Ich war bei Kino

Nein – es handelt sich nicht um einen Grammatik-Fehler! Ich war wirklich „bei“ Kino … bei Kino McGregor, einer der bekanntesten Yoginis Amerikas: eine kleine Blondine mit Oho-Effekt, weil sie über eine Körperbeherrschung verfügt, dass mir die Spucke wegbleibt – nicht zu glauben, dass sie vor Yoga keinen Kraft- oder anderen Sport ausgeübt hat. Es muss wohl an einer versteckten Anlage liegen und/oder an unermüdlicher Disziplin! Wie sonst kommt man ohne Gehüpfe  und Anlauf schwerelos in den Handstand? Oder kann man die Schwerkraft mit Betätigung eines geheimen Knopfes einfach ausschalten?

Der Workshop ging über 3 Tage – 5 Einheiten á 2 Stunden, davon 2 Einheiten mehr als schweißtreibend, die beiden anderen mit themenbezogenen Erläuterungen und ein paar passenden Übungen, die zwar unspektakulär anmuteten, es dann aber doch in sich hatten! Ich habe mich zeitweise völlig kraftlos gefühlt!

100 Yogamatten in einem Proberaum der Volksoper – geile Location …. aber: keine Duschen! Habe ich schon mal hinausposaunt, dass Yogaschweiß nicht riecht? Nun ja, ich habe sicherheitshalber die Pausen allein auf einer Parkbank verbracht; frische Yogakleidung und ein bisschen Sprüh unter die Achsel – und auf der Heimfahrt möglichst unauffällig in der Straßenbahn!

Wie bei jedem Seminar und/oder Workshop: es bleibt ein bisschen was hängen, das man in der eigenen Praxis umzusetzen versucht – bei mir ist es die Erfahrung, dass ich mit eingezogenem Bauch tiefer in jede Vorwärtsbeuge komme – nichts wirklich Spektakuläres, aber wer denkt schon dran, den Nabel ständig Richtung Wirbelsäule zu ziehen? Hallo Bauch: kannst nicht einfach du das Denken übernehmen?

Was mich ein wenig gestört hat, ist der Hype, der um Kino gemacht wird. Nicht nur, dass sie von sich aus überall Promotion macht – schließlich hat sie zum Erstaunen der Wiener mitten auf der Straße unter Beisein eines Kameramanns mit Yogastellungen, die Alltagsyogis eher nicht beherrschen, brilliert  – etwas, was sie an jedem Ort macht, wo sie gerade zu Besuch ist und was dann auch sofort in den social media nachverfolgt werden kann. Nein – nach den einzelnen Einheiten konnte man sich anstellen, um ein Selfie mit ihr zu machen – wie deppert ist das denn? Aber anscheinend verstehe ich die Welt rund um Facebook und Instagram einfach nicht!

Wichtiger als ein Selfie ist mir doch die Erfahrung, die Sonnengrüße einmal in einem schnell gezählten Rhythmus zu machen, meine Yogamatte im Schweiß schwimmen zu sehen und erkennen zu müssen, dass ich keine 10 Atemzüge in Utpluthih (dabei drückst du dich im Lotossitz vom Boden ab und „schwebst“) halten kann – und: wie angenehm erholsam ein ausgedehntes Shavasana (Endentspannung) sein kann!

Was wohl unerfüllt für mich bleiben wird, ist der schwerelose Handstand … Kino hat 5 Jahre lang daran gearbeitet … ein Alltagsyogi knabbert daran wohl ein Leben lang – na dann: let´s beginn!

Es hat sich ausgekäselt

Damit die Story ein Ende hat: Ich habe mein „Versprechen“ eingehalten! Am Morgen des letzten Augusttages und damit letzten Sommertages 2017 (am 1.9. war dann pünktlichst auch die herbstliche Abkühlung da!) habe ich meine löchrigen Laufschuhe ein letztes Mal ausgeführt. Mit einer ausgedehnten Runde durch die Wiener Innenstadt gab es einen würdigen Abschluss.

Danach wurden sie in die Mülltonne gebettet – mit einem leisen Dankeschön war´s das dann … Brutal 1!

Brutal 2: Mein „Killerinstinkt“ ist geweckt: jetzt ist ein weiteres (altes!) Laufschuhpaar von Asics dran, „ausgelaufen“ zu werden. Noch zeigen sich keine Risse, dafür ist die Zehenkappe aus Kunststoff zu gut ausgebildet. Die Schwachstelle bei Asics ist eigentlich aber auch eher im Fersenteil zu finden. Hier reißt relativ bald der Stoff auf und der Schaumstoff quetscht sich raus. Aber solange die Ferse nicht scheuert und blasenfrei bleibt, ist mir das mehr oder weniger egal!

Effizient 1: Ich schaffe damit über kurz oder lang Platz im Sportschuh-Schrank!

Effizient 2: … danach suche ich noch!

Nicht nur Löcher im Käse

Gestern hatte ich in einem alten Gebäude im 1.Wiener Bezirk, das generalsaniert werden soll – dort befindet sich momentan auch mein Arbeitsplatz (womit sich die Frage stellt, ob auch ich einer Generalsanierung zugeführt werden sollte?) – eine Begehung, weil schalltechnische Untersuchungen durchgeführt werden sollen: Wieviel Lärm entsteht derzeit durch haustechnische Geräte am Dach oder durch Veranstaltungen auf der Restaurantterrasse? – klingt ja urspannend!

Das wirklich Spannende daran war, dass die Herrschaften über wackelige Leitern und mayatempelartige Schmalstufen aufs Dach rauf- und wieder runtersteigen mussten. Ich habe aufgrund meiner Sommersandalen mit Absatz teilweise gerne darauf verzichtet (mein gestriger Morgensport war eher yogisch und nicht kletterisch, da wollte ich eigentlich nicht mehr meine Anmut beim Leiternbesteigen zum Besten geben!).

Das wirklich Lustige daran war, dass eine Vertreterin des Bauherrn ein Loch in der Schuhsohle des Architekten entdeckt hat und ihn auch gleich charmant-direkt darauf aufmerksam machte. Er hat es mit Humor genommen und wird wohl rasch einen Schuster seines Vertrauens aufsuchen müssen, denn für morgen ist Regen angesagt!

Löcher im Schuh! Das kennt man eigentlich leider nur von Menschen, die nicht im Überfluss leben (und leider von vielen anderen Menschen als überflüssig angesehen werden 🙁

Löcher im Schuh – das ist aber auch für mich nichts Unbekanntes! Ich dürfte beim Laufen meine großen Zehen stets mit viel Kraft nach oben drücken. Irgendwann wird daher dann das dünne Schuhtextil mürbe, dünner, bis das erste kleine Loch entsteht und meine Zehe Frischluft bekommt. Der Versuch, dieses Loch mit Nadel und Faden wieder einer geschlossenen Masse zuzuführen, kann nur als halbherzig eingestuft werden, denn diese Schwachstelle bleibt eine Schwachstelle und wird aus lauter Arroganz sogar immer größer! Meine frühmorgendlichen Ausflüge, bei denen ich meine Beine und Schweißtropfen gerne fliegen lasse, werden daher seit ein paar Wochen und vor allem seit den letzten Tagen zu einer modischen Peinlichkeit.

Ich kann jetzt wahrlich nicht behaupten, dass ich nur über ein  paar Laufschuhe verfüge, aber ich bin mit diesem speziellen Paar mittlerweile so gut auf Du&Du bzw. haben sich die Laufschuhe an mich und meinen Laufstil gewöhnt, dass es mir einfach schwer fällt, andere Asics oder Saucony anzuziehen, die sich vielleicht widerspenstig zeigen könnten und daher erst gezähmt werden müssten! Sich an neue Laufschuhe zu gewöhnen ist ungefähr so wie der Besuch beim Friseur: Vorfreude – Skepsis – Verzweiflung – Zufriedenheit.

Es wird aber trotzdem kein Weg daran vorbeiführen, mich bei den löchrigen Laufschuhen dankend und unter Tränen zu verabschieden, aus alter Tradition heraus die Schnürsenkel auszufädeln (die sind ja noch ok, und wer weiß, vielleicht finden sie irgendwann nochmal Verwendung!), den Weg zur Mülltonne gemessenen Schrittes zu gehen, im letzten Moment noch zu zögern (Warum jetzt?), mir dann doch ein Herz zu nehmen und die beiden treuen Gefährten dem Schlund der Dunkelheit zu überführen. Welch düstere Aussicht!

Galgenfrist? Unbedingt! Ich habe heute Morgen beschlossen, auf jeden Fall diese Sommersaison mit den Löchern zu beschließen und die Schuhe bis dorthin nochmal richtig geil auszupowern.

Und dann führt kein Weg mehr daran vorbei, mich mit den „Neuen“, die schon seit dem Frühjahr (!) im Schrank in den Startlöchern warten (Laufschuhe im Sale sind einfach ein ökonomisches Muss!), anzufreunden – eine Freundschaft für gut 1 Laufjahr.

Spann-er-ndes Yoga im Grünen

Mein Yogastudio hat im August wegen Umbau geschlossen – also ist wieder vermehrt Selbstpraxis angesagt. Nur: in der Wohnung ist es zu heiß. Auf der Terrasse/untere Ebene ist wegen der Pflanzen zu wenig Platz. Auf der Terrasse/obere Ebene ist es mir für anspruchsvollere Asanas zu gefährlich (ich erinnere an mein schmerzhaftes Hoppala von vor ein paar Wochen!). Also: ab ins Grüne! Der nahe gelegene Schweizer Garten bietet sich an. Ein eingezäunter Kinderspielplatz erscheint mir das richtige Fleckerl zu sein, meine Yogamatte auszurollen.

Vergangene Woche war ich das erste Mal dort. Es ist noch keine 6 Uhr. Eine orange-glühende Sonne blitzt durch das Laub durch – da kommen meine Sonnengrüße gerade recht! Ich bin im Flow, der Schweiß tropft zärtlich. Ich fühle mich be-freit!

Leider nicht allzu lange, denn auf einmal betreten zwei junge Männer den Spielplatz, glotzen testosterongesteuert und neugierig auf meine Verrenkungen, verziehen sich dann aber in ein Kinderspielhaus, um dort zu pennen.

Kurz danach trotten 5 ältere Männer durch das Areal, unter dem Vorwand, am Trinkwasserbrunnen zu schlürfen? Ich bin mir nicht sicher ….

Ich nehme mir vor, das nächste Mal ein paar Schritte mehr zu investieren und in den Park des abgeschiedenen Arsenalgeländes (mit dem Heeresgeschichtlichen Museum und Wohnungen) zu gehen, weil sich dorthin kaum „bahnhofsnahes Klientel“ verirrt.

Daran denke ich heute Morgen zwar ganz kurz, aber nachdem ich nicht so viel Zeit habe, wähle ich doch wieder den Kinderspielplatz und rolle dieses Mal meine Matte an einem recht entlegenen Grasstück aus – also ganz weit weg von allfälligen Spielplatzquerungen. Da werde ich doch wohl meine Ruhe haben?

Weit gefehlt: kurz nach 6 Uhr, als ich gerade in einer gegrätschten Vorwärtsbeuge dehne, sehe ich einen jungen Mann näher kommen, der sich dann nicht weit von mir auf der Böschung der Wiese niederlässt. Mir ist klar, was das zu bedeuten hat. Ich trete zügig einen geordneten Rückzug an – die heutige Yogapraxis ist mir ordentlich vergangen! 🙁

Ich frage mich nur: Woher kommen diese Typen auf einmal – alle mit dunklem Teint und dem Hinweis auf eine mittlerweile mit Sorge und Skepsis betrachtete Religionsgemeinschaft? Was tun sie um diese Uhrzeit hier im Park, zumal sie weder Jogger oder Hundebesitzer sind noch Leute, die zur Arbeit gehen?

Es beunruhigt doch, sich beobachtet zu fühlen. Vieles bildet frau sich dann vielleicht auch ein – aber das heute war dann doch zu offensichtlich!

Ok – der nächste Sonnengruß dann doch auf dem kleinen abgeschirmten Sportplatz im Arsenal – so viele warme Frühstunden wird es in diesem Sommer eh nicht mehr geben – aber die will ich nutzen! Namaste!

4-beiniger Ausflug mit Drei-Rad

Wir haben sie beim Wandern gesehen und bewundert: TRIKES – quasi die Weiterentwicklung einer Harley für Möchtegern-Cruiser, die sich vom Vier-Rad noch nicht aufs Zwei-Rad trauen (bzw. keinen Motorrad-Führerschein haben).

Warum nur die anderen? Warum nicht auch wir? Bodo fand seinen Geburtstags-Gutschein für ein gemeinsames Trike-Wochenende in einer Wegwerf-Zeitung – wie kam der da nur rein?

Und damit der Gutschein nicht nur ein gut gemeintes Papier bleibt, wurde auch gleich ein Datum fixiert.
Brütende Hitze – Schweiß – Sehnsucht nach einem kleinen Badesee im näheren Niederösterreich bzw. in der näheren Steiermark! Bodo darauf hin intensiv mit Google Maps beschäftigt, um eine kurvenreiche, gemütliche Tour zusammenzustellen.

Die Vorfreude bei beiden groß und zunehmende Aufregung, vor allem bei Bodo: Wie wird das werden?

Wir packen am Freitag – spärlich bekleidet wegen der Hitze – einen mittelgroßen Rucksack, denn auch wenn „unser“ Trike ein Deluxe-Modell ist mit einem „Kofferraum“, wird der Stauraum nicht üppig sein – und das Fotoequipment darf natürlich nicht fehlen! Aus einer inneren Eingebung heraus befindet Bodo, dass wir Halstuch und Regengewand mitnehmen sollten. Ich packe noch eine dünne Fleecejacke ein; Bodo vergisst seine grüne Übergangsjacke, die sich auf dem Trike ganz gut hätte machen können.

Um kurz nach 19 Uhr am Freitag bekommt Bodo seine Einweisungen für Start, Gas, Bremse, Blinker. Ich habe den wohl kleinsten Helm bekommen – und der schlackert so lange hin und her, bis ich den Halsgurt endlich straff genug angezurrt habe.

Kurz vor 20 Uhr geht es los! Als Bodo mit schwachen 30 km/h zur nächsten Tankstelle fährt, kommt mir das urschnell vor. Ich sitze ziemlich verkrampft auf dem erhöhten Rücksitz, vermisse den Sicherheitsgurt und habe Angst, dass ich herunterfallen könnte – was eigentlich ein bisschen vertrottelt ist, denn wer stürzt schon von einem Thron (außer bei Games of Thrones)? Als es dann aus Wien hinausgeht (Neuwaldegg, Sofienalpe, …), über die ersten kurvigen Straßen, bin ich mir gar nicht sicher, ob ich das will! – Worauf habe ich mich da nur eingelassen?

Bodo´s Gesicht kann ich aus meiner Position heraus zwar nicht sehen, nur sein flatterndes T-Shirt – aber ich meine, dass darunter sein Herz ganz hoch hüpft: „Einfach GEIL!“

Die rotleuchtende Sonne geht nicht nur auf Capri unter, sondern auch am Tullnerfeld. Und nach einer schnellen Pizza in Krems sitzt mein Schwerpunkt so tief, dass ich die Fahrt (endlich) zu genießen beginne. Es wird Nacht -wie Bodo hier mit seiner dunklen Sonnenbrille etwas erkennen kann, ist mir im Nachhinein ein Rätsel (?). Leuchtende Katzenaugen, ein ums Leben hüpfender Frosch und ein langer Horizontal-Blitz streifen uns. Kurz vor 23 Uhr begrüßt uns die hellerleuchtete erhabene Schallaburg – unser Quartier liegt in einer Kurve am Fuße des kleinen Berges. Warum fahren wir nicht einfach die ganze Nacht durch? Bodo ist sowieso sehr aufgekratzt. Und mir gefällt die allseitige Ruhe, die nur durch das Motorengeröhre gestört wird (der Helm dämpft den Lärm ganz gut ab, daher stört er uns auch nicht weiter). Aber gebucht ist gebucht. Im Gästezimmer ist es äußerst heiß und stickig. Früh morgens fechten zwei Hähne ihr Kräh-Duell aus.

Nachts hätten die Straßen uns gehört – Freiheit auf 3 Rädern!

Bodo gibt auch am Samstag ordentlich Gas – mit der rechten Hand und bremst (zum Glück) – mit dem rechten Fuß. Links ist das Smartphone mit der Routenplanung fixiert. Leider ist aber nicht jede der auf der Route ausgewiesene Straße auch für ein Trike geeignet, wie zB mit Schranken abgesperrte Forststraßen. Also wird immer wieder mal der Rückwärtsgang (Automatic-Getriebe … ich sagte ja: Marke Deluxe!) eingelegt und muss die Route neu berechnet werden. Aber anders als beim Wandern tut das Umdrehen beim Triken gar nicht weh. Vielleicht bedarf es ein paar Rückwärts-/Vorwärts-Manöver mehr – das Trike ist nicht sehr gelenkig, wenn es um einen U-Turn geht. Und den Tank behalte ich stets im Auge, da noch nicht ganz klar ist, wieviel Sprit wir verbrauchen.

Kurzärmelig im Fahrtwind? Das wird uns am Samstag auf Dauer doch zu frisch, zumal die heißen Temperaturen der vergangenen Tage über Nacht verschwunden sind. Das mit den Wind-/Regensachen war wahrlich eine sehr brauchbare Eingebung!

Unsere kleine See-sehen-Tour führt zuerst zum Lunzer See: überschaubar, idyllisch gelegen, ein kleines Strandbad – wegen des ungewissen Wetters heute eher spärlich besucht – ein Restaurant und ein paar Bootsverleiher – und Wanderwege! Wir vertreten uns auch ein wenig die Füße – nach dem ungewohnten, wenn auch bequemen Sitzen, spielen die Beine nicht so recht mit -, lassen die Badesachen aber unbenutzt und fahren nach einem Kakao zum Erlaufsee weiter, einem Taucherparadies, als Bergsee aber eher zu den etwas kühleren Seen gehörend. Ein paar Sonnenstrahlen laden dazu ein, zumindest die Füße ins Wasser rein zu halten.

Wir spüren in der Rast aber eine gewisse Unrast, sodass wir bald schon wieder aufbrechen – wir wollen den Fahrtwind im Gesicht spüren, geschmeidig in den Kurven liegen, kalte Hände und Füße bekommen, an einer juckenden Kopfhaut (wegen dem Schaumstoff im Helm) verzweifeln – wir wollen einfach triken!

Und: ich bin mittlerweile schon so mutig, dass ich versuche, während des Fahrens Fotos zu machen! … https://1drv.ms/f/s!AoJlpmG2fTPbgsNRY8M_H33pvGxLPw

Bis 70 km/h fühle ich mich jetzt schon recht wohl. Und zugegebenermaßen finde ich mittlerweile auch an den Kurven ordentlich Gefallen – vielleicht, weil Bodo da sehr achtsam fährt, auch wenn er schon mal die gesamte Fahrbahnbreite für sich in Anspruch nimmt? Auf der Geraden zischt Mr. Trike-Hero dann aber ordentlich los, sodass es mir fast den Helm abhebt! Olfaktorische Eindrücke, wie gedüngte Felder oder nasses Laub, schießen da wie ein gut gezielter Schuss in die Nase hinein. Und immer wieder Fleckerl, wo die Umgebungstemperatur spürbar kühler oder wärmer ist als eine Sekunde davor oder danach – womit bewiesen ist, dass man auch bei schnelleren „Open-Air-Geschwindigkeiten“ Eindrücke sammeln kann – mit zig PS unterm Popo halt um einiges kurzlebiger als wenn man sich mit eigener Beinmuskelkraft fortbewegt!

Mariazell lacht wieder aus vollem Herzen – Zeit für Himbeer-Nusstorte und Eis (Müsli, Lebkuchen, Mohn … mmmh!) – so komisch das ist: ich bewege mich zwar außer Bauchanspannen und Beinpresse (beim gedanklichen Mitbremsen) so gut wie gar nicht, habe aber ein ständiges Hungergefühl … und eine unruhige Blase!

Noch ein paar Stunden bis Mönichwald. Es geht rauf und runter, eine Kehre jagt die andere, wieder ein paar enge Straßen, die im wahrsten Sinne des Wortes im Sand verlaufen. Wir sind im Gebiet des Semmerings unterwegs. Als wir durch eine tunnelartige Röhre fahren, sind die Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Einsame Landstraßen wechseln sich ab mit Dorfdurchfahrten. Unser Trike ist die Sensation! Jeder schaut mal kurz, manche erstaunt und ungläubig. Und auf vielen Männerlippen zeichnet sich ein sehnsüchtiges Lächeln ab.

Die Pension „Erna“, ein blumenreich geschmücktes Haus, ist dann gar nicht am Berg, wie das Internet behauptet, sondern mitten im Dorf. Allein die Erna hat unser Zimmer „aus Versehen“ an jemanden anderen weitergegeben. Zumindest ist sie so zuvorkommend, dass sie bei der Zimmersuche behilflich ist – es ist Feuerwehrfest im Dorf und daher so gut wie alles ausgebucht. Das Glück ist uns hold – der Wirt, der Bodo vor ein paar Tagen abgesagt hat, hat jetzt dann doch (zufälligerweise?) ein Storno und damit ein Zimmer für uns. Und wir verbringen einen angenehmen, warmen Abend am Ufer des Mönichwalder Natursees – einer etwas größeren, schlammdunklen Badewanne. Meine Alter Ego, die Wasserratte, bleibt stumm, mürrisch und will nicht nass werden.

In der Nacht werden wir von einem starken Gewitter geweckt. Das Rauschen, das mich in der Früh nervös macht, ist dann zum Glück nur ein Bach und nicht der Regen. Allerdings sind die Wolken dicht und verstecken die Sonne zur Gänze. Wir trocknen die nassgewordenen Sitze und starten kurz nach 8 Uhr in unseren letzten Drei-Rad-Tag, der ein bisschen unter Zeitdruck steht, weil wir pünktlich um 18 Uhr zur Rückgabe in Wien sein müssen. Aber nachdem wir bald schon nicht nur die Regenjacken, sondern auch die Regenhosen anziehen – in einer Kehre, als wir uns wieder mit der Straßenführung auseinandersetzen müssen, werden wir von dicken Tropfen geschlagen – und das Bad in Gloggnitz mit seinen seichten Planschbecken heute sowieso nicht sehr einladend ist, sind unsere Zwischenaufenthalte recht kurz.

Den Zeitgewinn brauchen wir aber sowieso, denn wir fahren an manchen kaum erkennbaren Abzweigern vorbei. Und Sackgassen sind eben Sackgassen! Und über allem drüber: Bodo erkennt wegen der dunklen Sonnenbrille die Farben auf seiner Routenplanung nicht so gut. Ich habe zwar am Freitag (bis Krems) noch meine Sonnenbrille getragen, aber danach habe ich ganz darauf verzichtet – und komischer- bzw. dankenswerterweise haben sich weder Insekten noch herumspringende Steine von meiner Iris angezogen gefühlt. Nur horizontale Regentropfen sind wie kleine schmerzhafte Nadelstiche! Bodo zieht sich sogar das Halstuch hoch bis zur Nase, weil er auf einen Fliegensnack gerne verzichten kann! Jedenfalls schaue ich nun auch konzentrierter auf die Streckenführung und gebe mit den Händen entsprechende Zeichen. Wir können uns mit etwas Schreierei auch mit Worten verständigen. Und nachdem ich mich nunmehr wirklich recht sicher auf dem Sitz fühle, beuge ich mich schon mal auch zu seinem Ohr nach vor – nun ja, wenn Bodo dann doch nur vor der Bodenschwelle rechtzeitig abgebremst hätte!

Wir umrunden Heiligenkreuz.

Ich kann meine Hände ja zum Glück in den Jackenärmeln verstecken, sodass nur die Füße in den offenen Keen-Sandalen frieren – das war vielleicht nicht die beste Idee, aber wie gesagt, als wir unsere Sachen eingepackt haben, hatte es über 30 Grad! Bodo aber muss mit klamm-kalten Fingern aktiv bleiben und Gas geben. Bei einer gut frequentierten, sehr günstigen Jausenstation, irgendwo an einer Abzweigung nach Bad Vöslau wärmen wir uns an einer großen Kakao-Tasse wieder auf. Bodo schießt dann noch ein Gulasch mit Knödel nach – wen kümmert schon die Reihenfolge der Nahrungsaufnahme? Während wir hier drinnen sitzen und langsam wieder warm werden, regnet es draußen recht ordentlich. Als wir wieder weiterfahren, werden die Tropfen zum Glück weniger.

Durch Purkersdorf geht es noch und dann naht schon Wien – es ist aber erst 16 Uhr! Was tun mit der verbleibenden Zeit? Die Entscheidung wird uns abgenommen, denn es beginnt stark zu regnen. Wir suchen Schutz auf einem Parkplatz. Bodo versucht zwar, mich zu einer kurzen Fahrt zu überreden, aber es bleibt beim Motor-Starten und auf der Bremse-Bleiben – ich habe da einfach viel zu viel Angst! – Als Jugendliche bin ich mit dem Mofa meiner Schwester heimlich im Garten gefahren, war zu viel am Gas und fuhr ungebremst direkt in das Carport hinein … alles klar? – Und hier jetzt: alles Schotter und vor mir ein Wald mit Hang? Was, wenn ich zu viel Gas gebe und zu wenig bremse? Nee!!!!! Vielleicht beim nächsten Mal!

Dann halt nur mehr ein Abschluss-Foto (so tun als ob) :-)

Der Trike-Vermieter ist zum Glück schon jetzt in seiner Garage. Bodo darf noch einparken, ich bekomme zwischenzeitlich die Kaution zurück. Im Auto – was für ein komischen Fahrgefühl! – wird die Heizung ordentlich aufgedreht, damit uns wieder warm wird. Aber die Gesichter glühen sowieso von innen heraus! –

Und Bodo fragt bereits: „Wann habe ich wieder Geburtstag?“

Die Wander-Katze

Der erste Betriebsausflug der „Project Advisers“ am Freitag, 28.Juli 2017!

Ursprünglich war geplant gewesen, eine kleine Bergtour auf der Rax zu machen. Nur leider war genau in dieser Woche das Tief Alfred aktiv, hat Wind und Regen und kühlere Temperaturen gebracht – in der Stadt leicht zu ertragen, aber auf dem Berg? Also haben wir – Michael, David und ich – flexibel und spontan, wie wir sind, schnell umgeswitched auf eine kleine Wanderung im schönen Wienerwald mit anschließendem Mittagessen in einem Landgasthaus.

Gesagt, getan! Treffpunkt Purkersdorf, Michael´s Wohnort. Nach kurzem beruflichem Gedankenaustausch und Auto-an-den-Schlusspunkt-Stellen machen wir uns zu Viert – Michael´s Ehefrau Susi ist mit von der Wanderpartie – direkt von ihrem Wohnhaus aus auf den Weg. In der Gasse, bevor es in den Wald geht, werden wir von einer sehr schönen, schlanken schwarzen Katze mit leuchtenden Augen und einem leicht buschigen Schwanz umschwänzelt. Da kann ich nicht umhin, mich mit ein paar Streicheleinheiten zu bedanken. Wenn ich gewusst hätte ….!

Noch denken wir uns nichts dabei, als die schwarze Schönheit uns in den Wald nachläuft. Ein bisschen Neugierde – ok, es wird ihr aber eh bald langweilig werden und dann wird sie wieder umkehren. Weit gefehlt! Die Kleine weicht uns von der ersten Sekunde unseres Zusammentreffens nicht mehr von der Seite, lässt sich um keinen Preis verscheuchen, läuft mal voraus, lässt sich mal zurückfallen und ist immer zu Schmuserei aufgelegt. Susi wird nervös. Ich bin noch immer der Meinung, dass eine Katze auch über weitere Strecken wieder nach Hause finden kann, wenn sie nur will. Nur „unsere“ Katze will unbedingt an unserem Wandertag teilhaben!

Was sollen wir tun?

Michael biegt in einen engen, gatschigen Weg ab. Das taugt der Katze, die wir in Anlehnung an einen sehr anhänglichen Pilger (von meiner verregneten Frankreichwanderung) „Erwin“ taufen – ohne Wissen bezüglich des Geschlechts -, gar nicht. Wir gehen weiter, „Erwin“ bleibt maunzend zurück. Michael und David taub und erleichtert, das Anhängsel losgeworden zu sein, Susi und ich voll des schlechten Gewissens und der Trauer.  Juchuu! Michael dreht sich murrend um und bedeutet mir, zurück zu gehen, um „Erwin“ zu holen; die beiden anderen gehen erleichtert weiter. Würde „Erwin“ auf uns gewartet haben? Na was! „Miau, Miau! Da bin ich!“ Ich trage „Erwin“ über Gatsch und Pfützen. Sie/er lässt alles geduldig über sich ergehen und genießt das Wiedersehen. Was für ein eigenartiges Tier! Eine Katze, die neben dir herläuft wie ein Hund, die sich rufen lässt und folgt, die nicht im Gestrüpp abhaut. Ich muss zugeben, ich habe mich in dieses außergewöhnliche Tier verliebt!

Wir sind nun über eine Stunde unterwegs – keine Frage mehr, dass „Erwin“ wieder nach Hause zurückfinden könnte. Also heißt es ab nun, dass wir zusammenbleiben müssen. Es ist recht warm – das Tief Alfred hat sich komplett verzogen. Zum Glück weht ein kleines Lüfterl. Aber „Erwin“ hat das kleine Mäulchen offen. Ihr/ihm ist sicher heiß im schwarzen Fell. An einer Wegkreuzung, als die beiden Männer den weiteren Wegverlauf bis zum Auto studieren, platzt „Erwin“ sich auf dem kühlen Boden nieder. Ich sehe, wie arg schnell das kleine Herz schlägt. Andere Wanderer sind sehr amüsiert, dass wir mit einer Katze wandern. Mein Mitgefühl ist unendlich, ich trage „Erwin“ das nächste Stück, aber sie/er braucht nur eine kurze Pause und läuft dann wieder fröhlich (?) mit uns mit. Oder denkt sie/er sich: „Was sind das nur für Leute, die gehen und gehen und gehen?“

Auf einer Lichtung naht ein Schäferhund. Noch hat „Erwin“ keine Spur aufgenommen. Ich packe sie/ihn auf meine Schulter, halte sie/ihn fest, riskiere den einen und anderen Kratzer und wende mich von der „Gefahr“ ab. Aber alles in allem bleibt sie/er komplett ruhig und entspannt. Und die Hundebesitzer haben ihr Tier auch gut im Griff. Ich bin sehr erleichtert!

Nach 2,5 Stunden nähern wir uns dem Auto. „Erwin“ ist schon etwas geschlaucht – uns ist auch heiß (grober Fehler: ich habe mir nichts zum Trinken mitgenommen, dachte ich doch in der Früh, dass wir nur „spazieren gehen“ und nicht mit Auf&Ab beglückt werden würden!). Michael und David gehen abkürzungsweise über eine Wiese, um das Auto zu holen. Susi und ich bleiben wegen „Erwin“ lieber auf der Straße. Kleine Schrecksekunde: „Erwin“ reißt aus und versteckt sich maunzend im Dornengestrüpp. Bei aller Liebe: da steige ich nicht hinein! Aber mit ein bisschen Lockerei kommt sie/er wieder hinaus, ich packe sie/ihn und wir eilen zum Auto.

„Erwin“ benimmt sich auch während der Autofahrt mustergültig! Sie/er krallt sich zwar ein bisschen an mir fest, aber gibt sofort nach, wenn ich die Krallen löse. Sie/er schaut interessiert aus dem Auto und kuschelt sich dann auf meinem Schoß zusammen – so süß!

Was tun wir während des Mittagessens? Ich lege ein Veto ein, „Erwin“ im Auto zu lassen. Da kaum mehr andere Gäste im Gastgarten sitzen, darf „Erwin“ mit uns hinein. Wir müssen nur aufpassen, dass sie/er nicht auf Stühle und Tische springt. Das Wasserschüsserl wird kaum begutachtet, stattdessen lieber kleine Katzenwäsche und Erkundungstour – ich hinten nach. Susi ist anfangs leicht hysterisch und kann ihre Vorspeise nicht genießen; Michael versucht, mit seinem Gürtel eine Leine zu basteln – das geht aber gar nicht – das arme Tier! David beobachtet stumm. Und mir gelingt es, „Erwin“ in Schach zu halten. Wir haben einen sehr guten Draht zueinander! Mittlerweile ist sie/er auch zum Schnurren aufgelegt. Wir finden nun endlich heraus, dass „Erwin“ eine Sie ist – daher schwenke ich auf „Charlotte“ um. „Charlotte“ sitzt zufrieden auf meinem Schoß und schlummert leicht vor sich hin – eine zufriedene Wanderkatze voll des Vertrauens zu mir, einer unbekannten Person!

Es folgt das letzte gemeinsame Stück – die Autofahrt zurück nach Purkersdorf. Ob sich „Charlotte“ freut, wieder heim zu kommen? Denn eines ist sicher: „Charlotte“ ist eine gepflegte Hauskatze und keine wilde Streunerin, dh sie hat ein Zuhause. Wir biegen in die Gasse ein, wo sie uns vor ein paar Stunden im wahrsten Sinne des Wortes über den Weg gelaufen ist und verabschieden uns. Ich setze sie im Schatten ihres Zuhauses ab und gebe ihr noch einen guten Rat: „Geh nicht mit fremden Leuten mit und steig nicht in Fremder Leute Auto ein!“ Und „Charlotte“? Sie schaut mich noch einmal mit ihren durchdringenden Augen an – welche Abschiedsbotschaft hast du für mich? – und bleibt artig sitzen – ist sie vielleicht traurig, dass unser gemeinsamer Wandertag nun vorbei ist? Auf jeden Fall hat sie der Katzenschaft ihrer Nachbarschaft sicher viel zu erzählen!

Ich betrachte noch immer ein wenig melancholisch die Kratzspuren auf meinen Armen, die mich noch lange an diese besondere Begebenheit erinnern werden!

Schuhe auf Vorrat

Beim heutigen Blog geht es mal nicht um mich und meine Schuhe – nein: es geht um Bodo und seine plötzlich erwachte Leidenschaft, Schuhe in Massen (das ist so schon richtig geschrieben!) anzuhäufen – womit mein bisheriges Weltbild bezüglich Geschlecht und Schuhwerk ordentlich ins Wanken gekommen ist!

Bislang bestand meine Weitsicht darin, dass sich ein Mann nur deshalb Schuhe kauft, um nicht barfuß und mit dreckigen Fußsohlen durch die Welt zu marschieren und nur dann, wenn das „eine“ Schuhpaar auch von einem sehr fähigen Schuster nicht mehr zusammengeflickt werden kann. Eine Frau hingegen kauft sich Schuhe mehr aus Genuss, mehr aus einer plötzlichen Laune heraus (diese „Laune“ kann durchaus auch eine „Frust-Laune“ sein!), ohne nachzudenken, ob hier überhaupt eine lebensnotwendige Notwendigkeit besteht.

Der männliche Spaßfaktor bei einem (Zwangs-)Aufenthalt in einem Schuhgeschäft liegt weitaus tiefer, als eine Kellerassel buddeln kann (wenn sie denn überhaupt buddeln kann?). Ich glaube, ich spreche hier für jede Frau, die in irgendeiner Form von Partnerschaft lebt, dass eine Shoppingtour, bei der es ausnahmsweise um ihren Liebsten geht und nicht um sich selbst, nur mit sehr viel Prosecco / Hugo / AperolSprizz zu ertragen ist. Denn anstatt, dass er mit Neugierde an die Schuhauswahl herangeht, ist der erste Schritt über die Schwelle einer Schuhboutique schon mit Ablehnung und Skepsis verbunden: „Ich find´ doch eh nix!“ Und wenn er dann auch noch von einer übereifrigen Schuhverkäuferin belagert wird, ist es sowieso aus und vorbei!

Und dann auch noch diese Empfindlichkeit! Wehe, wenn der dann doch in die vielleicht-Auswahl-kommende Schuh auch nur ein mikroskopisch-klein wenig scheuert oder an der großen Zehe aneckt – never ever wird dann noch ein anderes Paar Schuhe ausprobiert: „Es sind doch eh alle gleich!“ … ich verstehe jetzt, warum so viele Männer ausgelatschte Turnschuhe oder Sneakers tragen: lieber im Fußschweiß baden als sich auf kleine Experimente einzulassen!

Allein an diesem Exempel bewahrheitet sich, wie viel mehr Schmerzen wir Frauen zu erleiden vermögen! Ein Schuh gefällt optisch und tut schon beim Anschauen weh? Egal: die Optik siegt – und wenn der Schuh dann sein weiteres Leben nur im Schuhschrank verbringen wird. Kleiner Sidestep: Eine ehemalige Arbeitskollegin zB kauft sich immer wieder sündhaft teure Schuhe im Sale, schon im Wissen, dass sie diese nie tragen wird – das finde ich dann schon etwas übertrieben! Ich habe eher das Problemchen, dass die Schuhe erst dann schmerzen und Blasen erzeugen, wenn ich sie gekauft habe und damit das erste Mal auf die Straße gehe. Erst in Verbindung mit Schweiß, Bewegung, hartem Untergrund und Schwellungen entwickelt ein Schuh seine Eigenschaft, Peiniger zu sein oder Wohlfühlpaket.

Aber zurück zum Schuh am Mann! Zurück zu Bodo, der erkennen musste, dass seine 3-Jahre-alten Schuhe nicht mehr ansehnlich sind. Also ab in den Online-Schuhhandel – und zackzwawapp war der Einkaufswagen voll und der Postbote hatte in den nächsten Tagen viel zu tun. Als ich eines Abends heimkam, war das Wohnzimmer voll mit Schuhkartons und Bodo in Model-Laune! 6 Paar modische Sneaker ohne Schnürsenkel oder Klettverschluss (das war das Filterkriterium) in Braun, Blau, Orange (!) standen zur Auswahl plus ein Paar Schuhe für die kühlere Jahreszeit, die auf meine Kappe gingen … was soll ich sagen: es ging nur ein Schuhkarton wieder zurück!!! Und ich bin noch immer megabaff, nicht nur, weil Bodo so viel Gefallen an Schuhen gefunden hat – auch wenn er sockenlos in keinen Schuh rein darf, sondern, dass er auch seinen Shoestyle geändert hat. Bequemlichkeit (kein Scheuern, kein vorne-Anstoßen), Fashion und: „Das reicht jetzt wieder für die nächsten Jahre!“

Bodo´s neue Schuhe 🙂

Ich kann also beruhigt sein: Ein Mann ist und bleibt doch ein Mann! Kurz hatte ich schon die Panik, dass ich meinen Schuhschrank hergeben muss ….!

out of order

Das tut weh! Unser Lubo (wer sich erinnert: das ist unser Hausgenosse auf 4 Rädern) ist schwer erkrankt 🙁 Leistungsabfall um mehr als 100% – da fühlt sich mein immer wiederkehrender Eisenmangel im Vergleich dazu an wie ein Energydrink!

Was ist los?

Die ersten Anzeichen gab es ja schon länger. Immer wieder hat das Störzeichen „Werkstatt-Notwendigkeit“ aufgeleuchtet. Aber das ließ sich mittels Computer-App wieder entfernen – der Smart ist eigentlich ein Computer, der halt fahren kann. Dann der versuchte Ausflug nach Deutschland, der nach knapp 40 km für Lubo zu Ende war, denn trotz meines energischen Gas-Fuß-Abdrucks kamen wir nicht über 80 km/h. Über die Bundesstraße ging es da dann langsam zurück – der Mietwagenverleiher hat mit uns ein gutes Geschäft gemacht.

Bei den wenigen Stadtfahrten störte zwar die leuchtende Warnung, aber bis zum Supermarkt und zurück fuhr es sich einigermaßen normal. Aber zwei Dinge waren klar: 1) Autobahnfahrten sind derzeit nicht möglich und 2) Lubo muss in die Werkstatt!

An der Hochzeit meines Bruders am vergangenen Wochenende mit 180 km Autobahn hat der Mietwagenverleiher an uns wieder gut verdient.

Dann das totale Aus: Bodo hätte am Montag mit reparierten / installierten Computer-Zeugs nach Schwechat fahren müssen – 20 km Autobahn – nee! Nach bereits (oder glücklicherweise) 1 km meinte Lubo: nicht mit mir! … und blieb kurz nach einem Tunnel und kurz vor der Autobahnauffahrt, halt dort, wo es alle Autolenker im Frühverkehr besonders eilig haben und demzufolge die städtische Geschwindigkeitsbeschränkung nicht beachten … einfach stehen!

Bodo hat sich nicht getraut, in den Rückspiegel zu schauen; das Geräusch quietschender Reifen hinter ihm war Adrenalin genug! Ich hätte jetzt sicher die Nerven über Bord geschmissen – und damit einen wirklichen Unfall verursacht. Bodo blieb aber (seiner Erzählung nach, ich war ja nicht live dabei) weitestgehend ruhig. Ein zufällig vorbeikommender Feuerwehrmann – ein Urgestein an purer Muskelkraft – half ihm, den kleinen Lubo aus dem Gefahrenbereich zu heben/tragen/schieben – wie sagt man eigentlich bei einem Smart zu einer unmotorisierten Bewegung von dritter Hand? Der Abschleppdienst war auch bald da … ab ins Car-Hospital! Als passionierter Grey´s Anatomy-Fan sehe ich Lubo natürlich auf dem OP-Tisch, der Chirurg wühlt in den Organen herum, Operation am offenen Herzen bzw. mit dem Bohrer durch die Schädeldecke, statt Blut halt Öl – und alles ohne Narkose!

Diagnose? Kurz vom Laien zusammengefasst: zugewachsene Verstopfung im Katalysator (gibt es dafür einen lateinischen Ausdruck?)

Entlassung aus dem Car-Hospital: hoffentlich bald! … und der Car-Doctor wird gut verdienen!

Egal, denn: Lubo, nicht nur mein nervöser Gas-Fuß braucht dich zurück!

Endlich unendlich!

Nun endlich – offiziell unendlich!

Mein Bruder Lukas und seine seit etlichen Jahren bessere Hälfte Adriana haben sich am vergangenen Samstag – es war der 08.07.2017 – endlich getraut und  laut und deutlich zueinander „JA!“ gesagt.

Die Aufregung vor dem Standesamt unendlich groß: Lukas hat vor dem Standesamt in Schnelle ein Glaserl Prosecco trinken müssen – ich leistete ihm dabei getreu schwesterliche Gesellschaft – und sich im Grazer Café Sacher noch den Code für die Toilette geben lassen. Adriana war währenddessen bei Friseur, Visagist und Ankleidezofe – bei Letzterem hat meine Schwester Julia tatkräftig zugepackt! So betrachtet, war die jeweilige Trauzeugin vor dem Akt der Eheschließung eigentlich beim Falschen von den beiden Brautleuten (?)!

Unsere Hochzeitsgesellschaft im überschaubaren familiären Rahmen und alle sehr adrett herausgeputzt – wie wohl die Männer im Sakko nicht zu beneiden waren, noch schlimmer im Krawatten-Würgegriff! Die kleine Anna glänzte in einem hellen Tüllkleidchen, Julia und ich, die beiden Zeuginnen dieser Trauung, in silbrigem Anthrazit bzw. schlicht-hellem Blauton, der sich über das Knie bis zu den Waden runter zog, die Mütter der beiden Herzen und Claudia ebenfalls schön-elegant, ohne auftrumpfen zu wollen.

Um uns herum nicht minder wenig Aufregung und Rumor, wollte doch ein dunkelhäutiges Brautpaar auch den Bund fürs Leben schließen – nur, dass hier wie aus allen Himmelsrichtungen hervorgepurzelt viele, sehr(!!!!) viele Hochzeitsgäste antanzten – wie sich herausstellte, mit ordentlicher Verspätung. Die Männer entweder im schwarzen Dresscode oder im Streetwear-Style – es lebe der HipHop!; die Damen in üppig bestickten langen Roben, die sich über teilweise an sehr üppigen Kurven (gleichermaßen vorne wie hinten!) anschmiegten; die Buben den Männern gleich auch in einen schwarzen Anzug gezwungen, die Mädchen im weißen Tüllkleid – ein kleiner Knirps war davon gar nicht erbaut und hat alles und alle mit seinem Gebrüll übertönt.

Ein beängstigendes, stickig-schwüles Gedränge auf der breiten Stiege – da ergriff „unsere“ Braut die Initiative: wie ein Schneepflug bahnte sich Adriana plötzlich den Weg die Stufen hinauf, mit Ellbogentechnik wurde die dunkelhäutige Horde zur Seite geschubst – eine Braut in Weiß sieht Rot! Wir anderen hinterher, so gut und schnell es ging; nur nicht den Anschluss verlieren!

Im Trausaal eine salbungsvoll leise flüsternde und kaum zu verstehende Standesbeamtin, draußen unvermindert lautes Gemurmel und Geplärre. Das alles irgendwie und überhaupt egal, denn durch zwei laute, deutlich artikulierte „JA!“ sind Lukas & Adriana nun endlich offiziell unendlich verbunden mit dem Symbol eines Ringes – nicht um einander zu knechten, sondern um sie stets daran zu erinnern, dass … es jetzt vorbei ist mit Fremdflirten in der Disco :-)!

So kurz die eigentliche Trauung war, so harmonisch ausgedehnt das Après in und mit der Familie: mit Häppchen in der großzügig-schönen „Villa Klatil“, mit einem Schmaus im Aiola im Schloss Graz Andritz, mit einer bewegend-brillant-prägnant getexteten Ansprache des Bräutigamvaters, mit einer spontanen Electronic-Beat-Beschallung während der Taxifahrt, mit einem gelungenen Tortenanschneiden (wobei hier das Innenleben unter der weißen Zuckerglasur das junge Ehepaar mit ziemlich trockenem Humor beglückwünschte), mit allzu viel Prosecco – und für manche mit dem einen Glas-Zuviel Gintonic 🙂

Das Wunderbare an dieser Geschichte: spät abends hat sich der frischgekürte Ehemann – seiner Rolle getreu – dem Willen seiner frischgekürten Ehefrau – ihrer Rolle getreu – gebeugt: Teil 2  der endlichen Unendlichkeit folgt im Oktober in der Kirche!

Perfektionistische Ambition durch Biodynamik wieder in Balance

Ich und mein ambitionierter Perfektionismus! Zum Glück ist mein Schädel genauso tough und hart im Nehmen!

Aber mal alles der Reihe nach: Schauplatz: ein Fleckerl unmöblierter Parkettboden gehört, sofern ich nicht ins Yogastudio fahre, meiner Yogamatte, die frühmorgens, während Bodo und die Hausspinne Robert noch schlafen, ausgerollt wird. Staubfreier Untergrund wäre dabei super. Leider bin ich derzeit, bedingt durch die Hitze, etwas nachsichtiger gegenüber diesen unsichtbaren, von mir so ungeliebten Zimmergenossen, die sich nach einem erfüllten Dahinschweben auf dem Boden zur Ruhe niederlassen. Und da die Fenster und Balkontüren zwecks Durchzug fast immer geöffnet sind, wäre eine Laufrunde mit dem knallgelben Dyson außer schweißtreibend überhaupt kein effektives Training. Wie auch immer: die Matte war Dienstag vergangener Woche bereit, mich bei der Zusammenstellung meiner Übungseinheit im Zuge des YogaTeacherTrainings zu unterstützen. Mein Anspruch an diese Einheit vor 18 anderen Yogalehrerinnen: es muss anspruchsvoll und einzigartig werden! Meine Zutaten: Eka Pada (auf einem Bein), Baddha (Hände hinter dem Rücken gehalten), Parivritta (Twist im Oberkörper), die ich zu einer Übung zusammenfügen wollte: eka pada baddha parivritta parsvakonasana – klingt komplizierter als es ist, verlangt aber nach Flexibilität, Kraft und vor allem Konzentration. Alles da – fast: für einen Moment nicht 100% bei der Sache und es machte einen sehr, sehr lauten Rums – so laut, dass Bodo abrupt aus seinem geliebten Morgen-Tiefschlaf gerissen wurde und mich im Bette kerzengerade stehend mit weit aufgerissenen Augen anstarrte – komplett konfus, was kein Wunder ist!

Ich bin – in mir selbst verknotet und einbeinig – wie ein Zementsack zur Seite umgekippt und mit dem Kopf diritissima auf den (unstaubfreien) Boden gedonnert. Autsch! Im ersten Moment: Schock, kurzes Testen: Was tut weh? Ist mir schwindlig? Soweit alles ok – bis auf den linken Brustkorb / die Rippen, da dürfte beim Aufprall doch etwas passiert sein, denn hier meldete sich ein „Aua“. Aber: Atmen kann ich, dann wird schon nichts gebrochen sein – oder? Also wie gehabt weitermachen – obwohl: die Yoga-Session habe ich dann doch beendet!

Am Donnerstag beim Yoga mit Lehrer und brav nach Ashtanga-Ablauf wurde ich allerdings gehörig in meine Schranken verwiesen: Springende Bewegungen, bei der sich Brustkorb und Bauch näher kommen – das ging auf einmal gar nicht mehr! Irgendwas war da „außer Kontrolle“ geraten. Instinktiv habe ich mit einem Handschubser die Rippen zwar wieder „eingerenkt“ – es machte auch hörbar „Klick“, aber gut war´s deswegen ganz und gar nicht! Diese Selbstbehandlung habe ich dann noch zwei-/drei Mal durchführen müssen und mir dann doch jegliches Hüpfen verboten – meine Yogapraxis bekam somit einen recht demütig-langsamen Touch. Am Montag habe ich dann mit viel Glück einen timeslot bei einer Osteopathin bekommen – bis Mittwoch nachmittags musste ich noch warten. Erwartet hätte ich mir ein kraftvolles Anpacken und Hin- und Her-Geruckle, aber nein! Behandelt wurde ich mit Biodynamik: ein kaum spürbares Handauflegen an bestimmten Stellen, um das „Trauma“, das Kopf und Rippen offenbar erlitten hatten, abzuleiten. Klingt unheimlich, aber ich kann nur sagen: es hat geholfen! Die Schmerzen sind so gut wie weg. Und auch wenn ich mit dem Springen noch ein wenig warten werde, habe ich meine innere Balance wieder gefunden.

Ob ich eka pada baddha parivritta parsvakonasana nochmals ausprobieren werde? Ich denke schon, aber ich muss meine Ambitionen und meinen Hang zum Perfektionismus unter Umständen doch ein wenig runterschrauben und simplifizieren.