Der Auftragsshopper

Einmal im Jahr, darf ich – darf ich ins Outlet in der Nähe vom Neusiedlersee angesiedelt. Einmal deshalb, weil mein „Bodyguard“ nur einmal im Jahr die Geduld aufbringt, mich an den Tatort „bis -70%“ zu begleiten. Dafür suche ich mir meistens ein sehr passendes Datum aus. Nein, nicht das Late-Night-Shopping-Date, da hier schon um 9 in der Früh alle Lichter ausgehen und die Bankomat-/Kreditkarten zu schwitzen beginnen. Nein, ich habe dieses Mal einen Freitag ausgewählt, DEN Freitag, besser gesagt: zum Monatsbeginn, zwischen den Weihnachts-/Neujahrsfeiertagen und zur Winter-Sale-Saison  – Yippieh! Wir fahren gegen 14 Uhr beim Gewerbepark Parndorf ab und erkennen schon von weitem, dass es spannend werden wird, weil dieser spezielle Freitag auch viele andere aus nah und fern und jenseits der Grenzen hierher gelockt hat. Bodo verdreht die Augen. Mir wird heiß im Gesicht, weil ab jetzt heißt es aufpassen, im Seniorenschritttempo fahren, sich in Geduld üben und die Augen offen halten, um eine Parklücke zu ergattern. Es tun sich kriminalistische Szenarien auf, Menschenkarawanen, die unkontrolliert zwischen den Autos hervoreilen, aufgeregte Gesichter, wenn das eigene Auto von anderen zugeparkt wurde und der Abschleppdienst eigentlich keine Chance hat, durchzukommen, um den Übeltäter zu bestrafen. Ich bin daher mehr als überrascht und halte es für einen Scherz, als ich plötzlich eine freie Parklücke entdecke, in die ich den Smart sehr schnell hineinmanövriere. Ich bin echt perplex, noch dazu, weil wir relativ zentral vor und zwischen den Schnäppchen-Fallen parken – regulär und ohne Gefahr des Zugeparktwerdens.

Los geht´s – im Uhrzeigersinn. Nach den ersten paar Metern bereue ich bereits, den „Darf-Bonus“ heute abgerufen zu haben. Frauen, Männer, Kinder und leider auch Hunde schieben sich durch die Arkaden dieses Centers oder werden geschoben. Zahlreiche der Markenshops interessieren mich gar nicht. Bodo folgt entgeistert meinen Schritten. Mein Angebot, zwischenzeitlich zum Fotografieren an den See zu fahren, ignoriert er aber – er ist schon ein kleiner, lieber und neugieriger Masochist! Vor Boss und Ralph Lauren stehen Menschenschlangen an. Die Jungs von der Security bestimmen, wann wieder wie viele mögliche Kunden ins Kaufparadies eingelassen werden. – Irgendwie komplett verrückt. Also nix mit Boss, dafür dann Diesel, wo ich endlich und komplett unverhofft einen schlichten, aber kleidsamen schwarzen BH finde (gestern habe ich leider im Radio gehört, dass Diesel zu den ausbeuterischen Arbeitgebern gehört, die zu geizig sind, den Näherinnen ein bisschen mehr Lohn zu bezahlen. Das heißt, dass ich ab sofort Diesel sein lassen werden muss ;-(). Beim Prada-Outlet ist nichts los, aber ich muss auch sagen, dass ich hier nichts gefunden hätte, was ich in meinem Kleiderschrank unterbringen hätte wollen. Auch beim Karli Lagerfeld sind die Beute-Bags interessanter als die Shirts in XL (denn andere Größen gibt es hier nicht – eigentlich eigenartig, wo Karli doch nur für magersüchtige Bohnenstangen schneidert?). Absolut geil, aber leider auch nicht in meiner Größe erhältlich, wären die Gummistiefel angehauchten Boots mit Holz-Klotz-Absatz und Lederschaft von Cubanas gewesen, weil absolut gut runtergesetzt. Nein! Hände weg von Größe 40 – da passen deine Füße nicht hinein! Schmollend verlasse ich d´Ambrosio.

Als die erste Glut ein wenig abgeflaut ist, und sich Bodo vom Schock erholt hat, dass auch die ärmellose Outdoor-Stepp-Weste von Superdry in XXL (!) zu schmal um die Brust geschnitten ist (Superdry schneidert wohl nur für androgyne Japan-Boys), richte ich meine Augen auch auf all die anderen Kauflustigen – bei einigen mag die Lust wahrlich schon vergangen sein – kein Wunder: anhand der Autokennzeichen ist anzunehmen, dass viele schon seit den frühen Morgenstunden auf sind, eine lange Fahrt hinter sich haben und jetzt am Nachmittag gerechterweise erste und üppige Erschöpfungserscheinungen haben. Im gesamten Outlet gibt es unserer Meinung nach auch viel zu wenig Gastronomie und Plätze, um sich ein bisschen zu erholen. Aber wahrscheinlich ist das auch so gewollt: Groß-Kampf-Shopping ist angesagt – Erholung gibt es erst, wenn der Kofferraum voll und die Kreditkarte überzogen ist! Es dürften auch Auftrags-Shopper unterwegs sein, die für eine bestimmte Kundschaft einkaufen. Einen Mann sehe ich zum Beispiel, der an die 10 Säcke von Boss neben sich stehen hat. Zum einen dürfte er einer der Glücklichen gewesen sein, die von der Security reingelassen wurden und andererseits dürfte er wahllos oder gezielt (?) fündig geworden sein. Handelt es sich hier um einen Kaufagenten, der in seiner Heimat die Sachen weiter verhökert? Ähnlich wie bei willhabenat oder am Flohmarkt: auch dort treiben sich ja die Schnäppchen-Jäger herum, die gierig sind auf alles, was sie selbst dann mit Gewinn weiter verkaufen. Ist das legal?

Als wir am späteren Nachmittag vor Boss nur mehr eine kleine Schlange vorfinden und bereits nach wenigen Minuten des Wartens auch eingelassen werden, frage ich mich allerdings, womit dieser Auftrags-Shopper  fündig geworden ist. In der Damenabteilung gibt es rein nichts, was meine Augen zum Leuchten und meinen Herzschlag zum Pulsieren bringt. Bei den Herren sieht es schon ein wenig anders aus, denn wenn man einen halbwegs schicken Anzug braucht, ist man(n) hier sicher gut & günstig bedient. Bodo hat hier allerdings auch wieder Pech, denn die wirklich schicken Jacketts sind nicht in seiner Größe verfügbar. Und die tweedige Winterjacke bei Strellson eignet sich nur für sibirische Minusgrade, aber nicht für unser derzeitiges hochgradiges Plus-Wetter. Rein durch Zufall mache ich noch einen Sprung zu Calvin Klein, eine Marke, die mich eigentlich bislang kalt gelassen hat. Aber wahrscheinlich bin ich vom vielen Schauen und Schlendern schon so mürbe in der Birne, dass ich mich in dem kleinen, schmalen Shop umschaue. Und siehe da – das Schnuppern führt zur Beute! Der graumelierte locker geschnittene Wintermantel ist zwar eindeutig mehrere Nummern zu groß (würde vielleicht Bodo passen?), aber dann entdecke ich ein Modell ärmelloses Strickkleid, hinten glatt, vorne gerippt. Das Erstaunliche ist, dass es wie angegossen sitzt und meine vorhandenen Kurven elegant zur Geltung bringt. Die Qual der Wahl aber: das Kupferrot-Orange oder das Dunkel-Schwarze? Oder beide gar? Ich werde schwach, denn das Preisschild gaukelt mir gekonnt vor: Mädel, das sind richtige Schnäppchen! Der Retail-Preis jenseits von Gut und Böse. Der Outlet-Preis auch noch üppig. Aber wenn davon dann auch nochmal die Hälfte abgezogen wird, zuckt es in den Fingern und ich sage Ja zu beiden: das Rot-Orange fällt genau in meine persönliche Farbpalette und wenn Schwarz eine gute Figur macht, ist es vielseitig einsetzbar. Die Shopping-Bags von Calvin Klein sind anonym weiß ohne Beschriftung.

Es ist mittlerweile dunkel geworden. Die Kaufwut rundherum ist einer gewissen Ruhe gewichen. Jetzt sind anscheinend nur mehr die Experten unterwegs, die wissen, dass es abends nicht mehr so überfüllt ist – gut zu merken, aber andererseits sind zu späterer Stunde vielleicht die guten Stücke schon weg?

Was habe ich vielleicht verpasst, was mir so gar nicht abgeht? Würde ich mich als Auftragsshopper eignen? Dabei meine ich jetzt nicht den „gewerblichen Jäger“ sondern jemand, der für Familie und Freunde was besorgen soll, frei nach dem Motto: meine Schwester braucht ein Business-Kostümchen. Absolut nein, denn ich bin der festen Überzeugung, dass man anprobieren, vor dem Spiegel posieren, die Arme heben und die Beine beugen muss, um bewerten zu können, es passt oder es passt nicht. Vor allem, wenn man nicht umtauschen kann. Das ist ja das große Risiko bei Sale und Outlet: vom Umtausch ausgeschlossen! Entweder du bist ehrlich zu dir selbst oder du bist der Dumme und hast wieder einmal Lehrgeld bezahlt.

Meine Wahl war jedenfalls kritisch und gut – und hat auch den Beifall meines „Bodyguards“ erhalten . Die beiden Strickkleider haben die erste Bewährungsprobe bereits erfolgreich absolviert. Für den ganz persönlichen Stil – und damit es nicht zu seriös und klassisch wirkt (denn das bin ich nun mal nicht), habe ich gestern noch bunte und gemusterte Strümpfe besorgt (auch im Sale nebstbei bemerkt) und werde mit meinem vorhandenen Schuhwerk entsprechend experimentieren, damit jeder weiß: das ist die Lucia!

Poesie der Farben

Ich habe ja vor kurzem über meine Seelenverwandtschaft zu Erdmännchen geschrieben. Heute geht es einen zügig gesetzten Schritt weiter. Inspiriert von adverbalisierten Farbtönen wurde ich von einer mir unbekannten Muse gekitzelt und versuche die Farbplatte meines Traumes nach einem perfekten Style in Poesie zu transformieren:

Die Wärme des Körper umschmeichelnden Textils wird durch kräftiges Curry bis in jede einzelne Pore gezogen. Mit einem Hauch Coolness bleibt die zarte Haut vor Verbrennungen geschützt.

Mit einem geilen Grünton am Oberkörper beginnt die Wiese um dich zu schweben und es tun sich neue Hügelformationen auf.

Orange wird nur in seiner saftigen Form zaghaft eingesetzt. Alles, was an knautschige Dellen erinnern könnte, wird aus dem Blickfeld verbannt.

Schlammpackungen verpassen nicht nur dem Teint einen seidig-matten Glanz. In Baumwolle getunkt verschmilzt man je nach Intensität mit dem urbanen Pflaster unter dem plateaugestärkten Trittwerk.

Mit einem beherzten Braun bekommt jede Figur die Schlanknesse eines aufrecht gewachsenen Baumes im Dunst eines noch müden Morgennebels.

Vereinzelt als kurzweilige Leihgabe wird auch die gesamte Palette des Bogens am Himmelfirmament nach einem lauschigen Sommerregen in das Gewebe reingetupft, um dem täglich wechselnden Biorhythmus den entscheidenden Impuls zu geben, sich weiter zu bewegen.

Zu guter Letzt dürfen auch abgestufte Nuancen von unschuldiger Reinheit bzw. verdammter Dunkelheit in das tägliche und nächtliche Gebinde eingewoben werden, um die individuelle Silhouette von jedem Hintergrund deutlich abzuheben.

Welch Geschenk ist es, Farben erkennen und sehen zu können!

Welch Geschenk ist es, in Farben wühlen zu können. Unendlich viele Abstufungen, unendlich viele Kombinationen sind möglich, beeinflussen unsere Stimmungen, unser (soziales) Verhalten.

Beachtet aber die richtige Feinabstufung, damit die Poesie der Farben – wie cooles Curry, geiles Grün, knautschiges Orange, glanmattes Schlammgrau, Braun mit Herz etc etc – erhalten bleibt!

Nur 1 Jahreszeit

Es gibt keinen Winter, keinen Frühling, keinen Sommer und keinen Herbst mehr!

Es gibt eigentlich nur mehr eine Jahreszeit, unabhängig davon, wieviel Grad es im Freien hat, unabhängig davon, wie viele Stunden pro Tag die Sonne ihr Licht spendet.

Es hat jetzt nichts mit der globalen Erd-Veränderung zu tun – ich wähle diese Bezeichnung, weil ja nicht jedes Wissenschaftsportal gleichermaßen von einer Erwärmung spricht. Die knapp 100 Passagiere, die gerade vom festgefrorenen Schiff per Helikopter entführt werden – klar, das Bier ist seit wenigen Stunden aus! -, haben mit Sicherheit eher den Eindruck, dass Ice Age ein wahr gewordener Traum ist und nicht nur mein absoluter Animationsfilm-Favorit, aus dem gewisse Textpassagen zu meinem spärlichen Zitate-Pool gehören.

Es hat vielmehr damit zu tun, dass nicht erst am 27.12. die „SALE-Jahreszeit“ beginnt, sondern diese zu hysterischen Anfällen mutierende Phase schon weit vor dem Weihnachtssong beduselnden Shopping beginnt. Und wenn man genauer hinschaut, geht dieses After-X-Mas Prozente-Erschlagen, von dem so mancher mit Liebe oder in letzter Sekunde geschenkte Gutschein ausgenommen ist, ins Faschings-Special über, gefolgt von den Ostereier-Schnäppchen. Und der im Mai (!) beginnende Sommer-Schlussverkauf-Sale geht direkt in die Hitze-Mid-Time-Schnäppchenjagd über, gefolgt vom „Fall-Price“, Advent-Sale – und dann hat sich der Kreislauf schon wieder geschlossen – und ein weiteres Jahr ist vorbei. Ein weiteres Jahr, indem man beherzt in tiefe Wühlkisten greift und sich vor beengten Umkleidegarderoben geduldet, bis man (frau) dann endlich und am Rande eines Nervenzusammenbruchs endlich miese Qualität und noch wildere Styling-Auswüchse an seinen Body ran lässt.

Es ist bewiesene Tatsache, dass die Boutiquen eigene Ausverkaufsware aus dem Lager herzerren, die mit der „regulären“ Ware (gibt es jetzt eine solche überhaupt noch?) nichts mehr zu tun haben. Nur vereinzelt findet man etwas, was aus der Saison xy ist und auch gefallen würde – nur blöd, dass dann die Konfektionsgröße nicht stimmt – also doch zu spät hingelangt? Im nächsten Leben oder im zweiten Bildungsweg werde ich Sale-Mode-Designerin, das verspreche ich!

Sale-Shopping artet in Stress aus! Wahrscheinlich übertreibe ich jetzt wahnsinnig, aber ich empfinde derzeit das Einkaufen als solches. Auch online wird man zu Schnäppchen hingezogen und kann sich durch 80 Seiten Designer-Sale durchklicken. Aber was bleibt tatsächlich übrig, außer einem Krampf im Finger und einem starren Auge?

Wenn Kleidung um 30%, um 50%, um 70% reduziert werden kann, warum muss sie in der ersten Schaufenster-Darbietung dann so teuer sein? Wird man da nicht von Anfang an gefrozzelt und zum Narren gehalten? Ist frau die Blöde, wenn sie schon beim Auspacken neuer Ware tief in die Geldbörse greift und die Kreditkarte strapaziert? Das Problem liegt darin, dass frau selten Geduld hat und noch weniger den Edelmut, einer anderen das gute Stück der momentanen Begierde zu gönnen. Wir Frauen sind von Gier, Neid, Raffsucht getrieben, wenn es um Bekleidung geht. Und wenn es um Ausverkaufsware geht, werden wir zu brutalen Wühlmäusen und Schnappmäulern.

Aber: auch ich bin „frau“ und kann mich dem Drang nicht entziehen … deshalb muss ich jetzt auch Schluss machen – es könnte ja irgendwo das ultimative Schnäppchen auf MICH warten! … es ruft schon nach mir ….

Ein Tag als Computerspezialist

Was tut man (frau) nicht alles aus Liebe?

Ich war gestern kurzerhand und für launig-lange 8 Stunden ein kleiner Computer-Zauberlehrling – man(n) könnte auch sagen: ein Sklave meines Herrn. Bodo hatte die Aufgabe, einige neue PC in einem Klassenraum aufzubauen, alles zu installieren und in Gang zu bringen. Der eigentlichen manuellen Arbeit voraus gingen viele Stunden, in denen Bodo eine Lösung bezüglich Kompatibilität Betriebssystem versus Schul-Programm finden musste.

Schulferien einerseits und Urlaubstag andererseits – die besten Voraussetzungen für die Abarbeitung vor Ort, in einem überheizten Klassenraum in einem grabesstillen Gebäude. Um 9 Uhr früh ging es los!

Zuerst mal die alten Geräte abbauen, dann ran an die Schachteln mit den neuen Bildschirmen, Tastaturen, Mäusen und PCs. Die Aufgabe des Lehrlings ist es, alle Schachteln auszupacken, die neuen Dinge auf ihren Platz zu stellen und die vielen Kartons in quasi mundgerechte Stücke zu zerdrücken, zu zerlegen, zu stapeln. Ich begegne diesem „Job“ mit äußerster Sorgfalt und Systematik und wusle durch den Raum wie eine launige Ameise. Bald schon machen sich die ersten Schweißtropfen bemerkbar – die Fenster müssen auf! Und zum Glück habe ich etwas zum Trinken mitgenommen. Im zweiten Schritt müssen Maus (mouse), Tastatur an den PC angeschlossen, dann die Verbindung zwischen Bildschirm und PC hergestellt werden. Und alles muss an das Stromnetz angeschlossen werden, wie auch ans Netz der Schule. Dumm dabei, dass es nunmehr einen EDV-Platz mehr gibt als zuvor, das heißt, ich darf mit Bodo auch noch Kabelziehen üben. Gemeinsam und mit einer kleinen „Optimierung“ der Umgebung schaffen wir das Thema ziemlich rasch. Was dann kommt, ist mir auch nach mehrfacher Erläuterung und Nachbesprechung nicht ganz geheuer: es geht dabei um virtuelle Computer und Klonerei – und vor allem um viel Geduld und noch mehr Warterei  – wer mich gut kennt weiß: Geduld ist meine absolute Schwäche!!!! Da ich mich als Lehrling gar nicht mal so schlecht mache, darf ich als Gesellenstück an den meisten neuen PCs die IP-Namen vergeben und sonstige Eigenschaften anpassen. Nach dem dritten PC haben sich die Abläufe in meinem Hirn bereits automatisiert und ich frage nur mehr sicherheitshalber nach , ob ich eh nichts falsch mache.

Um 17 Uhr sind wir fertig, fertig mit der Arbeit (auch der ausgebaute Notstrom-Schalter ist wieder eingebaut), fix und fertig mit unseren Kräften. Wir sind herrlich müde und sehr zufrieden: zufrieden, dass alles so gut geklappt hat und mehr als zufrieden, dass unser Teamwork so perfekt ist: es lebe die monster & dragon company!

 

Ich bin ein Erdmännchen

Ich glaube, ich bin ein Erdmännchen! Welch Erkenntnis, so knapp vor einem neuerlichen Jahreswechsel (?) … Heute habe ich übrigens in einer Tageszeitung ein kurzes Exposé zum Thema Jahreswechsel gelesen: eigentlich ist ja jeder Tag ein Neubeginn, aber wenn alle Menschen auf diesem Erdball an ein und demselben Tag darüber reden, dann bekommt dieses „Neue“ einen feierlichen Anstrich – egal, in welcher Zeitzone man sich gerade befindet.

Zurück zum Erdmännchen: zum Einen befindet sich in meinen Wurzeln der Nachname Erdmann. Zum Anderen finde ich diese Tierchen, die sich im Zoo über uns Menschen lustig machen, indem sie uns neugierig ihre Köpfchen entgegenstrecken, einfach putzig, neugierig, aufgeweckt. Das wären zwar jetzt nicht die Eigenschaften, die ich 1:1 auf mich zu überbinden wage, nein, für mich steht das Erdmännchen für die Verbundenheit zum Ursprung – zur Erde. Ich wühle zwar nur beim Pilgern und beim Laufen in feuchtem Gatsch oder wirble Staub auf, aber ich hege eine besondere Liebe zu allen Erdtönen. Eine gute Freundin, der ich im Zuge einer Ausbildung zur Farbberaterin als Model dienen durfte, fand heraus: Du bist ein gedämpfter Herbsttyp! Damals hat es Click! gemacht und ich kehrte mich ziemlich rasch vom dunklen Schwarz, der Farbe aller Architekten und (Lebens-)Künstler, ab und tunkte meine Kleidung in Ocker, Schlamm, Lehm und Braunerde. Und, so eigenartig das auch klingen mag: ich bin ein Mensch, bei dem die Farbgebung der Kleidung einen unmittelbaren Einfluss auf die Stimmung hat. Klar, kann ich auf das „kleine Schwarze“, egal, ob bis Kniehöhe oder als Hosenbein, nicht ganz verzichten, aber ich fühle mich wohler in meiner (auch eher dunklen) Haut, wenn ich in Tarnfarbe getaucht bin. So gesehen war die Freude über das elterliche Geburtstagsgeschenk groß, denn Hose und Oberteil(e) haben es 100%ig auf den richtigen Farbklecks getroffen!

Falls sich jetzt jemand fragt, wieso ich als Erdmännchen in einer Dachgeschosswohnung in einer europäischen Großstadt wohne mit Blick in den Himmel und nicht am Land: wir haben das Traumhaus, eine loftartige Scheune oder eine alte aufgelassene Kirche an einem See gelegen mit Fernblick und hervorragender Verkehrsanbindung zu einem erschwinglichen Preis leider noch nicht gefunden. Realist, der ich bin, sehe ich diesen Traum nicht in Erfüllung gehen – da muss ich auch keine Sterndeuterin oder Hellseherin sein. So bleibe ich ein urbanes Erdweibchen – schließlich sind Gummistiefel, Trenchcoat und karierte Hemden mittlerweile auch streetwear-tauglich geworden, genieße alle erdigen Töne in hautumschmeichelnden Textilien – und beende dieses Jahr mit einem ordentlich großen Schluck Prosecco.

Alles Gute für das kommende Jahr!

Kritischer Spiegelblick

Heute Morgen muss der Blick in den Spiegel etwas kritischer ausfallen – denn: es ist wieder mal ein ganzes Jahr, sind 365 Tage um & vorbei, vergangene Tage, die eine Wende in der Altersangabe bedeuten. Schock oder Freude oder gar Dankbarkeit? Schwere Frage, leichte Antwort: von allem ein wenig:

Schock, denn Jahrgang 66 bedeutet, dass die Jahrhunderthälfte bald in nächste Nähe rückt. Personen in meiner allernächsten Umgebung können dies gar nicht mehr erwarten … ich schon, wenn ich ehrlich bin.

Freude, weil liebe Menschen um mich herum sind und auch einige SMS oder Anrufe zeigen, dass ich trotz Feiertagsmüdigkeit nicht in Vergessenheit geraten bin.

Dankbarkeit, denn bisher ist alles gut gegangen, habe ich vieles erfahren und erleben dürfen, was anderen Menschen nicht vergönnt ist. Dankbarkeit auch, weil die Falten im Gesicht sich noch in Grenzen halten und die Zipperleins sich zu sehr vor mir fürchten.

Muss man Angst vor dem Altern haben? Wenn man 6 Jahre ist und dann auf einmal 10, ist man ja auch „alt“. Ab wann beginnt das „Alter“? Dann, wenn es einem die Reklame und Produkte in Apotheke und Drogeriemarkt vorgeben? Wäre es nicht viel sympathischer, wenn man von Weisheit sprechen würde? Das klingt nobel, ehrfürchtig und irgendwie cool. OK, ab jetzt will ich der Weisheit einen Schritt näher kommen. Weise zu werden ist ein weit höherer Anreiz, es mit jedem einzelnen der nächsten kommenden Tage aufzunehmen.

Trotzdem: Antiaging-Cremes werden weiterhin meine Haut verwöhnen, sportliche Betätigung wird meinen Muskelapparat strapazieren und modische Phantasien werden hoffentlich nicht nur mein Auge erfreuen.

In diesem Sinne: Happy Birthday, ALTES Haus!

Durch Wind und Wasser

Liebe Leute, hier könnt Ihr Euch online über die Erfahrungen des Gehens im Matsch informieren. Es gibt leider (oder zum Glück?) nur 7 Stück gedruckte & gebundene Exemplare des Reisetagebuchs, das Bodo und ich zu unserer Pilgerreise 2013 verfasst haben.

Wie jedes Jahr sind wir im Frühjahr / Frühsommer auf allen Vieren unterwegs gewesen – und wie jedes Jahr haben wir uns erst ab Spätsommer / Spätherbst mit der Sortierung unserer Gedanken und Erinnerungen befasst. Obwohl ich heuer sehr wenig handschriftliche Aufzeichnungen gemacht habe, war es spannend, wie während des Tippens nicht nur meine Finger tätig waren, sondern auch meine (beiden) Gehirnzellen Dinge hervorgebracht haben, die sonst in Vergessenheit geraten wären. Die Füße sind im Takt mitgetrippelt. Und meinem Bodo ist gleich wieder kalt geworden, als er die Fotos gesehen hat. Ich hoffe, dass Euch warm ums Herz wird, wenn Ihr die eine oder andere Passage überfliegt.

Fortsetzung folgt!

 

durchwindundwasser

Das pdf-File kann hier heruntergeladen werden (bitte um etwas Geduld, das File ist 130 MB groß ;-))

DurchWindundWasser

Ein Stern am Laufmode-Himmel

Stella, der Stern und nebstbei Tochter eines der one and only Beatles, macht in Mode. Aber nicht nur in Haute Couture, sondern auch in Sport-Fashion. Ob sie hierbei auch selbst läuft, Gymnastik oder Yoga macht, wage ich zu bezweifeln, bei 4 Kindern und all dem Designen. Vielleicht sieht deshalb die Laufmode Stella McCartney for adidas auch – etwas anders aus. Und wer hat den Mut, dies beim Sport auch anzuziehen? Klarer Fall für MICH!

Aus rein therapeutischen Zwecken – ich habe ja von meiner Lauf-Depression geschrieben – fiel ich beim adidas-online-Shop ein und habe den Warenkorb im ersten Schritt ordentlich gefüllt, um dann das eine oder andere Stück wieder zu entfernen. Übrig geblieben ist einerseits ein sowas von grüner Hoody – so grün, dass Regenwälder, Laubfrösche zusammen dagegen blass vor Neid werden müssen. Ein schrilles, sattes Grün, irgendwo zwischen Hell- und Dunkelgrün. Dazu dann noch der originelle Stil mit leichten Fledermausärmeln und einem Stoff, an dem Tiefseetaucher ihre Freude hätten. Das zweite markante Teil ist ein frech und wild gemustertes Kunststoff-Höschen, das ich derzeit nur als Drüber nehme. Ob ich mich im Sommer damit auch bloßbeinig auf die Straße traue, sei derzeit noch dahin gestellt.

Bodo war leicht geschockt, als ich daheim meine kleine Modeschau zelebrierte.

Das grüne Teil wird jetzt zu Weihnachten erstmals ausgeführt. Ich hoffe, die Rehe im Wald fürchten sich nicht, wenn ich wie Robin Hood über die Wurzeln hinwegfege. Grün soll doch therapeutische Qualitäten haben – oder nicht?

wpid-Sky-_MG_0931.jpg

p.s.: nebstbei im Arm: unser Tagebuch von unserer Wanderung 2013 – gleich hier auch online!

Lauf-Depression

Gibt es sowas wie Lauf-Depression? Ich verstehe das nicht: die Temperaturen liegen bei Null, die Schuhe passen, die Laufkleidung ist schwarz-bunt gemischt – also alles eigentlich bestens auf mich zugeschnitzt – und trotzdem spüre ich derzeit eine Unlust, welche allenfalls durch die morgendliche Noch-Schwärze des Himmels oder durch die immer sehr ähnlichen Laufstrecken im Prater oder entlang des Donaukanals bedingt ist. Heute morgen war es besonders schlimm, meine Füße zum Wechselschritt zu bewegen. Wo ist mein Lauf-Elan geblieben? Fehlt mir das Sonnen- bzw. Tageslicht, um meine Sinne für den Weg an sich zu begeistern? Vielleicht müsste ich spannende Hörbücher oder lustige Sketches hören anstelle betrüblicher Nachrichten aus aller Welt und immer die gleiche Musik (vielleicht sollte ich den Sender mal wechseln?). Vielleicht sollte ich die Laufrunde mal andersrum laufen, um die Gewohnheit zu durchbrechen oder im Rückwärtslauf springen? Vielleicht sollte ich zwischendurch mal öfters Hampelmann machen oder die schwere Sprungschnur mitschleppen, um ab & dann mit elegantem Schwung zu hopsen. Vielleicht sollte ich im Fitness-Studio auf dem Crosstrainer Cardiotraining machen? Vielleicht ….?

Vielleicht sollte ich mit den halterlosen Strümpfen laufen – dann hätten zumindest die Jogger der dunklen Macht etwas zum Lachen – und ich Frostbeulen am Po!

Kann Kleidung Berge versetzen?

Ich meide ja seit einigen Advent-S-Kalendern (das mit dem neuen Füge-S im Advent habe ich noch nicht so ganz lieb) die Shopping-Straßen dieser Welt, sprich des Wiener ersten und sechsten/siebten Gemeindebezirkes, denn so wie auf unseren Pilgerwegen finden wir Völkerwanderungen nur als Bedrohung für unsere eigenen Füße. Allerdings warten seit Monaten einige meiner Uhren (trotz Einbruch in meiner Wohnung vor über 10 Jahren hat sich wieder einiges an Zeitmessung angesammelt) auf eine neue Batterie. Und nachdem es in einer Nebenstraße der vollkommen daneben gegangenen Begegnungszone MaHü, wie die Mariahilferstraße im Insider-Jargon heißt, einen älteren Herren gibt, der um € 3 statt um € 7 Batterien inkl. Dichtheitsüberprüfung wechselt, bin ich am vergangen Freitag Nachmittag direkt vom Büro hingepilgert – nicht zu Fuß, sondern mit dem Bus. Und nachdem ich schon mal da war, habe ich mich kurz der Begegnung ausgesetzt. Zum Glück haben sich die Wiener Bevölkerung und die Touristen auf den Samstag eingeschossen, sodass es annähernd human und normal zugegangen ist. Ich war in diversen Geschäften, mehr, um gewisse Basics für mich zu finden als sonst was schauen, doch etwas ist deutlich hängen geblieben:

Mutieren wir schön langsam zu Außerirdischen mit 3 Köpfen, 5 Bodies, 30 Beinen und 100 Füßen? Wer bitte, soll all die Baumwolle, die Seide, all das Polyester, Nylon und Leder je in seinem zeitlich begrenzten Leben anziehen? Ich finde es eigentlich sensationell, dass das menschliche Auge hier noch Signale ans Hirn aussenden kann wie: „Das da gefällt mir!“, „Die Farbe steht mir!“, „Das muss ich haben!“ Ich habe mich selbst im Untergeschoss beim Peek & Cloppenburg kritisch beobachtet, beobachtet, wie mein Augenscan reagiert und was erfasst wird. Und ich bin stolz auf mich, weil ich mich ganz gezielt zwischen den Kleiderhaken und Wühltischen bewegt habe. Trotzdem konnte ich das beklemmende Gefühl nicht loswerden, unter einer Lawine begraben worden zu sein. – Bitte, gebt mir frische Luft!

Ich vermisse im normal-preisigen Sektor ein wenig das „less is more“, das Gefühl vermittelt zu bekommen: du bist die Auserwählte unter den S, M oder L, die dieses Kleidungsstück sein (ihr) eigen nennen darf. Nein, so ist es nicht, denn wenn es von einer Kleidungsgröße gleich 5 Stück gibt, kann man davon ausgehen, dass man dann demnächst auf der Straße das Teil mehrfach sehen wird. Die Kunst liegt dann darin, mit dem Drumherum, den Kombiteilen und den Accessoires, die Individualität zu schaffen, die einen jeden von uns einzig macht. Vielleicht ist das ja auch gar nicht einmal so schlecht. Dass sich beste Freundinnen wie Zwillinge kleiden, ist eine andere Sache und altersbedingte Hilfslosigkeit hinsichtlich des eigenen Ich.

Eine weitere Erkenntnis meines Ausfluges in den Überkonsum: es gibt den einen oder anderen Vorteil gegenüber dem anonymen Online-Shoppen. Hier im Getümmel existiert noch ein gewisser sozialer Kontakt, wenn zB der Mann Dessous für seine Liebste kauft und sich hilflos an eine Verkäuferin wenden kann, wenn ich im Gespräch das Geheimnis „wie halten halterlose Strümpfe“ gelüftet bekomme (ich verrate es gleich weiter: nicht mit Cremedusche pflegen und keine Bodylotion an der entscheidenden Haftstelle verwenden – Wahrheitsgehalt noch nicht bestätigt!) oder wenn ich an der Kassa geduzt werde. Schrecklich ohne Zweifel sind die Umkleidekabinen und ernüchternd ist die Erkenntnis, dass ich bei G-Star nicht in den geilen Overall passe, der mit XS und S nur für androgyne Barbiepuppen geschneidert wurde.

Kleider können keine Berge versetzen, aber sie bescheren doch ein kurzes Hochgefühl – zumindest solange, bis man den Slim-Faktor-Spiegel im Geschäft mit dem eigenen Spiegel daheim getauscht hat. In real Life schaut eben so manches Wunschbild anders aus! Ich bin jedenfalls mit meiner „Beute“ (2 graue dünne Baumwoll-Pullover, neue Leggings in Schwarz bedruckt bzw. Grau-Camouflage sowie zwei dünnen Schals) zufrieden. Und das mit den halterlosen Strümpfen muss ich erst testen – ich hoffe mit Erfolg. Ich werde natürlich darüber berichten.