Gozo und die 50 – eine Reise ins Ich

Jetzt ist es vor einigen Tagen doch passiert – und gefühlt habe ich: Nichts! Wie auch, war ich doch wegen der Entdeckung eins Neulandes so abgelenkt, dass ich gar keine Zeit hatte, mich über lästiges Zahlenwerk aufzuregen oder in Depressionen zu versinken.

Aber lasst mich die Tage schnell zurückspulen und die letzte Woche des 2016er Jahres langsam als wunderbaren Film von Anfang an abspielen:

Mein „magischer“ Tag beginnt sehr zeitig um 4 Uhr morgens mit einer mächtig langen Anreise, die Bodo und mich per Bahn, Flugzeug, Bus und Fähre auf die kleine maltesische Insel Gozo im Mittelmeer führt. Es ist bereits Nachmittag, als wir mit fröhlichem Sonnenschein und leichtem Wind begrüßt werden. Der Geburtstagsprosecco wird daher auch mutig im Freien in der kleinen Hafenbucht geschlürft. Die Lektüre des Reiseführers lässt uns staunen, lernen wir erst jetzt, dass die Hauptsprache der Insel Malti ist, ein Mischmasch aus afrikanischen und arabischen Wortklaubereien, die sich auch in jedem Orts- und Stadtnamen wiederfinden. Das Alphabet zählt 29 Buchstaben, zum Teil mit Pünktchen und Querstrichen verziert, dafür fehlt zumindest ein Buchstabe aus unserem lateinischen ABC. 97% der Malteser sind Christen und sagen zu Gott trotzdem Allah. Und um sich einen guten Tag zu wünschen, wird aus dem Französischen kurz mal ausgeborgt: [bondschu:]. Englisch dient wohl nur dazu, sich mit den vielen Touristen verständigen zu können. Geschichtliche Wurzeln gehen zurück bis in die Steinzeit –

und Steine, die gibt es mehr als genug!

Voll Neugier machen wir uns nach einer ausgeschlafenen Nacht und einem umfangreichen Frühstück, das wir auf der Hotelterrasse genießen, auf die erste Tour rund um einen Leuchtturm. Bodo ist schwer bepackt mit Fotoapparat, dem einen und anderen und weiteren Objektiv und einem Stativ. Meine tragende Rolle beschränkt sich auf Mineralwasser, Regenjacken und die beiden dicken Reiseführer. Schon bald dürfen wir die ersten Fels- und Küstenformationen begehen / bestaunen / begreifen. Der Stein ist korallenartig zerfurcht und wirkt sehr stabil, sodass auch überhängende Felsen erklimmt werden können. An flachen Stellen sind kleine Salinenfelder angelegt. Die „Ernte“ findet zwischen Mai und September statt. Wäschewaschen in den seichten Salzlaken ist verboten. Es kommt zu den ersten Fotos meiner Spontan-Yoga-Postures. Hie und da fegt eine heftige Windböe heran. Meine einbeinige Baum-Asana kommt da ordentlich ins Schwanken – aber neigt sich nicht auch ein verwurzelter Baum im Wind zur Seite? Diese Fotos wandern allerdings ins Privatarchiv, denn in Jeans, Turnschuhen und dem kleinen Rucksack am Buckel sieht mein Baum eher wie ein krummer Busch aus!

Der Leuchtturm im Landesinneren steht erhaben auf einem Hügel, umgeben von grün bewachsenen terrassenförmigen Geländeformationen, immer wieder von Steinmauern in unterschiedlich große Teilstücke zerlegt. Die Besitzverhältnisse dürften hier offensichtlich der reinen Willkür unterliegen.

Der Wind bläst ohne Unterlass, die Sonnenstrahlen verlieren dadurch zwar an Wärme, aber noch finden wir es in kurzen Ärmeln ganz angenehm.

Wir verlassen zwischendurch die Küste und kommen durch kleine Ortschaften. Die Architektur der sandhellen Häuser mutet wie die Einheimischen-Sprache eher arabisch-nordafrikanisch an. Immer wieder weihnachtlicher Kitsch in den Fenstern zur Straße, aber natürlich keine Christbäume, wachsen hier auf der Insel doch so gut wie gar keine Bäume und schon gar keine Tannen / Fichten. Architektonische Leckerbissen können wir leider nicht ausfindig machen. Mächtig hingegen sind die Kirchenbauten, die von der Ferne wie jahrhundertealte Kathedralen / Dome / Basiliken wirken, jedoch meistens erst ein paar Jahrzehnte alt sind. In einer Wallfahrtskirche lassen wir uns dankbar auf einer Kirchenbank nieder. Es ist bereits Nachmittag. Wir haben bislang keine Pause gemacht bzw. auch keine Rast einlegen wollen, weil die Augen immer mehr vom Meer sehen wollten. Doch jetzt melden sich die Füße zu Wort!

Unsere erste Wandertour ist erst zu Ende, als die Sonne kurz vor 17 Uhr untergeht und die Dämmerung uns schneller gehen lässt. Die Beine schlurfen, der Körper schlottert nun vor Kälte – schnell in die Jacke geschlüpft! Im Hotel gönnen wir uns nach einer heißen Dusche unter der Regenbrause ein ausgiebiges Powernapping, bevor wir uns dann zur Nahrungsaufnahme machen. So verschlafen die kleine Hafenstadt Marsalforn auch sein mag, die Restaurants haben fast alle geöffnet und sind gut besucht. Wir bleiben die ganze Woche der italienischen Küche treu und schmausen vorwiegend Pasta und Ravioli.

Der zweite Tag beginnt wieder sonnig und sehr windig und nicht weniger abenteuerlich. Auf engen Trampelpfaden, die nicht immer zu erkennen sind, steigen wir hinter dem Ort auf einen bewachsenen Hügel hinauf und immer weiter in Richtung zur Calypso-Höhle und zur Ramla-Bay mit Sandstrand. Wir verlieren unterwegs aber den direkten Weg und müssen ein bisschen improvisieren. Die Höhle ist eher enttäuschend, weil man nur in einen engen Spalt hinunterschauen darf. Am Strand bin ich anfangs noch unschlüssig: soll ich rein ins Wasser ja/nein? Wir streicheln eine gut genährte zutrauliche Katze. Ihr zufriedenes Schnurren gibt mir dann schlussendlich den notwendigen Impuls dazu, doch den Bikini aus dem Rucksack zu holen. Als ich demzufolge dann sommerlich bekleidet durch den Sand laufe, beutelt es mich, so kalt ist der Wind auf der Haut. Der Sand ist hart, der Übergang ins Nasse ist sehr flach, die Wellen kommen rasch näher – und bevor ich noch einen einzigen Gedanken an Irrsinn / Wahnsinn / Unsinn verlieren kann, bin ich auch schon nass! Frisch! Herrlich! Und keinen stört´s! Der Wind trocknet die nasse Haut auch ohne Handtuch, der Sand zwischen den Zehen verkrümelt sich rasch.

Das war´s dann aber auch mit dem Meer von heute. Die Tour führt hinein in die Inselmitte und endet in Victoria / Rabat, der größten Stadt hier. Erbauend sind eigentlich nur die sonnenbeschienenen Stufen vor der Kirche auf der Zitadelle. Ansonsten aber empfinden wir die Stadt als zu betriebsam; zu viel Verkehr. Das bekommen wir dann auch auf der 3-Kilometer-langen Straße zu spüren, die wir bis zu unserem Hotel zurücklegen müssen – absolut kein Spaß, so ohne Gehsteig! Dazu fahren alle Autos auch noch „falsch“, sitzt das Lenkrad hier doch very british auf der rechten Seite.

Ab dann nehmen wir abends immer den Bus – aber der fährt halt leider nur einmal pro Stunde.

So auch am Morgen des dritten Tages. Wir fahren mit dem Bus nach San Lawrenz und wollen von der Dweira Buch mit dem berühmten „Window Azur“ entlang der Südküste bis nach Xlendi (sprich Schlendi) marschieren. Das wird heute ein reicher Fototag! Gleich zu Anfang nähern wir uns auf unerlaubten Wegen dieser Attraktion aus erodiertem Gestein. Wir hanteln uns eine Hügelkuppe hinauf, um dort dann erkennen zu müssen, dass der weitere Weg nicht so einfach ist, weil ein dicht bewachsener Graben zu überwinden ist. Aber wir schaffen das selbstverständlich! Es folgt eine ausgiebige Fotosession, in der ich die Krieger-Asanas und andere Yoga-Posen auf unterschiedlichen Steinbrocken zu halten versuche. Nicht immer gelingt die Kommunikation mit Bodo, der weit von mir entfernt steht, um die richtige Fotoeinstellung zu finden. Und da dauert dann eine Stellung schon mal länger als 5 Atemzüge! Ich posiere teilweise zwar auch barfuß, behalte aber die Jacke an und die Kapuze auf, denn es ist einfach kalt, obwohl die Sonne wie ein Honigpferd vom Himmel herunterstrahlt.

Das macht echt Spaß!

Im Hotel erfahren wir, dass das Window wohl bald Geschichte sein wird – die eigenartige Felsformation droht einzustürzen!

Auch der weitere Weg ist extrem kurzweilig und interessant. Immer wieder Neues zu entdecken. Was mich traurig stimmt und zornig macht, sind die zahlreichen auf den Hügeln verstreuten Steinkuben, die als Jagdunterstand dienen, denn hier im Malteserland ist die Jagd auf Vögel unterschiedlichster Art ein Volkssport! Auch wenn von der EU mittlerweile verboten, zahlt die Regierung lieber Strafen als Wählerstimmen zu verlieren – die Jägerlobby ist enorm, und viele, viele, zum Teil vom Aussterben bedrohte Flügelwesen werden weiterhin abgeschossen. Hin und wieder hören wir auch das Knallen von einer Schrotflinte. Unzählige Schrothülsen verschmutzen nicht nur die Umwelt, sondern bezeugen diese Verbrechen. Wir flehen jeden Vogel, der uns begegnet, an, vom Land hinaus aufs Meer zu fliegen!

Xlendi ist cool, Moby Dick wird unser Stammlokal: Bruschetta, Potatoe Chips und dann mit dem Bus zurück. Die Abfahrtszeiten am Busterminal von Victoria merken wir uns für die kommenden Tage, denn wir haben vor, wieder zu kommen!

Schon Tag Vier! Auf der Nordseite der Insel bauscht der starke Wind das Meer auf. An den Hafenmauern steigt die Gischt empor und hinterlässt außer nassen Gehwegen auch eine Menge an Meeresgemüse. Heute wandern wir vom Fährhafen mit dem arabischen Namen Mgarr (sprich: Imschar) nach Xlendi. Der Wind hier auf der Südseite der Insel ist sehr milde, die Sonne nach morgendlichem Wolkenprotest wieder strahlend, der Himmel einfach himmelblau, das Meer an vielen Stellen sowas von Türkisblau – das haben wir noch nicht gesehen! Ein einsamer Strand mit Felsplatten – uns schon wieder bin ich im Bikini. Allerdings fällt es mir heute ein wenig schwerer, ins Meer zu gehen. Bis zum Bauchnabel ist auch alles gut, aber als das Wasser zur Herzgegend kommt, muss ich schon kurz schlucken. Der Aufenthalt ist daher auch nicht allzu lang. Und außerdem soll Bodo nicht so lange auf mich warten müssen!

Unterwegs plaudern wir kurz mit einem Schotten, einem älteren, aber sehr drahtigen Herrn, der dann allerdings eine Verabredung vorgaukelt (?) und sich auf den Rückweg aufmacht.

Wir wagen uns immer wieder bis an den Rand der Steilküste. Wenn Bodo fotografiert, halte ich ihn fest – ob das im Falle des Falles (im buchstäblichen Sinn!) etwas gebracht hätte, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Und dann finden wir „unseren Kraftort“! Halbrund ausgeschliffene überhängende Geländekanten in sanftem Hellgelb, absolut windstill und in einer nachmittäglichen Sonne, die noch immer viel Energie verströmt. Ein Solitär aus festem Gestein, optisch einem herausgerissenen Herzen gleich – das ist die Yoga-Plattform schlechthin! Ich jetzt nur in Top & Tight und Bodo mit einem unermüdlichem Eifer, die Szenarie perfekt einzufangen. Das Lieblingsfoto wird wohl werden: ich im Lotossitz am Rand des Felsens, dem Meer zugewandt – eine innere Ruhe überkommt mich auf einmal, ich spüre, wie ich im Körperzentrum stark und stärker werde – oder bin ich schon kirre im Kopf? Vielleicht ist das jetzt der eine Moment, wo mir die gefürchtete Jahreszahl nichts mehr ausmacht? Beginnt hier und jetzt etwas Neues? Ist das Yoga?

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Etwas durchfroren kommen wir nach Xlendi und gehen nach einer Pause im Moby Dick zu Fuß bis nach Victoria, um wieder warm zu werden. Die Sonne geht auf halber Strecke unter. Als der Bus um 17:30 dann nach Marsalforn abfährt, ist es bereits dunkle Nacht.

Heute Abend trauen wir uns endlich ins „Kartell“. Als complimento werden uns vorweg frischgebackene Weckerln serviert und ein fruchtig-knoblauchiger Artischockenaufstrich. Die beste Pasta ever wird dem Sponsoring von Bodo´s Eltern gewidmet.

Leider meint der Kellner, dass morgen am Silvesterabend alles ausgebucht ist.

Der letzte Wandertag am letzten Tag des Jahres. Wir haben fast die gesamte Insel durchwandert und wollen heute nochmals auf die Südseite, weil es dort einfach schöner – windstiller und sonniger – ist. Wir starten in Xlendi (ohne Zwischenstopp im Moby Dick) und gehen ungefähr die halbe Strecke vom gestrigen Weg, halt nur vom gestrigen Ende beginnend. Das Meer glitzert. Das Jahr freut sich darauf, nach 366 Tagen seinem Nachfolger die Regentschaft zu überlassen. Bei uns macht sich allerdings eine leichte Beinschwere und Wanderfaulheit breit, sodass wir immer wieder kurz an besonders schönen Stellen faul verweilen, um dann wieder zu „unserem Kraftort“ zurückkehren. Dort kuscheln wir uns in das Halbrund des Gesteins und lassen uns von der Sonne verwöhnen. Als Yoga-Stellung fällt mir hier nur Shavasana (die Endentspannung) ein.

Herrlich!

Herrlich auch der Abschlussprosecco im Moby Dick.

Herrlich auch die schnelle Pasta im „Kartell“, bevor die anderen Gäste Anspruch auf ihre Tischreservierungen erheben.

Herrlich auch, dass es auf dieser Seite Gozos zum Jahreswechsel kein Feuerwerk gibt.

Wir sind bereits auf unserem Zimmer, schlürfen einen mäßig guten Proseccofusel, lachen zum wiederholten Male beim „Dinner for one“ und nehmen mit leichter Wehmut Abschied – nicht vom Jahr 2016, nicht vom endgültig verschiedenen 49er, sondern von wunderschönen, harmonischen und aufregenden Tagen auf dieser kleinen bescheidenen Insel im Mittelmeer.

U´re Welcome & Om shanti shanti shanti!

Dankbarkeit

Bodo hat Recht: ich soll mich vor der neuen Zahl vor meinem Lebensjahr weder grämen noch fürchten, sondern ich soll dankbar sein für alles, was mir in meinem bisherigen Leben Gutes widerfahren ist. Klar, es gab Höhen und Tiefen – sind uns aber nicht Berge und Täler mit überraschenden Ein- und Ausblicken weitaus lieber als brettelebene Prärien und Steppen, wo dem Weg bis zum Horizont eine lange Weile innewohnt?

Ja, ich bin dankbar für jeden Stein, der es nicht geschafft hat, mich zu Fall zu bringen und für jedes weiche Kissen, das mich weich aufgefangen hat!

Und ja: ich bin neugierig darauf, was noch so alles passieren wird!

Nur noch ein paar wenige Tage …

… nein, ich spreche hier nicht vom Fest der Feste, das in der Dunkelheit der kurzen Tage mit Kerzenschein brilliert und so manchen Feuerwehrmann zum Schwitzen bringt.

Ich spreche hier stockend und mit einem Kloß im Hals darüber, dass ich in genau 7 Tagen zum „alten Eisen“ gehören werde! (Lasst mir doch bitte noch das bisschen Zukunft in meinen Worten!)

Ich habe mich mit aller Kraft dagegen gewehrt! Aber es hat alles nichts genutzt! Ganz im Gegenteil! Mit unfairen Mitteln werde ich derzeit gebremst und vor vollendete Tatsachen gestellt! Zum ist es mein linkes Knie, das  nach einer wenig ruhmreichen laufakrobatischen Einlage nur Blut und Schmerzen für mich übrig hat, und zum anderen bockt und zickt mein Rücken-Südpol nach einer morgendlichen Trainingsstunde auf dem Rudergerät wie ein zänkisches Weib!

Kann mich mein Körper nicht einfach sanft und zärtlich und so ganz ohne Schieben und Pressen aus dem 49er hinaus- und in eine neue Ära hinüberbegleiten?

Urlaub 2016 – Tagebuch

Alle Jahre wieder und schon beinahe Tradition! Unser Tagebuch ist online!

Du findest es entweder so:

http://foto.bodo.2bs.at/albums/2016/2016-05_Pilgern_Oesterreich_Tagebuch/Maria-und-Jakob.pdf

oder so:

www.brinkmann.at – Pilgern und Wandern : http://www.brinkmann.at/Maria-und-Jakob.pdf

 

Häh? Maria und Jakob? Ist da jemand leicht „fremd gegangen“? Um die Spannung zu bewahren, habe ich nur einen Tipp: Lesen und Verstehen!

Viel Spass beim Durchblättern, Lesen!

 

Valencia 2

Kaum zu glauben, dass seit unserem wunderschönen Ausflug nach Valencia schon wieder gut zwei (2!!!) Monate vergangen sind. Das Schöne aber ist, dass es auch wunderschöne Fotos gibt – exklusiv unter:

http://foto.bodo.2bs.at/2016/Valencia/

🙂

 

 

49

SCHRECKLICH! 49 Tage noch, an denen ich mich als 49-Jährige ausgeben darf!!!

Schrecklich: David Guetta ist heute grad mal 49 geworden … und laut Radiomeinung wird er das für mehr als 365 Tage so bleiben – soll ich das auch so machen? Einfach auf vergesslich tun, wenn mich jemand nach meinem real age fragt?

SCHRECKLICH! Der Countdown läuft nun unerbittlich – und nur zu schnell werden sich die Fifty Shades über mich ergießen!

Also sollte ich die kommenden 7×7 Tage noch so richtig genießen, mich austoben, Wände niederreißen, mich in akrobatischen Yoga-Asanas versenken und verwinden, bis ans Ende der Welt laufen, 5 Kilo abnehmen, meinen Körper detoxen, aus Lust und Frust shoppen, bis es den Kleiderschrank zerfetzt, Prosecco schon zum Frühstück trinken, im hochauflösenden Spiegel Falten zählen, unbedingt zum Friseur gehen, …

Oder: soll ich mich „einfach“ nur um Gelassenheit bemühen? Das Rad der Zeit ist ein Perpetuum mobile, es dreht sich weiter und weiter und wird erst beim endgültigen Abschied einen Stopp einlegen. Ich hatte bislang eine gute Zeit – sollte ich nicht einfach darauf bauen und hoffen, dass auch nach diesen 49 Tagen eine spannend-gute Zeit anbricht, die mich auf meinem weiteren Lebensweg begleitet und auf Trab hält?

Aber: ein bisschen jammern darf ich schon 🙂

 

Valencia

Tapetenwechsel im Oktober?

Nach einem wunderbar harmonisch, gemütlichen, verlängerten Wochenende im Romantikschlössl am Lormanberg im steirischen Vulkanland, zu dem ich meine jüngere Schwester Julia und ihre Hündin Diva  eingeladen hatte (endlich mal ein Geburtstagsgutschein, der auch eingelöst wurde!) – Bodo durfte natürlich auch mit, denn einer musste ja Feuer im Kamin machen und fotografieren! – war noch eine andere Reise zu zweit geplant. Nachdem unsere heurige Wanderung ja leider ein abruptes Ende fand und Bodo aufgrund einiger Schulprojekte die Sommerferien durcharbeiten musste und daher kaum etwas Sonne abbekam, machte ich dank eines Tipps meiner Freundin Ute spontan eine Reisebuchung mit dem Ziel, die letzten Tage des Oktobers bis zur Uhrumstellung auf Winterzeit in wärmeren Gefilden zu verbringen. Ich bin kein Freund von langen Flugzeiten, daher ist Spanien immer eine gute Wahl – die wunderschöne Stadt Valencia, südlich (!!!) von Barcelona und auch am Mittelmeer gelegen, im Besonderen!

Einfach wäre schön, ist es aber nicht! Denn Bodo hat am Tag vor dem Abflugdatum hohes Fieber und arge Bauchschmerzen – bitte nicht! Als ich vom Sporteln heimkomme, meint er mit schwacher Stimme, dass ich alleine fliegen müsse, um nicht alles verfallen zu lassen! Wie stellt er sich das vor? Zum einen: wer pflegt ihn? Zum anderen: wer hilft mir Orientierungsniete durch unbekannte Straßen? Ich grolle, weine innerlich und bleibe stumm. 2 Aspirin-Brausetabletten, von Bodo gehasste feuchte Wadenwickel und eine heiße Tomatensuppe – kurz nachher schießt der fiebrige Schweiß! Ich gehe zu Bett – noch ist nichts gepackt!

Als der Wecker um 4 Uhr läutet, sind wir beide wach, Bodo beinahe quietschvergnügt und fieberfrei. Der Handgepäck-Koffer ist rasch gepackt, die Fototasche sowieso griffbereit – wir können los: DANKE!

Der Flug mit Zwischenstopp in Genf, von dort dann die Betreuung des freundlichsten Flugbegleiters, den ich jemals kennenlernen durfte. Er verwöhnt „ausgewählte“ Passagiere mit zusätzlichen Croissants und Schweizer Schokolade. Mit der U-Bahn sind wir dann binnen 30 Minuten am Ziel, nur wenige Meter auf einer interessanten 🙂 Einkaufsstraße – und wir haben unser kleines Hotel Lotelito gefunden. Müde sind wir jetzt allemal, aber wir verschieben das Power-Napping auf den späten Nachmittag und erkunden die Altstadt mit ihren prunkvollen, reich geschmückten Kirchen, Palazzos, den einladenden Plätzen, den beiden mächtigen Torbauten. Es gibt viel zu schauen, aber der Kopf ist bald müde, sodass wir unser Bett mit der harten Matratze testen wollen. Allein, an geruhsamen Schlaf ist nicht zu denken, denn vor unserem Hotel zieht auf der Hauptstraße ein Demonstrationszug langsam, aber sehr laut, vorbei, begleitet von einem tosenden Hubschrauber genau über unseren Köpfen. Morgen kaufen wir Ohrstöpsel!

Das erste Abendessen ist italienischer Art – wir sitzen im Freien, es hat noch immer 20 Grad, vor uns plätschert ein hell erleuchteter Brunnen.

Der erste volle Tag! Wir machen uns auf zum Botanischen Garten, den wir gestern schon entdeckt hatten. Viel mediterrane Pflanzen, aber auch Exoten, sehr viele Katzen, die hier leben und grüne Papageien. Bodo ist natürlich mit der Kamera unterwegs, ich bleibe auch schon mal gerne in der Sonne sitzen und studiere den Stadtplan. In einer offenen Parklaube turnen ältere Damen unter Anleitung. Nachmittags fahren wir dann zum Meer, finden nur nach längerem Suchen ein kleines Lebensmittelgeschäft, wo wir Wasser und Obst kaufen. Am Strand bleiben wir aber nicht lange, es wird zu windig und damit zu kühl. Zumindest meine Beine testen kurz das Meerwasser – schon a bissi frisch!

Das zweite Abendessen ist spanischer Art – wo wir schon hier sind, müssen wir doch eine Paella verdura kosten. Bodo meint: bei mir schmeckt´s besser!

Bodo schläft mit den Ohrstöpseln, ich gebe meine bald wieder raus, weil sie jucken.

Ich stehe kurz vor 7 Uhr auf – es ist noch stockdunkel – wir sind ja weit im Westen Europas! Heute bin ich wieder fit für einen Lauf. Valencia hat vor einigen Jahren den Fluss umgeleitet und aus dem alten trocken gelegten Flussbett eine gewaltige Grünanlage gemacht, 9 Kilometer lang – ein Eldorado! In der Dunkelheit sehe ich zwar nicht allzu viel, ich finde aber eine beleuchtete Laufstrecke und fühle mich sicher. Ich bin fast 90 Minuten unterwegs. Bodo: da müssen wir auch bei Tageslicht hin! Tun wir dann auch, wir wenden uns zuerst Richtung Westen und kommen dort am Ende zu beeindruckenden Bauten vom Genie-Architekten Calatrava. Besonders der Palast der Künste – ein Opernhaus für 4.000 Zuschauer – macht sprachlos, schwebt doch über dem eigentlichen Baukörper, der an eine Muschel erinnert oder doch an ein offenes Fischmaul?, ein „Blatt“, nur an einem „Stiel“ mit dem Boden verbunden. Mr. Calatrava: how does it works? Noch immer sprachlos fahren wir mit dem Bus in ein nahe gelegenes Naturschutzgebiet, das uns dann etwas enttäuscht, denn ohne Barke kommt man nicht durch das dichte Schilfgebiet. Wir fahren mit einem frühen Bus wieder zurück und spazieren lieber in „unserem“ Park – viel Stopp & Go, weil Bodo viele, sehr viele Fotomotive entdeckt. Besonders skurril sind die mit Dornen besetzten flaschenförmigen Bäume mit ihren malvenartigen Blüten. Das viele Warten macht mich ein bisschen müde … und gereizt 🙂

Das dritte Abendessen ist dann wieder italienisch – same place, allerdings drinnen, denn außen ist alles besetzt. Wir sind spät dran, Bodo hat heute Abend seine Night-Picture-Session. Und ich muss mich ein bisschen in Geduld üben – ich lasse einfach den Ort und das Treiben auf mich wirken.

Am nächsten Morgen laufe ich im Park weiter, ich bin noch nicht bis ans andere Ende gekommen. Eine Steinmauer hat mich gestern in die Irre geführt, denn ich dachte, dass hier schon aus wäre, derweil beginnt dahinter erst der Biopark, den ich dann mit Bodo bei Tageslicht so richtig erkunden kann. Wir halten uns einen Großteil des Tages dort auf, am Nachmittag schlendern wir wieder durch die Altstadt und suchen nach noch unbekannten Gassen.

Das vierte Abendessen ist schon wieder italienisch – aber wir finden nichts anderes. Warum wechseln, wenn es schmeckt? Und einen Vorteil gibt es noch: die Kellnerin kennt uns jetzt und verhilft uns zu einem Tisch im Freien – da schauen andere ganz dumm aus der Wäsch`! Die junge Dame ist in Venedig geboren, hat in Deutschland gearbeitet – ist daher multilingual! Kompliment!

Und schon ist der Tag der Abreise gekommen. Wie durch ein Wunder ist es ruhig auf den Straßen, denn unser „Grätzl“ ist heute autofrei. Wir bleiben, solange es geht, auf dem großen Platz vor dem Rathaus. Die Sonne scheint, alles ist fröhlich und hat die Uhrumstellung gut überstanden. Mit ein wenig mehr Gepäck – ich bin bei Pull&Bear fündig geworden: tolle Klamotten um einen Spottpreis (z.B. flauschiger Wollmantel, der offen zu tragen ist, um € 35,-!) und auffallende Stiefel aus schwarzem Stoff mit weißer unterbrochener Sohle – treten wir schweren Herzens die lange Rückreise an, dieses Mal mit Zwischenstopp im Zürich und eigenartigen Passagieren (vor uns zwei Kleinkinder, die sich über den Sitz lehnen und Bodo fast auf die Stirn spucken – he is not amused!)

Valencia: wir kommen sicher wieder, denn: wir haben entdeckt, dass hier an der Kathedrale ein Jakobsweg beginnt, der uns zum Beispiel bis Burgos führen könnte … Bodo hat den gelben Pfeil zuerst entdeckt!

p.s.: die vielen tollen Fotos wird es demnächst zu sehen geben – ich halte Euch am laufenden!

Kleine Freude ganz groß

Meine kleine Nichte ist vor kurzem 2 Jahre alt geworden (wie die Zeit verfliegt! Zum einen, weil Anna schon eine kleine Dame ist und zum anderen, weil ich erst jetzt zum Festhalten meiner Gedanken komme).

Was schenkt man einem aufgeweckten, jungen Persönchen, das das Rundherum erst zu entdecken beginnt und sich gegenüber den Großen am besten mit Zeigen und Schreien verständigt, dessen Neugierde grenzenlos ist und das dann aber auch zuweilen ängstlich und schüchtern reagiert?

Vor ca. 20 Jahren war ich bei einem Kindergeburtstag Dreijähriger eingeladen und bin dort als fröhlicher Clown verkleidet (ich erinnere mich, dass als Verkleidung mein bunt gestreifter Futonbett-Überzug herhalten musste) mit Helium-gefüllten bunten Ballons aufgetreten – ein voller Erfolg – zumindest solange, bis um den letzten rosa Luftballon gestritten wurde. Also dachte ich mir, dass ich doch auch meine Nichte (und wohl auch den Rest der Familie) mit einer Clownmaskerade und ein paar Ballons überraschen könnte. Ich bin ja nicht der Verkleidungsfetischist, daher kam es mir ehrlicherweise auch gar nicht ungelegen, dass um Halloween herum schrecklich-böse Clowns die Stadt erregten und daher diese Kostümierung vollkommen in Misskredit geriet. Blieben also die Luftballons – und das Helium. Wohlgemerkt: meine Nichte wohnt 200 Kilometer von mir entfernt in Graz, und um dorthin zu kommen, fahre ich derzeit gerne mit dem flotten Flixbus. Also ist der Transport von bereits gefüllten, schwebenden Ballons ein NoGo! Aber ein SMS und Anruf nach Graz genügten und das Helium war organisiert. Alles erledigt – bis auf die Ballon-Auswahl. Da bietet ein kleiner Laden in Wien Mitte reichlich Auswahl. Ich kam wahrlich ins Staunen, legte mich aber bald dahingehend fest, dass die einzelnen Ballons mit Tier-Motiven, die Anna bereits kennt, zu tun haben sollten. Und so fuhr ich bestückt mit einigen „Airwalker-Ballons“ (haben Füße aus Papier und bleiben daher am Boden) in Form von: Frosch, Marienkäfer, Schaf und Gans sowie zwei fliegenden Ballons mit einem Bauernhof- bzw. Dschungel-Motiv nach Graz.

Als es dann dort „zur Sache ging“, genügten zwei Ballons, um das kleine Mädchenherz höher schlagen zu lassen. Faszinierend, wie begeistert Anna vom Frosch und einem der fliegenden Ballons, den wir mittels Proseccokorken am Ende der Schnur am Davonfliegen hindern konnten, war. Dazu noch 3 bunte von Mund aufgeblasene Hasen-Köpfe – und der Geburtstagsnachmittag war gebongt! Anna flitzte mit den Ballons, so viel sie halt tragen und halten konnte, durch die Wohnung – wieder und immer wieder! Kein Müde-Werden – oder doch? Doch! Aber die Ballons mussten unbedingt mit ins Bett!

Um kurz nach 6 Uhr früh höre ich schon das helle Stimmchen: „Lucia, wo bist du?“ Das war´s dann mit sonntäglichem Ausschlafen. Nur Limba, die schwarze Labradorhündin, blieb unbeeindruckt und okkupierte meine Schlafstatt am Fenster mit Aussicht. Spielen, toben – und die Luftballons waren angesagt – ich kam noch nicht einmal zum Zähneputzen!

Aber: „einen“ hatte ich noch! Als ich das wieder frei gewordene Bettzeug zusammenlegen wollte, kam mir die geniale Idee, damit zwischen Küche und Essplatz – also am besten Platz im Haus – eine Höhle zu bauen. Dort haben Anna und ich uns dann versteckt, bis es dann endlich Lukas und Adriana komisch vorkam, dass es so still im Haus ist.

Für mich ein wunderbarer Kindergeburtstag – geschlafen habe ich dann bei der Rückfahrt im Bus 🙂

Besen-Meditation

Gründonnerstag 2016. Liturgie in der Kirche zu St. Elisabeth im 4.Bezirk. Eine Idee des neuen mitreißenden und aufgeschlossenen Pfarrers, der zudem zu unseren Freunden zählt: jeder kann sich in einem Formular zu kleineren Aufgaben eintragen, die er/sie in der Pfarre verrichten würde wollen. Bodo und ich sind zwar im 3.Bezirk angesiedelt. Macht nichts – Grenzen, auch Bezirksgrenzen, werden niedergelegt, wenn es um eine gute Tat geht. Ich melde mich für den Putz- und Räumtag im September.

Gründonnerstag war im Frühjahr – da ist es bis zum Spätsommer noch weit her. Da gerät so einiges nur allzu leicht in Vergessenheit. Wie gut, dass vor ein paar Tagen das Erinnerungsmail kam: „Wir putzen und räumen gemeinsam am 10.09.2016!“

Jetzt gibt es kein Zurück, auch wenn das Wetter nochmals den Hochsommer am Teller präsentiert. Ich kann Bodo zum Mitmachen animieren – er glaubt, dass er wie sonst auch seine Fähigkeiten am Computer unter Beweis stellen wird können – weit gefehlt!

Als wir uns angemeldeterweise erst um 12:00 Uhr einfinden, sind einige Personen schon heftig am Werkeln und Schwitzen, ein bisschen unkoordiniert erscheint uns. Aber Gerald hat alles im Griff, führt mich in die Sakristei zu den Frauen und behält Bodo bei den starken Jungs. Dort werden dann Bizeps, Hände und Rücken zu Spitzenleistungen herausgefordert! Das nicht unkleine Pfarrhaus wird mehr oder weniger auf den Kopf gestellt. Vom Dachboden – Bodo berichtet begeistert: ausbaufähig!!! – werden z.B. schwere Steinplatten zum Entsorgen nach unten bis auf den Platz und in einen Container geschleppt. Kästen werden von A nach B getragen und auch uralte Taufbücher sollen neu einsortiert werden. Und da ist dann auch Bodo bald ordentlich durchgeschwitzt! In der Mittagspause schlingt er dann auch hungrig einen Teller Spaghetti Bolognese hinunter.

Auf mich wartet hingegen eine beinahe meditative Tätigkeit. Da in der Sakristei schon zu viele Frauen am Aus- und Neusortieren sind sowie am Putzen der Fenster, wird mir aufgetragen, die Wachsflecken hinter und rund um den Altar zu entfernen – mit einem alten Bügeleisen und Zeitungspapier! Bis auf eine andere ältere Frau, die sich um den Glanz der Kirchenbänke kümmert – in einer halsbrecherischen Schief- und Liegelage -, ist sonst niemand in der Kirche. Ab und zu ein paar Touristen, ab und zu Bodo. Ich krieche auf den Knien, schaue gegen das Licht, um die Wachsflecken zu entdecken, meistens ist ein sanftes Drüberstreichen über den kühlen Stein aber zweckmäßiger. Das Bügeleisen quält sich, zum Glück habe ich einen starken Daumennagel. Immer wieder kommen Frauen aus der Sakristei oder sonstigen geheimen Verstecken vorbei, von denen ich in kurzen Statements gelobt bzw. mit Ratschlägen versorgt werde. Eine meint zu meiner knieenden Tätigkeit: „Das sind deine Stufen in den Himmel“ – schön wär´s!

Wenn man aber, so wie ich, gerade dem Boden näher ist als dem Himmel, sieht man auch den Dreck, der sich über die Sommermonate (und länger?) angesammelt hat. Also greife ich nach dem Bügeln zum großen Besen und beginne hinter dem Altarbild mit dem Auskehren. Und da kommt viel zum Vorschein! Vor allem tote Fliegen. Als ich dann nach mehrmaligem Hin- und Her-Fegen endlich vorne beim Altar angelangt bin, tropft auch mir der Schweiß vom Kinn. Was ist da? Noch mehr Wachsflecken? Also nochmals auf die Knie und das Bügeleisen aktivieren! Zwischenzeitlich hat eine andere helfende Hand damit begonnen, die bereits gefegten und damit vorgesäuberten Flächen nass aufzuwischen. Ich bekomme daher zwar ein bisschen Druck, lasse mich aber von meinem Fege-Rhythmus nicht abbringen. Das große Kirchenschiff und die beiden Seitenschiffe müssen systematisch gereinigt werden!

Es ist bereits 16 Uhr – und ich habe noch ungefähr ein Drittel vor mir. In der kleinen Kapelle wird eine Gnadenhochzeit (= 70 Jahre Ehe!!!) gefeiert – und dazu erklingt dann wunderschön das „Ave Maria“!

17 Uhr – fertig! Meine meditative Reise durch einen wunderschönen Raum ist zu Ende. Gedacht habe ich an sehr wenig, auch kaum gebetet, ich habe einfach die Ruhe in mir selbst genossen! Und der Steinboden freut sich strahlend über die ausgiebigen Streicheleinheiten.

18 Uhr – die Arbeiten werden allgemein beendet. Nicht überall ist man fertig geworden, aber dieser Tag hat zu einem wunderbaren Zueinander und Miteinander geführt, egal, ob im 3. oder 4. Bezirk ansässig. Schweinsbraten und Knödel haben wir dann zwar ausgelassen, aber das Bier hat gut geschmeckt!

Beim nächsten Mal sind wir wieder mit dabei!

Beflügelt wie eine rosarote Nachteule

Sommerzeit und Großstadt – das bedeutet neben meinen „geliebten“ Menschenmassen ebenso viele Baustellen auf den Straßen – die einen beleben unsere heimische Wirtschaft, die anderen machen unsere Stadt wieder sicherer im Straßenverkehr. Quasi vor unserer Wohnung werden seit ein paar Wochen die Gleisanlagen der Straßenbahnlinie erneuert – und das meistens nachts! Ganz schön lustig, wenn um 23 Uhr die Presslufthammer zum Leben erwachen und um 3 Uhr nachts noch immer Party feiern. Da kann es dann schon vorkommen, dass aus den paar Bettstunden nur wenig erholsamer Schlaf herauszuholen ist. Mit müdem Auge schleppt man sich dann ins Bad und später in die Arbeit. Auch dort müssen die Lider-Muskeln schwerste Haltearbeit leisten.

Wenn man so wie ich vollkommen koffein-frei lebt und auch stilles Leitungswasser kein Prickeln auf der Haut mehr erzeugen kann – was soll man tun? Was hilft, den Tag zu überstehen?

Aus einer hellseherischen Eingebung heraus habe ich mir vor einigen Wochen, als ich mich extrem schlapp gefühlt habe – das war vor der Eisentabletten-Kur – eine Dose Redbull light gekauft und dann im Kühlschrank deponiert – für den Fall der Fälle. Vorgestern war es dann soweit – Durst, Müdigkeit und aus Ermangelung an anderen Getränken heraus wurde ich schwach und habe es gewagt, die Dose zu öffnen!

Der erste Schluck – und ich wollte schon aufgeben, weil mir dieser „gummibeerliche“ Geschmack doch ein wenig schwer über die Zunge ging. Wegschütten oder Aufheben oder Augen zu & Austrinken? Lebensmittel werden bei mir selten weggeschmissen. Redbull ohne Kohlensäure ist eher auch ein Graus – also rein mit dem Saft!

Und wo sind jetzt die Flügel?

Ich gehe ins Fitness-Studio, unterrichte dort meine 2,5 Stunden – keine merklich spürbaren Nebenwirkungen; ich bin zwar nicht mehr ganz so müde, aber das mag auch an der Bewegung liegen.

Ich gehe heim, und der restliche Abend verläuft wie sonst auch.

Ich gehe kurz vor 23 Uhr ins Bett, um meine 6 Stunden Schlaf zu bekommen – aber dann:

… dann geht´s los: mein Gehirn ist wie unter Strom, Gedankengänge fetzen durch meinen Schädel: Beruf, eine Yogastellung, an der ich gerade kiefle, und und und … an Schlaf ist nicht zu denken! Ich könnte glatt auf einen Sprung runter auf die Straße gehen und mich zum Presslufthammer gesellen, so quirlig fühle ich mich. Im Morgengrauen ebbt dieser Zustand einer losgelösten Nachteule dann zwar etwas nach, den Rest des Energieschubs nehme ich mit zum Laufen und mit in die Arbeit. Erst nach mehr als 24 Stunden dieser Koffein(über)dosis bin ich wieder „clean“ … und falle nach zwei unruhigen Nächten wieder einmal in einen tiefen Schlaf.

Das wird wohl ein einmaliges Erlebnis gewesen sein!