That´s IT!

Der Wiener Opernball naht. Die Oscar-Verleihung in Los Angeles naht. Und damit die Aufregung so mancher Damen und Herren: Bin ich berühmt? Wie werde ich berühmt? Ich bin berühmt!

Das neue Lebensziel: ich will ein IT-Girl werden. Die Recherchen dazu – heute im Radio zu hören – waren recht interessant: a) musst du bereit sein, etwas zu tun, was ein „normaler“ Mensch nie tun würde – man sprach sogar von Exhibitionismus! -, b) solltest du von Natur aus oder gegen Einwurf kleiner Scheine bei einem Meister des Skalpells Körbchengröße C aufweisen, c) wäre es hilfreich, wenn du einen dicklippigen Kuss- bzw. Schmollmund hast, d) kann der Kontakt zu einem Fotokünstler (der auch im Photoshop tough ist) wahre Wunder wirken.

Wahrscheinlich gibt es noch weitere MUST, um ein IT zu werden – ich kann jetzt schon sagen: I am what I am, but I´m not It! Denn a) halte ich nichts davon, im kurzen Kleidchen ohne Dessous breitbeinig aus einem Car 2 Go ins Fettnäpfchen zu steigen, b) bleibe ich beim ABC der Körbchen gerne auf natürlichem Wege bei dem, was sich im Laufe der Jahre entwickelt hat, c) küsse ich gerne und kann auch schon mal schmollen, aber das funktioniert bestens ohne Einspritzdrüse. Zu d) muss ich allerdings zugeben, dass ich einen sehr guten Draht zu einem Fotokünstler habe, der Abbilder von mir schon mal in malerisches Schwarz-Weiß setzt, wenn die Farbe ach so grell das Auge beleidigt.

Was ist so schön daran, IT-Girl zu sein? Ich muss mich entscheiden, ob ich ein Klappergestell mit andauerndem Hungergefühl sein will oder eine knallige Üppigkeit an den Tag legen will. Ich muss mir mit Sandaletten in XX-high unnatürliche Größe verschaffen und riskiere damit verkürzte Achillessehnen. Ich muss viel Sitzfleisch beweisen, denn für die perfekte Frisur, das perfekte Make-up, die perfekten Finger- und Zehennägel vergehen viele Stunden, in denen ich still halten muss. Und was macht IT-Girl beim Friseur? sich selbst in den diversen Gazetten und Tratsch-Magazinchen abgebildet sehen oder noch schlimmer: sich NICHT zu sehen? Neid, Eifersucht, Frust, neue Termine beim Schönheitschirurgen, viel Geld für Kleider & Schuhe. Wo führt das hin? Sicher nicht zu Glück und Zufriedenheit. Nur vom IT alleine wird frau sicher nicht reich. Welche Lebensdauer hat ein IT-Girl? Eine kurze Modesaison? Solange, bis einstudierte Exzesse nur mehr ein Gähnen produzieren? Solange, bis das IT dann plötzlich OUT ist? Was kommt danach?

Und was für mich das Schlimmste ist: IT heißt in meine Sprache übersetzt: ES! Welche halbwegs vernünftige Frau mit ein bisschen Grips im Köpfchen will sich zum Neutrum abstempeln lassen?

Ich bin jedenfalls ich!

In der Auslage sitzen

Wien Mitte war früher der Ort, wo der Balkan begann. Das war zu einer Zeit, als der Anknüpfpunkt zum Wiener Flughafen mit dem CAT eine Mega-Baustelle war, als das neu entstehende Gebäude – the Mall – gefährlich nahe dem U-Bahnschacht kam und einige Sachverständige und Statiker nervös die Eisen begutachteten, zu einer Zeit, als der Ort schlechthin eine Schande für Wien war, vergammelt und versandelt – und das auf der Rückseite des Hilton Hotels am Stadtpark und der Steffl zum Greifen nahe. Mittlerweile hat es sich so gut wie ausgebaustellt, in die Mall sind altbekannte Geschäftsketten eingezogen darunter ein Mini-Supermarkt, der auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet hat, wo es aber so eng ist, dass man nur so viel einkaufen kann, wie man selbst zu tragen vermag. Und am Eck zum Platz, da gibt es die Spar-Snack-Bar, die wir vor kurzem für uns entdeckt haben, denn das Glas – sehr guten – Proseccos kostet dort nur € 3,– (100 Meter weiter in unserem eigentlichen Stammlokal € 4,50 und beim Bäcker, der zum Feierabend mit Brot und Wein lockt, gibt es gar keinen italienischen Sprudel), wird in anständig bauchigen Weingläsern serviert – bei den schmalen Sektflöten weiß meine nicht mal so groß geratene Nase nie, wohin sie sich biegen soll, und außerdem muss man den Kopf unangenehm weit in den Nacken legen -, es gibt knusprige Toast mit allerlei Füllung (mein Favorit ist der Pariser Toast mit Brie und Ruccola) und, wie gestern erst entdeckt, die superschön antik anmutend verpackten dickbäuchigen Mandelkekse, die so intensiv nach Amaretto und Marzipan schmecken … mmmh! Hinter der Theke werden Pasta und Salat frisch zubereitet. Die Einrichtung ist schlicht mit Hochtischen und Barhockern, wohl überlegt, weil hier meistens nur auf die Schnelle gegessen wird. Wer schon mal länger auf einem Barhocker gesessen ist, versteht mich: es ist für die Beine nicht allzu angenehm, auch wenn man die Füße an der Reling einhaken kann. Daher wird man hier nicht so lange sitzen bleiben, wie in einem tiefen Fauteuil oder einem weichen Lederstuhl. Interessant sind die schmalen Tische entlang der Glasfassade: hier sitzt man nebeneinander, was die Kommunikation etwas erschwert oder allein – ein wohl durchdachter Schachzug in einer Zeit, da sehr viele Singles unterwegs sind bzw. Menschen, die einfach in Ruhe (gut) essen/trinken und die eigentlich mit niemandem reden wollen (!?).  In der Mittagspause zum Beispiel kann ich mir schon gut vorstellen, dass man bewusst in Ruhe gelassen werden will. Trotzdem ist man nicht vollkommen isoliert, denn hier an diesem Eck hat man zwar den ganzen Trubel, der da draußen vor den U- und S-Bahnabgängen herrscht, im wahrsten Sinne des Wortes ausgesperrt, ist aber in irgendeiner Form doch Teil des Ganzen. Sofern man sich nicht gerade in einer Zeitung vergräbt oder in irgendwelchen Apps, schaut man unweigerlich auch ab und dann hinaus und fängt den einen oder anderen Augenblick eines Fremden auf – hier in der Auslage sitzend sozusagen, man ist nicht allein, findet Ablenkung, kann sich auch mal amüsieren, wundern oder schrecken über die Gestalten da draußen in ihrer Hektik, mit all ihren Sorgen und Ängsten und Freuden. Die Snackbar wird zum Hort der Geborgenheit und des Beobachtens. Vice versa ist es aber eher unwahrscheinlich, dass man beim Essen/Trinken beobachtet wird, denn nur der wird sehen und erkennen, der innehält mit seinem Schritt.

Wer mich ein bisschen kennt, weiß, dass ich ein recht gutes Bauchgefühl für Raumatmosphären habe, nennt es Fengshui oder Shengfui oder einfach einen primitiven Hausverstand oder elegant ausgedrückt „Raum-Yoga“ (Achtung! Das ist MEINE Erfindung!). Diese Snackbar ist so ein kleiner, fast unscheinbarer Hort. Auch die Bedienung trägt dazu bei, dass man sich für eine Weile ganz wohl fühlt: freundlich, aber nicht aufdringlich. Wer sich die Architektur genauer anschaut, wird entdecken, dass gar nicht viel Bahö-Baha gemacht wird: dunkler Holzboden, schlicht geölt, eine schwarze Rückwand als Tafel ausgebildet, einfache Tische mit beige-glänzenden Sets, ein bisschen dezentes (echtes) Grün und der asiatische Sumo-Koch, der die rohen Nudeln ins heiße Wasser gibt – ach so, der Koch ist ja nicht gebaute Architektur, wirkt aber wie ein Fels in der Brandung.

Genug geschwärmt! Macht Euch selbst ein Bild oder nehmt meine Zeilen als Ansporn, Eure eigene Auslage zu finden. Entdeckt, was Ihr draußen zu sehen bekommt und findet heraus, wie Ihr Euch selbst fühlt – das ist „Raum-Yoga“ – kapiert?

Po zu groß für die Linse

Heute Morgen, besser gesagt, heute Vormittag, denn am Sonntag gönne ich mir ein sportfreies Ausschlafen – und deshalb gibt es Frühstück erst nach der Kirche. Jedenfalls dient unser Hochtisch mehr als Ablage als dass er wie ein Esstisch ausschaut. Bodo nutzt die große Fläche gerne als Ablage für Post, Computerzeitschriften und die Fotoausrüstung wird auch hier ab & dann zwischengelagert. Und nachdem es gestern ein kleines Zeitfenster gegeben hat, das Bodo für eine Panoramaaufnahme am windgepeitschten Terrassendeck genutzt hat,

siehe Link:

Wien_Panorama

landete die Canon mit dem Riesenobjektiv auf besagtem Tisch. Aber für das sonntägliche Frühstück muss Platz gemacht werden – ein „sanfter“ Hinweis, und Bodo richtet das Objektiv auf mich, besser gesagt auf meine Kehrseite, löst aber mit einem Grunzer nicht aus und meint hämisch: „Der ist zu groß – der passt da nicht rauf!“ Wenn ich nicht ich wäre, hätte das jetzt das Ende eines harmonisch-verregneten Sonntags bedeutet. Was jetzt nicht bedeutet, dass es bei meinem Gegenüber kein kleines „Aua!“ gegeben hätte …

Männer tun sich schon schwer, die richtigen Worte zu finden, wenn es um bestimmte Körperteile und Formen des weiblichen Geschlechts geht. Ein harmlos gemeintes Adjektiv – und der Haussegen liegt schief. Besonders, wenn es um den weiblichen geographischen Mittel-, ähem, Schwerpunkt geht, also das Becken und die beiden kugelförmigen Muskelpackerln, die das Ganze abrunden. Frauen sind da sehr empfindlich. Apfel, Birne oder Kartoffel? Knackig, dellig, mit oder ohne Falte? Prall, rund oder wie zwei müde Säcke? Sexy oder peinlich? Perfekt oder einfach ein Star?

Jennifer Lopez hat ihren Po mit 250 Millionen Dollar versichert.

Kim Kardashian presst ihren Body bewusst in auf die Haut geschneiderte Edelroben.

Beyoncé Knowles mag es auf der Bühne gerne Body-like und shakert mit ihren Backen.

Paris Hilton mag es luftig und vergisst schon gern auf Spitze und Satin.

Victoria Beckham zeigt all over Size Zero und meint (zu Recht), dass sie nackt betrachtet, gar keinen Hintern hat.

Der Preis für den größten Promi-Po geht aber an Coco Austin, der unbekannten Ehefrau von Ice-T.

Die Star-Magazetten schreiben also vom:

  • sexy Po
  • perfekten Po
  • Model-Po
  • heißen Po
  • imposanten Po
  • knack- Popo
  • schönen Po
  • Star Hintern
  • winzigen Popöchen
  • runden Po
  • Wackel-Po

Und Männer flüstern gerne: „Was für ein A….!“ Müssen sie auch, denn wenn ihnen das Objekt der Begierde die kalte Schulter zeigt und kurz darauf den Rücken, bleibt der Blick ohne Zweifel dort hängen, wo man(n) einen herben Klaps setzen kann und wo man(n) gerne kneterische Fähigkeiten unter Beweis stellt.

Frauen sind zu wenig oft mit ihrem Gluteus maximus zufrieden. Komisch eigentlich, denn die eigene Rückseite kann frau nie in ihrer unverzerrten Pracht sehen, kann sich daher eigentlich kein objektives Bild über die Wirkung ihres Hinterteils machen: steht frau vor dem Spiegel, um einen Blick auf Jeansfigur zu werfen, passiert dies einseitig und mit verrenktem Hals. Und Fotos sind sowieso nicht aussagekräftig (passend zum Titel meiner heutigen Gedanken). Aber jede Frau ist sich dessen bewusst, dass ihre Geschlechtsgenossinnen nur zu genau den Fokus auf den Po der anderen richten – vergleichend, kritisch, neidisch, selten bewundernd (das wär nicht ehrlich) – und das macht nervös!

Ich habe mich einigermaßen arrangiert mit meinem Po und richte meinen skeptischen Blick schon eher auf meine ausgeprägten Oberschenkel, die es mir manchmal erschweren, eine passende Hose zu finden. Nichtsdestotrotz tu ich was für meine Sitzmuskeln – meinen Jahresvorsatz, weniger oft mit dem Lift ins Dachgeschoss zu fahren, und stattdessen keuchend die fast 100 Stufen zu erklimmen, halte ich bis dato ein. Und im Stehen kann man fast überall und unbemerkt kurze Kontraktionen der Gesäßmuskulatur durchführen – das 100 Mal am Tag und man(n) wird sich bald die Zähne ausbeißen!

Stell dir vor, der Strom macht blau!

Nachrichten der letzten Tage sprechen darüber, dass der starke Schneefall starke Bäume und damit  Oberleitungen in die Knie gezwungen hat. Deshalb sitzen einige Tausend Menschen im Dunkeln und frieren. Das bringt mich ins Grübeln:

Stell dir vor, der Strom macht blau!

Stell dir vor, der Strom hat ein Burn out.

Stell dir vor, der Strom nimmt sich ein Sabbatical.

Stell dir vor, der Strom hat genug von schlecht bezahlter Arbeit und geht in Streik.

Stell dir vor, der Strom wandert aus.

Stell dir einfach vor, dass der Strom plötzlich nicht mehr da ist. –

In unserer verwöhnten Gesellschaft ein Fiasko!

In der Früh kommt nur kaltes Wasser aus dem Duschkopf.

Dir bleibt nur eine Kaffeebohne, an der du kaust, um dein Koffein-Depot aufzufüllen. (Es ist nicht ratsam, luftdicht verschweißte Nespresso-Tabs mit den Zähnen aufzubeißen und sich das schwarze Pulver über einen Strohhalm in die Schleimhäute zu ziehen.)

Das Laufband im Fitness-Club bleibt stumm.

Das Vitamin D versteckt sich in der dunklen Solarium-Kapsel.

Elektro-Autos sind out, noch bevor sie den Status It-Car erringen konnten.

Du beißt dir die Zähne an der Tiefkühlpizza aus, und in der Mikrowelle herrscht nur eine laue Brise.

Du kannst dein Handy / Smartphone nicht mehr aufladen und bist ohne App handlungsunfähig.

Du bist abgeschnitten von Facebook, Skype, Google, … – die worldwideweb-community versinkt in der Steinzeit.

Zalando, Amazon und andere Online-Shops verlieren ihre KundInnen.

Die Konsequenzen?

Deine Haut wird zwar rot, aber straff, denn je kälter es an deiner Körperoberfläche ist, desto mehr ziehen sich die Fettzellen im Inneren zusammen.

Du spürst den reinen Geschmack, klaren, kalten Wassers und fühlst dich nachhaltig erfrischt.

Bewegung an der frischen Luft beansprucht jeden Muskel und kräftigt nebstbei auch deine Sinne.

Du entwickelst eine gewisse Demut gegenüber unserem lebensspendenden Feuerball.

Du entstaubst dein altes Fahrrad oder gehst doch zu Fuß.

Du füllst deinen Magen mit den Früchten der Natur und gehst sorgsamer mit diesen Gaben um.

Du nimmst die Personen in deiner unmittelbaren Umgebung, in deiner Nachbarschaft und sprichst (!) – du hörst deine eigene Stimme, und dein Daumen streichelt wieder über Wangen anstelle über Buchstabentasten.

Unsere Welt wird wieder kleiner; der Mikrokosmos wird ganz groß.

Wir haben alles, was wir brauchen.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn es gibt gewichtige, übergreifende Gründe, warum ein Strom-Aus Gefahr für Leben und Gesundheit bedeuten würde: Operationen könnten nur mehr mit Unterstützung von Notstromaggregaten durchgeführt werden. Lebenserhaltende Maschinen würden das Gegenteil bewirken. Der öffentliche und der individualisierte Verkehr würden zum Erliegen kommen. Die Weltwirtschaft würde zusammenbrechen, weil das Schreien der Broker ohne Echo bliebe. Und weil der Mensch ja evolutionsbedingt immer einen Fussel Böses in sich trägt, würde Gewalt unbeschwert durch die Straßen ziehen können.

Lieber Strom!

Lass dich nicht von weißen Schneemassen, dicken Ästen und sonstigen Hindernissen zu Fall bringen. Wir halten deine Lei(s)tung hoch und versuchen, dir dein Leben so angenehm wie möglich zu machen.

Lieber Strom: lass mich nicht allein!

Rot-Kariert

Die derzeit etwas aufreibende Arbeit macht mich sehr müde und laugt aus. Ich habe daher wohl auch am Samstag meinen long jog frustriert im Bett gelassen. Und dementsprechend unrund verlief der Vormittag. Das graue Wetter hat meine Schritte dann in die City gelenkt. Durch versteckte Gässchen und mit ein paar Umwegen bin ich ohne großartigen Personenstau, der mich auf der Kärntner Straße erwartet hätte, diritissima zu „meinem“ Bernhart gelangt, einer Boutique in einer Nebengasse, abseits vom Gewurrle, wo ich schon seit Jahren ab und dann, mal öfter, mal weniger, ein paar Teile gefunden habe, die ein bisschen Grunge, ein bisschen Rock, ein bisschen anders sind, und die ich trotzdem so kombinieren kann, dass ich mich damit ins Büro wagen kann. Nicht, dass ich davor Angst habe, Aufsehen zu erregen. Meine KollegInnen kennen mich und meinen Kleiderschrank mittlerweile schon recht gut. Sie meinen zwar immer, dass ich etwas Neues anhabe, aber dem ist es dann doch nicht so. Mit kleinen Tricks und Alternativ-Zugriffen ist es leicht, ein neues Outfit zu schaffen. Mal sind es nur die Schuhe/Stiefel/Stiefeletten, die einem Kleid einen komplett anderen Look verpassen. Mal muss man schon mehr dafür tun, dass keine Langeweile entsteht.

Gestern jedenfalls haben nur wenige Augen-Blicke genügt, um mich davon zu überzeugen, dass eine rot-karierte, salopp-schlampig geschnittene Hose ein neues Zuhause finden wird. Nachdem ich aber nicht Vivienne Westwood bin, die zum Neujahrskonzert 2014 mit mega-geilen karierten Ballett-Kostümen überrascht hat, und mir daher Karo allein doch ein wenig zu schrill ist, kommt oben drum halt ein langes, asymmetrisch geschnittenes Jackenteil in schlichtem Schwarz zur optischen Beruhigung. Dazu Boots und fertig ist ein Look, in dem ich auch im Büro eine gewisse Bequeme spüren werde, denn die Hose ist um die Hüfte und um den Bauch so locker, dass mich da nichts einschnüren wird, wenn es wieder mal lange wird am Arbeitsplatz. Und wenn meine Augen müde werden vom vielen Bildschirm-Anstarren, dann werde ich einen Blick nach unten werfen, um mich vom knalligen Rot inspirieren und animieren zu lassen – Rot belebt doch die Sinne?

Speed Dating

Auch wenn mein Ruf schon den einen oder anderen Knax davon getragen hat – bevor der Titel meines heutigen Blogs zu Missverständnissen führt: es war rein geschäftlich!

 

Man nehme:

–       einen Kongress, der Bauherren gewidmet ist

–       eine originelle Idee des Veranstalters

–       18 unterschiedliche Immobilienprojekte

–       18 Tische

–       20 Minuten

–       einen Gong

 

… und los geht´s mit dem speedigen Speech Dating!

 

Ich durfte den ganzen Tag auf „meinem“ Tisch sitzen bleiben und in Summe 6x über unser Bauprojekt sprechen, aber die (zahlenden) Kongressgäste mussten, sobald der Gong ertönte, rasch zu einem anderen Tisch hetzen, um auch hier die Informationen zu bekommen. Schlau genug war der Veranstalter, dass die Teilnehmer sich bereits bei der Anmeldung online entscheiden mussten, welche 6 Projekte sie interessiert. Sonst wäre das ein ziemliches Chaos geworden.

20 Minuten sind ziemlich wenig. Ich habe zwar wie ein Wasserfall die wichtigsten Fakten und Zahlen, untermalt von kleineren Anekdoten, von mir gegeben, aber es blieb kaum Zeit, auf die eine oder andere Frage einzugehen. Das war gezielte Absicht: 20 Minuten erwecken die Neugier, 30 Minuten führen in die Langeweile. Und für den, der mehr Informationen will, gibt es ja die im Businessleben so gern gelebte Visitkarten-Changerei und das mir so nicht vertraute Networking. Berufliche Netze zu spinnen ist in unserer Zeit aber zu einem Muss avanciert. Im Radio gibt es zwar gerade wieder die Job-Challenge: „Du musst niemanden kennen – du musst nur was können!“ In Real Life (IRL) aber ist es doch andersrum! Du musst nur jemanden kennen, um weiter zu kommen; und dabei musst du nicht einmal was können. Wie viele Positionen in höheren und niederen Rängen sind doch mit Personen besetzt, deren Fähigkeiten primär darin liegen, dass sie zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, die richtigen Drahtzieher kennen – und schwupps ist der Schreibtisch neu besetzt.

Ich muss mir langsam, aber sicher, auch über meine berufliche Zukunft Gedanken machen, denn nach diesem Großprojekt, das mich derzeit viele Stunden und auch abends im Büro gefangen hält (in den letzten Wochen war doch des öfteren diejenige, die die Alarmanlage aktiviert hat), was wartet da auf mich bzw. was wird im Arbeitsdschungel auf mich lauern? „Ich bin ein Star – lasst mich rein!“? Oder muss ich doch einige Stricke auswerfen, an den richtigen Stellen einen Knopf machen und ein feines Netzwerk weben? Es stellt sich allerdings auch die Frage: Was will ich in Zukunft machen? Speed Dating jedenfalls hat nur sehr eingeschränkt meine Begeisterung erhalten. Das ist mir zu oberflächig. Immer nur mit kleinen Kratzern einzudringen in ein Thema, ist auf Dauer zu wenig. Es muss doch auch Möglichkeiten geben, gefahr- und schmerzlos in die Tiefe zu dringen. Sind nicht Neugierde, Beharrlichkeit, Durchhaltevermögen und eine Prise Besessenheit die Eigenschaften, die Entdeckungen erst ermöglicht haben? Ich bin mit Sicherheit kein Entdecker, weil mir dazu wohl der Mut fehlt, aber ich spüre eine – wenn auch erzwungene – Aufbruchs- und Umbruchsstimmung im Keim sich entwickeln – noch sehr klein und kaum zu sehen …

Wort-o-Gräfin

Jemand, der sich zu typischen, aber auch untypischen Tageszeiten an normale, aber auch vollkommen individuelle Ort begibt, seine Augen wandern lässt und den Inbegriff eines Momentes in seinem Gehirn „be-greift“, schnappt sich ein Objektiv (Makro, Weitwinkel, wie auch immer) und fängt diesen besonderen Augen-Blick in einem Bild, einem Foto ein. Derjenige nennt sich schlicht und erhaben Fot-o-Graf.

Da mir die fotospezifischen Eigenschaften von Belichtungszeit, Blende, ISO trotz mehrmaliger mehr oder weniger geduldiger Belehrung weiterhin ein Mysterium bleiben und ich daher eher zum Automatisieren neige (und damit auf komplettes Unverständnis und enttäuschtes Gebrumme stoße), bleibe ich bei dem, was mir eher als Stärke zugeschrieben werden kann. Ich lasse meine oft wirren und konfusen Gedanken durch meine beiden Gehirnzellen tanzen (mehr intelligente Zellen traut mir Bodo nicht zu) und je nachdem, wo diese Gedanken dann in der Hirnrinde antutschen, entstehen Bilder, welche durch eine subjektive Linse gefiltert in einem weiteren Schritt in geschriebene oder gar ausgesprochene Worte gefasst werden. Anders als bei einem 120 Minuten Film, der fix und fertig gedacht, einem vor das Auge gesetzt wird und dieses eigentlich nur das weitergeben muss, was es zu erkennen glaubt, ist es mit Wörtern, die eine Geschichte, eine Anekdote, einen Witz, eine Boshaftigkeit oder was auch immer, erzählen, etwas anders. Ich gebe mein subjektiv gemaltes Bild weiter und setze damit beim Empfänger einen Wellenschlag frei, denn derjenige muss meine Worte in ein eigenes Bild übersetzen. Auch dieses subjektiv und wahrscheinlich in Teilen oder als Ganzes ein komplett anderes Bild, das wiederum aus neuen oder anders gruppierten Wörtern besteht. Und so geht es weiter, bis mein Bild immer weiter getragen wird und, wenn es wieder zu mir zurück kommt, ein ganz neues ist. Hoppla – so war das aber nicht gemeint! oder: erkenne ich dann überhaupt noch mein ursprüngliches Bild?

Was ist das Schöne am Schauen eines Thrillers, einer Liebeskomödie im Vergleich zum Lesen eines Thrillers, einer Liebeskomödie? Das eine ist bunt, laut, mit Musik hintermalt, welche die jeweilige Stimmung bereits vorappliziert, sodass man genug Zeit hat, sich einen Polster griffbereit vor die Augen zu halten, oder zum Taschentuch greifen zu können, bevor Salz und Rotz das gute Sofa ruinieren. Derjenige, der mitschaut, sieht quasi zeitgleich das Gleiche. Klar, jeder wird die gespielte Szene etwas anders empfinden (darüber kann man sich dann ja auch in eigenen Worten unterhalten), aber der Zeitfaktor, das Bild, der Ton sind ident (außer der eine muss schnell aufs Klo und verpasst den spannendsten Teil). Aber beim Lesen ist man allein; Lesen ist leise, Buntheit oder Schwarz-Weißmalerei entstehen erst. Personen, die im Buch beschrieben werden, werden im Kopf nachgezeichnet. Ich ertappe mich dann oft, dass ich der nur in Worten beschriebenen Person meistens das Gesicht und die Statur einer Person gebe, die ich in real Life oder im Fernsehen / Kino / Bildmagazin schon mal gesehen habe. Manchmal schaffe ich es aber auch, einen „Rohling“ zu nehmen und den dann mit bestimmten Gesichtszügen, Speckröllchen, dicken Titten langen Haaren oder einem muskulös-trainierten Sixpack auszustatten. Noch phantasiereicher wird es natürlich, wenn die Person in ihrer Körperlichkeit gar nicht beschrieben wird, wenn also nur die Handlungen in den Vordergrund gerückt werden. Dann wird es spannend, denn Bodo formt sich mit 100%iger Sicherheit ein komplett anderes Bild von der undefinierten, geisterhaften Gestalt. Ob das mit dem Unterschied der männlichen bzw. weiblichen Denkweise zusammenhängt, kann ich nicht sagen und nicht bestätigen. Da müsste es dann schon mehr Probanden geben. Wie oft aber wurde wir schon enttäuscht, wenn ein Buch verfilmt wurde und die Schauspieler, die sich im Casting durchsetzen konnten, so gar nicht dem entsprachen, wie ich es mir im Kopf ausgemalt hatte? Deshalb trenne ich lieber Buch von Film.

Jetzt fällt mir nichts mehr ein. Mein Bilderproduzent im Hirn braucht eine kleine Pause! … Die Wort-o-Gräfin

Wer die Schaufel in die Hand nimmt, fängt den Fish!

Bodo meint, meine Blog-Notizen seien lustig.

Ich interpretiere das so: er findet es lustig, wenn ich mich mit mehr oder weniger charmant-verdrehten Worten selbst auf die Schaufel nehme – ist doch so oder? Ich nehme mir wahrlich kaum ein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, mich bloß zu stellen, ohne aber nackt zu sein. Auch wenn das Schreiben im Web einen gewissen Grad der Anonymität erzeugt: es gibt mindestens ein Bild von mir – und anhand dieses Fotos kann sich jeder, der meine Blogs liest, ein eigenes Bild von mir machen, so, wie es ihm / ihr gefällt … ich bin ein sozusagen in Wort und Beistrich und Ausrufezeichen gepinselter Avatar, der heute als Lachfigur dasteht, morgen aber vielleicht als Jemand, der „endlich darüber schreibt!“ Treibt mich diese Erkenntnis nun in den mentalen Wahnsinn und verstumme ich von einer Sekunde auf die andere oder schwebe ich elfengleich über die Schallwellen des aufströmenden Gelächters und lasse mich auf meinem Beobachtungsposten nieder?

Ich glaube, ich will eigentlich nur, dass dem einen oder anderen beim Lesen ein kleines Schmunzeln über die Lippen kommt – ein online-Fitness-Training für die Mundmuskulatur sozusagen. Und wenn dann noch über mich getratscht wird, wird der Kiefer ebenfalls trainiert und die Zunge geschmeidig-feucht gehalten.

Es ist ja so wie bei meinen Fitness-Stunden, die ich abhalte. Nun gut, beim Yogaunterricht ist es angebracht, den Kasperl hinter dem Vorhang zu verstecken, aber auch hier versuche ich, durch bildhafte Erklärungen bzw. durch sprachliche Hoppala-Asanas ein klein wenig die Anspannung aus den Gesichtern wegzunehmen.

Beim klassischen Bauch-Beine-Po, das durch mich eine moderne, flippige Ausdrucksweise verpasst bekommt, bin ich mal strenger Oberfeldwebel, mal maulender Clown, mal sexy Biest. Wie auch immer, die Mädels (und die wenigen – älteren – Jungs) lieben es – sie müssen es lieben, sonst wäre meine Stunde nicht so gut besucht. Gestern hatte ich 43 Mädels und Damen und 2 Herren (Mann, die fühlen sich inmitten der wippenden Figuren wohl wie Adam im aufgefüllten Paradies!), die voller Power und mit viel sichtbarem Ehrgeiz all das so gut als recht mitmachten, wie ich es wollte, und vor allem dabei auch noch ihren schweißtreibenden Spaß hatten. – Der Mensch ist halt unterhaltungssüchtig!

Und ich? Ich schöpfe aus diesem entgegengebrachten Feedback enorm viel Energie. Nach einem stressigen Arbeitstag (und wenn ich stressig sage, dann meine ich es auch so … von Besprechung zu Besprechung, dazwischen Protokolle verfassen, Mails bearbeiten, Kollegen aufmuntern, hoffen, das Richtige getan zu haben, nicht verzweifeln, wenn alle Müh umsonst war, … und der Jahresvorsatz, mittags eine Runde im Park zu gehen, hatte noch keine Gelegenheit, FUSS zu fassen), ist es zwar meistens eine kleine Anstrengung, mich (das heißt Kopf und Körper) ins Studio zu schleppen, aber sobald ich im Turnzeug stecke, die Leute in den Saal strömen und ich mit Musik den Kurs eröffne, ist der Showeffekt da: alles dringt für 60 Minuten in den Hintergrund, egal, ob Müdigkeit, Hunger/Durst oder Schmerzen – Ich bin präsent. Wer das Buch Fish! kennt, weiß: präsent zu sein, ist eines der 4 wichtigen Motivationsprinzipien, um seinen Job gerne machen zu können (die anderen 3 sind übrigens: Spielen / play, den anderen Freude bereiten / make their day und deine Einstellung wählen / choose your attitude).

Man hat so immer so viel Freude, wie man sich selbst macht! Und wenn meine kleine Schar der Leser/innen hin und wieder über meine Zeilen schmunzeln kann, soll es mir nur Recht sein – ich habe Freude daran:

I make your day!

Welcher Laufschuh ist der beste im ganzen Land?

Diese Frage beschäftigt mich, nachdem mittlerweile jeder weiß, dass ich mich mal mehr / mal weniger gern dem Laufen widme, seit einiger Zeit intensiv, denn seitdem ich bei www.run21.com immer wieder Super-Sonderangebote finde, liegt es nahe, dass man den einen oder anderen Laufschuh, ohne, dass man ihn vorweg probiert hat, bestellt. Es ist verlockend, wenn ein Asics um 50% reduziert ist, und wenn er so angepriesen wird, muss er ja auch gut sein. Leider trifft das nicht auf jeden Fuß zu, sprich nicht auf meinen. Nachdem ich über den ganzen Sommer immer in meinen relativ ungedämpften Wettkampfschuhen gelaufen bin, wollte ich im Herbst und über den Wintern meinen Füßen etwas Gutes gönnen und habe mir besagten Asics in dezentem Schwarz und feurigem Orange gekauft. Super bequem, als ich in der Wohnung die ersten tänzelnden Laufhopser machte, aber dann beim ersten Auslauf die große Enttäuschung und wachsende Verzweiflung: meine Füße und die Schuhe wollten sich nicht miteinander bewegen, nein ich spürte richtiggehend das Machtgezerre da unten, 172 cm von meinem Gehirn entfernt. Was ist da nur los? Kurze Zeit später fingen auch noch die Schienbeine zu schmerzen an und die Freude an der Bewegung war dahin. Gut, dachte ich, das muss sich erst einspielen. Tat es aber nicht. Auch nach weiteren Läufen war zwischen Fuß und Schuh keine Eintracht herbeizuführen. Also habe ich wieder zu meinem Wettkampfschuh gegriffen und war echt happy, und meine Füße haben sichtlich erleichtert laut gejubelt. Auch diese von Asics, also nicht einmal, dass man sagen könnte: diese Marke ist nicht für deine Füße geeignet. Ich habe ja auch bei Saucony schon Ähnliches erlebt: da habe ich mir von einem Modell aufgrund des verlockenden Angebotes gleich zwei Paar gekauft, allerdings in unterschiedlichen Farben. Mit den bunten war ich ein Ass auf der Laufpiste, mit dem rein weißen Schuh allerdings, der sich durch neongelbe Schnürsenkel hervorzuheben versuchte, war das Laufen dagegen ein frustrierender Graus, der zu einem grauslichen Frust führte. Und ich kann nicht ergründen, warum das so ist. Anfangs dachte ich noch, dass meine Füße aufgrund der blassen Farbe streikten, aber nachdem ich mental daran gearbeitet hatte und sich keine Besserung einstellte, sind die Schuhe nunmehr im Schrank ganz hinten versteckt und ärgern sich jetzt wahrscheinlich schwarz – aber auch dann werde ich sie nicht tragen, denn je dunkler der Schuh, desto schlimmer wird es dann im Sommer, wenn der Asphalt unter den Sohlen zu brennen beginnt.

Schlussendlich bin ich jetzt bei drei Modellen gelandet, die mich frühmorgens, wenn ich schwitzend durch die Straßen fege, begleiten dürfen: es sind zwei unterschiedliche Wettkampfschuhe von Saucony bzw. Asics und ein neutrales Paar für sozusagen normales Training, auch von Saucony in knalligem Pink. Und ich weiß nun auch, dass ich sie in Größe 42,5 bestellen muss, will ich verhindern, dass sich die Fußnägel in regelmäßigen Abständen von den Zehen lösen und ihrer eigenen Wege gehen.

Für nicht so Laufinteressierte mag das jetzt wahrscheinlich etwas überzeichnet klingen: nimm doch irgendeinen Laufschuh und lauf einfach. Ganz so ist es halt doch nicht: ich will mich doch einigermaßen wohl fühlen, wenn ich meinen Puls in die Höhe treibe. Außerdem ist das bei mir auch so eine mentale Sache: wenn ich das Gefühl habe, dass mich ein Laufschuh blockiert, bin ich auch im Kopf blockiert. Ich bin weit davon entfernt, beim Laufen den eleganten Schritt einer Gazelle nur annähernd nachahmen zu können (böse Zungen behaupten ja, dass ich mich eher wie eines dieser dunkelgrauen Dickhäuter bewege), aber nachdem das Laufen für mich so wichtig ist (und ein weiterer Marathon bereits in der pipeline lauert), muss ich mich, wenn ich samstags um 6 Uhr aufstehe und 180 Minuten laufe, auch einigermaßen wohl fühlen. Das beginnt unten beim Schuh, geht über die Hose hinauf und endet oben beim Oberteil. Vielleicht erklärt das mein großes Storage an Laufbekleidung?

Nr5 und ihre Freundinnen

Ich habe das arge Gefühl, dass aufgrund des warmen Wetters alle bereits aus dem Winterschlaf erwacht sind und sich voll in die Arbeit stürzen. Ich habe jedenfalls mit dem Einlangen der Heiligen Drei Könige kaum Zeit für Zwischenatmungen und kaum Zeit, meine Gedanken in geordnete Fassungen zu bringen. Heute drückt der Nebel so stark auf die Augenlider, dass ich mich durch lautes Hämmern auf die Tasten wach zu halten versuche. Meine Gedanken in den Griff zu bekommen, ist auch nicht so einfach, denn die schwirren durch meinen Kopf und lassen sich nur mit viel Geduld einfangen. Also step by step oder passo dopo passo, wie ein schwungvoller Italiener zuraunen würde.

Ein neues Jahr hat begonnen, und mein Parfum geht dem Ende zu, was bedeutet, dass ich mich aus olfaktorischen Gründen mit dem Thema auseinandersetzen muss. Ich bin ja nicht der Typ, der sich einmal auf eine Duftnote eingeschworen hat, und ich bin absolut kein Chanel Nr.5-Typ, sondern ich gehöre zu eher denjenigen, die immer wieder mal einen anderen Duftbegleiter auswählen – ich bin sozusagen eine untreue Olfantin. Klar, ich habe ein, zwei Parfums (derzeit von Diesel), die ich quasi als backup vorhalte, für den Fall, dass meine Nase sich weigern sollte, einen neuen Duft an die Schleimhäute zu lassen. Also schleppe ich eines Samstags Bodo mit zur Müller Drogerie, greife mir einen Stapel Duftblättchen und orientiere mich in erster Linie an Designer, die ich schon mal kennen gelernt habe. Leider gibt es hier keine Hinweise auf „orientalisch“, „blumig“, „frisch“, sodass ich etwas wahllos aus dem Testflakon ein paar Spritzer in die Gegend sprühe und selten genug den weißen Streifen teste. Was frau nie machen sollte, ist, nach einem ausgedehnten Morgenlauf und ohne Frühstück im Magen die Nase zu strapazieren, denn der Alkohol in den einzelnen Parfums steigt mit einer steilen Gerade direkt ins Hirn und die unterschiedlichen Duftrichtungen legen sich bedenklich schief auf den Magen. Mir vergeht jedenfalls ziemlich rasch der Spaß am Schnuppern. Außerdem schwant mir, dass ich ziemlich blöd war, mich nicht im Dezember mit Nr.5, Cool Water, Sí, CK One, Opium, Hugo Femme, und wie die Düfte alle heißen mögen, zu beschäftigen, weil jetzt, im faden Jänner, sind alle preislich attraktiven Angebote mit dem Zauber der Weihnachtsbeleuchtung ausgelöscht, verpufft und einer schmerzhaften Realität gewichen. Kein Flakon wandert über den Scanner. Schwindlig verlasse ich diesen Ort künstlich erhellter Schönheit und muss was essen.

Aber ich will mich nicht geschlagen geben und wage am späten Nachmittag einen zweiten Versuch, denn es muss ein neuer Flakon ins Haus! Ich hoffe, das Überwachungsvideo wurde bereits gelöscht, denn es muss ziemlich peinlich ausgesehen haben, wie ich vor dem langen Ausstellungsregal stehe, hin und her tappe, wieder mit den weißen Streifen in der Hand und mich durch neue und bekannte Düfte durchschnuppere. Ich werde immer wieder zu Moschino hingezogen, einer Marke, die mich bislang so gar nicht berührt hat. Doch die Flakons stechen aus der Menge hervor, verspielt, witzig, fast ein wenig sexistisch. Ich schwanke schlussendlich zwischen zwei Düften: Funny oder Love? Funny besticht durch einen schlichten eckigen Flakon mit einem silbrigen Herzen. Love dagegen präsentiert sich in einem zylindrischen Turm mit einer kugelförmigen orangen Plastikkappe – zugegebenermaßen erinnert das schon ein wenig an – naja, an das beste Stück des Mannes. Das bringt mich zu einer weiteren Frage: die Entstehung eines neuen Duftes ist mit viel Experimentieren und Testen und großen Nasen verbunden. Und der Flakon ist eigentlich nur die Verpackung, das Gefäß, das den Duft einfängt und in kleinen Dosen mit sanftem Fingerdruck in die Atmosphäre entlässt. Warum aber wird so viel Kreativität in das Design eines 50ml kleinen Gefäßes gesteckt? Wird damit der satte Preis gerechtfertigt, der eine Frau regelrecht dazu zwingt, sparsam mit dem kostbaren Inhalt umzugehen? (Zum Glück mindert mein Geburtstagsrabatt – manchmal zahlen sich Bonus-Card doch aus – den Designpreis ein wenig.) Oder ist das auch Mode? Fast wäre ich jetzt dazu verleitet, mir in Zukunft alle Flakons meiner Düfte, aufzuheben. Aber nachdem ich keine Sammlerin bin (ausgenommen davon sind Schuhe) und ich nicht wüsste, wohin mit den leeren Glasfläschchen, werde ich dieses Hobby wohl gleich im Keim ersticken und dafür lieber eine frische Brise Duft inhalieren.

 

Ich habe mich für „Love“ entschieden.