Menschen anziehen

Ich war nie weg und doch verschollen! Für alle, die mich vermisst haben: Ich bin wieder voll der Worte, die sich in meinem Kopf zu – hoffentlich – ganzen Sätzen formen mögen! Heute und jetzt sind meine Erinnerungen und Gedanken einem kleinen, feinen, fast exklusiven Event gewidmet, bei dem ich am vergangenen Freitag, nach Job, einer Einheit Fitness-Boxen (wird im Gesundheitszentrum meines Dienstgebers angeboten), einer Kennenlernrunde mit einem Personal-Trainer (der, oh Schreck, halb so alt ist wie ich und mich – deswegen? – gleich zu athletisch-anstrengenden Ausdauer-Übungen vergattert hat) und nach einer (1) Stunde „Ich-helfe-Ordnung-schaffen-Runde“ in der Pfarrkanzlei, zu Gast war.

Der Ort – eine Wohnung in einer ruhigen Seitengasse im 15.Bezirk.

Die Gastgeberin – Alexandra, die erkennen kann, welcher Farbtyp du bist.

Die Gäste – 18 Frauen, bunt gemischt, Wiederholungstäterinnen und Novizinnen.

Mein „Geschenk“ – verpackt in einem silbergrauen, mittelgroßen Koffer.

Um Punkt 19:00 Uhr stand ich vor der Türe, etwas außer Atem, weil sich der doch etwas schwere Koffer auf der gut drei (3) Kilometer langen Strecke von der Straßenbahn weggerechnet, noch dazu leicht bergauf, gegen meinen – wie immer – eher sportlichen Geh-Lauf zu wehren versuchte. Dann noch ohne Lift ins 2.Obergeschoß hinauf – ich muss nicht betonen, dass der Begrüßungsprosecco sehr willkommen war!

Die Stimmung: ungezwungen, fröhlich, erwartungsvoll und etwas ungeduldig.

Um 19:30 wurden dann allen nochmals die Spielregeln erklärt: Du zeigst und beschreibst, was du mitgebracht hast, kannst je nach theatralischer Veranlagung auch eine Story dazu erzählen. Kleidergrößen sind tabu, ausgenommen bei Schuhen. Diejenige, die das Teil haben will, macht sich mit lauter Stimme oder mit Handzeichen bemerkbar und bekommt die „Beute“ zugeworfen – Achtung: es stehen Gläser auf den Tischen! Diejenige, die sich auch dafür interessiert, aber zu langsam war, bekommt die „Tanzkarte“, dh wenn´s der ersten dann doch nicht gefällt oder passt, ist die zweite dran. Was keine Anwärterin findet, landet in der Mitte des Raums auf einer Decke und wird am Schluss der Veranstaltung, wenn nach einer finalen Wühlrunde alle zufrieden heim gegangen sind, einer gemeinnützigen Vereinigung gespendet. Diejenige, die das letzte Stück der Präsentantin ergattert hat, ist dann mit ihren Gaben dran.

Ich hatte mich für dieses Event angemeldet, weil ich wieder Luft in meinen Kleiderschrank bringen wollte (und musste!). Daher standen für mich die Neugierde, das Beobachten und der Spaß im Vordergrund und nicht so sehr die Gier. Ich muss aber anerkennend betonen, dass das, was aus den Koffern und Riesen-Taschen der anderen Damen, gezogen wurde, durchwegs mehr Niveau hatte, als das, was ich bisweilen auf den eher großangelegten Kleidertausch-Parties angetroffen hatte.

Mich hat´s gefreut, wenn sich eine der anderen Frauen gefreut hat. Lustig war vor allem, dass einige der Teilnehmerinnen eine Farbberatung hinter sich hatten und daher ganz gezielt „Ich“ schrieen. Eine war offenbar versessen auf alles, was einem Herbsttyp mehr Glanz verschafft, eine andere hatte echtes Glück, weil so viele Shirts, Röcke, Jacken, … in einem Lila-Violett-Aubergine-Farbton angeboten wurden.

Mein erstes „Ich!“ galt einem kleinen orangen Herzen aus Speckstein, das auf Bodo´s Schreibtisch seinen Platz gefunden hat.

Daraufhin durfte ich dann meinen Koffer öffnen – und kam, ehrlich gesagt, gar nicht dazu, meine vorbereiteten Kurzstories zu erzählen, so schnell hatten die einzelnen Teile eine neue Besitzerin gefunden! Es war mir ja auch wichtig, nur gute, fesche, interessante Kleidungsstücke mitzubringen – schließlich wollte ich mich als „Neuling“ nicht blamieren! Einzig das Paar Stiefeletten, mit sehr, sehr hohem Absatz, von mir noch nie getragen, weil eine Nummer zu klein (gekauft vor meiner Hallux-OP, also, als ich dumm und dümmer war), kam nach diesem unterhaltsamen Abend wieder mit nach Hause.

Bei allen Damen wurde aus dem „Ich-bin-alles-losgeworden!“ bald wieder „Da-ist-mein-Kleiderschrank-jetzt-aber-wieder-voll!“.

Und bei mir? Spät, aber doch, sagte ich dann „Ich!“ zu einem SCHWARZEN schmalen, überknielangen Rock mit Gummibund, zu zwei SCHWARZEN lang geschnittenen Oberteilen, mal kurz-, mal langärmelig, mit Schlitz und einem SCHWARZEN Trägertop (gut geeignet als Untendrunter oder fürs Yoga). – Uihhh! Und das, obwohl ich ja auch ein Herbsttyp bin, ein gedämpfter sogar! Ich hoffe, Alexandra drückt hier ihre Augen zu! Die schwarze Tunika, die ich am Abend trug, fand sie jedenfalls toll …

Ein lustiger Abend, ich habe viel gelacht und nette Frauen kennengelernt, auch wenn ich mir nicht alle Namen merken konnte – aber ich nehme an, es wird ein Wiedersehen geben – spätestens dann, wenn mein Kleiderschrank wieder auf Diät gesetzt werden muss!

Gezählte Tage

Meine Tage im 1.Bezirk sind gezählt! Das Projektbüro wird aufgelassen. Die EDV ist schon abgebaut. Und auch ich habe meine Habseligkeiten in Mini-Umzugsschachteln verpackt, die jetzt nur noch den Weg … in den dritten Bezirk finden müssen … was so viel heißt wie: nach Hause! Ich mache derzeit ja schon vermehrt Homeworking, aber papierlos und reduziert auf Laptop und Schreibblock. Wo ich die Sachen unterbringen werde, weiß ich noch ganz und gar nicht! 🙁 Ich habe zwar schon einiges weggeschmissen, aber der Rest hat doch auch noch Volumen. Ich glaube, da muss noch eine Razzia drüberlaufen!

Komisch irgendwie: jetzt habe ich mich zwei Jahre lang mit den Menschenmassen am Stephansplatz und Umgebung abgeplagt, habe einen speziellen Slalomgang und einen starren Blick entwickelt, habe mich mit dieser Situation einigermaßen arrangiert – und dann der doch etwas abrupte Wechsel!
Wer es noch nicht weiß: 2018 ist für Steinböcke ein Jahr der Veränderungen. Ich will zwar meine Haarfarbe verändern, aber viel wichtiger ist die berufliche Veränderung … wobei diese Veränderung doch speziell ist: meine Mitarbeit am Generalsanierungsprojekt bleibt die gleiche, nur, dass ich ab 2.7. einen neuen Dienstgeber haben werde und dass ich dann – was ich mir nie gedacht hätte – in der Homebase B.2.2 am Erste Campus sein werde, was so viel heißt wie: gemütlicher Morgenspaziergang durch den Schweizer Garten und quasi nur 1x ums Eck zur Arbeitsstelle, überschaubare Menschenmassen in der Eingangshalle vom Erste Campus, Desk-Sharing, kein Platz, um meine feuchte Yogamatte trocknen lassen zu können, silent voices, um die anderen nicht zu stören, etc.
Auch wenn mir das alles nicht fremd ist – ich habe ja auch jahrelang an diesem Bauprojekt mitgearbeitet! -, ist es doch irgendwie neu – aber im Neuen steckt Neugierde, neue Sichtweisen, neue Arbeitsweisen.
Und auch ich werde mich irgendwie neu entdecken!
Es bleibt somit weiterhin spannend – und: nachdem die Bald-Baustelle ja weiterhin im 1.Bezirk ist, werde ich meinen Slalomgang und den starren Blick immer wieder einmal zum Einsatz bringen können!

DI.e MED.

Fast ein Jahr bzw. 8 Module sind vorbei – am vergangenen Samstag habe ich das Zertifikat für den erfolgreichen Abschluss meiner Mediationsausbildung in Empfang nehmen dürfen. Eine Ausbildung, die für mich sehr ambivalent war, eine Ausbildung, die mich immer wieder daran zweifeln ließ, ob ich überhaupt die Fähigkeiten mitbringe, eine mediative Haltung zu leben.

Das Kern-Tool der Mediation ist das sogenannte „Loopen“. Das bedeutet grob gesagt, in eigenen Worten zu wiederholen, was der andere gesagt hat, um sicher zu gehen, dass a) man ihn richtig verstanden hat und b) dem anderen die Möglichkeit zu geben, über seine eigenen Worte zu reflektieren. Klingt einfach, ist es wahrscheinlich auch. Der Loop und ich sind aber leider noch keine dicken Freunde geworden. Stets auf der Lauer beobachten wir uns, abwartend und in der Hoffnung, dass der Funke doch noch überspringt. Ganz klein ist die Glut, im Zweiergespräch ausgeprägter als in den Gruppenübungen.

Und dann ist da noch die große Hürde, die Interessen und Bedürfnisse des anderen herauszuhören. Wir Menschen beharren auf Positionen und geben nur unterschwellig preis, was uns wirklich wichtig ist. Dafür das richtige Ohr zu entwickeln, ist eine wahre Kunst. Ich bin diesbezüglich sicher sensibler geworden. Nicht selten ist das Offensichtliche zwar zum Greifen klar, allein im eigenen Kopf schwirren so viele Möglichkeiten herum, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht erkennt.

Die Ausbildung ist zwar vorbei, aber erst jetzt geht´s los: die Umsetzung der mediativen Haltung in den Alltag. Im letzten Reflexionsgespräch mit einem Kollegen habe ich mir vorgenommen, kleine Achtsamkeitsübungen in den (Job-)Alltag einzubauen: gutes Zuhören, vorsichtiges Loopen, weg vom Werten, nicht gleich mit unbedachten Worten herausplatzen, mehr zum Beobachter werden und dann pointiert einhaken …

Kleine Achtsamkeitsübungen – große Wirkung! Das wünsche ich mir!

Jede Ent´ hat ihre eigene Geschicht´

Jede Ent´ hat nicht nur ihr eigenes Gesicht,
nein, sie erzählt spontan auch ihre ganz persönliche Geschicht´.
Zu lesen von ihren Taten,
kann jetzt wohl keiner mehr erwarten!

Da ist die eine mit viel Ballgefühl und einer blanken Glatz´,
will immer Gewinner sein am roten Platz.
Nicht selten flog durch die Luft der Schläger,
doch wo kein Richter, da kein Kläger.

 

 

Da ist es mit der anderen Ent´ ganz andersrum,
Sie strebt nicht nach rotem Teppich und glänzendem Ruhm,
stattdessen hält sie alle fest am Zügel,
wohl verdient sind da die Engelsflügel!

 

 

Was ist denn nur passiert mit dieser Ente?
Sie schickte Federn und Flossen unsanft in Rente,
küsste was Grünes aufs Goscherl
und ist nun selbst ein freches Froscherl!

 

 

Dieser Ente war groß genug nicht mehr der Teich.
Drum große Autos fahren wie ein Scheich?
Ich weiß nicht – wird das nicht ein bisserl fad?
Viel spannender zu sein dagegen ein Pirat!

 

 

Mit Gurkenscheiben, Lippenstift und Spiegel,
bekräftigt diese hübsche Ent´ ihr Siegel.
Sie bleibt für immer jung, hüpft rauf und runter,
und hält ihren Käpt´n damit munter.

 

 

Das schwarze Schaf unter gelben Enten
hat manches Mal auch ein Horn. Doch nur selten
wird daraus ein wunderbares Mirakel.
Diese Ent´ hier aber ist ein einzigartiges Spektakel!

 

Und da gibt´s dann noch das gelbe Gefieder,
tagsüber eingezwängt ins enge Business-Mieder.
Abends dann endlich frei für Beautymaske und Frottee,
ein Glaserl Wein zwischen den Flügerln – ma, ist das schee!

 

 

Wer meint, eine Ente sei nicht flexibel,
in allen Dingen akkurat und sehr penibel?
Der irrt, denn diese freaky Ente da im Clan
singt Om, grüßt die Sonn´ und ist gelenkig wie ein Schwan.

 

Schwarzes Loch

Der Kleiderschrank – die Unendlichkeit des vollen Nichts und der atemberaubenden Verzweiflung, das gefühlt-beängstigende Schwarze Loch!

Unser Kleiderschrank ist eine Maßanfertigung, bestehend aus 3 ausziehbaren Elementen. Die gerechte Aufteilung zwischen Bodo und mir beträgt ein Viertel zu drei Viertel (ich höre im Hintergrund schon heftigen Protest: Du irrst dich hier gewaltig!!!)

Bis vor kurzem war die Einteilung in den beiden Schrankelementen, die ganz die Meinen sind: nach der Art der Kleidungsstücke, dh im einen Element alle Röcke, Kleider, ohne Unterscheidung nach Jahreszeiten, im anderen Element alle Jacken, Mäntel, Hosen. Oberteile und Sportsachen gleichermaßen verteilt auf den Legeflächen. Im dritten Element sind die Pullover untergebracht – der Schrank wird erst geöffnet, wenn ich weiß, ob ich mich für Rock oder Hose entschieden habe.

Eine kleine Unebenheit im Boden macht eines der drei Ausziehelemente seit einiger Zeit etwas holprig – und das hat mich die längste Zeit schon gestört. Also kam ich nach mehr als 10 Jahren (!) auf die glorreiche Idee, die Einteilung nach Jahreszeit vorzunehmen und die ständig benötigten Sportsachen im leichtgängigen Ausziehelement zu horten. Genial: ich muss in der Früh nun nur mehr vor einem Schrankelement verzweifeln und nicht mehr zwischen dem einen und dem anderen hin- und herwechseln!

Frühling im Anmarsch! Das hieße eigentlich, den Change zwischen warm und luftig durchzuführen, um sich dann auf die „anderen“ Kleidungsstücke freuen zu können, die nach der langen Zeit wie neue Errungenschaften anmuten – wenn nur die Kälte nicht so hartnäckig und die Heizung im Büro nicht ausgefallen wäre!

Allerdings: meine Wintersachen haben genug „gelitten“ – das ständige An- und Ausziehen; sich darauf gefreut haben, wieder einmal ausgeführt zu werden, um dann doch einem anderen Kleidungsstück den Vortritt geben zu müssen … Meine Winterklamotten sind einfach überlastet und überdrüssig! Heute Morgen war es ganz schlimm! Es war richtiggehend Protest herauszuhören: „Nimm nicht mich! Ich mag nicht mehr!“. Und auch mit der Umkehrmethode „Was will ich heute mit Sicherheit nicht anziehen!“ konnte ich nicht wirklich überzeugen.

Zur Beruhigung: ich bin nicht nackt außer Haus gegangen, aber so richtig „attraktiv“ fühle ich mich derzeit nicht! Ich bin drauf und dran, alles – bis auf ein paar Ausnahmen vielleicht – rauszuschmeißen – nach dem Motto: Frühlings-Putz oder besser: Frühlings-Razzia. Aber das wäre dann doch ziemlich ungerecht meinen geduldigen Sachen gegenüber!?

Also: Durchhalten! Durchhalten! Es wird nicht ewig kalt bleiben – und dann freue ich mich über neue Aus- und Ansichten!

Und das Schwarze Loch ist für kurze Zeit ein bunter Regenbogen!

 

In Klausur

Ich bin jetzt seit einem Jahr im Pfarrgemeinderat. Ein Jahr, in dem nicht viel passiert ist, außer einigen Sitzungen, bei denen aber sowieso die Alteingesessenen das Zepter schwingen. In meiner Funktion als Präventivbeauftragte gegen Gewalt in der Kirche wurde ich bislang zum Glück noch nicht angesprochen, und im Vermögensverwaltungsrat habe ich bislang aktiv nur gewünschte bauliche Investitionen bewertet und die Kosten für eine mobile Rampe herausgesucht. Mit einem Wort: ein Jahr der mittleren Ernüchterung.

Daher eine gewisse Spannung und Erwartung, als es hieß, dass wir uns einen Tag in Klausur begeben müssen, um zukünftige liturgische Themen zu besprechen.

Fast alle Pfarrgemeinderäte waren gekommen. Ein auf solche Klausuren getrimmter Moderator sollte uns durch den Tag führen.

Die Holzstühle im Kreis aufgestellt und auf Dauer ziemlich unbequem.

Die Vorstellungsrunde kurzweilig.

Die erste Aufgabe: Jede der drei Teilgemeinden soll aufschreiben, welche Veranstaltungen übers Jahr rund um ihre Kirche stattfinden. Unausgesprochen wurde ich in unserer Gruppe zur „Schriftführerin“ des Tages (das Beschreiben von Kärtchen- und Flipcharts ist mir ja im Mediationskurs in Fleisch und Blut übergegangen 😊). Danach mussten wir die Kärtchen nach Tageszeit und angesprochene Altersgruppen auf dem Boden auflegen. Es zeigte sich bald: Kinder und Senioren, dazwischen die klassische Lücke!

Die zweite Aufgabe: Jeder soll für sich seinen Herzenswunsch bezogen auf die Pfarrgemeinde nennen und auch anführen, wo dabei Steine in den Weg gelegt werden. Dabei kristallisierten sich vier übergeordnete Themen heraus: Kinder & Jugendliche, Gleichwertigkeit der Wochenmessen, Musik als übergreifendes Medium und das Thema „Glauben neu verstehen“. Nachdem ich mich mit den ersten drei Themen gar nicht identifizieren konnte, mein Herzenswunsch in Richtung „durch sich selbst zu Gott finden“ ging, war klar, mit welcher Gruppe ich weiterarbeiten wollte – einem Dreamteam, bestehend aus unserem Pfarrvikar (ein genialer, weltoffener und es stets auf den Nagel treffender Prediger), den beiden ehrwürdigen Schwestern, dem Diakon, der Pfarrsekretärin, einem kulturell interessierten Pfarrgemeinderat und mir, die ich meine Rolle und Bestimmung im Pfarrgemeinderat noch nicht ganz gefunden habe – ändert sich das jetzt?

Der Pfarrvikar hat uns mit seinem Herzenswunsch, einen Glaubenskurs, ins Leben zu rufen, wachgerüttelt. Sich seiner Lücken im Glaubensbild nicht schämen zu müssen, sondern Antworten auf nicht gestellte Fragen bekommen zu können. Sehnsucht nach Glauben zu spüren. Durch den Glauben eine Oase der Contemplation zu erfahren – für mich ein Deja-vu: Im Yoga geht es um sehr Ähnliches, wenngleich hier „Gott“ eine andere Bedeutung hat als im katholischen Glauben. Faszinierend für mich auch die so unverfälschte Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit der Nonnen in ihrem schwarzen Habit – Frauen, denen großer Respekt gebührt! Ich bin wirklich ein großer Fan!

Die dritte Aufgabe: Es geht an die Umsetzung – wer, wie, womit, bis wann? Wir wollen vor dem Sommer noch eine Informationsveranstaltung organisieren, um das Interesse ausloten zu können. Ich denke, ich melde mich für diesen Glaubenskurs sicher an, denn ich bin mir sicher, dass mein Glaubenswissen Lücken aufweist!

Der Tag war, auch wenn der Moderator eher schleppend wie ein nasser Lappen agierte, für alle bereichernd und interessant – ich jedenfalls habe von Dingen aus der Pfarrgemeinde erfahren, die mir davor gänzlich unbekannt waren! Eines ist mir jedenfalls bewusstgeworden: Mein daily business, meine Neben-Beschäftigungen und sonstigen Alltags-Interessen stehen einem aktiveren Pfarrgemeindeleben ordentlich im Wege. Vielleicht hilft mir aber der geplante Glaubenskurs, doch noch in die Rolle eines Pfarrgemeinderats hineinzuwachsen!?

Was ist Schönheit?

Der tägliche Blick in den Spiegel zeigt mir: Du hast Falten auf der Stirn! Deine Wimpern sind zu kurz und zu wenige, die Augenbrauen verlaufen sich und sind nicht buschig genug!
Für all diese „Probleme“ gibt es mittlerweile Lösungen! Ich würde mir zwar nie eine Botox-Spritze verpassen lassen, denn die Elastizität meiner Mimik ist mein kleines Markenzeichen. Aber was Wimperndichtheit und -länge und/oder Augenbrauenschwung betrifft, bin ich grad ein wenig im Wickel-Wackel, doch irgendwann mal ein paar Euro in die Hand zu nehmen und einen Versuch zu wagen.

Allerdings habe ich dazu erst vergangene Woche ein abschreckendes Beispiel gesehen. Mittwochs unterrichte ich ja meine beschwingt-lässige Bauch-Beine-Po-Stunde. Die Trainerin vor mir ist noch keine 30, hat eine Modelfigur, Hair-Extensions … und seit letzter Woche auch gepimpte und extrem stark getuschte falsche Wimpern – das ist in meinen Augen leider komplett danebengegangen, passt weder zu ihrem Typ noch zu ihrem Beruf – sie ist Vollzeit-Fitness-Trainerin! Zudem hat es in Relation zu ihrem monatlichen Honorar viel gekostet und wird nur vier Wochen halten.

Steht das dafür? … frage ich mich nun selbst? Muss frau unbedingt hin und wieder mit ihrem Aussehen experimentieren? Oder sollte es nicht genügen, mit Mascara und Augenbrauenstift etwas aufzumalen, was abends dann wieder entfernt werden kann?

Manchmal haben Geiz, ökonomische Weitsicht und Zeitmangel doch auch etwas Gutes!

Frühlingserwachen im Wald

Mitte März, und der Winter will einfach nicht weichen! ☹ Ein paar Tage nur durfte der Frühling 2018 sich zeigen. Die ersten Morgenläufe ohne Haube und Mehrlagigkeit, endlich wieder ehrlicher Schweiß – und das Schönste: die Eichkätzchen sind vom Winterschlaf erwacht, drei Rehe haben mir ihr weißes Hinterteil zugekehrt, und ein Star hat sich im Geäst über mir das bisschen Hirn aus dem Kopf gepeckt!

Lieber Winter: mach mal endlich Pause! Wir wollen die Natur erblühen sehen, keine Strümpfe mehr tragen müssen, Beine, Arme und Nase bräunen lassen, im Freien sitzen können, auch die Yogamatte outdoor verwenden können, die wärmenden Mäntel und klobrigen Stiefel gegen leichte Jacken und luftige Sandalen eintauschen können, und Vieles mehr, was nicht möglich ist, wenn du unsere Tage bestimmst.

Lieber Winter: hab Erbarmen mit uns und gib dem Frühling eine Chance!

Swapperei – Keiler

Ich war vor kurzem nach längerer Zeit der Abstinenz und Verweigerei doch wieder einmal bei einer Swap Party – der Kleidertauschbörse, wo modische Lieblingsteile ein neues Frauchen bekommen können. Ich habe zwar im letzten Herbst/Winter viel aussortiert und einiges zur Carla (eine Institution der Caritas) gebracht. Aber bei einigen Kleidungsstücken dachte ich mir, dass sie doch besser zu einer Swapperei passen würden.

Mit zehn guten, aber von mir nicht mehr getragenen Teilen im Beutel machte ich mich also sonntags auf die Suche nach dem Tauschlokal. Je nach Veranstalterin findet diese Party immer woanders statt – dieses Mal in einem Kellerlokal in einer neuen Wohnhausanlage, mitten im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Unser zugegebenermaßen etwas beschränktes Navi hat uns (Bodo hat mich hingeführt und wollte mich dann nach einer guten Stunde wieder abholen) umständlich im Kreis und schlussendlich ein eine Sackgasse geführt. Gefunden habe ich den Partyort dann aber doch! Ein Blick genügte und ich wusste: Alles beim Alten!

Die Veranstalterinnen, bekannte Gesichter, die sich sonst auf der anderen Seite als Täuschnerinnen tummelten. Einige Gesichter, die mir von vorangegangenen Swap-Veranstaltungen gut in Erinnerung geblieben sind. Und das Angebot an Tauschware? Hat sich leider nicht wirklich verbessert. Fast kam es mir so vor, als ob an den Kleiderstangen die gleichen Hosen, Röcke, T-Shirts, Blusen hingen wie beim letzten Mal. Wird nur das geswapped, was schon mal getauscht worden war?

Eine Stunde Zeit, eigentlich Zeit-Druck, hatte ich, für die abgegebenen zehn Teile doch etwas zu finden, mit dem ich mich identifizieren könnte. Noch sah es aber leider nicht danach aus. Was blieb mir also anderes übrig, als mich wie die anderen Frauen und jungen Mädchen auch, auf die Lauer zu legen, wie eine gierige Löwin, die Beute wittert, sie aber noch nicht ausmachen kann? Im Schleichgang zwischen den Kleiderständern, x-Mal die gleiche Hose angreifend, und immer einen Blick zur Türe in Erwartung von leckerem „Frischfleisch“. Endlich entdeckte ich eine taillierte, hinten länger geschnittene, enge Jacke aus dichtem Wollstoff, mit dezentem Animalprint und trachtenähnlichen Knöpfen. Schnell anprobiert: naja, aber besser als nichts, also erstmal nicht hergeben und weiterhin auf der Lauer bleiben. Die Zeit zerrann schnell. Dann kam ich mit einer gepflegten Dame ins Gespräch, knapp 10 Jahre älter als ich, die mit einer zart-rosafarbenen Strickjacke und Fransen liebäugelte. Ihr Mann am Rand sitzend war nicht so begeistert. Ich machte ihr den Vorschlag, unsere beiden Jacken zu tauschen – was für beide ein Glückstreffer war! So gut: ein Teil für zehn!

Zwischendurch konnte ich beobachten, wohin es meine zehn Teile hin verschlug. Schon eigenartig, dass ein und dasselbe Kleid sowohl mir als auch einer Frau mit gut 20 kg mehr passen sollte? Nun gut, Strick ist geduldig!

Vielleicht dachte sich das die Vorbesitzerin eines extrem kurzen grünen Sommerkleides, als ich mich darin im Spiegel prüfend begutachtete. Die Blicke anderer Frauen signalisierten mir aber: gar nicht mal so schlecht – also: zwei Teile für zehn.

Jetzt hat mich glatt doch noch das Jagdfieber gepackt!

Die Augen in einem schnelleren Hin- und Her-Rhythmus – aller guten Dinge sind doch immer noch drei?

Ein neongelbes Regenblouson signalisierte mir: ich bin Deine Nummer Drei – auch wenn Du mich wahrscheinlich nie tragen wirst. Aber vielleicht gibt es ja den einen besonderen Moment, wo Du mich dann doch aus dem Kasten zerrst!

Einigermaßen zufrieden, aber noch nicht satt, pirschte ich mich wieder an den Check-in-Tisch an und machte bewusst eine zum Ärgern prädestinierte Beobachtung: Es gibt Frauen, die schon mehrere Teile in Händen halten, sich dann aber noch mehr in Blitzesschnelle unter den Nagel reißen, ohne einer anderen Frau eine Chance zu geben! Auf meine Frage, wann sie wisse, ob sie dieses Kleid behalten wolle (ein kurzes Kleid, ich glaube von Hallhuber oder Zara, wild gestreift in Rot, Grün, Braun, Schwarz auf weißem Untergrund – also etwas für mich!), die lapidare Aussage: ich will nur einmal in die Umkleidegarderobe – und das kann noch dauern! Ich könnte ja etwas verpassen! Mit dieser Ansicht war sie offenbar nicht allein, wie mir mein Rundum-Blick bestätigte.

Ich werde dieses Verhalten nicht ändern können, das gehört offenbar zum Swappen dazu – also Schwamm drüber und hin zum Check-out-Tisch, denn die eine ausgedehnte Stunde Swapperei ging langsam dem Ende zu.

Wenn ich ehrlich bin, wollte ich die Lücke in meinem Kleiderschrank gar nicht wieder 1:1 auffüllen – wo bliebe denn sonst Platz für ganz Neues?

Die rosa Jacke hat sich zwischenzeitlich schon als sehr kleidsam erwiesen. Ich hoffe, dass die andere Lady mit ihrer Jacke genauso zufrieden ist wie ich mit meiner!