Was tun an einem Wochenende, das als perfektes, sonnendurchtränktes, wolkenloses, wohltemperiertes Frühlings-Sommerzeit-Umstellungs-Wochenende prognostiziert wurde?
Neidisch in einem Gastgarten den anderen beim Aperol, Hugo, Prosecco zusehen? Die Terrasse schrubben und die Holzbretter frisch einlassen? Den Kleiderschrank auf Sommer umsortieren? Faul auf dem Sonnendeck dösen?
Oder – ein genialer Gemeinschaftsgedanke: wir machen eine Wanderung!
Bodo hat sich übers Googeln für zwei Wanderrouten mit Ausgangspunkt Spitz an der Donau in der wunderschönen Wachau entschieden. Wir wollten auch dort übernachten, um möglichst viel aus den kurzen zwei Tagen herauszuholen. Ich habe am Samstag sogar auf mein vorletztes langes Lauftraining vor dem Marathon verzichtet in der Annahme, dass zwei Wandertage auch als Ausdauertraining gelten könnten. Andererseits hätte ich zumindest eine kleiner Runde drehen können, denn Bodo war doch so ziemlich auf Wochenend-Ausschlaf-Rhythmus eingestellt und nur schwer aus dem Bett zu locken.
Mit Kleingepäck, aber voller Fotoausrüstung rückten wir vormittags in Spitz an, um zuerst den Spitzer Graben zu erkunden, ein „Graben“, der in gemächlichem Auf und Ab unsere Waden strapazierte. Es zeigte sich, dass ein Mensch mit seinen beiden Händen ganz schön aufgeschmissen ist, will er auf der einen Seite seinen neuen Wanderstab de luxe in die Magie der Wanderung einführen, andererseits aber die Schönheit der Natur auf digitaler Fotografie festhalten? So landete der neue zerlegbare Wanderstab aus Schwarzdorn, hergestellt in einem Ort nahe Augsburg, den nur Insider kennen und solche, die irrtümlich in Pöttmes abfahren, im Rucksack und wurde wie in einer Sänfte bequem herumgetragen, währenddessen das schwere Objektiv so manchen Vogel und so manches freche Blümchen ins Visier nahm. Beim Bergaufgehen zeigte sich allerdings: die Fotographie ist eine Leidenschaft, die schon auch mal Leiden schafft.
Die Weinbauern sind den Dämpfen der alkoholischen Gärung entkommen und arbeiten bereits an den Vorbereitungen für die heurige Ernte. Die Radfahrer erkunden die Ufer der bedenklich wasserarme Donau und finden im gerade geöffneten Gastgarten Unterschlupf und einen guten Schluck. Bodo gönnt sich dort ein Fastenbrecher-Joker-Bier, danach schlupfen wir leicht erschöpft unter die dicke, blütenweiße Bettdecke. Ich wache nach einer Zeit erschrocken auf, da ich im eigenen Saft schwimme, so stark haben mich die weichen Daunen zum Schwitzen gebracht.
Beinahe zeitlos und ohne Wecker gleiten wir nachts in die Sommerzeit hinüber und schälen uns erst gegen 9 Uhr aus dem Bett, um in einen neuen Tag hineinzuwandern. Spontan entscheiden wir uns für die Jauerling-Runde, die wie gestern gleich mal steil beginnt, dann aber einer Höhenkante entlang dem fröhlichen Gesang der Vogelwelt folgt. Ein spätes Frühstück, bestehend aus knatschigem Kornspitz und pikantem Liptauer wird auf einem sonnenbeschienen Granitfelsen eingenommen. Die Schmetterlinge rund um uns sind ganz zappelig und lassen sich nicht leicht fotografieren. Auf Abenteuersuche verlassen wir den Forstweg und stürmen in schleppenden Schritten einen steilen Hang nach oben, um auf einen anderen Weg zu treffen. Der halbe Wald befindet sich danach in meinen Schuhen. Da die Sehnsucht nach Sonnengekitzel auf der Nase und entspannter Beinstellung bei der Einnahme eines kühlen Getränks stärker ist als eine Asphaltstraße zu erklimmen, drehen wir alsbald um, um dann wieder den Weg zu verlassen, in der Annahme, dass es da weitergeht, Sackgasse! Aber anstatt umzudrehen, rutschen wir den Hügel bergab, ich im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Po und dem Rucksack liegend. Zum zweiten Mal ist der Wald im Schuh. Knapp vor dem Verlassen des Waldes, in einem Moment der geistigen Abwesenheit mache ich dann einen für mein rechtes Knie sehr schmerzhaften Köpfler über eine unscheinbare Wurzel – Ja – AU – JAUL – Jauerling: alles klar? 2 Wochen vor dem Marathon, 5 Wochen vor dem World Life Run und zwei Monate vor der Grande Tour, Teil 2 (yipppiehh!!), kein erfreuliches Hoppala, aber mit einem Eis im Magen und einem Coolpack wird´s schon wieder. Die schönen Sonnenstunden machen jeden Kratzer wett! Bodo: gut gemacht! Das Wochenende war SPITZ-e!