Potluck im Oryoki-Style

Was soll das nun wieder heißen? – Mir ging es nicht anders, bis ich im Yoga-Weiterbildungsblock Nr. 6 aufgeklärt wurde: 1) Potluck ist unverändert unser sonntäglicher gemeinsamer yogisch-vegetarisch-veganer Brunch, bei dem jeder etwas Schmackhaftes zum Verkosten mitbringt (davor gestalten zwei Yoginis je eine Yoga-Einheit, danach [mit vollem Bauch!] folgt eine dritte Yoga-Einheit. 2) Oryoki aber ist ein Ritual aus dem Zen, das schwer den Fokus auf Geben & Nehmen hat. Gekommen ist das Ganze von den buddhistischen Mönchen, die ihre Nahrung rein durch Almosen bekommen hatten – in der „modernen“ Zen-Welt wurde dies zur Zeremonie erhoben. Es gibt eigene Kurse, um das alles zu lernen (und zu üben)!

Wir (= 17 Yogalehrerinnen, die sich gerade um das 300 Stunden Teacher Training bemühen) wurden am vergangenen Sonntag quasi ins kalte Wasser geschmissen. Allein die Vorbereitungen wurden uns verraten: „Bringt Euer eigenes Oryoki-Set mit!“ … bestehend aus: 3 Schüsserln in vorzugsweise 3 Größen, damit man sie ineinanderstapeln kann, Besteck in einer Stofftasche, ein Fetzerl fürs Hoppala-Wegwischen, eine Serviette fürs Mauli-Abwischen, eine große Serviette, um alles in einen tragbaren Beutel einzuwickeln – wie ein Wandermönch halt.

Jede hat sich offensichtlich bemüht, ein appetitliches Oryoki-Set zu gestalten (ich war noch schnell in einem Geschäft, um neue Geschirrtücher als Serviettenersatz zu kaufen).

Einiges an Unbehagen, Unruhe, Unsicherheit und Ungeduld vor dem „Start“: Zwei von uns mussten den Raum herrichten (Kissen auflegen etc.), wir wurden in 4 Gruppen eingeteilt. Dann endlich der „Einmarsch“ mit dem Oryoki-Set, danach der „Einmarsch“ mit den Speisen. Danach gehen alle hintereinander im Kreis, bis jeder vor seinem Sitzplatz ankommt und Platz nimmt. Eine gemeinsame Verbeugung, ein gemeinsam gesungenes Mantra; Geschirr und Besteck werden nach einer bestimmten Reihenfolge und Handtechnik ausgepackt – und erst dann wird serviert und zwar: zuerst gibt jeder aus der einen Gruppe einem jeden aus seiner Gruppe. Der „Gebende“ stellt sich dabei vor den „Nehmenden“, kniet nieder, beide verbeugen sich, der „Gebende“ teilt seine Speise aus, der „Nehmende“ gibt an, in welches Schüsserl er die Speise haben will und wieviel davon. Ganz wichtig: unbedingt „Stopp“ deuten, denn andernfalls ist der „Gebende“ gezwungen, weiter zu geben und zu geben und zu geben – und da könnte dann doch leicht ein Hoppala passieren! Essen darf man erst, wenn alle etwas in einem Schüsserl haben. Und der nächste Gang kommt erst, wenn alle aufgegessen haben. So geht das weiter, bis jeder aus einer Gruppe einmal dran war. Danach entschied aber unsere Yogalehrerin, den Prozess dahingehend zu beschleunigen, dass immer einer aus einer Gruppe alle Gruppen, und damit alle der Reihe nach, bediente.

Das wahrlich Besondere: Alles ging SCHWEIGEND über die Bühne! … Wer hätte gedacht, dass 16 FRAUEN für etwas mehr als eine Stunde den MUND HALTEN können- also abgesehen vom Mund-Auf&Zu, um zu essen?

Auch speziell: Man nimmt automatisch von einer Speise nur wenig, und nimmt von jedem etwas, weil man dem „Gebenden“ Respekt zollen will (ausgenommen sind dabei eingefleischte Veganer [oophs!] und Allergiker [Erdnüsse, Kichererbsen] … weil: es kommen ja noch andere Sachen zum Kosten! Und für den Nachtisch muss auf jeden Fall noch Platz sein!

Ist jeder satt, wird es nochmals speziell: mit einer Spatel werden die Schüsserln sauber gespachtelt. Das, was abgespachtelt wurde, wandert auch noch in den Mund (ich machte den Fehler, zuerst das „süße“ Schüsserl „auszuschlecken“ und dann das „pikante“ – eine eigenartige Geschmacksbombe für meinen Gaumen!) Im Original wird noch mit heißem Wasser nachgespült (auch dieser „Tee“ muss dann getrunken werden!) – bei uns wurde darauf verzichtet.

Nach dem Essen wird dann alles wieder in einer bestimmten Reihenfolge eingepackt. Der „Auszug“ erfolgt analog zum „Einmarsch“ … und erst dann (!!!) darf wieder geplaudert werden!

Eine interessante Erfahrung, isst man doch meistens achtlos, zu schnell, zu viel, zu unkontrolliert!

Wir alle waren aber trotz „wenig essen“ satt bis obenhin und empfanden quasi eine Art von Befriedigung … und danach (mit vollen Bäuchen) folgte meine Einheit „Your Love – Your Yoga – Your Life“! … and: It was perfect!

Ich war bei Kino

Nein – es handelt sich nicht um einen Grammatik-Fehler! Ich war wirklich „bei“ Kino … bei Kino McGregor, einer der bekanntesten Yoginis Amerikas: eine kleine Blondine mit Oho-Effekt, weil sie über eine Körperbeherrschung verfügt, dass mir die Spucke wegbleibt – nicht zu glauben, dass sie vor Yoga keinen Kraft- oder anderen Sport ausgeübt hat. Es muss wohl an einer versteckten Anlage liegen und/oder an unermüdlicher Disziplin! Wie sonst kommt man ohne Gehüpfe  und Anlauf schwerelos in den Handstand? Oder kann man die Schwerkraft mit Betätigung eines geheimen Knopfes einfach ausschalten?

Der Workshop ging über 3 Tage – 5 Einheiten á 2 Stunden, davon 2 Einheiten mehr als schweißtreibend, die beiden anderen mit themenbezogenen Erläuterungen und ein paar passenden Übungen, die zwar unspektakulär anmuteten, es dann aber doch in sich hatten! Ich habe mich zeitweise völlig kraftlos gefühlt!

100 Yogamatten in einem Proberaum der Volksoper – geile Location …. aber: keine Duschen! Habe ich schon mal hinausposaunt, dass Yogaschweiß nicht riecht? Nun ja, ich habe sicherheitshalber die Pausen allein auf einer Parkbank verbracht; frische Yogakleidung und ein bisschen Sprüh unter die Achsel – und auf der Heimfahrt möglichst unauffällig in der Straßenbahn!

Wie bei jedem Seminar und/oder Workshop: es bleibt ein bisschen was hängen, das man in der eigenen Praxis umzusetzen versucht – bei mir ist es die Erfahrung, dass ich mit eingezogenem Bauch tiefer in jede Vorwärtsbeuge komme – nichts wirklich Spektakuläres, aber wer denkt schon dran, den Nabel ständig Richtung Wirbelsäule zu ziehen? Hallo Bauch: kannst nicht einfach du das Denken übernehmen?

Was mich ein wenig gestört hat, ist der Hype, der um Kino gemacht wird. Nicht nur, dass sie von sich aus überall Promotion macht – schließlich hat sie zum Erstaunen der Wiener mitten auf der Straße unter Beisein eines Kameramanns mit Yogastellungen, die Alltagsyogis eher nicht beherrschen, brilliert  – etwas, was sie an jedem Ort macht, wo sie gerade zu Besuch ist und was dann auch sofort in den social media nachverfolgt werden kann. Nein – nach den einzelnen Einheiten konnte man sich anstellen, um ein Selfie mit ihr zu machen – wie deppert ist das denn? Aber anscheinend verstehe ich die Welt rund um Facebook und Instagram einfach nicht!

Wichtiger als ein Selfie ist mir doch die Erfahrung, die Sonnengrüße einmal in einem schnell gezählten Rhythmus zu machen, meine Yogamatte im Schweiß schwimmen zu sehen und erkennen zu müssen, dass ich keine 10 Atemzüge in Utpluthih (dabei drückst du dich im Lotossitz vom Boden ab und „schwebst“) halten kann – und: wie angenehm erholsam ein ausgedehntes Shavasana (Endentspannung) sein kann!

Was wohl unerfüllt für mich bleiben wird, ist der schwerelose Handstand … Kino hat 5 Jahre lang daran gearbeitet … ein Alltagsyogi knabbert daran wohl ein Leben lang – na dann: let´s beginn!

Es hat sich ausgekäselt

Damit die Story ein Ende hat: Ich habe mein „Versprechen“ eingehalten! Am Morgen des letzten Augusttages und damit letzten Sommertages 2017 (am 1.9. war dann pünktlichst auch die herbstliche Abkühlung da!) habe ich meine löchrigen Laufschuhe ein letztes Mal ausgeführt. Mit einer ausgedehnten Runde durch die Wiener Innenstadt gab es einen würdigen Abschluss.

Danach wurden sie in die Mülltonne gebettet – mit einem leisen Dankeschön war´s das dann … Brutal 1!

Brutal 2: Mein „Killerinstinkt“ ist geweckt: jetzt ist ein weiteres (altes!) Laufschuhpaar von Asics dran, „ausgelaufen“ zu werden. Noch zeigen sich keine Risse, dafür ist die Zehenkappe aus Kunststoff zu gut ausgebildet. Die Schwachstelle bei Asics ist eigentlich aber auch eher im Fersenteil zu finden. Hier reißt relativ bald der Stoff auf und der Schaumstoff quetscht sich raus. Aber solange die Ferse nicht scheuert und blasenfrei bleibt, ist mir das mehr oder weniger egal!

Effizient 1: Ich schaffe damit über kurz oder lang Platz im Sportschuh-Schrank!

Effizient 2: … danach suche ich noch!

Nicht nur Löcher im Käse

Gestern hatte ich in einem alten Gebäude im 1.Wiener Bezirk, das generalsaniert werden soll – dort befindet sich momentan auch mein Arbeitsplatz (womit sich die Frage stellt, ob auch ich einer Generalsanierung zugeführt werden sollte?) – eine Begehung, weil schalltechnische Untersuchungen durchgeführt werden sollen: Wieviel Lärm entsteht derzeit durch haustechnische Geräte am Dach oder durch Veranstaltungen auf der Restaurantterrasse? – klingt ja urspannend!

Das wirklich Spannende daran war, dass die Herrschaften über wackelige Leitern und mayatempelartige Schmalstufen aufs Dach rauf- und wieder runtersteigen mussten. Ich habe aufgrund meiner Sommersandalen mit Absatz teilweise gerne darauf verzichtet (mein gestriger Morgensport war eher yogisch und nicht kletterisch, da wollte ich eigentlich nicht mehr meine Anmut beim Leiternbesteigen zum Besten geben!).

Das wirklich Lustige daran war, dass eine Vertreterin des Bauherrn ein Loch in der Schuhsohle des Architekten entdeckt hat und ihn auch gleich charmant-direkt darauf aufmerksam machte. Er hat es mit Humor genommen und wird wohl rasch einen Schuster seines Vertrauens aufsuchen müssen, denn für morgen ist Regen angesagt!

Löcher im Schuh! Das kennt man eigentlich leider nur von Menschen, die nicht im Überfluss leben (und leider von vielen anderen Menschen als überflüssig angesehen werden 🙁

Löcher im Schuh – das ist aber auch für mich nichts Unbekanntes! Ich dürfte beim Laufen meine großen Zehen stets mit viel Kraft nach oben drücken. Irgendwann wird daher dann das dünne Schuhtextil mürbe, dünner, bis das erste kleine Loch entsteht und meine Zehe Frischluft bekommt. Der Versuch, dieses Loch mit Nadel und Faden wieder einer geschlossenen Masse zuzuführen, kann nur als halbherzig eingestuft werden, denn diese Schwachstelle bleibt eine Schwachstelle und wird aus lauter Arroganz sogar immer größer! Meine frühmorgendlichen Ausflüge, bei denen ich meine Beine und Schweißtropfen gerne fliegen lasse, werden daher seit ein paar Wochen und vor allem seit den letzten Tagen zu einer modischen Peinlichkeit.

Ich kann jetzt wahrlich nicht behaupten, dass ich nur über ein  paar Laufschuhe verfüge, aber ich bin mit diesem speziellen Paar mittlerweile so gut auf Du&Du bzw. haben sich die Laufschuhe an mich und meinen Laufstil gewöhnt, dass es mir einfach schwer fällt, andere Asics oder Saucony anzuziehen, die sich vielleicht widerspenstig zeigen könnten und daher erst gezähmt werden müssten! Sich an neue Laufschuhe zu gewöhnen ist ungefähr so wie der Besuch beim Friseur: Vorfreude – Skepsis – Verzweiflung – Zufriedenheit.

Es wird aber trotzdem kein Weg daran vorbeiführen, mich bei den löchrigen Laufschuhen dankend und unter Tränen zu verabschieden, aus alter Tradition heraus die Schnürsenkel auszufädeln (die sind ja noch ok, und wer weiß, vielleicht finden sie irgendwann nochmal Verwendung!), den Weg zur Mülltonne gemessenen Schrittes zu gehen, im letzten Moment noch zu zögern (Warum jetzt?), mir dann doch ein Herz zu nehmen und die beiden treuen Gefährten dem Schlund der Dunkelheit zu überführen. Welch düstere Aussicht!

Galgenfrist? Unbedingt! Ich habe heute Morgen beschlossen, auf jeden Fall diese Sommersaison mit den Löchern zu beschließen und die Schuhe bis dorthin nochmal richtig geil auszupowern.

Und dann führt kein Weg mehr daran vorbei, mich mit den „Neuen“, die schon seit dem Frühjahr (!) im Schrank in den Startlöchern warten (Laufschuhe im Sale sind einfach ein ökonomisches Muss!), anzufreunden – eine Freundschaft für gut 1 Laufjahr.

Spann-er-ndes Yoga im Grünen

Mein Yogastudio hat im August wegen Umbau geschlossen – also ist wieder vermehrt Selbstpraxis angesagt. Nur: in der Wohnung ist es zu heiß. Auf der Terrasse/untere Ebene ist wegen der Pflanzen zu wenig Platz. Auf der Terrasse/obere Ebene ist es mir für anspruchsvollere Asanas zu gefährlich (ich erinnere an mein schmerzhaftes Hoppala von vor ein paar Wochen!). Also: ab ins Grüne! Der nahe gelegene Schweizer Garten bietet sich an. Ein eingezäunter Kinderspielplatz erscheint mir das richtige Fleckerl zu sein, meine Yogamatte auszurollen.

Vergangene Woche war ich das erste Mal dort. Es ist noch keine 6 Uhr. Eine orange-glühende Sonne blitzt durch das Laub durch – da kommen meine Sonnengrüße gerade recht! Ich bin im Flow, der Schweiß tropft zärtlich. Ich fühle mich be-freit!

Leider nicht allzu lange, denn auf einmal betreten zwei junge Männer den Spielplatz, glotzen testosterongesteuert und neugierig auf meine Verrenkungen, verziehen sich dann aber in ein Kinderspielhaus, um dort zu pennen.

Kurz danach trotten 5 ältere Männer durch das Areal, unter dem Vorwand, am Trinkwasserbrunnen zu schlürfen? Ich bin mir nicht sicher ….

Ich nehme mir vor, das nächste Mal ein paar Schritte mehr zu investieren und in den Park des abgeschiedenen Arsenalgeländes (mit dem Heeresgeschichtlichen Museum und Wohnungen) zu gehen, weil sich dorthin kaum „bahnhofsnahes Klientel“ verirrt.

Daran denke ich heute Morgen zwar ganz kurz, aber nachdem ich nicht so viel Zeit habe, wähle ich doch wieder den Kinderspielplatz und rolle dieses Mal meine Matte an einem recht entlegenen Grasstück aus – also ganz weit weg von allfälligen Spielplatzquerungen. Da werde ich doch wohl meine Ruhe haben?

Weit gefehlt: kurz nach 6 Uhr, als ich gerade in einer gegrätschten Vorwärtsbeuge dehne, sehe ich einen jungen Mann näher kommen, der sich dann nicht weit von mir auf der Böschung der Wiese niederlässt. Mir ist klar, was das zu bedeuten hat. Ich trete zügig einen geordneten Rückzug an – die heutige Yogapraxis ist mir ordentlich vergangen! 🙁

Ich frage mich nur: Woher kommen diese Typen auf einmal – alle mit dunklem Teint und dem Hinweis auf eine mittlerweile mit Sorge und Skepsis betrachtete Religionsgemeinschaft? Was tun sie um diese Uhrzeit hier im Park, zumal sie weder Jogger oder Hundebesitzer sind noch Leute, die zur Arbeit gehen?

Es beunruhigt doch, sich beobachtet zu fühlen. Vieles bildet frau sich dann vielleicht auch ein – aber das heute war dann doch zu offensichtlich!

Ok – der nächste Sonnengruß dann doch auf dem kleinen abgeschirmten Sportplatz im Arsenal – so viele warme Frühstunden wird es in diesem Sommer eh nicht mehr geben – aber die will ich nutzen! Namaste!

4-beiniger Ausflug mit Drei-Rad

Wir haben sie beim Wandern gesehen und bewundert: TRIKES – quasi die Weiterentwicklung einer Harley für Möchtegern-Cruiser, die sich vom Vier-Rad noch nicht aufs Zwei-Rad trauen (bzw. keinen Motorrad-Führerschein haben).

Warum nur die anderen? Warum nicht auch wir? Bodo fand seinen Geburtstags-Gutschein für ein gemeinsames Trike-Wochenende in einer Wegwerf-Zeitung – wie kam der da nur rein?

Und damit der Gutschein nicht nur ein gut gemeintes Papier bleibt, wurde auch gleich ein Datum fixiert.
Brütende Hitze – Schweiß – Sehnsucht nach einem kleinen Badesee im näheren Niederösterreich bzw. in der näheren Steiermark! Bodo darauf hin intensiv mit Google Maps beschäftigt, um eine kurvenreiche, gemütliche Tour zusammenzustellen.

Die Vorfreude bei beiden groß und zunehmende Aufregung, vor allem bei Bodo: Wie wird das werden?

Wir packen am Freitag – spärlich bekleidet wegen der Hitze – einen mittelgroßen Rucksack, denn auch wenn „unser“ Trike ein Deluxe-Modell ist mit einem „Kofferraum“, wird der Stauraum nicht üppig sein – und das Fotoequipment darf natürlich nicht fehlen! Aus einer inneren Eingebung heraus befindet Bodo, dass wir Halstuch und Regengewand mitnehmen sollten. Ich packe noch eine dünne Fleecejacke ein; Bodo vergisst seine grüne Übergangsjacke, die sich auf dem Trike ganz gut hätte machen können.

Um kurz nach 19 Uhr am Freitag bekommt Bodo seine Einweisungen für Start, Gas, Bremse, Blinker. Ich habe den wohl kleinsten Helm bekommen – und der schlackert so lange hin und her, bis ich den Halsgurt endlich straff genug angezurrt habe.

Kurz vor 20 Uhr geht es los! Als Bodo mit schwachen 30 km/h zur nächsten Tankstelle fährt, kommt mir das urschnell vor. Ich sitze ziemlich verkrampft auf dem erhöhten Rücksitz, vermisse den Sicherheitsgurt und habe Angst, dass ich herunterfallen könnte – was eigentlich ein bisschen vertrottelt ist, denn wer stürzt schon von einem Thron (außer bei Games of Thrones)? Als es dann aus Wien hinausgeht (Neuwaldegg, Sofienalpe, …), über die ersten kurvigen Straßen, bin ich mir gar nicht sicher, ob ich das will! – Worauf habe ich mich da nur eingelassen?

Bodo´s Gesicht kann ich aus meiner Position heraus zwar nicht sehen, nur sein flatterndes T-Shirt – aber ich meine, dass darunter sein Herz ganz hoch hüpft: „Einfach GEIL!“

Die rotleuchtende Sonne geht nicht nur auf Capri unter, sondern auch am Tullnerfeld. Und nach einer schnellen Pizza in Krems sitzt mein Schwerpunkt so tief, dass ich die Fahrt (endlich) zu genießen beginne. Es wird Nacht -wie Bodo hier mit seiner dunklen Sonnenbrille etwas erkennen kann, ist mir im Nachhinein ein Rätsel (?). Leuchtende Katzenaugen, ein ums Leben hüpfender Frosch und ein langer Horizontal-Blitz streifen uns. Kurz vor 23 Uhr begrüßt uns die hellerleuchtete erhabene Schallaburg – unser Quartier liegt in einer Kurve am Fuße des kleinen Berges. Warum fahren wir nicht einfach die ganze Nacht durch? Bodo ist sowieso sehr aufgekratzt. Und mir gefällt die allseitige Ruhe, die nur durch das Motorengeröhre gestört wird (der Helm dämpft den Lärm ganz gut ab, daher stört er uns auch nicht weiter). Aber gebucht ist gebucht. Im Gästezimmer ist es äußerst heiß und stickig. Früh morgens fechten zwei Hähne ihr Kräh-Duell aus.

Nachts hätten die Straßen uns gehört – Freiheit auf 3 Rädern!

Bodo gibt auch am Samstag ordentlich Gas – mit der rechten Hand und bremst (zum Glück) – mit dem rechten Fuß. Links ist das Smartphone mit der Routenplanung fixiert. Leider ist aber nicht jede der auf der Route ausgewiesene Straße auch für ein Trike geeignet, wie zB mit Schranken abgesperrte Forststraßen. Also wird immer wieder mal der Rückwärtsgang (Automatic-Getriebe … ich sagte ja: Marke Deluxe!) eingelegt und muss die Route neu berechnet werden. Aber anders als beim Wandern tut das Umdrehen beim Triken gar nicht weh. Vielleicht bedarf es ein paar Rückwärts-/Vorwärts-Manöver mehr – das Trike ist nicht sehr gelenkig, wenn es um einen U-Turn geht. Und den Tank behalte ich stets im Auge, da noch nicht ganz klar ist, wieviel Sprit wir verbrauchen.

Kurzärmelig im Fahrtwind? Das wird uns am Samstag auf Dauer doch zu frisch, zumal die heißen Temperaturen der vergangenen Tage über Nacht verschwunden sind. Das mit den Wind-/Regensachen war wahrlich eine sehr brauchbare Eingebung!

Unsere kleine See-sehen-Tour führt zuerst zum Lunzer See: überschaubar, idyllisch gelegen, ein kleines Strandbad – wegen des ungewissen Wetters heute eher spärlich besucht – ein Restaurant und ein paar Bootsverleiher – und Wanderwege! Wir vertreten uns auch ein wenig die Füße – nach dem ungewohnten, wenn auch bequemen Sitzen, spielen die Beine nicht so recht mit -, lassen die Badesachen aber unbenutzt und fahren nach einem Kakao zum Erlaufsee weiter, einem Taucherparadies, als Bergsee aber eher zu den etwas kühleren Seen gehörend. Ein paar Sonnenstrahlen laden dazu ein, zumindest die Füße ins Wasser rein zu halten.

Wir spüren in der Rast aber eine gewisse Unrast, sodass wir bald schon wieder aufbrechen – wir wollen den Fahrtwind im Gesicht spüren, geschmeidig in den Kurven liegen, kalte Hände und Füße bekommen, an einer juckenden Kopfhaut (wegen dem Schaumstoff im Helm) verzweifeln – wir wollen einfach triken!

Und: ich bin mittlerweile schon so mutig, dass ich versuche, während des Fahrens Fotos zu machen! … https://1drv.ms/f/s!AoJlpmG2fTPbgsNRY8M_H33pvGxLPw

Bis 70 km/h fühle ich mich jetzt schon recht wohl. Und zugegebenermaßen finde ich mittlerweile auch an den Kurven ordentlich Gefallen – vielleicht, weil Bodo da sehr achtsam fährt, auch wenn er schon mal die gesamte Fahrbahnbreite für sich in Anspruch nimmt? Auf der Geraden zischt Mr. Trike-Hero dann aber ordentlich los, sodass es mir fast den Helm abhebt! Olfaktorische Eindrücke, wie gedüngte Felder oder nasses Laub, schießen da wie ein gut gezielter Schuss in die Nase hinein. Und immer wieder Fleckerl, wo die Umgebungstemperatur spürbar kühler oder wärmer ist als eine Sekunde davor oder danach – womit bewiesen ist, dass man auch bei schnelleren „Open-Air-Geschwindigkeiten“ Eindrücke sammeln kann – mit zig PS unterm Popo halt um einiges kurzlebiger als wenn man sich mit eigener Beinmuskelkraft fortbewegt!

Mariazell lacht wieder aus vollem Herzen – Zeit für Himbeer-Nusstorte und Eis (Müsli, Lebkuchen, Mohn … mmmh!) – so komisch das ist: ich bewege mich zwar außer Bauchanspannen und Beinpresse (beim gedanklichen Mitbremsen) so gut wie gar nicht, habe aber ein ständiges Hungergefühl … und eine unruhige Blase!

Noch ein paar Stunden bis Mönichwald. Es geht rauf und runter, eine Kehre jagt die andere, wieder ein paar enge Straßen, die im wahrsten Sinne des Wortes im Sand verlaufen. Wir sind im Gebiet des Semmerings unterwegs. Als wir durch eine tunnelartige Röhre fahren, sind die Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Einsame Landstraßen wechseln sich ab mit Dorfdurchfahrten. Unser Trike ist die Sensation! Jeder schaut mal kurz, manche erstaunt und ungläubig. Und auf vielen Männerlippen zeichnet sich ein sehnsüchtiges Lächeln ab.

Die Pension „Erna“, ein blumenreich geschmücktes Haus, ist dann gar nicht am Berg, wie das Internet behauptet, sondern mitten im Dorf. Allein die Erna hat unser Zimmer „aus Versehen“ an jemanden anderen weitergegeben. Zumindest ist sie so zuvorkommend, dass sie bei der Zimmersuche behilflich ist – es ist Feuerwehrfest im Dorf und daher so gut wie alles ausgebucht. Das Glück ist uns hold – der Wirt, der Bodo vor ein paar Tagen abgesagt hat, hat jetzt dann doch (zufälligerweise?) ein Storno und damit ein Zimmer für uns. Und wir verbringen einen angenehmen, warmen Abend am Ufer des Mönichwalder Natursees – einer etwas größeren, schlammdunklen Badewanne. Meine Alter Ego, die Wasserratte, bleibt stumm, mürrisch und will nicht nass werden.

In der Nacht werden wir von einem starken Gewitter geweckt. Das Rauschen, das mich in der Früh nervös macht, ist dann zum Glück nur ein Bach und nicht der Regen. Allerdings sind die Wolken dicht und verstecken die Sonne zur Gänze. Wir trocknen die nassgewordenen Sitze und starten kurz nach 8 Uhr in unseren letzten Drei-Rad-Tag, der ein bisschen unter Zeitdruck steht, weil wir pünktlich um 18 Uhr zur Rückgabe in Wien sein müssen. Aber nachdem wir bald schon nicht nur die Regenjacken, sondern auch die Regenhosen anziehen – in einer Kehre, als wir uns wieder mit der Straßenführung auseinandersetzen müssen, werden wir von dicken Tropfen geschlagen – und das Bad in Gloggnitz mit seinen seichten Planschbecken heute sowieso nicht sehr einladend ist, sind unsere Zwischenaufenthalte recht kurz.

Den Zeitgewinn brauchen wir aber sowieso, denn wir fahren an manchen kaum erkennbaren Abzweigern vorbei. Und Sackgassen sind eben Sackgassen! Und über allem drüber: Bodo erkennt wegen der dunklen Sonnenbrille die Farben auf seiner Routenplanung nicht so gut. Ich habe zwar am Freitag (bis Krems) noch meine Sonnenbrille getragen, aber danach habe ich ganz darauf verzichtet – und komischer- bzw. dankenswerterweise haben sich weder Insekten noch herumspringende Steine von meiner Iris angezogen gefühlt. Nur horizontale Regentropfen sind wie kleine schmerzhafte Nadelstiche! Bodo zieht sich sogar das Halstuch hoch bis zur Nase, weil er auf einen Fliegensnack gerne verzichten kann! Jedenfalls schaue ich nun auch konzentrierter auf die Streckenführung und gebe mit den Händen entsprechende Zeichen. Wir können uns mit etwas Schreierei auch mit Worten verständigen. Und nachdem ich mich nunmehr wirklich recht sicher auf dem Sitz fühle, beuge ich mich schon mal auch zu seinem Ohr nach vor – nun ja, wenn Bodo dann doch nur vor der Bodenschwelle rechtzeitig abgebremst hätte!

Wir umrunden Heiligenkreuz.

Ich kann meine Hände ja zum Glück in den Jackenärmeln verstecken, sodass nur die Füße in den offenen Keen-Sandalen frieren – das war vielleicht nicht die beste Idee, aber wie gesagt, als wir unsere Sachen eingepackt haben, hatte es über 30 Grad! Bodo aber muss mit klamm-kalten Fingern aktiv bleiben und Gas geben. Bei einer gut frequentierten, sehr günstigen Jausenstation, irgendwo an einer Abzweigung nach Bad Vöslau wärmen wir uns an einer großen Kakao-Tasse wieder auf. Bodo schießt dann noch ein Gulasch mit Knödel nach – wen kümmert schon die Reihenfolge der Nahrungsaufnahme? Während wir hier drinnen sitzen und langsam wieder warm werden, regnet es draußen recht ordentlich. Als wir wieder weiterfahren, werden die Tropfen zum Glück weniger.

Durch Purkersdorf geht es noch und dann naht schon Wien – es ist aber erst 16 Uhr! Was tun mit der verbleibenden Zeit? Die Entscheidung wird uns abgenommen, denn es beginnt stark zu regnen. Wir suchen Schutz auf einem Parkplatz. Bodo versucht zwar, mich zu einer kurzen Fahrt zu überreden, aber es bleibt beim Motor-Starten und auf der Bremse-Bleiben – ich habe da einfach viel zu viel Angst! – Als Jugendliche bin ich mit dem Mofa meiner Schwester heimlich im Garten gefahren, war zu viel am Gas und fuhr ungebremst direkt in das Carport hinein … alles klar? – Und hier jetzt: alles Schotter und vor mir ein Wald mit Hang? Was, wenn ich zu viel Gas gebe und zu wenig bremse? Nee!!!!! Vielleicht beim nächsten Mal!

Dann halt nur mehr ein Abschluss-Foto (so tun als ob) :-)

Der Trike-Vermieter ist zum Glück schon jetzt in seiner Garage. Bodo darf noch einparken, ich bekomme zwischenzeitlich die Kaution zurück. Im Auto – was für ein komischen Fahrgefühl! – wird die Heizung ordentlich aufgedreht, damit uns wieder warm wird. Aber die Gesichter glühen sowieso von innen heraus! –

Und Bodo fragt bereits: „Wann habe ich wieder Geburtstag?“

Perfektionistische Ambition durch Biodynamik wieder in Balance

Ich und mein ambitionierter Perfektionismus! Zum Glück ist mein Schädel genauso tough und hart im Nehmen!

Aber mal alles der Reihe nach: Schauplatz: ein Fleckerl unmöblierter Parkettboden gehört, sofern ich nicht ins Yogastudio fahre, meiner Yogamatte, die frühmorgens, während Bodo und die Hausspinne Robert noch schlafen, ausgerollt wird. Staubfreier Untergrund wäre dabei super. Leider bin ich derzeit, bedingt durch die Hitze, etwas nachsichtiger gegenüber diesen unsichtbaren, von mir so ungeliebten Zimmergenossen, die sich nach einem erfüllten Dahinschweben auf dem Boden zur Ruhe niederlassen. Und da die Fenster und Balkontüren zwecks Durchzug fast immer geöffnet sind, wäre eine Laufrunde mit dem knallgelben Dyson außer schweißtreibend überhaupt kein effektives Training. Wie auch immer: die Matte war Dienstag vergangener Woche bereit, mich bei der Zusammenstellung meiner Übungseinheit im Zuge des YogaTeacherTrainings zu unterstützen. Mein Anspruch an diese Einheit vor 18 anderen Yogalehrerinnen: es muss anspruchsvoll und einzigartig werden! Meine Zutaten: Eka Pada (auf einem Bein), Baddha (Hände hinter dem Rücken gehalten), Parivritta (Twist im Oberkörper), die ich zu einer Übung zusammenfügen wollte: eka pada baddha parivritta parsvakonasana – klingt komplizierter als es ist, verlangt aber nach Flexibilität, Kraft und vor allem Konzentration. Alles da – fast: für einen Moment nicht 100% bei der Sache und es machte einen sehr, sehr lauten Rums – so laut, dass Bodo abrupt aus seinem geliebten Morgen-Tiefschlaf gerissen wurde und mich im Bette kerzengerade stehend mit weit aufgerissenen Augen anstarrte – komplett konfus, was kein Wunder ist!

Ich bin – in mir selbst verknotet und einbeinig – wie ein Zementsack zur Seite umgekippt und mit dem Kopf diritissima auf den (unstaubfreien) Boden gedonnert. Autsch! Im ersten Moment: Schock, kurzes Testen: Was tut weh? Ist mir schwindlig? Soweit alles ok – bis auf den linken Brustkorb / die Rippen, da dürfte beim Aufprall doch etwas passiert sein, denn hier meldete sich ein „Aua“. Aber: Atmen kann ich, dann wird schon nichts gebrochen sein – oder? Also wie gehabt weitermachen – obwohl: die Yoga-Session habe ich dann doch beendet!

Am Donnerstag beim Yoga mit Lehrer und brav nach Ashtanga-Ablauf wurde ich allerdings gehörig in meine Schranken verwiesen: Springende Bewegungen, bei der sich Brustkorb und Bauch näher kommen – das ging auf einmal gar nicht mehr! Irgendwas war da „außer Kontrolle“ geraten. Instinktiv habe ich mit einem Handschubser die Rippen zwar wieder „eingerenkt“ – es machte auch hörbar „Klick“, aber gut war´s deswegen ganz und gar nicht! Diese Selbstbehandlung habe ich dann noch zwei-/drei Mal durchführen müssen und mir dann doch jegliches Hüpfen verboten – meine Yogapraxis bekam somit einen recht demütig-langsamen Touch. Am Montag habe ich dann mit viel Glück einen timeslot bei einer Osteopathin bekommen – bis Mittwoch nachmittags musste ich noch warten. Erwartet hätte ich mir ein kraftvolles Anpacken und Hin- und Her-Geruckle, aber nein! Behandelt wurde ich mit Biodynamik: ein kaum spürbares Handauflegen an bestimmten Stellen, um das „Trauma“, das Kopf und Rippen offenbar erlitten hatten, abzuleiten. Klingt unheimlich, aber ich kann nur sagen: es hat geholfen! Die Schmerzen sind so gut wie weg. Und auch wenn ich mit dem Springen noch ein wenig warten werde, habe ich meine innere Balance wieder gefunden.

Ob ich eka pada baddha parivritta parsvakonasana nochmals ausprobieren werde? Ich denke schon, aber ich muss meine Ambitionen und meinen Hang zum Perfektionismus unter Umständen doch ein wenig runterschrauben und simplifizieren.

Das 10. Wander-Jahr ante portas

Wahnsinn!!! Morgen bereits steigen wir gegen Mittag in Lienz / Osttirol aus dem Zug und wagen uns zaghaft auf eine neue Entdeckungsreise – eine Reise ins Ich vielleicht? Zum Denken habe ich derzeit viel – vor allem, was die Yoga-Ausbildung betrifft, weil da sind ein paar Dinge auszuarbeiten …

Der Rucksack ist quasi fertig gepackt. Bodo hat sein Zeugs einfach reingestopft, wie´s gerade passt, denn heuer verzichtet er auf seine „Technik-Box“, die sonst immer ganz unten liegen musste und damit das Packverhalten maßgeblich beeinflusst hat.

Gestern kam er arg ins Grübeln, denn er hat erfahren, dass es auch recht leichte 50 Liter Rucksäcke gibt – unter 2 kg – unsere wiegen mehr als das Doppelte! Ich kann´s nicht recht glauben, aber sein Arbeitskollege ist sich dessen ziemlich sicher, weil er einen sehr leichten Rucksack besitzt. Stellt sich allerdings nur die Frage: Frauen können meistens keine Entfernungen abschätzen – tun sich Männer vielleicht beim Schätzen von Gewichtsangaben schwerer? Oder kann mir jeMANNd sagen, wieviel ich „zarte Elfe“ (HAHAHA!!!!) auf die Waage bringe???

Wenn es stimmt, dann wäre das eine gute Investition für die nächsten 10 Wanderjahre!

Ich hoffe und bete, dass dieses Jahr alles gut geht – gesundheitlich, meine ich! Bodo wird sich bemühen, dass er seinen Rucksack nicht lässig über die Schulter wirft, sondern sich anatomisch ausbalanciert – und er nimmt heuer seinen Wanderstock der ersten Stunde mit, der mit ein wenig Panzerband und Klebstoff wieder in der Mitte fixiert ist. Ein Restrisiko, dass der Stecken bricht, bleibt allerdings! Warum dieser Sinneswandel? Bodo meint, dass der Schwerpunkt dieses alten Bambus-Steckens (oder ist er aus Rattan?) ergonomisch besser sitzt als der vom Pöttmes´schen Wildsau-Stab. Nun gut, er wird das schon richtig einschätzen, hat er sich doch damit am vergangenen Sonntag, als ich beim Yoga-Teacher-Training war, ausgiebig und in aller Tiefe auseinandergesetzt!

Ich habe mir vergangene Woche durch neue Sommerschuhe, die nach der langen Zeit mit Socken und geschlossenen Schuhen zum ersten Mal heuer so richtig wieder Luft an die Füße hätten lassen sollen, einige Blasen – eine ganz lästige und offene an der linken großen Zehe – eingefangen. Ich hoffe, dass wird nicht zum Problem! Leider gibt es aus der Apotheke offenbar keinen Blasenwund-Spray, der einen dünnen Schutz für die offene Stelle bildet – jeder Apotheker will mir Compeed-Pflaster andrehen. Aber die funktionieren nicht, wenn sie mit Schweiß in Verbindung kommen, durch eine Schuhnaht geschoppt werden und dadurch nur die Blasenwunde nur verstärken! – An dieser Stelle: Liebe Pharmaindustrie, bitte lass dir etwas einfallen!

Was die Arbeit im Büro betrifft überlasse ich leichten Herzens „meine“ Männer ihrem eigenen Schicksal – sie werden das schon irgendwie machen. Angst habe ich eigentlich nur um „meine“ Ordnung in der Computer-Ablage – das wird nämlich nicht so ganz ernst genommen, denn solange ich weiß, wo die Dateien abgespeichert sind, ist´s ja gut!

Tagwache morgen: 5 Uhr und 10 Minuten – wir müssen um 06:25 Uhr im Zug sitzen – das frühe Aufstehen ist für mich „Early-Yogi-Bird“ kein Problem, für meinen lieben „Sieben-Schläfer“ aber schon! Da hilft wohl nur liebevolles Aufwecken!

Und dann kann´s los-GEHEN!

Friedlicher Schweiß

Ich besuche seit ein paar Wochen freitags eine vom Yogalehrer je nach Lust und Laune gestaltete Vinyasa-Flow-Einheit – eine herausfordernde Ergänzung zu meiner Asthanga-Yoga-Praxis, die einen eher streng geregelten fixen Ablauf vorgibt. Diese 90 Minuten Vinyasa beginnen meistens sehr ruhig mit einfachen Sonnengrüßen, die dann aber rasch variiert und erweitert werden. Arm-, Bein- und Bauchmuskulatur werden fast gleichzeitig mehr gepusht. Fast unmerklich, aber trotzdem deutlich spürbar nehmen Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit zu. Das Keuchen und Schnaufen einzelner Yogaschüler nach dem x-ten Chaturanga (= tiefe Brettposition mit starkem Liegestützcharakter) wird lauter. Und ich fühle, wie sich leise, ganz leise und beinahe friedvoll einzelne Schweißtropfen im Nacken bilden, dann auf der Stirn – und dann ploppt der erste dicke Tropfen auf meine schöne Yogamatte! Aber ähnlich wie im Bikram Yoga (oder Hot Yoga für alle, die sich im Dschungel der Yoga-Stile nicht mehr auskennen) lasse ich den Schweiß einfach rinnen. Ich stehe aufrecht in Tandasana, der Bergstellung, und fühle den feinen nassen Film auf meiner Haut, das Rinnsal entlang meines Rückens und auch die feuchten Fußsohlen – was meiner Matte aber nur mehr Griffigkeit verleiht.

Das eigenartig Wunderbare ist, dass es mich nicht stört, dass mir diese friedvolle Nässe eine gewisse Ruhe verleiht. Und nachdem der Yogalehrer keine Adjustments gibt, also nicht in körperlichen Kontakt mit mir (oder einem anderen schwitzenden Schüler – ja, es schwitzen hier auch andere!) gerät, muss ich mich auch nicht genieren.

Aber erst in der Garderobe weiß ich dann so wirklich, warum ich eigentlich Yoga praktiziere! Einfach darum, dass ich flexibel und gelenkig genug bin, mich auf engem Raum aus dem schweißverklebten Yogadress herausschälen und -winden zu können!

Ein Fauxpas in Streifen

Uiuiui! Das hätte mir – gerade mir! – nicht passieren dürfen!

Mittwoch, 18:30, meine Bodywork-Std beginnt – noch heißt sie klassisch „Bauch-Beine-P0“ … meine Stunde ist aber alles andere als klassisch und tendenziell mehr „dynamic bodyweight“! Doch ich will nicht ablenken. Die Stunde beginnt, gute Musik, viele Mädels und im hintersten Eck ein Mann, der die mittleren Jahre schon überschritten hat – alles gut, soweit – bis … bis auf mein Spiegelbild! Abgesehen davon, dass ich meine besagten Tage vor dem nächsten Friseurtermin habe, habe ich mich in der Wahl meiner Sportbekleidung dieses Mal total vergriffen: die Tight ging ja noch: weiß mit schwarzen Flecken – wie dreckig halt; aber das Top – ein „Schnäppchen“ aus dem Outlet – vorne in Schwefelgelb mit querlaufenden dünnen schwarzen Streifen bzw. weiß-schwarze Blockstreifen – auch quer – am Rücken! Es sah aus, als wäre einer Biene zum Kotzen schlecht!!! Zudem noch eine Passform, die zwischen viel zu weit und doch ein wenig knapp hin- und her schwankte … So eine Blamage, so ein modischer Fauxpas! Wer hat mir damals im Outlet nur ins Ohr gesäuselt, dass mir das Top gut steht? Ich glaube, da war ich beim Anprobieren stark überzuckert oder so!

Mir ist jetzt noch schlecht, wenn ich daran denke ….!

Aus Fehlern sollte man lernen – in dieser Kombination stelle ich mich jedenfalls nicht mehr vor meine Bauch-Beine-Po-Süchtigen!