Mann im Anzug

Ich war vergangene Woche bei einem Kongress zum Thema Green & Blue Building (seitdem ich mit der Gebäudezertifizierung des Erste Campus betraut bin, tu ich mich da weiterbilden – von Netzwerk kann allerdings noch keine Rede sein). Wie allein an der Referentenliste abzulesen, eine stark männerdominierte Veranstaltung – und natürlich bei Veranstaltungen dieser Art erscheint das starke Geschlecht in der Business-Verkleidung: Anzug, Hemd, Krawatte, seriöses Schuhwerk.

Erst nach dem Kongress und einmal Schlafengehen ist mir eines fast ins Bewusstsein gesprungen: den wenigsten Männern stehen Anzüge oder andersrum: die Anzüge von der Stange passen fast nie zu den Körpermaßen. Oft sind die Schultern viel zu breit geschnitten, vor allem, wenn sich dann weiter unten ein Bäuchlein unterm Hemd durchdrückt. Die Ärmellängen sind auch nicht immer exakt abgestimmt – wobei ich allerdings nicht weiß, was hier ideal wäre. Darf/soll die Hemdmanschette rausschauen, die Rolex oder Omega sichtbar sein oder muss der Ärmel bis zum Daumen reichen? Und dann diese Bundfaltenhosen: in den meisten Fällen zu schlodderig am Bein. Wenn dann jeMANNd auch noch klein ist, schaut´s unter Umständen so aus, als wäre die Hoffnung auf Größenzuwachs noch nicht aufgegeben. Auf dem Kongress habe ich eigentlich nur einen Mann gesehen, dem der Schnitt des Anzugs gut gepasst hat – Maßanfertigung? Dass der preußischblaue Stoff glänzend war, ist eine andere Sache. Die rotbraunen Schuhe waren ein signifikanter Bruch, haben mir aber keinen Augenkrebs verursacht.

Ich persönlich finde, dass die Kombination Stoffhose/Jeans und Sakko dem Großteil der männlichen Gentlemen besser steht und durchwegs businesstauglich ist.

Krawatte: nichts schlimmer als junge Außendienstmitarbeiter, die sich da den Strick um den Hals legen müssen! Junge Leute, deren Stilgefühl sich noch entwickeln muss und die Krawatte meistens ein Notkauf beim Kleiderbauer. Mir tun die echt leid!

Wie schaut´s aus beim Anzugspendant bei den Frauen? Nicht besser, würde ich meinen. Hier orte ich meistens zu enge und zu kurze Blazer, die Hose dafür pickt am Po und auf den Schenkeln – das kann einfach nicht dazu beitragen, gut im Job zu sein! Für mich wäre ein Job mit Anzug- oder Kostümzwang ein NoGo. Wenn ich weiß, ich muss zum Vorstand oder es gibt eine wichtige und hochkarätig besetzte Besprechung, dann greife ich zu einem Kleid, nicht immer zu den Schuhen / Stiefeln, die man sich dazu erwarten würde, ein großes Tuch allenfalls und selten drüber ein Blazer. Ich brauche freie Beweglichkeit in Schultern und Rücken. Ein Blazer mit dickem Stoff und Innenfutter (auch schrecklich!!!) blockiert – jedenfalls empfinde ich das so. Die Modewelt hat bereits darauf reagiert: es leben die Sweatshirt-Blazer! Die sind schön weich im Stoff, können ruhig etwas knapper sitzen und machen eine halbwegs gute Figur. Sowas trage ich schon auch mal!

Zurück zur Männerwelt: Euch würde ich wirklich wünschen, dass die Zeit reif ist für digital-maßgeschneiderte Anzüge, die man(n) sich im 3D-Drucker ausplotten kann, je nach Anlass und saisonal bedingtem Körperumfang inkl. Typberatung. Mann! Das wird spannend!

Ergänzung zu „da sind sie wieder …“

Ich muss eine Sache, die ich da von mir gegeben habe, revidieren: ich trage seit vergangenem Samstag beim Laufen auch ein langärmeliges Shirt! Am Samstag hatte es um 6 Uhr in der Früh schlappe 5 Grad und im Prater / im Wald dann in eisigem Nebel knappe Gefriergrade – meine Schultern haben die Kälte nicht so gern, und die Finger sind so vereist, dass ich kaum die Haustüre aufsperren kann. Aber Handschuhe? Ich weiß nicht – da lobe ich mir mehr die Shirts mit langen Ärmeln und Daumenlöchern oder noch besser mit der eingenähten Fingerklappe – das ist super!

Ich habe gerade die offizielle Verständigung bekommen, dass ich in Verona an den Start darf – ganz schön streng die Italiener! Was ziehe ich nur an, damit ich eine halbwegs gute Figur unter all den Athleten mache – zumindest 3 Minuten vor dem Startschuss, danach ist mir eh alles (fast alles) egal. Es darf nur nicht die Laufhose nach oben rutschen, denn das ist mir im Sommer mehrmals passiert: wenn nicht genug Schweiß an den Schenkelinnenseiten rinnt, reiben die Beine zu sehr aneinander und, dann gibt´s arge Hautabschürfungen, die geradezu an Sadomaso erinnern könnten. Aber ich hatte auch schon Reib-Verletzungen unter den Achseln (nach dem Wiener Marathon) – da lieferten sich Armausschnitt und Rucksackträger ein arges Match (während des Laufens nichts gespürt, aber dann unter der Dusche – aua!) oder am Rücken (auch vom Trinkrucksack?). Egal, das sind Peanuts! Wichtig ist, dass ich keinen Krampf bekomme – der Rest steht in den Sternen: durchkommen ist die Devise. Bodo suggeriert mir die magische 3:30 Start-Ziel-Netto-Zeit … ich denke mal gar nicht daran, zumal ich die Strecke nicht kenne. Daher auf gut kärntnerisch: lei lafn losn!