvoll (schönes Wetter, Monatsanfang, Urlaubszeit); wir verdrücken uns ganz ans Ende, dort, wo auch noch ein wenig Sonne hinkommt. Die Ameisen sind nicht erfreut bzw. begrüßen uns mit innigen Umarmungen. Das Testen des Sees entschädigt dann aber für die lange Sitzerei im Auto. Als „erstes“ Abendessen probieren wir die Spezialität der Region: Backfisch (fast grätenfreier Hecht), dicke Scheiben Weißbrot, Salzgurken, ein paar Pommes frites (ich brauche was Salziges!) und ein großes Bier – nicht schlecht! Trotzdem schwebt mir momentan noch eine Pizza (?) als „zweites“ Mahl vor – also 2x 600m zu gehen. Kaum vom Wasser weg schlägt die schwüle Hitze wieder mit voller Kraft zu. Ich bin von einem Moment zum anderen sowas von schlapp: Rücken, Nacken, Stirn sind schweißnass. Bodo ist skeptisch, ob ich die Pizzeria auch finde, aber für bestimmte Dinge habe ich den absoluten Orientierungssinn! Und siehe da: hier ist das Etterem / Restaurant mit einem lauschigen Gastgarten. Auf Pizza ist mir die Lust vergangen; wir bestellen stattdessen den Temperaturen entsprechend einen guten Ruccola-Tomaten-Parmesan-Salat und trinken dazu einen Weißwein, den man eigentlich nur gespritzt trinken kann. Die schwarzen Gewitterwolken haben ein Einsehen mit uns und suchen sich einen anderen Ort der Entladung.

Tags darauf sind wir bereits kurz nach 9 Uhr wieder unterwegs: wir wollen jetzt das belebtere Ufer abfahren und finden einen sehr langgezogenen freien Strand, wo wir uns zwei Stunden aufhalten mit intensivem Aqua-Jogging bis hin zu amüsanten Gehvarianten im maximal brusthohen Wasser. Gegen Mittag werden die Gewitterwolken größer, wir brechen auf, investieren die letzten Forint in  Obst und Wasser und fahren die engen Straßen ab. Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich hier ohne Ende an – von verwahrlost bis lieblich; manche Orte sind noch verträumt, andere dagegen erinnern an Lignano-Jesolo-Bibione: Fressmeilen und Souvenier-Shops ohne Ende: nur weg von hier!

Das entgegengesetzte Ufer zeigt sich dann als sehr schilfig; es gibt nur kleine geschlossene Strandbäder, wo man eng an eng liegt – das enttäuscht uns ein wenig, denn zwischen hier und Wien wäre die kürzeste Entfernung, passend für einen gezielten Wochenendtrip. Wobei: mit 90km/h auf einer Landstraße in einem Konvoi zu fahren, wo einer vor dir bremst ohne Ende und andere vergeblich versuchen, zu überholen, ist auch nicht so angenehm. Dafür können wir bei offenen Scheiben den Fahrtwind und die schöne ebene Landschaft genießen. Das hat was für sich, zumal es langsam Abend wird, das Licht sich verändert und die heftigen Gewitterwolken erst nach der Grenze den Himmel für sich beanspruchen.

Fazit: Das Wochenende war super – es hat sich auf jeden Fall mehr aus ausgezahlt, dass ich meinen long-jog auf Freitag vorverlegt habe!

Wo ist das Lachen nur geblieben?

Bodo ist gestern zu einer Erkenntnis gekommen: er vermisst das Lachen!

Umpf – eine schwergewichtige Aussage, die mich ordentlich ins Grübeln bringt. Wenn ich meinen All-Tag so ins Visier nehme, ist da ehrlicherweise mehr als ein Körnchen Wahrheit enthalten:

Wenn der Wecker mich aus dem Schlaf reißt, zuckt erstmal der ganze Körper – aber nicht in freudiger Ekstase, sondern weil das Morgen-Grauen einen ordentlichen Schrecken verbreitet. Danach folgt die Erleichterung der Blase, die noch schläfrige gegenseitige Aufmunterungs-Umarmung, das erste zähneputzende Grinsen. Nach dem schweißtreibenden Morgensport der Versuch einer reinigenden Erfrischung unter der Dusche (ohne Gesang und Gezwitscher), derzeit gefolgt von intensivem Nachschwitzen und der Verzweiflung vor dem Kleiderschrank – ich bin jetzt seit 2 Stunden in Betrieb und habe noch nicht gelacht, maximal mein Gegenüber angelächelt und leicht die Mundwinkel nach oben gezogen. Wenn ich dann im Büro sitze, hocke ich an meinem Fensterplatz mit starrem Blick auf den Computer, wobei hier zunehmend die Buchstaben ineinander verschwimmen (ich kann mich aber einfach nicht dazu aufraffen, endlich auch im Büro die Lesebrille auf meine kleine römische Nase zu setzen). Zu behaupten, dass wir so ganz ohne Scherzerl den Arbeitstag verbringen, wäre falsch – an meiner Tischgruppe fällt schon hin und wieder ein Satz, der zumindest für einen Moment den Geist erheitert. Aber der Tag ist lang, die Augen werden müde, die Finger an der Tastatur langsamer, der Kopf brummt, bis ich dann das Narrenkasterl herunterfahre und von dannen ziehe. Und wenn ich daheim zu Fuß die Stufen erklommen habe, bin ich erstmal atemlos – auch da bleibt keine Luft übrig, um in hemmungsloses Gelächter auszubrechen. Es ist dann bereits 19, 20, 21 Uhr und somit wird es eng, dem Lachen eine Chance zu geben: man kocht, man berichtet einander von den kleinen Erlebnissen mit Erinnerungswert, man schaut in die Glotze oder liest ein spannendes Buch – und dann werden schon die Lider schwer. Ein bisschen Knuffeln und Schäkern und dann folgt das Zeremoniell des Gute Nacht-Sprücherls.

Zusammengefasst – es schaut echt traurig aus mit dem Lachen! Derweil würden da sooooo viele Muskeln beansprucht, positive Hormone zum Sprühen gebracht werden und ganz einfach der Organismus Mensch sich besser fühlen.

Daher mein Appell an Euch: Macht Lachen zur neuen sportlichen Herausforderung – wir sehen uns demnächst im Trainingscamp (zB beim Lach-Yoga-Workshop?)

Baustellen-Out-fit

Ihr wisst, meine Hauptprofession ist der Immobilie gewidmet: habe ich vor Urzeiten selbst noch mit einem sehr sensiblen Tuschestift (Fachausdruck Rapidograph) feine Linien auf dickem Transparentpapier gezogen und allfällige Verwacklungen mit der Rasierklinge wieder ausgekratzt, bin ich vor gut einem Jahrzehnt auf die „andere Seite“ gewechselt, lasse wirkliche Könner und andere innovative Chaoten in schwarzem Gewand gewagte Konstruktionen und sinnvolle Raumabfolgen entwerfen und diese mit flottem Finger auf der CAD-Tastatur in 2- und 3-D-Graphiken darstellen und widme mich mehr den koordinativ-organisatorischen Belangen, versuche, Beamte bei der Baubehörde mit meinem umwerfenden Charme zu schnellerem Bescheid-Ausstellen zu motivieren, agiere zuweilen als Mediator und Schlichtungsstelle und versuche, fair und gerecht ein partnerschaftliches Miteinander zu leben, denn ein Bauprojekt hängt von vielen Personen ab, von denen, die das Ganze finanzieren, von den kreativen Köpfen und von dem, der mit dem Schraubenzieher dafür sorgt, dass alles hält und an seinem Platze bleibt.

Was aktiv bleibt in meinem Job, ist der dann&wann-Besuch auf der Baustelle. Und dort gelten strenge Regeln, was das Outfit betrifft – selbstverständlich aus Sicherheitsgründen (dazu lese man im sogenannten Bauarbeitenkoordinationsgesetz, kurz BauKG, nach): in einer ungebrochen männer-dominierten Welt empfiehlt es sich, mit langen Hosenbeinen aufzutreten, denn die Stufen sind meist hoch und es könnte auch ein Sprung auf eine Leiter erforderlich sein. Und derbes Schuhwerk mit dicker Sohle und gestärkter Schuhkappe sieht zum luftigen Kleidchen irgendwie eigenartig aus. Der Kopf muss von einem melonenartig aufgeblasenen Helm geschützt werden – wie ich diese Dinger hasse! Nicht der Frisur wegen, sondern weil mir der enge innenliegende Gurt regelmäßig Kopfweh bereitet. Andererseits: besser ein solches Kopfweh als ein anderes, herbeigeführt durch ein von der Schwerkraft angezogenes Bauteil, wie Ziegel, Beton oder Glasscheibe. Also setze ich den Helm tapfer auf, wenn ich mich im Freien bewege, aber sobald ich auf sicherem Terrain, sprich irgendwo im Inneren befinde, wo de facto nichts mehr herunterfallen darf/kann/sollte: weg damit! Was die Sicherheitsschuhe betrifft, muss ich zugeben, bleibe ich meistens schon „Ich-Selbst“, sprich meine Palladium-Sneaker mit einer relativ dicken Sohle sind mir lieber als die unhübschen Kunststoff-Treter, und ich war auch schon mal mit diversen Plateauabsätzen zu Besuch (wie soll sich da ein Nagel durchbeißen?). Und da ich nicht so sehr der tägliche Hosenträger bin, kann ich gar nicht anders, als bei ungeplanten Baustellenbesuchen im Büro-Outfit aufzutreten – so geschehen heute: da gab es eine wichtige Vorstandsbesprechung vor Ort und ich musste auf die Schnelle ein Modell im Maßstab 1:100 auf die Baustelle bringen lassen. 3 starke Jungs haben mir dabei geholfen und mich ehrenhafter Weise buchstäblich in ihre Mitte genommen, denn ich hatte weder Zeit, die Schuhe zu wechseln, noch den Helm zu holen noch eine Warnweste anzuziehen. Die Jungs haben es genossen. Ich habe zügig mein ToDo erledigt und war dann rasch wieder auf sicherem Gebiet, obwohl ich glaube, dass es auf der Straße mit den eher unaufmerksamen Autofahrern zuweilen lebensbedrohlicher zugeht als auf der saubersten Baustelle Österreichs (www.erstecampus.at).

Sale ist nicht immer erfolgreich

Ich habe vor kurzem über meinen Sale-Rausch geschrieben – nun, ich bin wieder nüchtern bzw. kam die Ernüchterung, als ich die online-Bestellungen dann in Händen hielt:

# die sternverzierten Zehensandalen von Cavalli erwiesen sich als einfach haltlos-rutschig-flaches Sohlenwerk

# das locker fallende Kleid von Michael Kors hatte trotz farblicher Anlehnung an ein gesundes Korallenriff nicht den Schick, auch wenn es sich fabelhaft an meine Formen anpasste

# zu viel Pink ist leider nicht alltagstauglich und war im konkreten Fall too shorty, um als Kleid gelten zu können

# die Laufschuhe ließen kaum Platz für das Zehengewurrle an der Spitze und führten sogar im unbewegten Zustand zu einem Schweißausbruch

Meine Enttäuschung hält sich in Grenzen, habe ich meine endgültige Entscheidung doch durch mehrfaches Anprobieren und Posieren und die Akzeptanz meines impulsiven Bauchgefühls getroffen – und keine Angst: das eine und andere und noch ein weiteres schicke Stück haben die Probe bestanden: Willkommen das Shirt von Versace; Hello zum schon leicht herbstlichen saftig-roten Sack-Kleid von Armani und du natürlich auch, du weichfallendes No-Name Kleidchen mit dreiviertel-Arm und drei kräftigen Blockstreifen in Beige-Schwarz-knall-Blau, so luftig, dass es mich demnächst an einem mäßig warmen Sommertag begleiten darf.

Mensch 2.0

Wie stolz muss Mensch doch gewesen sein, als er entdeckte, dass er seine vier Gliedmaßen unterschiedlich einsetzen kann: die Arme & Hände zum Greifen, Streicheln, Schlagen / die Beine & Füße zum Gehen, Laufen, sich Fortbewegen. Die Hirnmasse wurde schwerer (auch bei der weiblichen Art!), die Ganglien, Synapsen, Neutronen komplexer miteinander verstrickt und vernetzt – der Mensch konnte mit einem Male vor- und nachdenken, entscheiden, grübeln, erfinden, reden, dichten, komponieren, lügen, und vieles mehr.

Ein Blick in die Runde im Jahr 2014 macht nachdenklich: was ist geblieben von diesem Geschenk und Erfahrungsschatz, der den Menschen an sich auszeichnet und von anderen Spezies abhebt? Da wird faul auf dem Sofa herumgeknotzt und der Zeigefinger wischt träge über das Smartphone / Tablet. Die Sprache reduziert sich auf sms-geschrumpfte Kürzeln und Floskeln. Wer muss noch nachdenken, wenn einem eine App jede Entscheidung abnimmt? Der einfache Schritt wird durch Scooter / Skateboard / Segway ersetzt, das in-die-Pedale-Treten durch einen Elektromotor erleichtert. Und trotzdem ist jeder überlastet, ausgepowert und lechzt nach Yoga, Wellness, Chillen.

Das Wunder ist eigentlich nur mehr bei den ganz Kleinen zu spüren: wie stolz sind Mama & Papa, wenn ihr Sprössling den ersten Schritt macht – egal, ob Babyprince George oder das kleine Mäderl von nebenan -, wenn die ersten Worte halbwegs verständlich den kleinen Mund verlassen, wenn das Patschhandi den Löffel selbst hält und den Brei ohne Verlust zum offenen Schnabel führt, wenn die Neugierde auch schon mal eine Beule verursacht.

Mir geht es nicht darum, dass jeder jetzt auf der Stelle sich auf Wanderschaft begibt, sein I-Phone im Stadtpark vergräbt, und schwere Bücher wälzt. Es ist dem Grunde nach schon ok, dass ein Großteil der Bevölkerung auf dieser einzigen Erde sich diesen Luxus der Bequemlichkeit leisten kann – aber vergesst nicht, welche Qualitäten in Euch stecken – körperliche und geistige. Nutzt Eure bunten Gehirnzellen, zeigt Phantasie, bleibt neugierig, zupft zwischendurch mal mit der Hand das Unkraut aus, geht barfuß über eine Wiese …. – BEGREIFT das Leben, weil das ist und bleibt immer 1.0!

Der Sale steckt im Detail

Alle Jahre wieder ….

# werden alle Schaufenster mit überdimensionalen Prozent-Zeichen überklebt

# werden die sowieso sehr farblosen Dekorationspuppen mit einheitlichen Streifen-Shirts oder knalligbunten Plastiksäcken verhüllt

# übertrumpfen sich Rechenkünstler in der Prozentrechnung

# und entwickeln Frauen, gleichermaßen wie Männer und Kinder einen sportlichen Ehrgeiz – unabhängig von einer Fußball-WM mit reichhaltigem Tränenverguss, einem Grand Prix mit schnellen Motoren, einem Tennis-Turnier auf grünem Rasen oder einer kleinen Radrundfahrt durch ein Öster-reich, das reich an Töchtern und Söhnen und anderen Spezialtypen ist.

Mein heutiges Bekennerschreiben zielt darauf ab, dass ich am vergangenen Beginn des Wochen-Endes nach einem ausgiebigen Nachmittagsschläfchen (uihh, das tat gut!) so viel Kraft angehäuft hatte, um mich online intensiv mit dem Thema Sale auseinander zu setzen – ganz bequem mit dem Tablet auf dem Bett knotzend habe ich mir günstige www.impressionen.at geholt und dem Designer-Sale im Zalando-Land meine Aufwartung gemacht.

Es ist halt ein erhebendes Gefühl, wenn man einen teuer angesetzten Preis durchgestrichen und durch einen scheinbar stark reduzierten Preis vor die Linse gesetzt bekommt. Ich sage nur eins: wir sind doch alle miteinander Schnäppchen-Jäger! Wer will sich schon eine Okkasion der speziellen Art entgehen lassen? Wann maße ich mir schon an, ein Kleid von Armani, ein Shirt von Versace und Zehen-Sandalen von Roberto Cavalli in den Warenkorb zu legen und dann noch den Mut aufzubringen, auf „Bestellen“ zu klicken? Klar, unterm Summenstrich muss es passen – das ist und bleibt meine Maxime. Und ob das eine oder andere Schnäppchen dann auch tatsächlich in die Falle geht, wird sich noch zeigen. Beim Online-Sale kann man ja zum Glück auch retournieren, was beim Direkt-Ausverkauf so gut wie nicht funktioniert (Diese Erkenntnis traf mich gerade wie ein Bitz – oder kam die Erleuchtung doch nur durch den Gewitterblitz?)

Und nachdem meine derzeitigen Lieblings-Laufschuhe gerade die Sohle verlieren, muss ich wohl nicht mehr erklären, was ich heute noch zu tun habe!

Auf die Plätze fertig los – die Jagd beginnt!

Vampire mit guten Absichten

Nein, ich schreibe jetzt nicht über die Gelsen, die uns derzeit pünktlich ab 21:30 heimsuchen – ich frage mich, woher die Blutsauger kommen, wo wir doch weit weg von einem Tümpel wohnen – brüten sie etwa in unseren Terrassen-Pflanzen?

Nein, ich meine die netten Leute von der Blutspendezentrale, die ich gestern wieder einmal besucht habe. Im Sommer werde ich immer telefonisch eingeladen, denn da herrscht Engpass bei den Blutkonserven, und es wird jede Spende benötigt.

Also bin ich gestern quasi in der Mittagspause hin („quasi“ deshalb, weil ich während der Arbeit kaum pausiere; bin derzeit wie ein Pfitschipfeil unterwegs!). Zuerst gibt´s den Piekser in den Mittelfinger und die Bestimmung, ob der Eisenwert ausreicht oder nicht. „12,5“ ist die magische Zahl – gestern brachte ich es sogar auf den Schwellenwert 12,2 (sonst meistens unter 12,0, was dann bedeutet: „heute leider nicht!“), weshalb ich zum kleinen Blutbild musste … welche Vene nehmen wir? Die „bessere“ wird für allfälliges Blutspenden reserviert, also wird die linke Armvene in Angriff genommen. Blöd nur, dass sich die so schreckt, dass sie abtaucht, weshalb nur mit Mühe und Plage die notwendige Blutmenge entnommen werden kann. Dafür ist das Ergebnis überraschend super: 14,0!!! Haben die letzte Eisenkur und das morgendliche Yoga doch endlich Wirkung gezeigt?

Also Wechsel zum rechten Arm! Doch was ist heute nur los? Die rechte Vene zeigt sich solidarisch und bockt ganz ordentlich. Quasi zu zweit versuchen Ärztin und Schwester, die Nadel in die richtige Lage zu bringen – zum Glück bin ich nicht allzu wehleidig, aber einmal war dann doch der kurze Moment, wo ich die Luft anhalten und die Augen zusammen pressen musste. Ich dachte schon, die Nadel kommt quer durch die Haut wieder raus! Das Abzapfen wurde dann auch früher als sonst abgebrochen – aus Mitleid mit mir!

Na ja, bei der offiziell 10. Blutspende darf es schon ein wenig spektakulärer sein! Als Dankeschön gab es eine Schachtel Merci – und eine weitere als Draufgabe, weil ich so tapfer war!

Was mich generell so begeistert am Blutspenden, sind die Menschen, die hier arbeiten: alle miteinander verbreiten eine Fröhlichkeit, sind nett zueinander und noch netter den Spendern gegenüber, sodass jeder das Gefühl bekommt, mit seinen 450 ml Blut etwas Großartiges zu leisten.

Ich gehe jedenfalls gerne hin – und nicht nur wegen den Mannerschnitten, die danach sowieso ausgeteilt werden!