Kleine Freude ganz groß

Meine kleine Nichte ist vor kurzem 2 Jahre alt geworden (wie die Zeit verfliegt! Zum einen, weil Anna schon eine kleine Dame ist und zum anderen, weil ich erst jetzt zum Festhalten meiner Gedanken komme).

Was schenkt man einem aufgeweckten, jungen Persönchen, das das Rundherum erst zu entdecken beginnt und sich gegenüber den Großen am besten mit Zeigen und Schreien verständigt, dessen Neugierde grenzenlos ist und das dann aber auch zuweilen ängstlich und schüchtern reagiert?

Vor ca. 20 Jahren war ich bei einem Kindergeburtstag Dreijähriger eingeladen und bin dort als fröhlicher Clown verkleidet (ich erinnere mich, dass als Verkleidung mein bunt gestreifter Futonbett-Überzug herhalten musste) mit Helium-gefüllten bunten Ballons aufgetreten – ein voller Erfolg – zumindest solange, bis um den letzten rosa Luftballon gestritten wurde. Also dachte ich mir, dass ich doch auch meine Nichte (und wohl auch den Rest der Familie) mit einer Clownmaskerade und ein paar Ballons überraschen könnte. Ich bin ja nicht der Verkleidungsfetischist, daher kam es mir ehrlicherweise auch gar nicht ungelegen, dass um Halloween herum schrecklich-böse Clowns die Stadt erregten und daher diese Kostümierung vollkommen in Misskredit geriet. Blieben also die Luftballons – und das Helium. Wohlgemerkt: meine Nichte wohnt 200 Kilometer von mir entfernt in Graz, und um dorthin zu kommen, fahre ich derzeit gerne mit dem flotten Flixbus. Also ist der Transport von bereits gefüllten, schwebenden Ballons ein NoGo! Aber ein SMS und Anruf nach Graz genügten und das Helium war organisiert. Alles erledigt – bis auf die Ballon-Auswahl. Da bietet ein kleiner Laden in Wien Mitte reichlich Auswahl. Ich kam wahrlich ins Staunen, legte mich aber bald dahingehend fest, dass die einzelnen Ballons mit Tier-Motiven, die Anna bereits kennt, zu tun haben sollten. Und so fuhr ich bestückt mit einigen „Airwalker-Ballons“ (haben Füße aus Papier und bleiben daher am Boden) in Form von: Frosch, Marienkäfer, Schaf und Gans sowie zwei fliegenden Ballons mit einem Bauernhof- bzw. Dschungel-Motiv nach Graz.

Als es dann dort „zur Sache ging“, genügten zwei Ballons, um das kleine Mädchenherz höher schlagen zu lassen. Faszinierend, wie begeistert Anna vom Frosch und einem der fliegenden Ballons, den wir mittels Proseccokorken am Ende der Schnur am Davonfliegen hindern konnten, war. Dazu noch 3 bunte von Mund aufgeblasene Hasen-Köpfe – und der Geburtstagsnachmittag war gebongt! Anna flitzte mit den Ballons, so viel sie halt tragen und halten konnte, durch die Wohnung – wieder und immer wieder! Kein Müde-Werden – oder doch? Doch! Aber die Ballons mussten unbedingt mit ins Bett!

Um kurz nach 6 Uhr früh höre ich schon das helle Stimmchen: „Lucia, wo bist du?“ Das war´s dann mit sonntäglichem Ausschlafen. Nur Limba, die schwarze Labradorhündin, blieb unbeeindruckt und okkupierte meine Schlafstatt am Fenster mit Aussicht. Spielen, toben – und die Luftballons waren angesagt – ich kam noch nicht einmal zum Zähneputzen!

Aber: „einen“ hatte ich noch! Als ich das wieder frei gewordene Bettzeug zusammenlegen wollte, kam mir die geniale Idee, damit zwischen Küche und Essplatz – also am besten Platz im Haus – eine Höhle zu bauen. Dort haben Anna und ich uns dann versteckt, bis es dann endlich Lukas und Adriana komisch vorkam, dass es so still im Haus ist.

Für mich ein wunderbarer Kindergeburtstag – geschlafen habe ich dann bei der Rückfahrt im Bus 🙂

Gedenklauf

Liebe Fendi!

Du bist seit etwas mehr als einer Woche leider nicht mehr bei uns, aber ich muss dir erzählen, dass ich Dir zu Ehren gestern 42,195 km gelaufen bin. Es ging von Bad Ischl nach St. Wolfgang und einmal um den See herum. Es war kalt, es war anstrengend, der zu bezwingende Berg gefühltermaßen noch höher als beim letzten Mal, aber ich habe es schlussendlich in einer na ja, nicht so berauschenden Finisher-Zeit bis ins Ziel geschafft – geschafft, weil ich in den Phasen, als mich meine Kräfte zu verlassen drohten, an dich gedacht habe, daran, wie du mit unermüdlicher Freude den Berg hinaufgerannt wärst, wie du mit fliegenden Ohren und heraushängender Zunge den Berg herabgekommen wärst, daran gedacht, welch Kämpferin du immer warst: du hast dich, als du noch unter Geschwistern warst, vorgedrängt und dir dein Frauchen und Herrchen ausgesucht, du hast dich ins Herz der älteren Kimba gekämpft, du hast als 4-jähriger Hund gegen eine schwere Krankheit angekämpft, du hast immer wieder erfolgreich um eine Belohnung gebettelt, du hast uns alle um den kleinen Finger gewickelt und dein Frauchen und Herrchen um so manche ruhige Nachtstunde gebracht, weil dich irgendwelche Geräusche in den Garten lockten. An der Leine warst du ein kleiner Plagegeist, beim Ohrenkraulen der größte Genießer, Haarbürste und Fotoapparat hast du so gar nicht gemocht, umso mehr aber die Kredenz mit der Kekslade.

Danke für die vielen schönen Stunden und Erinnerungen, die wir im Herzen bewahren können – wir vermissen Dich!

Garten Eden

Es führt kein Weg daran vorbei – endlich! ist der Frühling da! Nach einem kalt-windigen Osterfest und dem Dauereinsatz von dicken Jacken und Plateau-Stiefeln setzen sich endlich wärmende Temperaturen und sonnige Lichtstrahlen durch. Die Natur giert danach, Blätter und Blüten in die Welt zu setzen, zur Erbauung von uns Menschen, zum Hochgesang gefiederter Chöre und zur fleißigen Glückseligkeit von frechen Insekten.

Indoor ist out – Outdoor ist in!

Unsere kleine Terrasse? Die Holzbretter vor ein paar Wochen zwar geschrubbt und die Fenster im gleichen Zuge von Staub und Ruß befreit, sah es bislang doch etwas traurig aus. Der Säulenzierahorn mit seinen dürren, noch unbelaubten Ästen scheint die Winter-Frühlingswende noch nicht mitbekommen zu haben. Alle anderen Blumentöpfe sind bis auf ein paar alpin-wirkende Bodengewächse verwaist. Das kann so nicht weiter gehen!

Also fahren wir am Samstag zu einem der größten Wiener Pflanzen-Großhändler, ergattern einen der letzten freien Parkplätze und tauchen ein in die Vorschau „Garten Eden“. Gleich beim Eingang locken fröhliche Margeriten-Büsche. In der Accessoires-Abteilung werde ich eindringlich von einem riesigen pastell-grünen Moorhuhn aus Keramik angestarrt, das sofort den Weg in unseren Einkaufswagen findet. Ein bisschen Kitsch muss sein, und schließlich warten daheim schon eine alte Schildkröte, ein schlafender Drache und ein fröhlicher Froschkönig auf weitere Gesellschaft. Dann geht es ins Freigehege, dort, wo Magnolien, Zierpfirsiche, Buxbaum, Koniferen, Büsche und Sträucher die Wahl zur Qual machen. Einzig das Wissen, dass das Fassungsvermögen eines Smart-Cars begrenzt ist, und der höllisch hohe Preis hindern uns daran, dass wir uns ein ausgewachsenes exotisches Wesen mit nach Hause nehmen.

Wir schauen, überlegen, wägen ab, beraten, bis wir uns auf ein buntes Allerlei einigen: Gelb, Violett und ein Orange, das an einen saftigen Alaska-Lachs erinnert, sind die maßgeblichen Farbtöne für die nächsten Monate auf unserer Terrasse.

An der Kassa hinterlasse ich ein kleines Vermögen, im Kofferraum ein wenig Erde, denn nicht jeder Sack Erde ist meinem athletischen Armwurf gewachsen.

Willkommen daheim: Ginster, Lavendel, Rhododendron und Herz-Efeu! Jetzt beginnt das große Wühlen in der Erde mit knallgelben Arbeitshandschuhen, in Shorts und ärmellosem Shirt, barfuß. Bodo meint doch glatt, bequem im Sonnenstuhl sitzend mich mit Anweisungen in den Wahnsinn treiben zu können, sieht dann aber doch ein, dass zwei weitere helfende Hände ganz nützlich sein können. Bald stellt sich heraus, dass die beiden Efeu-Töpfe nicht in unsere Bestand-Töpfe rein passen, und dass für den Lavendel eine Untertasse ratsam wäre. Wie gut, dass der Pflanzenmarkt auch am Sonntag geöffnet hat: der Parkplatz ist auch heute gut gefüllt, ich nehme den Platz von gestern. Zielstrebig holen wir uns noch eine gelb blühende Pflanze, finden zwei passende Gefäße für den Efeu – und zu guter Letzt muss auch eine knall-gelbe Gießkanne mit an Bord.

An der Kassa hinterlasse ich wieder ein kleines Vermögen, mit der Erde gehe ich dieses Mal sanfter um.

Daheim sind in wenigen Minuten die beiden Efeu-Pflanzen fachmännisch eingetopft, der Säulenahorn wurde gedüngt, die Gießkanne eingeweiht – und wir zwei kleinen Paradies-Vögel sind vollauf zufrieden und können uns von nun an jeden Morgen darauf freuen, von unserem Moorhuhn aufgeweckt zu werden!

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Als Vegetarier unter Hamburgern

Lasst mich die Zeit kurz zurückdrehen und beamt Euch mit mir ins Wochenende 10.-12.Oktober … strahlendes Wetter in Mitteleuropa, angenehme Temperaturen – und ein Flug nach Hamburg.

Wenn mein attraktiver Gegenpol ein halb rundes Jubiläum feiert und Freunde aus dem nördlichen Germanien nicht zum Feiern an die Donau kommen können, folgt eine Einladung an die Elbe – Kost und Logis inbegriffen.

Die Flugzeit ist nur mehr ein Klacks (1:15) – die Hansestadt ist allemal eine Reise wert: freundlich-reserviert die Menschen, alles wirkt weltoffener, weiter im Horizont, was wohl an der Schifffahrt liegen mag, an der Ungebundenheit der Matrosen, an der Zungenfertigkeit der leichten Mädels von St.Pauli, an den glitschigen Meerestierchen am viel besuchten Fischmarkt.

Wir staunen in der Miniwunderwelt, die in der alten Speicherstadt ihre Bühne hat, über die Feinheit und Liebe zum Detail. Das geht weit über das Modellbau-Hobby hinaus. Es werden Geschichten, Tragödien, freudige Ereignisse erzählt, im Wechsel von Tag und Nacht, Ankunft und Abreise per Bahn oder Flugzeug.

Wir wandeln in der neuen Speicherstadt und beneiden diejenigen, die sich hier eine Wohnung mit südseitiger Terrasse und freiem Blick leisten können.

Wir lachen in einem Musical in St. Pauli über St. Pauli.

Wir genießen das beste asiatisch-mongolische Buffet, das wir je zu sehen bekommen haben. Allerdings weigere ich mich vehement, gebratenes Krokodil zu kosten!

Ich verlaufe mich beim morgendlichen Run im Moor und bekomme Orientierungshilfe von zwei freundlichen Menschen auf dem Fahrrad.

Ich verliebe mich beim Blitz-Shoppen in eine schwarze offene Jacke aus Stoff und Leder. Bodo spendiert sich selbst ein Sackerl schwarze Lakritze.

Wir Frauen reden viel und noch mehr. Die Männer hören andächtig zu und trinken lieber ein Bier.

Viel zu schnell vergeht die Zeit – was bleibt, sind die Erinnerungen an ein wunderschönes (verlängertes) Wochenende in angenehmer Umgebung!

Hamburg: wir kommen wieder!

Die Frau im Automobil

Frauen und Autos sind für Männer der Albtraum schlechthin. Als GTI-Pupperl oder als Salamibrot-reichende Beifahrerin gerade noch akzeptiert, gerät die Abhängigkeit vom anderen Geschlecht zur alles verneinenden Verständnislosigkeit, sobald die Dame links einsteigt und sich den Autoschlüssel unter die scharfen Nägel krallt.

Und doch: es gibt die Frau im Automobil, und damit meine ich nicht die hinter dem Lenkrad klebende und mit den Zähnen klappernde furchtsame Genossin, sondern die toughe Lady, die sich den fahrbaren Untersatz zum schmucken Begleiter macht – wer braucht schon einen Gefährten, der Mucken macht, wenn man sich ein Gefährt leisten kann, das schnurrt wie ein Kätzchen? …. dass auch Katzen zum Aufmucken neigen, sei dahingestellt und für diese Story nicht relevant.

Da ich selbst seit einigen Jahren glückliche Nicht-Autobesitzerin bin und den kleinen Smart mit viel Innenleben nur am Wochenende fahre – vornehmlich zum Zwecke der Übung -, halte ich mich aus der weiteren Diskussion weitestgehend heraus. Was ich beitragen kann, sind objektive Beobachtungen.

Konkret geht es hier um 4 Frauen (Arbeitskolleginnen und Freundinnen), die mir gezeigt haben, dass ein 4-Räder unterm Popo nicht nur ein Symbol der Freiheit und Unabhängigkeit ist, sondern auch eine Frage des persönlichen Stils. Ein schnittiger BWM, ein spritziger Fiat 500, ein flotter Citroen und ein Beetle der Ultraklasse – Frau identifiziert sich mit Pferdestärke, Blech und Aluminium. Das eigene Auto muss nicht groß sein, aber über einen ausnehmend großen Kofferraum verfügen, denn Frau hat einfach immer etwas zu transportieren. Für große Felgen wird schon mal ein extra Schein in den Topf gelegt. Das Innenleben versprüht weiblichen Charme in Form von knackiger Armaturenverkleidung, einer guten Audio-Anlage, einem großen Rückspiegel und sonstigem Schnickschnack, wie: einem intelligentem Lenkrad, Einpark-Warnpiepsern, einer männlichen Stimme am Navigationspult, die vornehmlich Wörter wie „rechts“ und „links“ vermeidet und viel Licht innen und außen, damit die Sucherei in der Handtasche von Erfolg gekrönt ist.

Zwei Mädels haben tief aus ihrer Brust gesprochen: „Das habe ich mir geleistet!“. Männer: Ihr habt auf diesem Terrain leider offensichtlich hoffnungslos verloren. Frau und Auto sind emanzipiert genug – Ihr dürft froh sein, wenn Ihr auf eine Probefahrt mitkommen dürft. Nur: nicht das Salamibrot im Picknickkorb mitnehmen, sondern die Flasche Prosecco … vielleicht dürft Ihr die (trunkene) Holde dann auch in IHREM Auto nach Hause (und ins Bett?) (ent-)führen!

Beförderung

Ende 2013 habe ich mich als PC-Assistent tapfer geschlagen – vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an meine Schilderung über den Sidestep in die Welt der Computerie.

9 Monate später stehe ich vor meiner „Beförderung“: wieder an den alten Schauplatz zurück gekehrt, heißt es nunmehr, zwei Klassenräume neu zu gestalten. Die Aufgabenstellung: so rasch als möglich – für eine Person allein ein Ding der Unmöglichkeit- nicht nur wegen der Zeit, sondern auch wegen der Motivation. Also sage ich meinem attraktiven Gegenpol meine uneingeschränkte Hilfe zu – das vergangene Wochenende wurde vereinbart.

Samstags beginnen wir um Punkt 8:00.

Tische schieben. Kartons öffnen & auspacken. Kartonagen zerlegen, stapeln. Plastikmüll trennen. Die Bausteine PC, Bildschirm, Tastatur und Mouse auf den Tischen verteilen. Vom „Besteller“ erfahren, dass alles andersrum aufgestellt werden muss. Bereits montierte Kabelkanäle an den Tischen korrigieren (Bodo muss sich dazu auf den staubigen Boden legen und von unten nach oben schrauben). Entsorgung antiker Computer-Relikte, die am Gang aufgebahrt werden, wo sie auf die Abholung zum Bauhof warten. PC mit Bildschirm, Tastatur und Mouse verbinden. An den Stromkreis anschließen.

Raum 1 nach 9 Stunden ununterbrochener Arbeit bis auf das „Leben einhauchen“ fertig – wir auch!

Sonntags beginnen wir um 12:00.

Raum zwei wartet. Hier kompletter Umbau der im Dezember hergestellten Lösung. Tische großräumig neu aufstellen. Alle Netzwerkkabel ausfädeln, nach Länge sortieren. Neue Kabel entwirren und aufzwirbeln. Bereits ausgepackte Hardware systematisch auf die Tische verteilen. Vorgabe: 5 Reihen á 3 Tische á 5 Personen. Dazwischen restliche Kartons auspacken. Bodo verschiebt zwei ungebrauchte Kästen in ein Nebenkammerl – Mann, hat der Kraft! Ich habe vorab auch hier alten Computerschrott am Gang in einer Ecke geschlichtet, ebenso die Kartonagen. Die Putzfrauen werden sich freuen!

Draußen herrlichster Sonnentag, drinnen angestrengte Konzentration, als die vielen einzelnen Kabeln in einem schmalen Kabelkanal gelegt werden müssen. Hier ist Teamarbeit gefragt! Bereits vorhandene PC-Stationen müssen auf gleich gebracht werden – das macht mehr Arbeit als das jungfräuliche Zusammenbauen.

Trotzdem kann ich dem Ganzen eine Art von meditativer Tätigkeit abgewinnen – oder ist es eher Fließband-Arbeit?

Als der letzte Kabelkanal geschlossen ist und alles sauber, professionell und einfach toll ausschaut, als draußen die Dämmerung einbricht und das Licht im Raum nicht funktioniert, ist auch bei uns die Luft komplett entwichen. Um 19:00 und nach ein paar Beweisfotos ziehen wir von dannen.

Erschöpfung, müde Füße, taube Finger, steifer Rücken matchen sich mit Stolz, Zufriedenheit, unserer Verbundenheit, dem wieder mal bewiesenen Teamgeist.

Das optische Ergebnis überzeugt voll und ganz – jetzt folgt der eher öde Part der Laufbalken-Beobachtung … am kommenden Freitag, natürlich wieder zu zweit!

 

Cosy Names

Heute Morgen wurde im Radio kurz das Thema Kosenamen angesprochen, weil da ein frisch verliebter junger Mann in arge Bedrängnis gekommen ist und das ganze Land um seine Meinung bittet: er fühlt sich halt nicht als „Schnuffi“!

Woran liegt es, dass Schmetterlinge im Bauch im Hirn des Liebes-verun-Glückten aus dem Ziel der Begierde ein Has-i, Maus-i, Bärl-i, Schatz-i, Bab-y machen? Hat der Liebste lange Ohren? Hat die Liebste eine graue Haut? Verbringt der Liebste die dunklen Monate in seiner Höhle und schleckt ansonsten am Honigtopf?

Unsere österreichische Witzfigur und der Opernball-Star-Junky, „unser“ Richi L., treibt die Wahl der cosy names in aller Öffentlichkeit an die Grenze der Zoologie – was hatten wir da schon alles? sein langjähriges Mausi und Mutter seiner Tschakkeline, dann waren da noch: Bambi, Katzi, Kolibri – und derzeit aktuell das Spatzi – mir wird schlecht!

Ich oute mich hiermit als der unromantische Typ – habe ich doch gleich zu Anfang zu meinem attraktiven Gegen-Pol gesagt: Ich bin kein Schatzi!

So gesehen umrunden wir  jetzt seit fast auf den Tag genau 12 Jahren (!) sämtliche weltweit verwendeten Verniedlichungen und geben uns Kosenamen der „anderen Art“ – die ich aus Gründen der Privatsphäre an dieser Stelle natürlich nicht verraten kann, um nicht doch noch mit Bärli-Hasi-Mausi bestraft zu werden.

Aber und das zum Schluss: ich rufe auf zum weltweiten Casting und sitze gerne in der Jury neuer und origineller Kosenamen, welche die Schmetterlinge im Bauch zum Flattern bringen.

Der Ausflug

Wir hatten in der letzten Zeit echt viel Stress im Büro. Besonders eine liebe Kollegin hat sich zum Thema Bemusterung von Möbelstücken echt ins Zeug gelegt. Deshalb wohl hatte sie die Idee, dass die Mädels aus dem office – so sie denn möchten – gemeinsam am frühen Nachmittag die heiligen Stätten von Emails, Besprechungen und Protokoll schreiben zu verlassen, um berufliche (und private) Gesprächen in einer frauenspezifischen Atmosphäre weiter zu führen. Nein, wir sind nicht im Spa abgetaucht (wobei das eigentlich auch keine schlechte Idee gewesen wäre), sondern Richtung Neusiedler See entschwebt, um im Outlet unsere Sorgen in Klamotten umzutauschen. Ich muss gestehen, dass es mir nicht ganz so leicht gefallen ist, den Computer herunter zu fahren. Dem gegenüber stand aber der social-factor, den Kolleginnen auch mal zu zeigen, dass ich außer Arbeitsbiene auch ein „Kumpel“ bin. Und dank meines ausgezeichneten Zeitmanagements musste ich nichts Schwerwiegendes zurücklassen. So let it be! Außerdem, wann komme ich sonst in den Genuss, das mir nur überfüllte Outlet in Parndorf einmal unter der Woche kennen zu lernen, wo es so verdächtig ruhig ist, dass der Verkäufer beim Gucchi krampfhaft überlegt, welche Schuhe mir passen könnten und die Mädels bei Liebeskind Berlin mir ein Gläschen Sekt-Orange anbieten wollten (abgelehnt, weil derzeit ohne Alkohol unterwegs … Ihr wisst: die berühmten 40 Tage, die eigentlich weit mehr Tage sind …). Schon am Parkplatz trennte ich mich von den vier Ladies, denn zum Esprit wollte ich nicht. Dafür 4 Geschäfte weiter: ein blitzblauer leicht glänzender Hosenanzug mit Krokoprint von Frieda & Freddie New York! Rein ins Geschäft, die Hose auf Anhieb in der richtigen Größe, der Blazer dann doch eine Nummer kleiner; nichts kneift am Hintern, meine Oberschenkel und Waden schmiegen sich an den weichen Stoff – gebongt. Eigentlich hätte ich mich mit dieser Beute ruhig in die Sonne setzen können. Aber wo ich schon mal da bin – habe ich nichts weiter gefunden als 2 T-Shirts und ein Sport-Shirt (das ich grad eben bei einem 110 Minuten Abendlauf (was ganz Unübliches für mich, wo ich doch ein Early Bird bin, aber ich war heute schon um 7 Uhr im Büro .. also doch ein bisschen schlechtes Gewissen beruhigen?) Verwunderlich: keine Schuhe. Bei kurzen Boots in leicht glänzendem Braun und einem sackartigen Stricküberwurf – reduziert auf € 20,- – wäre ich fast noch schwach geworden, aber ein bisschen Vernunft ruht dann doch in meiner Brust!

Auch die anderen haben schöne Beute erjagt: Seidenkleid (wahnsinnig runter reduziert) bei Windsor und Burberry-Kurz-Trench (regulär ein Vermögen / reduziert eigentlich noch immer, aber die Freude war und ist riesig!) Ausklingen ließen wir den Abend in der Mole West am Ufer des Neusiedler Sees mit einem tollen Fenster-Platz und lauschiger Abendstimmung. Unsere Gespräche sehr heiter bis sehr ernst.

Abgesehen von meinem persönlichen Erfolg (wann ziehe ich den Anzug das erste Mal an?) war dieser Ausflug irgendwie Kraft gebend. Ob es am schönen Sonnentag lag oder an der Null-Hektik oder einfach, weil ich mal ein bisschen „Freiheit“ schnuppern durfte, kann ich nicht sagen. Es war sehr nett mit den Mädels!

Logenplätze

Wir waren gestern Abend im Semper Depot zur alljährlichen Schicki-Micki-Möbel-Ausstellung von H.O.M.E. Hier auf 4 Etagen, erreichbar über eine schmale Stiege aus dicken Trittbrettern und Gusseisengeländer – als elitäre Gegenveranstaltung zur Möbel & Interieur im Messegelände, diese aufgeteilt auf 4 Hallen. Somit gibt es eine Gemeinsamkeit: die Ziffer Vier! In der Numerologie repräsentiert die Vier das Quadrat, die Ganzheit und vertritt die 4 Elemente, die 4 Himmelsrichtungen, die 4 Jahreszeiten (wieder mal etwas dazu gelernt).

Gestern Abend aber mit der Besonderheit eines Society-Events der Unbekannten – vor allem Architekten waren über Gratiskarten angesprochen – kein Wunder: bei € 20,- Eintritt pro Person tut es gut, wenn man für wenig Möbel umso mehr Freigetränke und fliegende bestrichene Brötchen mit dem unaussprechlichen Namen ihrer Erfinder konsumieren kann. Zwei mittelgroße Hallen und zwei rundum laufende Galerien – nicht sehr viel Platz, aber genug, um wenig spektakuläre oder halbwegs interessante Möbelstücke dem Auge näher zu bringen. Aber das war gestern auch egal: die Ausstellungsstücke wurden schamlos als Knotzbank oder als Liegewiese genutzt. Das alte Bühnenbild-Depot aus der K&K-Ära war für eine weitere Nacht Treffpunkt von Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen und Geschäftspartnern. Ungezwungene Atmosphäre, chillige Hintergrundmusik mit Entwicklungspotential, viele Leute in schwarzem Gewand – nach wie vor und unumstritten DIE Abend-Farbe. So gesehen war ich mit meinem weiß-gräulichen Kleid von Lila (mein erstes Swap-Party-Beutestück) ein kleiner Ausreißer oder gar underdressed? Auch die Leggings eher bunt, nur die Stiefeletten (die neuen von Softcloxx) schwarz.

Aber das ist absolute Nebensache – was diesen Abend berühmt macht, ist der Raumeindruck schlechthin: der Eingangsbereich 4-geschossig in Überhöhe; an der Brüstung stehend und nach unten schauend hatte ich das Gefühl, von einem kleineren Hochhaus in die Tiefe zu schauen – ein klein wenig Unbehagen in der Magengrube: hält das alte Geländer? Und dann: in der 4.Ebene eine eingeschnittene großflächige Galerie mit Schwerpunkt Bar und einem grandiosen Ausblick auf die Möbelausstellung ein Geschoss tiefer. Bodo und ich haben uns zwei freie Stühle ans Geländer gezogen und von oben das rege Treiben beobachtet – das Gewurrle und Geschiebe. Grundsätzlich gute Laune und unbeschwerte Atmosphäre, die zu uns bis auf unsere Logenplätze schwebte. Faszinierend, wie stark sich Menschen auf individuelle, einzigartige, rare und nur selten verfügbare Locations stürzen. Willst du mitreden können, musst du dich am roten Teppich anstellen und hoffen, dass dich der Türsteher reinlässt. Nicht so sehr wegen der Gesichtskontrolle, sondern aus feuerpolizeilichen und veranstaltungsrechtlichen Gründen. Man stelle sich vor, eine Panik bricht aus und alle wollen sich über diese eine steile Treppe retten. Die eigentlichen Fluchtwege ins Freie sehen die wenigsten.

So saßen wir beiden Muppets-Onkel staunend, lästernd, sich amüsierend einige lange Augenblicke lang verweilend, bis ganz ehrlich gesagt, Müdigkeit mit steigender Intensität und Magengrummeln mit hörbarem Protest uns zum Gehen animierten. Sicher, die richtige Party ging erst später los, wir hingegen schlürften ums Eck eine asiatische Currysuppe mit dicken von Hand gezwickten Nudeln. Die  Extraportion Chilischoten hat in uns dann ein ordentliches Feuer entfacht – aber keine Sorge: wir haben den Notausgang gefunden!

That´s really IT!

Um das Thema IT-Girl zu einem Ende zu bringen: nach besagtem Kabarettabend waren wir noch im ehrwürdigen Palmenhaus nahe der Wiener Oper, einem Hip-Lokal in einem echten ehemaligen Palmenhaus – ein riesenhaftes Glashaus, das sich Bodo und ich ganz gut als Wohnsitz vorstellen könnten – nach dem Motto: in der Auslage leben.

Als wir dort so bei einem Abschluss-Safterl sitzen und die wenigen Rest-Gäste studieren, stutzen wir alle miteinander, denn an einem Tisch sitzt gut und gerne ein Dutzend aufgemaschelte Frauen, die früher einmal Männer gewesen sind. wir googeln: es handelt sich um Transsexuelle, die hier entweder zum Treffen der Selbsthilfegruppe geladen haben oder von „richtigen“ Frauen Schmink- und Dress-Tipps bekommen – who knows!

Auch wenn man versucht, tolerant gegenüber „Anderssein“ zu sein, es befremdet doch ein wenig, oder besser, man muss einfach darüber reden, rätseln, Vermutungen anstellen – tratschen. Und keiner kann mir sagen, dass die „Damen“ nicht genau wissen, dass man sie anstarrt und über sie spricht. Irgendwie bekomme ich da ein schlechtes Gewissen: diese Personen haben sicher viel Leid erfahren. Sich in einer Haut zu befinden, in der man sich fremd fühlt, muss schrecklich sein. Eine Möglichkeit zu finden, sich selbst zu finden, ist großartig – in diesem speziellen Fall aber mit viel körperlichem und auch seelischem Schmerz verbunden. Bis es dann endlich so weit ist, dass man sich mit engen Röcken, noch engeren Pullis, stark geschminktem Gesicht, Perücke und High Heels auf die Straße wagt, dauert. Und da tut es sich einer jeden einzelnen von diesen „neuen Frauen“ gut, wenn es Gleichgesinnte gibt, um sich auszutauschen, um sich Tipps zu holen, um – nicht allein zu sein. In der Gruppe ist man stark, in der Gruppe kann man sich auch mal verstecken oder sich in den Vordergrund stellen, aber in der Gruppe findet man Halt.

So gesehen ist jede einzelne dieser Personen, die sich nach einer langen Suche selbst gefunden haben: IT-Girls!