Schönheitsfehler

Was soll das jetzt?!

Aus dem Marathonfieber zurück in den momentan trainingslosen Alltag fühlen sich die Oberschenkel anfangs noch ein bisschen spröde an. Aber mit Yoga und PowerPlate ist auch dieses Andenken ruckzuck wieder Geschichte.

Und dann das: ich sitze am Dienstag brav bei der Arbeit, als nachmittags meine Lippen von einer Sekunde auf die andere aufgehen wie ein Germ- bzw. Hefeteig zum Allerheiligen-Striezel oder für Buchteln. Ich kenne mich anfangs gar nicht aus, weil mir Fieberblasen (zum Glück) ziemlich fremd sind – ich hatte in meinem langen Leben erst einmal eine derartige Verunstaltung im Gesicht, als ich beim Wörther See-Halbmarathon kollabiert bin. Zeichen dafür, dass mein Immunsystem in Verona ein wenig durcheinander gekommen ist? Oder einfach eine Reaktion auf das allgemeine Rundum-Husten/Schnupfen, sobald es draußen etwas kälter wird und in den Häusern, in U- und S-Bahnen die Heizung eingestellt ist, als wären wir in Sibirien?

Das Schlimme ist ja, dass die Lippenschwellung gar nicht mal so stark sichtbar ist, man selbst aber das Gefühl hat, dass eine absichtlich herbeigeführte (und teure) Aufspritzung dagegen ein schlapper Luftballon ist. Es spannt und zieht und man ist stark dazu verleitet, ständig kleine Streicheleinheiten schenken zu müssen – Hände weg! Ich versuche mich in Gelassenheit, fühle mich aber ziemlich entstellt, vor allem, als dann doch die Meldung kommt: was ist dir da passiert? Daheim tupfe ich mir höllisch brennende Medizin auf und hinter die Lippen – jetzt sieht man´s dann wirklich, weil das Mittelchen einen herrlichen Braunton hinterlässt – aber es soll ja helfen.

Über Nacht hat sich Gleichmut eingestellt: was soll´s -Bodo ist wegen Grippe derzeit eh nicht so auf Küssen eingestellt. Im Büro ist jeder mit seinem Kram mehr als beschäftigt. Und als kleiner Trost: diese Schwellungen gehen sicher bald wieder weg!

Großer Respekt meinerseits gegenüber all jenen, die häufig von Fieberblasen heimgesucht werden – das sind die wahren Yogis!

I´m running in the rain of Verona

Ein Flyer zur Marathonmesse in Wien im April und seine Folgen ein gutes halbes Jahr später. In der Euphorie vor dem 42,194 km Massenlauf in Wien wurde ich magisch angezogen von einem Laufevent mit dem Zieleinlauf in einer wunderbaren Kulisse – der berühmten Arena von Verona. Nur kurz nachgedacht melde ich mich gleich im Frühsommer an und bin da unter den ersten 700 Anmeldungen. Vom Arzt muss ich mir ein Gesundheitszeugnis ausstellen lassen. Dafür, dass ich keinem italienischen Laufclub angehöre, muss ich zusätzlich EUR 7 für die Streckenbenützung zahlen. Und natürlich noch Flug- und Hotelbuchung für 2 Personen (also ein teurer Spass), weil ohne meinen Bodo fahr ich nicht! Er ist meine mentale Stütze, vor allem am Tag vor dem Lauf, wo ich immer mit großer Angst in den nächsten Tag schaue.

Am vergangenen Freitag dann geht es am frühen Abend nach Mailand. Der Flug dauert schlappe 90 Minuten – es gibt nur einen Apfel oder eine Schokolade als kleinen Snack. Ernüchternd lang die Busfahrt vom Flughafen zur Stazione Centrale: eine gute Stunde, vorwiegend im Stau! Und dann noch die Zugsfahrt bis Verona – wir kommen knapp vor 23 Uhr im Hotel Piccolo (so klein dann auch das Zimmer) an. Ein Restaurant hat Erbarmen mit uns und wir bekommen noch schnell eine Pizza.

Am Samstagmorgen gehen wir in einem unangenehm dichten Nieselregen zielstrebig zum Stadion, da ich fest der Überzeugung bin, hier die Startnummer zu bekommen. So hieß es jedenfalls in den ersten Informationen aus dem Internet. Nichts da: wir umkreisen das Station zwei Mal, bis ich bei nochmaligem Lesen der zuletzt erhaltenen Instruktionen kapiere, dass wir zum Messegelände müssen! Oh nein! Um das Stadium herum ist gerade Markttag mit allem, was das Herz begehrt – wir kaufen einen großen Regenschirm. Im Hotel rät die Dame an der Rezeption dringend davon ab, zu Fuß zur Fiera / der Messe zu gehen, weil die Straße stark befahren ist. Wir nehmen uns ein Taxi.

Endlich: fast schon Mittagszeit, habe ich endlich das Starterpaket in meinen Händen: F94 (Bodo sieht, dass knapp 200 Frauen an den Start gehen werden). In Summe sind es ca. 1.600 Läufer.

Jetzt hält uns nichts mehr: mit einem weiteren Taxi lassen wir uns bis zur Arena führen, gehen aber nicht hinein, weil gerade die Massen anstehen, sondern beginnen eine lange Stadtbesichtigung – alles zu Fuß mit 3 kleineren Einkehrschwüngen, um auch dem leiblichen Wohl zu frönen. Spätnachmittags kommen wir ins Hotel zurück. Bodo hat einiges fotografiert (so ist das in einer Herde: da darf jeder seine Spinnereien ausleben!). Der Kopf ist müde, die Füße sind müde – ganz und gar nicht die beste Vorbereitung für den morgigen Tag, aber wenn man schon mal hier in dieser netten Stadt ist? Jedenfalls schlafen wir eine Runde, bis wir uns um 20 Uhr zum Abendessen aufmachen – und wieder im Lokal von gestern landen, denn außerhalb der Touristenmeile ist das gastronomische Angebot mehr als dürftig. Gestern Pizza, heute natürlich Pasta, damit die Kraftspeicher für morgen gefüllt sind. Das Hotelzimmer ist so klein, dass für den kleinen Trolly kaum Platz ist. Wir müssen aber für morgen noch alles logistisch durchchecken, zumal Bodo am Vormittag auschecken muss.

Ich schlafe bald tief und fest – ein paar angstvolle Gedanken begleiten mich.

Ich fahre mit dem Taxi um kurz nach 6 Uhr zum Shuttle, der die Marathonläufer zum Start aufs Land bringt. Gemein: der Bus steht wieder beim Messegelände, aber in einer Seitengasse – ich bin nicht die einzige, die etwas dumm herumsteht und auf den Bus wartet. Beim Rausfahren aus der Stadt denke ich: Das ist aber weit – und mir wird wieder bang ums Herz. Wir werden in Val d´Ambrogio rausgelassen und in eine leere Halle geschickt, wo man gegen Einwurf von Münzen was zum Essen / Trinken bekommt. Ich genehmige mir noch eine Banane, weil ich fürchte, dass das kleine Honigweckerl, das ich gestern vom Frühstück mitgenommen habe, nicht allzu lange Energie liefern wird. Beim Anstellen in der langen Kolonne vor den Stehklos (!) lausche ich österreichischen Tönen: vor mir zwei Frauen, die die 30km laufen werden und sich wundern, dass ich ganz alleine laufe. Sie bestätigen mir aber, dass die Veranstalter die Streckenführung und auch den Ausgabepaket für die Starterpakete geändert haben – also habe ich mir das mit dem Stadion doch nicht aus dem Finger gesaugt! Im Startsektor kämpfe ich dann mit meiner musikalischen Begleitung: da ich immer Radio höre, habe ich keine Playlist. Ich habe zwar gestern einen passenden Sender gefunden, aber ich höre plötzlich nichts mehr! … Heute früh bin ich dann draufgekommen, warum: ich habe irrtümlicherweise auf „Pause“ gedrückt! Knapp vor dem Start muss ich mich damit abfinden, ohne Hintergrundablenkung einen Fuß vor den anderen zu setzen. Zum Glück gerate ich deswegen nicht in Panik. (Die Italiener laufen alle ohne Stöpsel in den Ohren.)

08:45: es geht los! Inmitten von Männern laufe ich anfangs recht schnell, lasse sogar die 3:30 Pacer hinter mir und genieße die Landschaft: nebelverhangene Hügel mit Kirchen, Wolken am Himmel, aber trocken und angenehme Temperaturen. Ab km 3 spüre ich den ersten Schweiß. Habe ich vor einer knappen halben Stunde noch gefroren, bin ich jetzt froh, die Armstulpen schon vor dem Start weggeben zu haben (eine nette Italienerin, die ich auch wegen eines anderen Radiosenders befragt habe, hat mir beim Verstauen geholfen – ich habe ja meinen Trinkrucksack dabei – ich sehe unterwegs nur einen einzigen anderen Läufer, der auch einen trägt). Unser Weg geht durch Weingärten hindurch, durch kleine Dörfer. Die Zuschauermenge hält sich mehr als in Grenzen, nur ab und dann stehen ein paar Neugierige am Rand. Die Italiener quatschen sogar während des Laufens (hören wohl daher keine Musik). Bis knapp nach der halben Marathonstrecke geht es mir eigentlich phantastisch, ich nehme die Steigungen, die da ab und dann kommen, meisterlich und entspanne beim Abwärtslaufen. Dann aber so bei km 22 dürfte ich mich bei einer weiteren Steigung ziemlich verausgabt haben, weil ab da merke ich, wie mir die Kraft langsam ausgeht. Ich halte brav bei jeder Labestation, um zu trinken. Ab km 15 nehme ich auch meine Gels. Und zeitweise falle ich auch wieder in mein Wettkampftempo. Wir nähern uns der Stadt. Plötzlich ein Pulk von anderen Läufern – und bei km 27 werde ich von den 3:30 Pacern überholt. Ich schaffe es nicht mehr, mit ihnen mitzuhalten – grrrrr! Bei km 30 denke ich kurz daran: du könntest jetzt hier doch aufhören, aber das andere Ich meint: du willst doch in die Arena einlaufen, also halte durch; es sind nur noch 12 km oder anders ausgedrückt: nur noch eine knappe Stunde! Bei km 37 sehe ich dann endlich Bodo, der mitten auf der Straße steht und die Läufer fotografiert. Ich versuche eine nette Pose, aber ich dürfte gerade da gelächelt haben, wo Bodo nicht abgedrückt hat. Es beginnt zu tröpfeln und gleich darauf – ich sehe Bodo ein weiteres Mal – er feuert mich an, mahnt mich zum Trinken – regnet es mehr und mehr. Vor mir nur wenige Läufer, alle schon etwas schlapp. Da bekommt das Laufen über das nasse Kopfsteinpflaster eine neue Bedeutung. Die Zielgerade kommt endlich näher. Es schüttet jetzt! 300 m vor dem Ziel nochmal Bodo – und ich hole meine letzten Reserven hervor. Über eine lange Rampe geht es hinein in den beeindruckenden Bau. Jetzt habe ich aber nur die Ziellinie vor Augen – noch einmal Gas geben, die Arme hochstrecken – und: geschafft!!!! In 3:34:02 (ich bin gesamt auf Platz 359 gekommen, die 20. unter den Frauen!) … alle Ergebnisse unter: http://www.veronamarathon.it/en/

Der Regen ist ein Wahnsinn! Bodo hat es nicht in die Arena geschafft, er wurde nicht durchgelassen. Wir finden uns über das Handy. Bodo eingehüllt in die Regenjacke, das Fotoequipment einigermaßen geschützt, umarmen wir uns. Unter einer Arkade wechsle ich dann notdürftig mein Gewand: ich bin durch und durch klitschnass. Da wir kein Zimmer mehr haben, kann ich am WC nur eine kleine Katzenwäsche machen und mich gewandmäßig adjustieren, aber für die Zurückreise muss das genügen. Ich bin erschöpft, aber halbwegs zufrieden mit meiner Leistung. Ich weiß, wenn ich anders trainieren würde, könnte ich die 3:30 erreichen, aber meistens ist es so, dass ich laufe, um den Kopf frei zu bekommen. Da wäre das sogenannten Fahrtenspiel eher hinderlich. Nun ja: jetzt dann vielleicht. So gleich nach einem Marathon bin ich zwar nicht so erpicht darauf, mich wieder dieser Challenge zu stellen, aber ich weiß: spätestens in ein paar Tagen denke ich an den nächsten Marathon: Amsterdam, Berlin würden mich reizen …. Nachdem es noch immer regnet, fahren wir zum letzten Mal mit dem Taxi zum Bahnhof, kaufen in Turbogeschwindigkeit am Automaten die Tickets und erwischen gerade noch den Zug. Es ist 14:32. Daheim sind wir dann um 23 Uhr. Ganz schön umfangreicher Reiseaufwand für ein bisschen Italien und ein bisschen Laufevent. Nochmal würde ich das so nicht machen wollen. Daher Amsterdam oder Berlin: da fliegt man direkt hin. Oder Salzburg Anfang Mai 2014? Wieder so ein verführerischer Flyer, der Lust auf 42,194 km macht!

Mann im Anzug

Ich war vergangene Woche bei einem Kongress zum Thema Green & Blue Building (seitdem ich mit der Gebäudezertifizierung des Erste Campus betraut bin, tu ich mich da weiterbilden – von Netzwerk kann allerdings noch keine Rede sein). Wie allein an der Referentenliste abzulesen, eine stark männerdominierte Veranstaltung – und natürlich bei Veranstaltungen dieser Art erscheint das starke Geschlecht in der Business-Verkleidung: Anzug, Hemd, Krawatte, seriöses Schuhwerk.

Erst nach dem Kongress und einmal Schlafengehen ist mir eines fast ins Bewusstsein gesprungen: den wenigsten Männern stehen Anzüge oder andersrum: die Anzüge von der Stange passen fast nie zu den Körpermaßen. Oft sind die Schultern viel zu breit geschnitten, vor allem, wenn sich dann weiter unten ein Bäuchlein unterm Hemd durchdrückt. Die Ärmellängen sind auch nicht immer exakt abgestimmt – wobei ich allerdings nicht weiß, was hier ideal wäre. Darf/soll die Hemdmanschette rausschauen, die Rolex oder Omega sichtbar sein oder muss der Ärmel bis zum Daumen reichen? Und dann diese Bundfaltenhosen: in den meisten Fällen zu schlodderig am Bein. Wenn dann jeMANNd auch noch klein ist, schaut´s unter Umständen so aus, als wäre die Hoffnung auf Größenzuwachs noch nicht aufgegeben. Auf dem Kongress habe ich eigentlich nur einen Mann gesehen, dem der Schnitt des Anzugs gut gepasst hat – Maßanfertigung? Dass der preußischblaue Stoff glänzend war, ist eine andere Sache. Die rotbraunen Schuhe waren ein signifikanter Bruch, haben mir aber keinen Augenkrebs verursacht.

Ich persönlich finde, dass die Kombination Stoffhose/Jeans und Sakko dem Großteil der männlichen Gentlemen besser steht und durchwegs businesstauglich ist.

Krawatte: nichts schlimmer als junge Außendienstmitarbeiter, die sich da den Strick um den Hals legen müssen! Junge Leute, deren Stilgefühl sich noch entwickeln muss und die Krawatte meistens ein Notkauf beim Kleiderbauer. Mir tun die echt leid!

Wie schaut´s aus beim Anzugspendant bei den Frauen? Nicht besser, würde ich meinen. Hier orte ich meistens zu enge und zu kurze Blazer, die Hose dafür pickt am Po und auf den Schenkeln – das kann einfach nicht dazu beitragen, gut im Job zu sein! Für mich wäre ein Job mit Anzug- oder Kostümzwang ein NoGo. Wenn ich weiß, ich muss zum Vorstand oder es gibt eine wichtige und hochkarätig besetzte Besprechung, dann greife ich zu einem Kleid, nicht immer zu den Schuhen / Stiefeln, die man sich dazu erwarten würde, ein großes Tuch allenfalls und selten drüber ein Blazer. Ich brauche freie Beweglichkeit in Schultern und Rücken. Ein Blazer mit dickem Stoff und Innenfutter (auch schrecklich!!!) blockiert – jedenfalls empfinde ich das so. Die Modewelt hat bereits darauf reagiert: es leben die Sweatshirt-Blazer! Die sind schön weich im Stoff, können ruhig etwas knapper sitzen und machen eine halbwegs gute Figur. Sowas trage ich schon auch mal!

Zurück zur Männerwelt: Euch würde ich wirklich wünschen, dass die Zeit reif ist für digital-maßgeschneiderte Anzüge, die man(n) sich im 3D-Drucker ausplotten kann, je nach Anlass und saisonal bedingtem Körperumfang inkl. Typberatung. Mann! Das wird spannend!

Ergänzung zu „da sind sie wieder …“

Ich muss eine Sache, die ich da von mir gegeben habe, revidieren: ich trage seit vergangenem Samstag beim Laufen auch ein langärmeliges Shirt! Am Samstag hatte es um 6 Uhr in der Früh schlappe 5 Grad und im Prater / im Wald dann in eisigem Nebel knappe Gefriergrade – meine Schultern haben die Kälte nicht so gern, und die Finger sind so vereist, dass ich kaum die Haustüre aufsperren kann. Aber Handschuhe? Ich weiß nicht – da lobe ich mir mehr die Shirts mit langen Ärmeln und Daumenlöchern oder noch besser mit der eingenähten Fingerklappe – das ist super!

Ich habe gerade die offizielle Verständigung bekommen, dass ich in Verona an den Start darf – ganz schön streng die Italiener! Was ziehe ich nur an, damit ich eine halbwegs gute Figur unter all den Athleten mache – zumindest 3 Minuten vor dem Startschuss, danach ist mir eh alles (fast alles) egal. Es darf nur nicht die Laufhose nach oben rutschen, denn das ist mir im Sommer mehrmals passiert: wenn nicht genug Schweiß an den Schenkelinnenseiten rinnt, reiben die Beine zu sehr aneinander und, dann gibt´s arge Hautabschürfungen, die geradezu an Sadomaso erinnern könnten. Aber ich hatte auch schon Reib-Verletzungen unter den Achseln (nach dem Wiener Marathon) – da lieferten sich Armausschnitt und Rucksackträger ein arges Match (während des Laufens nichts gespürt, aber dann unter der Dusche – aua!) oder am Rücken (auch vom Trinkrucksack?). Egal, das sind Peanuts! Wichtig ist, dass ich keinen Krampf bekomme – der Rest steht in den Sternen: durchkommen ist die Devise. Bodo suggeriert mir die magische 3:30 Start-Ziel-Netto-Zeit … ich denke mal gar nicht daran, zumal ich die Strecke nicht kenne. Daher auf gut kärntnerisch: lei lafn losn!

Da sind sie wieder ….

Kaum ist der Sommer vorbei, die Seen zu kühl, der Schwimmreifen um den Bauch nicht mehr rot-weiß, sondern „echt“, erinnert sich so mancher beim Verstauen der Schwimmflossen an über Monate vernachlässigte Laufschuhe. Einerseits beginnt jetzt auch wieder der Massenansturm auf Businessrun: 3er Teams – 4,2 km durch den Prater mit Ehrenrunde im Ernst Happel Stadion … wenn die ersten im Ziel und beim dritten Bier sind, stehen noch immer Tausende in den Startlöchern und drängeln sich im Schneckentempo vor zur Startlinie; Nightrun: allein oder im Team – 5 km am Wiener Ring entlang … eigentlich lebensgefährlich, da dichtes Geschupse über feuchte Straßenbahnschienen und auch Kinder, die man leicht mal übersehen könnte; der Wachaumarathon in sämtlichen Kilometer-Variationen … eng wird es dann erst in Krems, wo alle zusammentreffen, um im Park ein Volksfest zu feiern.

Ich habe mich heuer dem allen entzogen und werde am 6.10. bei einem „familiären“ Lauf in Verona teilnehmen – Einlauf in die Arena inklusive (Status quo: 1492 Registrierungen …. oophs: das Jahr,in dem Amerika entdeckt wurde?)

Ich schweife schon wieder ab! Was ich sagen wollte: es sind seit den letzten Tagen wieder LäuferInnen unterwegs, die ich zuvor kaum gesehen habe. Ganz krass die Unterschiede in der Laufbekleidung: ich noch in kurzen Shorts und Top unterwegs, andere aber schon in Wintertights und Haube – hallo: es hat doch noch immer 15 Grad in der Früh um 6 Uhr! … was tut Ihr, wenn es dann wirklich kalt wird? Ich vertrete ja die Ansicht, dass man sich besser abhärtet, wenn man nicht gleich dem meteorologischen Kalender nachgibt. Wichtig ist halt, dass man nicht nassgeschwitzt ein Schwätzchen hält, sondern schnurstracks unter die Dusche wandert. Ich bin früher (das klingt, als wäre ich uralt!) immer im September bei 5 Grad Außentemperatur im nebelschwadenverhangenen 19 Grad warmen See gehüpft, auf dem Weg dorthin mit bloßen Füßen über eiskaltes Gras. Kalt war mir danach dann schon, aber ich war nie krank!

Beim Sport wird der Körper durchblutet und warm, danach dürft´s dann kuscheln!

Love makes an Air-Step

Ein sportfreier Morgen – ohne Laufen oder Yoga (zur Gewissensberuhigung, weil ich mir dann stattdessen ein Topfenstangerl genehmigt habe: ich turne heute noch mit meinen Kollegen im Besprechungsraum Nr. 5 mit Blick auf „meine“ Baustelle) – verleiht mir die Muse, daheim herumzutrödeln, wobei was bedeutet bei mir „trödeln“? Ich greife zum Swiffer und kurve um 6:30 über den Holzboden, elegant natürlich wie eine Ballerina (oder wie heißt das Tier mit den zwei Rüsseln?). Heute aber war mir wohl der große Karton von Zalando im Weg, sodass ich mich spontan und ohne weiteren inneren Kommentar für beide Paar Stiefel (die, über die ich gestern geschrieben habe) entschieden habe! Das heißt – es gibt kein Zurück mehr: der Versandkarton ist bereits zerrissen und im Altpapier. Ein bisschen schlechtes Gewissen ob dieser „Völlerei“ ist geblieben. Andererseits: meine bisherigen Airstep-Modelle sind bereits langjährige Begleiter auf meinen Wegen und immer noch Top. Und das sollten die beiden „Neuen“ auch schaffen (schon allein, wenn ich an meine nächste Maestro-Card-Abrechnung denke …. uih, da ist es wieder: das schlechte Gewissen gepaart mit ein ganz klein wenig Hausverstand ….autsch & ko: die Begierde hat gesiegt!)

„Trödeln“ bedeutet aber auch, dass ich mir vor dem Kleiderschrank Zeit lasse, mehrere Outfits ausprobiere, neue Kombinationen austüftle, um mich dann doch noch einmal komplett umzuziehen. Heute: von weiter Hose mit Sternen-T-Shirt zu Ballonrock mit rotem Shirt, Schal, dünnem Blouson und meinen silbergrauen Diesel-Sneaker-Stiefeln, deren Zeit genau jetzt die richtige ist! Sie sind schon ein wenig in die Jahre gekommen (3 sind es jetzt dann bald), aber ich wurde schon öfters auf der Straße / in der U-Bahn von völlig fremden Girls & Boys (!) darauf angesprochen, wo man die denn zu kaufen bekäme. Tut leid: die gab es nur einmal und dann nie wieder!

Wie ist das überhaupt: darf man Leute in der Öffentlichkeit einfach ansprechen, wenn einem das andere Outfit oder Teile davon gefallen? Ich war schon mehrmals in Versuchung, aber zuletzt siegt die Scheu – warum eigentlich? Mir hat es ja auch nichts ausgemacht, als ich gefragt wurde. Ganz im Gegenteil: auch wenn das Interesse rein meinem Schuhwerk gegolten hat und ich eben nur deshalb angesprochen wurde, weil Schuhe halt nicht reden können, tat es gut, „bemerkt“ zu werden – in der Masse der U-Bahnfahrer aufzufallen. Auffallen kann man natürlich im positiven wie im negativen Sinn, aber wenn hinter der Frage ein scheues bzw. bewunderndes Lächeln mit ein wenig hoffnungslosem Neid steckt, dann kommt es gut an. Für mich war es ein nettes Erlebnis, an das ich immer wieder mal denken muss – spätestens dann, wenn ich wieder mal die silbergrauen Diesel-Sneaker-Stiefel anhabe. Heute besteht keine Gefahr, dass ich angesprochen werde, weil ich derzeit ja zu Fuß in die Arbeit gehe und in den knapp 1000m Fußweg sehr wenige Menschen zu Gesicht bekomme.

Aber in Rekapitulation meiner soeben gesponnenen Gedanken wächst gerade leichte Spannung dahingehend, ob meine neuen Stiefel zum Objekt der Begierde anderer werden – in diesem Sinne: Love is in the Air(step)!

Herbst-Zeit

Dieser Sommer 13 hat meine Tastatur zum Schmelzen gebracht und meine Gedanken trockneten schweißgleich auf meiner Haut schneller als ich sie hätte einfangen können. Anstatt in der Stadt auf Fashion-Foto-Beute zu gehen, habe ich meine wenigen freien Minuten lieber auf der Sonnenterrasse verbracht. Brennender Asphalt unter den Fußsohlen? nee, sogar laufenderweise habe ich bevorzugt die staubig-weichen Pferdepfade im Prater aufgesucht. Wie ein Avatar bin ich durch das Laub und über zahlreiche Nacktschnecken gezischt. Daheim angekommen, nicht nur triefend und „olfend“ (für Nichtwissende: OLF ist die Maßeinheit für Geruch … 1 olf nach Körperhygiene und ohne körperliche Betätigung … mind. 30 olf nach Sport), sondern auch erdig bis hinauf zu den Knien. Wenn nur das Nachschwitzen nicht wäre! Ich bin nach erfolgreich anmutender „Ent-Olfung“ mit dem Handtuch luftzufächelnd in der Wohnung herumspaziert, unfähig, auch nur ansatzweise in eine Gewand zu schlüpfen! Und auch der kurze Weg ins Büro hat zu einem weiteren Transpirationsausbruch geführt. Bodo hat schon Recht: ich bin ein Schwitzkasten!

Den Sommer-Sale habe ich so gut wie auch komplett ausgelassen – mich in der Innenstadt durch die sich herumschleppenden Touristen zu schlängeln und sich in einer engen, stickigen Umkleidekabine auszuziehen und sich etwas überzuziehen, das vielleicht schon ein anderer schwitzender, un-deo-dorierter Körper anprobiert hat? brrrr …. allein der Gedanke daran verursacht mir Juckreiz! Aber ich bin muss auch fair meinem Mitmenschen gegenüber sein: ich selbst wäre ja auch einer von den hunderten Menschen gewesen, die sich  mit leicht klatschnassem Stoff auf dem Rücken und mit dunkler Sonnenbrille der Unkenntlichkeit wegen unters Volk gemischt hätten. Habe ich aber nicht – also sei es mit gedankt und Schwamm drüber, denn:

seit heute Nacht ist alles anders: der Herbst hat dem Kalender nach begonnen. Gefühltermaßen hat sich nicht wirklich was geändert, zumal nach einem sonnig-warmen Wochenende in der Steiermark die Wärme noch die nackten Beine umspielt. Gut durchblutet nach meinem heutigen Morgenlauf in knallblauer kurzer Hose und schwarzem Top beginne ich halbwegs munter diese neue Arbeitswoche in einem Sommerkleid und offenen Schuhen. Das, was seit ein paar Tagen „neu“ ist, dass ich doch eine Jacke mithabe, aber noch lange nicht meine noch ungetragene Lederjacke, denn die ist durch das Innenfutter einfach viel zu warm.

Vorbereitend auf die kühleren Tage habe ich schon mal die ganz offenen Sommerschuhe in den Winterschlaf geschickt und mich gedanklich auf die Stiefelsaison vorbereitet. Der typische Zalando-Freudenschrei ist mir im Hals stecken geblieben, als ich mal systematisch in die Stiefelrubrik eingetaucht bin: wo soll ich nur anfangen?. Von „Z“ aufwärts habe ich mich dann durch klingende Markennamen geklickt und den Warenkorb langsam, aber sicher befüllt, um dann diese Shortlist noch weiter auszudünnen. Wirklich mit leuchtenden Augen bin ich dann bei „A“ hängengeblieben, genauer gesagt bei Airstep – die Jungs dürften meine Füße irgendwann in einem Traum eingescannt haben, denn die legen den Leisten so über den Schuh, dass meine Füße ein angenehmes Gehgefühl verspüren, egal, ob mit  hohem oder niedrigem Absatz. Wie auch immer: daheim stehen jetzt zwei Paar knautschige, nach echtem Leder duftende (sauteure) Stiefel in der Warteschleife, ob sie in meinen bereits gut gefüllten Schuh-Schrank dürfen. Ich bin mir noch nicht zu 100% sicher, wäge noch Kosten-Nutzen gegeneinander ab, aber sehr wahrscheinlich werden beide Modelle bei mir bleiben dürfen: das eine Paar in Negro, flacher Absatz, weiter Schaft – ein bisschen Musketier dank der Messingschnalle; das andere Paar geht in Richtung Boot, der Schaft in einem Grau-Violett-Anthrazit-Patchwork-Versuch. Was die Entscheidung halt verzögert ist, dass ich mir momentan einfach noch nicht vorstellen kann, dass ich in wenigen Tagen / Wochen was Warmes um meine festen Wad´ln brauchen werde. Deshalb findet das Anprobieren daheim in Shorts oder im Sommerkleidchen statt, aber sicher nicht mit blickdichten Leggings!

Ansonsten habe ich mir eigentlich vorgenommen, dass ich mir kaum was Neues kaufen werde, zumal die Anzahl meiner Winterkleider eine hohe ist – ich habe mich davon vor kurzem an einem halb verregneten Sonntag überzeugt, als ich den Kleiderschrank umsortiert habe. Aussortiert leider kaum: ich dürfte nunmehr wirklich alle „Fehlkäufe“ verschenkt haben. Nur die „gute“ Ware, die ich bei willhaben.at verkaufen wollte, die bekomme ich nicht an die Frau. Werde noch einen Versuch starten. Ansonsten muss ich wohl mal bei einem besseren Second-Hand-Shop vorsprechen, ob sie einen schwarzen Wintermantel, einen Tweed-Hosenanzug, Overknee-Highheels in Größe 40 (einmal getragen!, und dann doch zugegeben, dass meine Füße einfach größer sind), ein paar schöne Kleider, … verkaufen können. Eine Kollegin würde mich im Herbst zum Flohmarkt in Stadlau mitnehmen, aber dort würde ich nur Home-Accessoires und allenfalls meine rosaroten Eisschuhe und meine wenig genutzten Skater anbieten.

Ja, die Herbst-Zeit ist angebrochen: schnell noch alles loswerden, um dann in den Winterschlaf fallen zu können. Das Loswerden von sommerlichen Zuviel-Kilos wird aber zunehmend schwieriger. Heute im Radio richtigerweise kommentiert: im Herbst gibt es für jede Frucht und jedes Gemüse ein eigenes Erntedank-Fest. Zu jedem Fest ein Viertel Sturm, ein bisschen mehr – und man braucht schneller als gedacht doch den jetzt noch weit wirkenden Daunenparka! Mit mir nicht, denn jetzt macht das Laufen so richtig Spass – in zwei Wochen nach dem Verona-Marathon sprechen wir weiter!

Kundenrezensionen

Verhindert aufgrund eines verregneten Wanderurlaubs und dem nachfolgenden übervollen Arbeitspensum habe ich blogmäßig leider pausieren müssen … aber yeah: I´m back again!

Bei meinem letzten Spaziergang im Zalando-Kleider-Land habe ich, obwohl gelenkt vom inneren Aufschrei „Ich habe nichts anzuziehen!“, dieses Mal nicht wahllos gierig meinen Warenkorb befüllt und damit die Verpackungs- und Versandmaschinerie angeheizt, sondern habe – ganz cool im Kopf – vorweg die Kundenmeinungen angeklickt. Zuerst nur grob überflogen, kamen mit der Zeit Amusement und großes Staunen dazu. Schon eigenartig, wie zu ein und demselben Artikel die Meinungen derart auseinandergehen können: von „macht eine super Figur“ bis hin zu „unvorteilhaft sackartig“ – hallo: sprecht Ihr von ein und demselben Kleid?

Das hat mir aber vor Augen geführt,

–        wie unterschiedlich jeder von uns ist

–        was ein paar Zentimeter mehr oder weniger in Breite / Größe / Umfang ausmachen können:

entweder verliebt sich frau in ein Kleid, eine Hose, ein Shirt, ….

oder aber frau gleitet in totale Frustration ab, weil „es“ bei einem selbst so gar nicht passt!

Überzeugen mich die Meinungen anderer oder will ich es besser wissen, will ich mir meine eigene Meinung bilden? Online-Shopping ist für uns 24-h-voll-beschäftigten Frauen die Erfindung des Jahrhunderts, weil unabhängig von jeder Öffnungszeit. Aber was ist mit den Öffnungszeiten der Post oder der Hermes-Annahmestelle? Wer hat schon einen netten Vermieter oder jemanden sonst im Haus, der tagsüber daheim ist, um mein Packerl entgegen zu nehmen? Irgendwann muss ich zumindest einmal die Zeit finden, um bei Post / Hermes oder sonst wem vorbeizuschauen. Und wenn man für die Retouresendung nochmals Zeit aufwenden muss, ist es endgültig vorbei mit dem online-Komfort! Da kann ich nicht einmal ein positives Sternchen vergeben! Aber ich weiß, dass ich spätestens nach Durchsicht der bereits eintrudelnden Herbst-/Winterkataloge wieder schwach werde! Die Spirale dreht sich weiter und weiter und weiter …

Mein Warenkorb ist dieses Mal leer geblieben – zu viele negative Übereinstimmungen auf meiner imaginären Stricherlliste.

Das führt mich aber zu einem viel erschreckenderem Gedanken: wird nur mehr Masse statt Klasse produziert? Lebt der Handel davon, schlechte Ware so verlockend anzubieten, dass man nicht umhin kommt, zuzugreifen (gaaaaanz gefährlich auch die Jahreszeit SALE!!!), um dann nach relativ kurzer Zeit alles daran zu setzen, die erbeuteten Enttäuschungen bei willhaben.at oder einer Swap Party oder einer Reinigungskraft aus xy-Land wieder loszuwerden? Natürlich mit einer ausgesprochen Spitzenbewertung / einer persönlichen Kundenrenzension!

Die Spirale dreht sich weiter und weiter und weiter …

Übrigens: Bei meinen auf willhaben.at platzierten Fashion-Schnäppchen handelt es sich wirklich um Spitzenware!

Verzweiflung auf 2 Füßen

Ich bin echt verzweifelt! Verzweifelt über die Schuhmode 2013! Was ist nur passiert in den letzten Monaten? Ich verstehe ja, dass man die kurzen Jahreszeiten Frühling & Sommer mit Fröhlichkeit empfangen und den primär weiblichen Füßen ein breites Angebot an Ultra-hoch und Möglichst-flach (zwischendrin gibt es quasi Null-Niente-Nada) kredenzen will, aber es gibt sowas wie Schuh-Ästhetik, Geschmack und vor allem: Qualität. Allein, wenn ich daran denke, lackumhülltes Plastik in Popfarben an meine beiden lastverteilenden Platten zu lassen, bekomme ich a) Blasen und b) geschwollenen Knöchel! Ich weiß, durch meine Hallux-OP bin ich vielleicht übersensibilisiert bis hin zu dieser gerade geouteten Allergie. Aber wer ist bereit, mir zu bestätigen, dass man mit diesem Schuhwerk eine ganzen (Arbeits-)Tag oder eine fetzige (Tanz-)Nacht verbringen kann, ohne dass es zu einer Rebellion der Nervenbahnen kommt? Kein Wunder, dass die Menschheit sich nicht mehr bewegen will – sie KANN es nicht mehr! Flaches Schuhwerk mag zwar bequem und unkompliziert sein, aber wenn ich Ballerinistinnen und FlipFlopperinnen von hinten betrachte, ist die Analogie zum Catwalk-Gang ungefähr so nahe wie die Milchstraße zur nächsten Galaxie! Hier orte ich heftiges Brennen der Fußsohlen, wenn die dünne Sohle beim Stadtbummel mit glühendem Asphalt in Verbindung tritt. Bleiben eigentlich nur mehr Sneakers mit sportlicher Sohle übrig, diese leider meistens mit schlechtem Fußbett – und leider nicht immer office-tauglich.

Ich glaube, ich werde meine Verzweiflung nur so in den Griff bekommen, dass ich endlich das Schuhwerk, das mich in den letzten langen kalten Monaten begleitet hat, in den Sommerschlaf zu schicken und meine Errungenschaften des letzten Jahres bzw. der letzten Jahre mit großer Freude und Ehrfurcht in meinem Schuhschrank zu platzieren. Und ich bleibe weiterhin eine Verfechterin der Plateausohle, denn die stellen für mich die sinnvolle Kombination aus HighHeel und Bequemlichkeit dar – und sind aus Leder, Textil und nicht aus Plastik!

Aber ich gebe die Suche nicht auf – die Hoffnung stirbt zuletzt!

Meine 42,195 km

 2 Tage danach- und es fühlt sich gut an! Verrückt oder? aber so bin ich halt ab&dann – Bodo nennt es: schrullig!

Aber alles mal der Reihe nach: seit Anfang dieses Jahres hing mein persönlicher (weil leicht adaptierter) 14-Wochen-Trainingsplan. 14 Wochen! Das klingt anfangs urlang, vor allem, wenn es in der Früh um 6 Uhr stockdunkel ist und ich mir für den Lauf im Prater sogar eine Stirnlampe bei den Crazy-Days bei amazon erwerbe … die mir dann so gut den Weg ausleuchtet, dass ich glatt vom normalen Weg abkomme … Jedenfalls habe ich das Training annähernd brav und konsequent durchgezogen – vor allem, was die Laufdauern betrifft; eher negiert habe ich, was GAT1, GAT2, GAT3 betrifft – ich mag mich nicht von der Pulsuhr drangsalieren lassen und Intervall am Laufband ist so gar nicht meins – ich muss draußen schwitzen – je kälter desto besser …. ich sollte mich für den Nordpol-Marathon qualifizieren (was der MoneyMaker kann, sollte Lucia schon allemal durchstehen!)

Ich habe seit dem letzten Herbst mehr Laufschuhe als „schöne“ Schuhe erworben: der Aktionskauf vom Herbst war – trotz Saucony – nicht gut gewählt: wenn ich ehrlich bin, war mir das Rein-Weiß mit einem Hauch von Neon an den Schuhbändern zu fad – genauso haben sich meine Füße beim Laufen angefühlt. Daher der Griff zu zwei Paar ähnlich neongelben Wettkampfschuhen, von Asics bzw. Saucony (sie unterscheiden sich quasi nur an der Farbe der Schuhbänder, sind aber unterschiedlich geschnitten, also nix mit Schuh-Mix) – 2 Wochen vor dem Marathon damit zu trainieren, ist sicher ein Risiko, aber meine beiden Füße haben sich rasch angefreundet, auch mit den Luftlöchern in der Sohle – das wird zum nassen Spassfaktor, wenn man gänzlich unvorbereitet mit Schneematsch in Berührung kommt – und ich kann nur sagen: diese Berührung ist sehr intensiv und lässt dich nicht mehr locker, bis du daheim dann klitschnasse Socken von den Füßen zupfst!

Die 14 Wochen vergingen genauso schnell wie der diesjährige Winter beharrlich war: die ganze Zeit über lange Tights, 2 Lagen langärmelige Shirts mit langen Ärmeln, um die kalten Hände zu wärmen, Bandeau zum Stirnband gedreht oder als Haube aufgerollt. Und dann: von einem Tag auf den anderen wird´s warm und wärmer … und meine Panik wächst mit jedem Grad, denn zu sehr sind mir die beiden Male, als ich wegen Hitze und Dehydrierung kollabiert bin und mit der Rettung das Ziel erreicht habe, in Erinnerung! Bodo beruhigt mich: es wird nur 14 Grad haben, sonnig bis wolkig, leichter Wind – nun gut, ich versuche, mich darüber zu freuen, schaue mir am Tag vorher noch einen Beitrag über Extremläufer in der Wüste Gobi an und die zwei Brüder Moretti & Bloeb auf ihrem Weg Paris-Dakar – das (!) ist mentale Stärke!

Samstags natürlich noch der Fashion-Check für den großen Lauf: kurze Kompressionstight, die vom vielen Schwitzen bei diversen Runs an ungünstigen Stellen Spuren aufweist. Deshalb ziehe ich noch eine hautdünne blitzblaue Tight drüber – auf der Marathonmesse erstanden. Meine Befürchtung, dass sie sich beim Laufen hochwuzzelt, ist nicht ganz unbegründet – daher besser: keine Experimente beim Marathon! Oben drüber ein dunkelviolettes Sporttop von Reebock mit eingebautem „Rückenstärker“; auch dieses schon dem Grunde nach kampferprobt – zumindest hat sich schon ein gewisser Geruch eingenistet, der leider nicht mehr ganz raus geht – Bakterien sind halt stärker als jeder Schweiß. Am Kopf ein rotes Bandeau, das ich beim Lauf dann als Haube ausrolle – die Erinnerung an einen Sonnenstich lebt! Na ja, färbig so ganz optimal aufeinander abgestimmt ist das Outfit des 14.April 2013 leider nicht – fetziges Sport-Outfit findet leider erst langsam Einzug in die Damenwelt und vergreift sich leider nur zu oft im Geschmack – oder wer glaubt allen Ernstes, dass man gefärbelt und gemustert wie ein vom Aussterben bedrohter Papagei sportliche Betätigung welcher Art auch immer genießt? Auch hier zeigt sich dann, dass die meisten doch wieder zu schwarzen Tights greifen und allenfalls beim Oberteil Mut zur Farbe (wenn man von Farbe reden kann – manchmal ist´s an der Grenze zum Augenkrebs) bekennen. Bei Laufschuhen kann ich es ja noch verstehen – siehe meine Bemerkung oben zur Fadesse am Laufschuh – aber warum müssen Kompressionsstutzen an strammen Wadeln dann den Neon-Look weiterführen? Ich persönlich habe diesem Trend, die Waden einzuengen, abgeschworen – meine Waden (und davon ist viel da!) brauchen Luft, Luft, Luft!

So, jetzt stehe ich dann nach mehrmaligem Nervös-Pinkeln ziemlich ruhig am Start mit rd. 40.000 anderen Wahnsinnigen, die zum 30 Jahre Jubiläum die Jagd auf die Handvoll Kenianer eröffnen – ha, ein guter Witz: der schnellste ist bereits unter der Dusche, als die meisten „von uns“ gerade erst mal in die Gänge gekommen bzw. bereits schon wieder müde sind. Ich starte gerne weiter hinten – mit meinen Zeiten zwischen 3:45 und 3:35 ist es der grüne Block. Hier zu starten ist angenehmer, weil entspannter. Weiter vorne ziehen die Ehrgeizler davon und das ist mir einmal nicht gut bekommen: man wird da mitgerissen und läuft über seine persönlichen Fähigkeiten – nee, mach ich nicht mehr. Außerdem ist es für das Mentale sehr aufbauend, wenn man das Gefühl hat, an anderen Läufern vorbeizuziehen und zu überholen. Meine Füße fliegen, der Puls ist in einem guten Rhythmus; ich schaffe es – und das macht mich am meisten stolz -, dass ich die Sonne über meinem Kopf ausblenden kann, dass ich jede dunkle Wolke als Zwischengeschenk ansehe und – ja: und einfach laufe. Meine Beine wissen eh, was zu tun ist. „Oben drüber“ achte ich darauf, dass ich doch regelmäßig was trinke und ab km 15 meine Stärkung aus der Tube zu mir nehme. Der Angstfaktor Wienzeile Richtung Schönbrunn geht schnell vorbei, auch die erste Halbzeit ist gefühlt rasch um – da ich während des Trainings sehr oft 90 Min-Einheiten gelaufen bin, ist mein Körper daran gewöhnt. Mit Überraschung reagiert er dann meistens ab Minute 120 und vollkommen neu sind dann die Minuten > 180. Aber da mache ich mir einfach damit Mut, dass ich die Kilometer runter zähle: komm, es sind nur noch 7 … noch 5 und bei km 39, dort, wo´s dann meistens an der Grenze ist (weil man könnte da dann auch zu Fuß ins Ziel gehen), packe ich nochmal meine ganze Energie … 40, 41 – jetzt noch ein bisschen mehr Gas zu geben, fällt nicht leicht, vor allem, wenn man die Strecke kennt und weiß, dass es bis zum Ziel doch noch ein Stückerl ist …. 500 m können daher auch sehr lang sein! Aber endlich die Ziellinie, weitergehen, nicht stehen bleiben, die sehr schöne sternförmige Medaille entgegennehmen, zur Labestation weiterhumpeln, zum Treffpunkt mit Bodo torkeln – und dann, dann streiken meine Beine: zuerst krampft sich die rechte Wade zusammen, gerade so, als wäre sie beleidigt, dass es schon vorbei ist. Ich kann mich nur mit Hilfe auf die Erde nieder lassen, als die Krämpfe auch schon weitergehen: der Fuß, alles auch am linken Bein, auch die Oberschenkel! Ich getraue mich nicht mehr, mich auch nur irgendwie zu bewegen, lasse mir von Bodo Schuhe und Socken ausziehen, und er dehnt vorsichtig meine beiden tollen Weggefährten. Wasser, Magnesium, Banane – langsam beruhigt sich alles wieder und ich kann mich der nassen Sachen entledigen. Den Läufern rundherum geht es teilweise auch nicht anders: die Wiese im Volksgarten sieht aus wie ein open-Air-Lazarett nach einer schweren Schlacht. Trotzdem schwebt ein Hauch des Stolzes und der Erleichterung bei jedem mit: Year, ich habe das Ziel erreicht, habe dieses Mal nicht an meinem Tun gezweifelt und auch nicht daran: das ist mein letzter Marathon! Und als ich dann im VIP-Zelt meines Arbeitgebers als schnellste Frau der Erste Bank gekürt werde, ist es mir auch gänzlich egal, dass ich im Vergleich zum letzten Jahr ganze 4 Minuten auf der Strecke vertrödelt habe … ich weiß: das Intervalltraining geht mir ab!

So, was mache ich als nächstes? Jetzt mal mit Yoga den Körper langziehen und … ich habe schon wieder Lust, in meine neonfärbigen Laufschuhe zu steigen – ohne Laufen bin ich es nicht!