´ne Meise im Loft

Sonntag Morgen! Um 7 Uhr läuten wie immer die nahen Kirchenglocken ihr Lied. 3 Minuten später springt Bodo mit dem Aufruf: „Ein Vogel hier!“ aus dem Bett. Hat sich doch glatt eine kleine schüchterne, nun aufgeregte, Meise herein verirrt und sitzt verdattert auf den dünnen Ästen unseres Fikus Benjaminus. Bodo verfällt in einen kindlichen Lobgesang und ermuntert den kleinen Besucher, den Weg ins Freie zu suchen. Doch so klein die Meise, so klein auch anteilig das Hirn. Zwei Versuche, nach draußen zu fliegen, scheitern erbärmlich und enden mit leichtem Kopfbrummen – der laut hörbare Tutsch gegen Wände und Glasscheibe tut auch mir in den Ohren weh. Der Vogel zwitschert uns ein kleines Lied und scheint Gefallen an seinem neuen Baum zu haben – doch, kleiner Vogel, kannst du hier nicht bleiben, denn außer Staub auf den Ästen und Robert, unserer mikroskopisch kleinen Hausspinne der 6.Generation. fehlt es hier an weiteren Insekten. Wir können dir nur ein paar Brotkrumen anbieten, doch dein Leben spielt sich halt nicht in einem Mini-Loft ab, das dir riesig erscheinen muss, sondern in einer Welt mit anderen Piepmätzchen, Wolken am Himmel und Würmern in der Erde.

Ich lege Bodo nahe, den Vogel zu fangen und mit einem kleinen Schubs ins normale Vogelleben zu befördern – er will noch einen weiteren Fluchtversuch abwarten. Ich stehe dann doch auf und nähere mich mit unserer Tagesdecke dem Busch, was dem Kleinen gar nicht zu gefallen scheint – denn schwuppdiwupp hat er den Ausgang gefunden!

Adieu und einen schönen Sonntag noch!

(Bodo hat natürlich ein paar Beweisfotos geschossen …)

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Modernes Raubrittertum

Das Spannende im Leben ist, dass man immer wieder – auch an Kleinigkeiten – etwas Neues erfährt, lernt, sich wundert und oft nur den Kopf schütteln kann. Zu dieser Erkenntnis eine kleine Anekdote zum Munter-Werden:

Ich bekam einen Brief aus Deutschland. Dem Inhalt nach musste ich einen Fragebogen ausfüllen und wieder retournieren. Ein Rücksendekuvert lag nicht bei. Da ich hier jemanden einen Gefallen tat und kein anderes Kuvert griffbereit hatte (in einer Ära, in der kaum mehr Briefe geschickt werden, verfüge ich nur mehr über diverse Glückwunschkarten, die zu Weihnachten und Ostern von Wohltätigkeitsorganisationen mit einem Spenden-Erlagschein ins Haus flattern), nahm ich das ursprüngliche Kuvert, klebte den Portostempel ab und ein neues Adress-Schild auf – in meinen Augen also absolut korrekt und zudem auch ökologisch (schließlich war der Umschlag ja noch vollständig intakt) .

Falsch gedacht! Denn auf / bei / in der Post dann das große Wundern: unterhalb des durchsichtigen Fensters gab es – fürs menschliche Auge kaum erkennbar – so etwas wie einen aufgeprägten gelben Barcode, den er, vermutlich im Zuge der elektronischen/maschinellen Verarbeitung, aufgedruckt bekommen hat.

Großes Kopfschütteln! Aha, ok,…, na und…? Das mache dann 1,70 Euro statt 70 Cent, weil der aufgedruckte Barcode eine maschinelle Weiterverarbeitung unmöglich mache und er nun „manuell“ bearbeitet werden müsse, bzw. der aufgedruckte Code manuell außer Kraft gesetzt werden muss!

Was tut man, wenn man in einer langen Schlange nervöser und ungeduldiger Kunden steht und vollkommen perplex ist? Man zahlt zähneknirschend den einen zusätzlichen Euro und wartet neugierig auf das manuelle Decodieren … das darin besteht – das Kopfschütteln wird nun zu einem wilden Derwischtanz -, mit einem Kugelschreiber drüber zu kritzeln!

Das ist modernes Raubrittertum! Der kleine einsame Euro verursacht zwar nicht das endgültige Zerreißen des Budgetlochs, aber es wurmt, so über den Tisch gezogen zu werden. Und entsteht nun denn die arge Befürchtung, dass es viele kleine, einsame Euromünzen sein könnten, die einem in einer so subtilen, skurrilen und schnöden Art abgeknöpft werden!?

Da stellt sich natürlich auch noch die Frage: Mit welcher Berechtigung erdreistet sich der Beförderungsdienstleister, „MEINEN“ Umschlag mit einer Markierung zu versehen, der ihn unwiederbringlich zu einem Einweg-Umschlag degradiert?

Könnte man das evtl. sogar als Sachbeschädigung titulieren und den Dienstleister somit in die Haftung nehmen?
Ich werde recherchieren…., more to come…!

Fund-(j)a-mental

Ja! Es gibt sie noch, die soziale Kompetenz bzw. bewahrheitet sich: die Hoffnung stirbt zuletzt. … was ich meine?

Anfang März wurde mir ein Loch in der Laufshort zum Verhängnis, denn als ich nach einem ausgiebigen erfrischend-flotten Morgenlauf verschwitzt wie immer vor der Haustüre zum Stehen kam, musste ich feststellen, dass der Hausschlüssel durch eben besagtes Loch ausbebüchst war 🙁 Unser Vermieter hat mich zum Glück in die Wohnung gelassen – ein Tipp, der immer richtig ist: lasse einen Ersatzschlüssel bei einer Person deines Vertrauens, die aber auch erreichbar ist! Abends bin ich dann so gut wie die gesamte Strecke abgegangen, bis Erschöpfung (die ganze Zeit auf den Boden starren, macht einen kirre) und Dunkelheit mich niedergeschlagen nach Hause schickten. Tags darauf und auch am darauffolgenden Tag ging die Sucherei im Laufschritt weiter – aber ohne Erfolg.

Die zentrale Fundstelle vertröstete mich: es kann ein paar Tage / Wochen dauern, bis Fundstücke abgegeben werden.

Bodo drängte auf Austausch des Schlosses.

Ich wollte noch abwarten …

Gestern loggte ich mich dann aus einem unsichtbaren Bauchgefühl heraus in die Seite „gefundene Schlüssel“ – Wahnsinn, was alles verloren geht: Schlüsselbund mit mehreren Schlüsseln, Autoschlüssel und diverseste Kombinationen daraus, gefunden in U-Bahn, Autobus und anderen unauffälligeren Orten. Mich interessierten nur gefundene Einzelschlüssel. Bei einem hatte ich den Eindruck, dass er zu mir spricht: Ich bin es, dein Schlüssel, den du so vermisst! Also habe ich nochmals zur zentralen Fundstelle hingeschrieben (die in Wien übrigens der Müllabfuhr zugeordnet ist!) und bekam umgehend die positive Rückmeldung: Gefunden!

Also bin ich heute Morgen gleich hingepilgert: seit dem 20.März hing der Schlüssel in bester Gesellschaft auf Haken Nr. 431. Ein bisschen blass ist er geworden und matt – aber keine Angst, ich werde dich pflegen und verwöhnen!

Was mir leid tut, ist, dass ich demjenigen, der a) so scharfe Augen hat, um den Schlüssel im Laub (ich nehme an, dort hat sich der kleine Ausreißer versteckt gehabt) entdecken zu können und b) das soziale Bewusstsein besitzt, das Fundstück abzugeben (was sicher mit einem kleinen zeitlichen Aufwand verbunden ist), nicht persönlich danken kann – ich tue es daher an dieser Stelle: Merci! Thank You! Grazie! Danke!

Es tut gut, zu wissen, dass Menschen auch an andere denken und nicht die Augen verschließen. Ich hoffe, dass ich jemanden auch einmal derart helfen kann, denn es ist zum Heulen, wenn man verlassen vor verschlossenen Türen steht!

Miese-Launen-Jet-Lag

Au-weh! Das Aufstehen heute Morgen – es fehlt die eine Stunde, die dem Morgen Gold in den Mund legt. Auch im Wissen, dass diese abrupte Morgendunkelheit nur ein kurzer Moment sein wird, da wir uns doch in raschen Schritten der hellen Jahreszeit nähern, war dies heute nur ein schwacher Trost. Bodo und ich wären fast im Stehen wieder eingemurmelt.

Dann die zweite Tagesschlappe: mein Knie hat beim Laufen nicht mitgespielt, hat mich nach 500 Metern leicht hügelab zur Umkehr gezwungen! 🙁 gaaaanz schlecht – für meine heutige Tagesverfassung. Auch wenn ich zwei Wochen vor dem Marathon mit reduzierter Trainingsvorgabe keine Mega-Verbesserung erzielen könnte, das panische Gewissen zerrt an meinen Nerven! Außerdem brauche ich den montäglichen Morgenlauf, um mich auf eine neue Arbeitswoche einzustimmen.

Gemein, dass ich nach einer Eisauflage, etwas Geschmier und in meinen neuen Kurz-Boots von Airstep (in leichtem Schimmerglanz und mit je drei unterschiedlichen Ledergurten umwickelt; super bequem!)jaaaa, ich habe wieder zuschlagen müssen, ob aus Frust oder Lust, lässt sich nur schwer beantworten – schmerzfrei ins Büro tänzeln konnte. Dies sollte mich nun aber beruhigen und mich auf morgen früh freuen lassen! Mein Körper weiß zum Glück, dass er mir zu gehorchen hat!

Das fehlende Distanz-Gen

In meinem Bericht zum Thema Parkgarage habe ich kurz anklingen lassen, dass es dem weiblichen Geschlecht ab & dann schwer fällt, den Ticketautomaten bei der Ausfahrtsschranke so passgenau anzufahren, um das Parkticket mit einer grazilen Leichtigkeit im Schlitz verschwinden zu lassen.

Man(n) nimmt an, dass der Frau an sich das sogenannte Distanz-Gen von Geburt an fehlt oder zumindest ab dem Zeitpunkt der Führerschein-Reife.

Ist das tatsächlich so? Ich höre kritisch in mich hinein und muss feststellen, dass ein Körnchen Wahrheit dahinter steckt:

Tiefgaragen an sich erzeugen in mir eine beinahe an Klaustrophobie grenzende Wirkung. Die dicken Striche am Boden, welche die einzelnen Stellplätze voneinander abgrenzen sollten, sind für mich wie ein Korsett. Und auch mit dem Smart ist es nicht immer so einfach, den richtigen Einkehrschwung zu erfassen.

In Tiefgaragen wachsen unverhofft Säulen und Stützen aus dem Boden. In meiner grauen Vorzeit, als ich noch Besitzerin eines typischen Montag-Autos war (fahre Rover und dein Leben ist over!), ist dies tatsächlich in der Zeit zwischen Einparken um 20 Uhr und Ausparken um 5 Uhr früh passiert – ich bin mir immer noch so was von sicher, dass diese böse knallgelbe Stütze beim Reinfahren in die Garage nicht da gewesen ist, sondern sich aus Protest, nicht zum Fest in der Top-Etage eingeladen worden zu sein, nach oben zur Decke gestreckt hat. (beim Rover aber hieß es nach dem Antutschen im wahrsten Sinne des Wortes „game over“!)

Bei Schranken denke ich unweigerlich an eine Guillotine. Bist du zu langsam, wird dir das Auto  auseinander gehackt. Außerdem sind diese Dinger einfach unberechenbar und streiken einen Großteil ihrer Lebensdauer (was dann die Akrobatik vor dem Ticketautomaten wieder ad absurdum führt).

Ticketautomaten, egal, ob mit Sprachkombination oder ohne, führen unweigerlich zur Verwirrung, weil man in der Hektik einfach nicht immer weiß, wo oben und unten ist. Ein Karterl, 2 Seiten, aber 4 Möglichkeiten längs und 4 Möglichkeiten quer, sich dem Schlitz zu nähern. Ein blassgelber Pfeil ist da bei schlechter Beleuchtung auch keine allzugroße Hilfe.

Und da gibt es dann noch die Rampe hinauf oder hinunter, im besten Fall geradläufig, wenn auch eng – und immer stehen irgendwelche Metallteile heraus, die verhindern sollen, dass das Fahrzeug ein Stück Wand mitnimmt. Im schlimmsten Fall aber handelt es sich um ein Parkhaus mit viiiielen Stockwerken und einer durchgedrehten Rampe. Bevor ich beim IKEA-Parkhaus in der SCS freiwillig hinaufschleiche (und später dann hinunterbremse), drehe ich lieber mehrere Ehrenrunden rund um alle open air Parkplätze und gehe ein paar Schritte mehr. Dass Männer hingegen steile Kurven lieben, muss nicht extra betont werden.

Und bin ich dann der Höhle „Parken in der Tiefe“ entkommen, sehe ich mich damit konfrontiert, dass ich vor (besonders rechts von mir) parkenden Autos gerne einen ordentlichen Respektabstand halte. Es könnte ja auch sein, dass so ein Ding auf vier Rädern plötzlich aus der Parklücke springt? Dass ich mit dieser Erwartungshaltung entgegenkommende Fahrzeuge in heilloses Entsetzen versetze, wird mir nur dann klar, wenn mich Bodo „sanft“ drauf hinweist.

Bei all diesen vielleicht qualvoll übertrieben dargestellten Szenarien muss ich ehrlicherweise hinzufügen, dass ich dabei in einem SMART sitze, einer Automarke, die sich mit anderen Klein(st)wagen um den Titel „piccolino“ matcht. Man(n) stelle sich vor, ich würde einen Porsche Cayenne oder einen VW Touareg fahren!

 

Phänomen Ticketautomat in der Tiefgarage

Samstags fahren wir zum Supermarkt in die Tiefgarage, da wir (noch) zu faul sind, unseren Wocheneinkauf an Lebensmitteln (und Prosecco) heim zu schleppen. Wir hatten zwar vor kurzem die Überlegung, uns einen Top-Trolly anzueignen, aber bislang ist es bei der Idee geblieben und Gewohnheit / Bequemlichkeit haben die Nase vorn.

Jedenfalls war am vergangenen Samstag viel los – sowohl im Supermarkt selbst als dann auch in der Tiefgarage. Stau vor der Ausfahrt! Verursacher: ein Autofahrer mit einem Nicht-Wiener-Kennzeichen  – gaaaanz schlimm in den Augen eines echten Wieners. Der arme Kerl kämpft mit dem Ticket-Automat, aber der Schranken geht und geht nicht auf. Hinter ihm schon mehrere andere Autos, von rechts und von links. Kein Ausweichen, keine Umkehrmöglichkeit. Irgendeine genervte Autolenkerin dirigiert einen Kunden mit Einkaufswagerl hinauf, um Hilfe zu holen. Bodo setzt sich mit Gleichmut ins Auto. Ich aus einer unheimlichen Eingebung heraus, schlendere mit leichtem Schritt zu diesem armen Kerl aus Oberösterreich, dem sein Ungeschick urpeinlich ist. Ich frage, was los ist und nehme ihm das Ausfahrticket aus der Hand – und schiebe es mit dem gelben Pfeil voran in den Automaten – und siehe da: Sesam öffne dich, der Schranken geht auf: grünes Licht! Der Oberösterreicher muss sich jetzt tummeln, um die Gunst der Minute auszunutzen. Aber hallo Leute: wo bleibt der Applaus? Ich habe Euch allen den sonnigen Vormittag gerettet? Aber egal: ich habe den Applaus im Herzen. Zufriedenheit überkommt mich, dass ich jemandem mit einer Kleinigkeit geholfen haben zu können. Ein kleiner verblasster gelber Pfeil rettet die Menschheit. Und wahrscheinlich kann nur eine Frau nachempfinden, wie es ist, sich mit dem Ticketautomaten in einer engen Tiefgarage ärgern – und vor allem: blamieren – zu müssen. Es mag klischeehaft sein, aber es stimmt leider: Frauen fehlt oft der Blick für die richtige Distanz zwischen Fahrerseite und Ticketautomat. Meistens ein zu großer Respektabstand, der zu akrobatischen Verrenkungen führt, um zum alles öffnenden Schlitz zu gelangen – da werden Sicherheitsgurt und Fahrertür schon mal zum ärgsten Feind. Manchmal auch mit beängstigender, fast aufdringlicher Nähe, sodass der Seitenspiegel kurz zusammenzuckt. Wie auch immer, es ist einfach peinlich! Wenn hinter einem andere Autos nervös mit den Reifen scharen oder noch peinlicher, wenn niemand hinter einem mit den Augen rollt („typisch Frau!“) und frau den Rückwärtsgang einlegt, um einen neuen Versuch zu wagen.

Ich gebe es zu: auch ich hatte schon den einen oder anderen fehlgeschlagenen Annäherungsversuch mit dem Ticketautomaten. Aber noch nie habe ich versucht, das Ausfahrticket verkehrt herum hinein zu schieben – das ist mir neu – und werde ich auch nicht testen, denn kann ich sicher sein, dass mir dann ein netter Mann aus der Klemme hilft und damit den anderen den sonnigen Tag rettet?

That´s IT!

Der Wiener Opernball naht. Die Oscar-Verleihung in Los Angeles naht. Und damit die Aufregung so mancher Damen und Herren: Bin ich berühmt? Wie werde ich berühmt? Ich bin berühmt!

Das neue Lebensziel: ich will ein IT-Girl werden. Die Recherchen dazu – heute im Radio zu hören – waren recht interessant: a) musst du bereit sein, etwas zu tun, was ein „normaler“ Mensch nie tun würde – man sprach sogar von Exhibitionismus! -, b) solltest du von Natur aus oder gegen Einwurf kleiner Scheine bei einem Meister des Skalpells Körbchengröße C aufweisen, c) wäre es hilfreich, wenn du einen dicklippigen Kuss- bzw. Schmollmund hast, d) kann der Kontakt zu einem Fotokünstler (der auch im Photoshop tough ist) wahre Wunder wirken.

Wahrscheinlich gibt es noch weitere MUST, um ein IT zu werden – ich kann jetzt schon sagen: I am what I am, but I´m not It! Denn a) halte ich nichts davon, im kurzen Kleidchen ohne Dessous breitbeinig aus einem Car 2 Go ins Fettnäpfchen zu steigen, b) bleibe ich beim ABC der Körbchen gerne auf natürlichem Wege bei dem, was sich im Laufe der Jahre entwickelt hat, c) küsse ich gerne und kann auch schon mal schmollen, aber das funktioniert bestens ohne Einspritzdrüse. Zu d) muss ich allerdings zugeben, dass ich einen sehr guten Draht zu einem Fotokünstler habe, der Abbilder von mir schon mal in malerisches Schwarz-Weiß setzt, wenn die Farbe ach so grell das Auge beleidigt.

Was ist so schön daran, IT-Girl zu sein? Ich muss mich entscheiden, ob ich ein Klappergestell mit andauerndem Hungergefühl sein will oder eine knallige Üppigkeit an den Tag legen will. Ich muss mir mit Sandaletten in XX-high unnatürliche Größe verschaffen und riskiere damit verkürzte Achillessehnen. Ich muss viel Sitzfleisch beweisen, denn für die perfekte Frisur, das perfekte Make-up, die perfekten Finger- und Zehennägel vergehen viele Stunden, in denen ich still halten muss. Und was macht IT-Girl beim Friseur? sich selbst in den diversen Gazetten und Tratsch-Magazinchen abgebildet sehen oder noch schlimmer: sich NICHT zu sehen? Neid, Eifersucht, Frust, neue Termine beim Schönheitschirurgen, viel Geld für Kleider & Schuhe. Wo führt das hin? Sicher nicht zu Glück und Zufriedenheit. Nur vom IT alleine wird frau sicher nicht reich. Welche Lebensdauer hat ein IT-Girl? Eine kurze Modesaison? Solange, bis einstudierte Exzesse nur mehr ein Gähnen produzieren? Solange, bis das IT dann plötzlich OUT ist? Was kommt danach?

Und was für mich das Schlimmste ist: IT heißt in meine Sprache übersetzt: ES! Welche halbwegs vernünftige Frau mit ein bisschen Grips im Köpfchen will sich zum Neutrum abstempeln lassen?

Ich bin jedenfalls ich!

In der Auslage sitzen

Wien Mitte war früher der Ort, wo der Balkan begann. Das war zu einer Zeit, als der Anknüpfpunkt zum Wiener Flughafen mit dem CAT eine Mega-Baustelle war, als das neu entstehende Gebäude – the Mall – gefährlich nahe dem U-Bahnschacht kam und einige Sachverständige und Statiker nervös die Eisen begutachteten, zu einer Zeit, als der Ort schlechthin eine Schande für Wien war, vergammelt und versandelt – und das auf der Rückseite des Hilton Hotels am Stadtpark und der Steffl zum Greifen nahe. Mittlerweile hat es sich so gut wie ausgebaustellt, in die Mall sind altbekannte Geschäftsketten eingezogen darunter ein Mini-Supermarkt, der auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet hat, wo es aber so eng ist, dass man nur so viel einkaufen kann, wie man selbst zu tragen vermag. Und am Eck zum Platz, da gibt es die Spar-Snack-Bar, die wir vor kurzem für uns entdeckt haben, denn das Glas – sehr guten – Proseccos kostet dort nur € 3,– (100 Meter weiter in unserem eigentlichen Stammlokal € 4,50 und beim Bäcker, der zum Feierabend mit Brot und Wein lockt, gibt es gar keinen italienischen Sprudel), wird in anständig bauchigen Weingläsern serviert – bei den schmalen Sektflöten weiß meine nicht mal so groß geratene Nase nie, wohin sie sich biegen soll, und außerdem muss man den Kopf unangenehm weit in den Nacken legen -, es gibt knusprige Toast mit allerlei Füllung (mein Favorit ist der Pariser Toast mit Brie und Ruccola) und, wie gestern erst entdeckt, die superschön antik anmutend verpackten dickbäuchigen Mandelkekse, die so intensiv nach Amaretto und Marzipan schmecken … mmmh! Hinter der Theke werden Pasta und Salat frisch zubereitet. Die Einrichtung ist schlicht mit Hochtischen und Barhockern, wohl überlegt, weil hier meistens nur auf die Schnelle gegessen wird. Wer schon mal länger auf einem Barhocker gesessen ist, versteht mich: es ist für die Beine nicht allzu angenehm, auch wenn man die Füße an der Reling einhaken kann. Daher wird man hier nicht so lange sitzen bleiben, wie in einem tiefen Fauteuil oder einem weichen Lederstuhl. Interessant sind die schmalen Tische entlang der Glasfassade: hier sitzt man nebeneinander, was die Kommunikation etwas erschwert oder allein – ein wohl durchdachter Schachzug in einer Zeit, da sehr viele Singles unterwegs sind bzw. Menschen, die einfach in Ruhe (gut) essen/trinken und die eigentlich mit niemandem reden wollen (!?).  In der Mittagspause zum Beispiel kann ich mir schon gut vorstellen, dass man bewusst in Ruhe gelassen werden will. Trotzdem ist man nicht vollkommen isoliert, denn hier an diesem Eck hat man zwar den ganzen Trubel, der da draußen vor den U- und S-Bahnabgängen herrscht, im wahrsten Sinne des Wortes ausgesperrt, ist aber in irgendeiner Form doch Teil des Ganzen. Sofern man sich nicht gerade in einer Zeitung vergräbt oder in irgendwelchen Apps, schaut man unweigerlich auch ab und dann hinaus und fängt den einen oder anderen Augenblick eines Fremden auf – hier in der Auslage sitzend sozusagen, man ist nicht allein, findet Ablenkung, kann sich auch mal amüsieren, wundern oder schrecken über die Gestalten da draußen in ihrer Hektik, mit all ihren Sorgen und Ängsten und Freuden. Die Snackbar wird zum Hort der Geborgenheit und des Beobachtens. Vice versa ist es aber eher unwahrscheinlich, dass man beim Essen/Trinken beobachtet wird, denn nur der wird sehen und erkennen, der innehält mit seinem Schritt.

Wer mich ein bisschen kennt, weiß, dass ich ein recht gutes Bauchgefühl für Raumatmosphären habe, nennt es Fengshui oder Shengfui oder einfach einen primitiven Hausverstand oder elegant ausgedrückt „Raum-Yoga“ (Achtung! Das ist MEINE Erfindung!). Diese Snackbar ist so ein kleiner, fast unscheinbarer Hort. Auch die Bedienung trägt dazu bei, dass man sich für eine Weile ganz wohl fühlt: freundlich, aber nicht aufdringlich. Wer sich die Architektur genauer anschaut, wird entdecken, dass gar nicht viel Bahö-Baha gemacht wird: dunkler Holzboden, schlicht geölt, eine schwarze Rückwand als Tafel ausgebildet, einfache Tische mit beige-glänzenden Sets, ein bisschen dezentes (echtes) Grün und der asiatische Sumo-Koch, der die rohen Nudeln ins heiße Wasser gibt – ach so, der Koch ist ja nicht gebaute Architektur, wirkt aber wie ein Fels in der Brandung.

Genug geschwärmt! Macht Euch selbst ein Bild oder nehmt meine Zeilen als Ansporn, Eure eigene Auslage zu finden. Entdeckt, was Ihr draußen zu sehen bekommt und findet heraus, wie Ihr Euch selbst fühlt – das ist „Raum-Yoga“ – kapiert?

Stell dir vor, der Strom macht blau!

Nachrichten der letzten Tage sprechen darüber, dass der starke Schneefall starke Bäume und damit  Oberleitungen in die Knie gezwungen hat. Deshalb sitzen einige Tausend Menschen im Dunkeln und frieren. Das bringt mich ins Grübeln:

Stell dir vor, der Strom macht blau!

Stell dir vor, der Strom hat ein Burn out.

Stell dir vor, der Strom nimmt sich ein Sabbatical.

Stell dir vor, der Strom hat genug von schlecht bezahlter Arbeit und geht in Streik.

Stell dir vor, der Strom wandert aus.

Stell dir einfach vor, dass der Strom plötzlich nicht mehr da ist. –

In unserer verwöhnten Gesellschaft ein Fiasko!

In der Früh kommt nur kaltes Wasser aus dem Duschkopf.

Dir bleibt nur eine Kaffeebohne, an der du kaust, um dein Koffein-Depot aufzufüllen. (Es ist nicht ratsam, luftdicht verschweißte Nespresso-Tabs mit den Zähnen aufzubeißen und sich das schwarze Pulver über einen Strohhalm in die Schleimhäute zu ziehen.)

Das Laufband im Fitness-Club bleibt stumm.

Das Vitamin D versteckt sich in der dunklen Solarium-Kapsel.

Elektro-Autos sind out, noch bevor sie den Status It-Car erringen konnten.

Du beißt dir die Zähne an der Tiefkühlpizza aus, und in der Mikrowelle herrscht nur eine laue Brise.

Du kannst dein Handy / Smartphone nicht mehr aufladen und bist ohne App handlungsunfähig.

Du bist abgeschnitten von Facebook, Skype, Google, … – die worldwideweb-community versinkt in der Steinzeit.

Zalando, Amazon und andere Online-Shops verlieren ihre KundInnen.

Die Konsequenzen?

Deine Haut wird zwar rot, aber straff, denn je kälter es an deiner Körperoberfläche ist, desto mehr ziehen sich die Fettzellen im Inneren zusammen.

Du spürst den reinen Geschmack, klaren, kalten Wassers und fühlst dich nachhaltig erfrischt.

Bewegung an der frischen Luft beansprucht jeden Muskel und kräftigt nebstbei auch deine Sinne.

Du entwickelst eine gewisse Demut gegenüber unserem lebensspendenden Feuerball.

Du entstaubst dein altes Fahrrad oder gehst doch zu Fuß.

Du füllst deinen Magen mit den Früchten der Natur und gehst sorgsamer mit diesen Gaben um.

Du nimmst die Personen in deiner unmittelbaren Umgebung, in deiner Nachbarschaft und sprichst (!) – du hörst deine eigene Stimme, und dein Daumen streichelt wieder über Wangen anstelle über Buchstabentasten.

Unsere Welt wird wieder kleiner; der Mikrokosmos wird ganz groß.

Wir haben alles, was wir brauchen.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn es gibt gewichtige, übergreifende Gründe, warum ein Strom-Aus Gefahr für Leben und Gesundheit bedeuten würde: Operationen könnten nur mehr mit Unterstützung von Notstromaggregaten durchgeführt werden. Lebenserhaltende Maschinen würden das Gegenteil bewirken. Der öffentliche und der individualisierte Verkehr würden zum Erliegen kommen. Die Weltwirtschaft würde zusammenbrechen, weil das Schreien der Broker ohne Echo bliebe. Und weil der Mensch ja evolutionsbedingt immer einen Fussel Böses in sich trägt, würde Gewalt unbeschwert durch die Straßen ziehen können.

Lieber Strom!

Lass dich nicht von weißen Schneemassen, dicken Ästen und sonstigen Hindernissen zu Fall bringen. Wir halten deine Lei(s)tung hoch und versuchen, dir dein Leben so angenehm wie möglich zu machen.

Lieber Strom: lass mich nicht allein!

Wort-o-Gräfin

Jemand, der sich zu typischen, aber auch untypischen Tageszeiten an normale, aber auch vollkommen individuelle Ort begibt, seine Augen wandern lässt und den Inbegriff eines Momentes in seinem Gehirn „be-greift“, schnappt sich ein Objektiv (Makro, Weitwinkel, wie auch immer) und fängt diesen besonderen Augen-Blick in einem Bild, einem Foto ein. Derjenige nennt sich schlicht und erhaben Fot-o-Graf.

Da mir die fotospezifischen Eigenschaften von Belichtungszeit, Blende, ISO trotz mehrmaliger mehr oder weniger geduldiger Belehrung weiterhin ein Mysterium bleiben und ich daher eher zum Automatisieren neige (und damit auf komplettes Unverständnis und enttäuschtes Gebrumme stoße), bleibe ich bei dem, was mir eher als Stärke zugeschrieben werden kann. Ich lasse meine oft wirren und konfusen Gedanken durch meine beiden Gehirnzellen tanzen (mehr intelligente Zellen traut mir Bodo nicht zu) und je nachdem, wo diese Gedanken dann in der Hirnrinde antutschen, entstehen Bilder, welche durch eine subjektive Linse gefiltert in einem weiteren Schritt in geschriebene oder gar ausgesprochene Worte gefasst werden. Anders als bei einem 120 Minuten Film, der fix und fertig gedacht, einem vor das Auge gesetzt wird und dieses eigentlich nur das weitergeben muss, was es zu erkennen glaubt, ist es mit Wörtern, die eine Geschichte, eine Anekdote, einen Witz, eine Boshaftigkeit oder was auch immer, erzählen, etwas anders. Ich gebe mein subjektiv gemaltes Bild weiter und setze damit beim Empfänger einen Wellenschlag frei, denn derjenige muss meine Worte in ein eigenes Bild übersetzen. Auch dieses subjektiv und wahrscheinlich in Teilen oder als Ganzes ein komplett anderes Bild, das wiederum aus neuen oder anders gruppierten Wörtern besteht. Und so geht es weiter, bis mein Bild immer weiter getragen wird und, wenn es wieder zu mir zurück kommt, ein ganz neues ist. Hoppla – so war das aber nicht gemeint! oder: erkenne ich dann überhaupt noch mein ursprüngliches Bild?

Was ist das Schöne am Schauen eines Thrillers, einer Liebeskomödie im Vergleich zum Lesen eines Thrillers, einer Liebeskomödie? Das eine ist bunt, laut, mit Musik hintermalt, welche die jeweilige Stimmung bereits vorappliziert, sodass man genug Zeit hat, sich einen Polster griffbereit vor die Augen zu halten, oder zum Taschentuch greifen zu können, bevor Salz und Rotz das gute Sofa ruinieren. Derjenige, der mitschaut, sieht quasi zeitgleich das Gleiche. Klar, jeder wird die gespielte Szene etwas anders empfinden (darüber kann man sich dann ja auch in eigenen Worten unterhalten), aber der Zeitfaktor, das Bild, der Ton sind ident (außer der eine muss schnell aufs Klo und verpasst den spannendsten Teil). Aber beim Lesen ist man allein; Lesen ist leise, Buntheit oder Schwarz-Weißmalerei entstehen erst. Personen, die im Buch beschrieben werden, werden im Kopf nachgezeichnet. Ich ertappe mich dann oft, dass ich der nur in Worten beschriebenen Person meistens das Gesicht und die Statur einer Person gebe, die ich in real Life oder im Fernsehen / Kino / Bildmagazin schon mal gesehen habe. Manchmal schaffe ich es aber auch, einen „Rohling“ zu nehmen und den dann mit bestimmten Gesichtszügen, Speckröllchen, dicken Titten langen Haaren oder einem muskulös-trainierten Sixpack auszustatten. Noch phantasiereicher wird es natürlich, wenn die Person in ihrer Körperlichkeit gar nicht beschrieben wird, wenn also nur die Handlungen in den Vordergrund gerückt werden. Dann wird es spannend, denn Bodo formt sich mit 100%iger Sicherheit ein komplett anderes Bild von der undefinierten, geisterhaften Gestalt. Ob das mit dem Unterschied der männlichen bzw. weiblichen Denkweise zusammenhängt, kann ich nicht sagen und nicht bestätigen. Da müsste es dann schon mehr Probanden geben. Wie oft aber wurde wir schon enttäuscht, wenn ein Buch verfilmt wurde und die Schauspieler, die sich im Casting durchsetzen konnten, so gar nicht dem entsprachen, wie ich es mir im Kopf ausgemalt hatte? Deshalb trenne ich lieber Buch von Film.

Jetzt fällt mir nichts mehr ein. Mein Bilderproduzent im Hirn braucht eine kleine Pause! … Die Wort-o-Gräfin