Advent 2020 – # 14

Mal was aus Russland – Leo N. Tolstoi:

„Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann.“

Und ich halte entgegen mit: „Geduld ist die Tugend der Starken“ – das steht bei meinem Lebenslauf ganz prominent unter „Lebensmotto“.

Kinder sind von kindswegen un-geduldig: „Wann sind wir da?“, „Wann kommt das Christkind?“, … Un-geduldige Menschen nerven andere ganz gewaltig. Un-geduldige Menschen trommeln mit den Fingern, klopfen mit den Füßen, schnaufen schauen x-Mal auf die Uhr, …

Geduldige Menschen hingegen strahlen innere Ruhe und Gelassenheit aus, wirken beruhigend (bis einschläfernd :-), besänftigend, sind Beobachter, nehmen Wirbelwinden den Wind aus den Segeln, können einfach abwarten, bis „Es“ passiert.

Kannst du verstehen, warum ich „geduldig-Sein“ zu meinem Lebensmotto auserkoren habe?

Advent 2020 – # 13

„Die wichtigsten Zutaten für unsere Lebensfreude sind positive Gedanken.“

Jetzt ist dieser Advent schon ordentlich vorangeschritten – und viele werden wahrscheinlich schon die Zutaten fürs Keksebacken organisiert haben: Mehl, Nüsse, Mandeln, Zucker, Butter, Vanilleschote, Schokoglasur, Marmelade, … Backblech, Ausstechformen, Keksdosen, …

Doch wenn man schon im Vorhinein denkt: „Die Kekse werden sicher nicht gelingen; ich backe ja nur, weil es erwartet wird!“, dann bin ich mir sicher, dass die Vanillekipferln brechen, die Zimtsterne hart wie Stein und die Nussbusserln anbrennen werden.

Wenn ich mir aber denke: „Ich probier´s einfach mal aus – was soll schon schiefgehen? Meine Kekse haben eine individuelle Note!“, dann bin ich mir sicher, dass man vielleicht über das finale Ergebnis schmunzeln muss – aber schmecken werden sie trotzdem, die Vanillekipferln, dick wie ein Finger, die runden Zimtsterne, die flunder-flachen Nussbusserln!

Advent 2020 – # 12

„Vertrauen, heißt zu wissen, dass, egal wie oft die Sonne untergeht, sie auch wieder aufgehen wird.“

Ohne Vertrauen würde unsere Gesellschaft, würde die Menschheit nicht existieren können. Gläubige Menschen vertrauen darauf, dass es eine göttliche Macht gibt, die alles lenkt und richtet. Als Staatsbürger versuchen wir, darauf zu vertrauen, dass unsere Politiker das Richtige tun im Sinne der Gemeinschaft. Als Autofahrer vertraut man darauf, dass Motorleistung, ABS etc. tadellos funktionieren. Als Kind vertraut man auf die Hingabe der Eltern / Großeltern. Auf einer Pilgerreise vertraut der Wanderer, dass er abends eine Unterkunft findet und etwas zu essen & trinken bekommt. …

Vertrauen bedeutet auch, dass wir nicht umsonst hoffen, glauben, lieben, dass wir beschützt werden, dass uns eine helfende Hand entgegengestreckt wird, wenn wir sie brauchen.

Vertrauen haben zu können, beruhigt und lässt uns gut schlafen – und gemeinsam mit der Sonne in einen neuen Tag starten!

Advent 2020 – # 11

„Ich geh dann mal – und bleibe in Gedanken doch bei dir.“

Momentan ist es ja eher das Zusammensein auf Distanz, das unser soziales Miteinander prägt. Möglicherweise würde aber auch so manch einer unter uns  Personen des gemeinsamen Haushalts ab & dann gerne komplett ausblenden (und dann nicht einmal einen Gedanken an sie / ihn / es verschwenden) – doch „Ich gehe dann mal!“ ist derzeit keine Option, und mit den Menschen, die man derzeit gar nicht persönlich sehen kann, bleibt nur: „Ich bin in Gedanken bei dir!“

Ich schaue gerade die Serie „The Crown“ – die Anfangsstaffel, als die Queen noch jung und die Zeiten noch etwas sperrig waren. Jedenfalls wird gezeigt, wie König Edward VIII, der aufgrund seiner Liebe zur von den Royals nicht anerkannten Wallis Simpson, schlussendlich abdankte und nach Frankreich zog, doch immer wieder versuchte, „seinem Land dienen zu können“, sprich, er besuchte London und schrieb abends dann leidenschaftliche Briefe an seine Liebste im Exil (Briefe, die – oh Wunder – bereits am nächsten Tag schon zugestellt wurden?!): „ich bin in Gedanken bei dir“, „in Gedanken teile ich das Kopfkissen mit dir“, … schmalzig und vielleicht etwas antiquiert, aber trotzdem: schön!

Mal ehrlich: Wie oft gibt man einem anderen Menschen, vor allem Personen, die einem doch sehr nahe stehen, zu verstehen (über Telefon, SMS, WhatsApp, …), dass man in Gedanken bei ihr ist?

Vielleicht ist es an der Zeit, heute, an diesem Advent-s-tag, jemandem eine Liebes-Botschaft zu senden?

Advent 2020 – # 10

„Ich will sehen, was passiert, wenn ich nicht aufgebe!“

Neugierde – ohne diese Tugend / Un-Tugend (?), Stärke / Schwäche (?) wäre so Vieles nicht passiert – wären keine Länder entdeckt worden, würde der Mond nur eine Scheibe sein, die alle vier Wochen mal zur Gänze strahlt, würden wir nicht schreiben / lesen / rechnen können, würden wir im Dunklen und Kalten sitzen, würden wir unter Umständen schon längst an Hunger / Durst / Krankheit gestorben sein.

Jeder Entdecker, getrieben von seiner Neugierde, stand sicher mehrfach vor dem Abgrund oder wurde gar hinuntergezogen von der Kritik der unwissenden Mehrheit und vom eigenen Selbstzweifel. Was aber ein erfolgreicher Entdecker ist, der gibt nicht auf! Der kraxelt mit Überkraft aus dem Abgrund wieder hinauf – mit Schrammen und Blessuren vielleicht, atemlos und erschöpft – aber: er ist wieder da – unerschrocken, noch neugieriger als zuvor und voller Tatendrang!

Ich bezweifle, dass ich in meinem Leben eine bahnbrechende Entdeckung patentieren lassen werde. Aber ich kann – und soll – neugierig sein und darf mich von persönlichen Schlappen nicht entmutigen lassen! Sich selbst aufzugeben, darf nicht einmal die letzte Option sein!

Advent 2020 – # 09

Oh Seneca, römischer Philosoph und Dichter: Nicht nur im Lateinunterricht war es schwierig, deine Weisheiten zu verstehen!

„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“

Mit dem Mut ist es natürlich so eine Sache. Helden sind, wenn sie dann mal zum Helden geworden sind, zweifelsohne unerschrocken und mutig. In Actionfilmen wird sehr gerne der Weg eines Anti-Helden zum Super-Hero gezeigt – sozusagen von der Memme zum Übermenschen. Harrison Ford, Tom Hanks, um sie beispielhaft zu erwähnen, haben in zahlreichen Filmen dieses Phänomen verkörpert. Seltener wird einem das Heldentum schon in die Wiege gelegt. Womit sich klar zeigt, dass der Weg vom Un-Mut zum Mut ein Entwicklungsprozess ist. Oft ist Mutig-Sein mit Schmerzen verbunden: Jede Mutprobe birgt die Gefahr, dass es weh tut oder weh tun könnte. Das Vermeiden von Schmerzen gehört wohl zu unseren Urinstinkten – die Erfahrung mit Schmerzen gehört aber auch dazu, Gefahren richtig abschätzen zu können.

Mut zu entwickeln, Mut zu zeigen, kann sich in Kleinigkeiten manifestieren und wird dann auch nicht an die große Glocke gehängt und in den Medien ausgeschlachtet. Mutige Alltags-Menschen in den Medien zu präsentieren, hat andererseits aber den großen Vorteil, dass man sich selbst vielleicht denkt: „Was der kann, kann ich auch!“ – Selbstverständlich steht dabei aber IMMER im Vordergrund: Tue nichts, was deine Gesundheit & dein Leben in Gefahr bringt! Mut darf nicht mit Blödheit gleichgesetzt werden – Mut ist immer ein Zeichen von Abwägen der Risiken und von objektiv-sachlicher Selbsteinschätzung!

Angst und Mut gehören zusammen. Angst ist das Regulativ, nicht über-mütig zu werden. Mut ist die treibende Kraft, Angst zu überwinden.

Viele von uns haben derzeit Angst – primär um ihre Gesundheit oder die Gesundheit ihrer Nächsten, Angst um die Zukunft … – Lasst uns nicht mut-los werden, sondern sehen wir heldenhaft der kommenden Zeit entgegen!

Advent 2020 – # 08

„Ein liebevolles Lächeln ist wie ein Sonnenstrahl, der die Liebe in unserer Welt zum Blühen bringt.“

In normalen Zeiten wird Lächeln mit einem Nach-oben-Ziehen der Mundwinkel assoziiert. Wer lächelt, wird primär als Freund und nicht als Feind erkannt. Erst wenn man in die Augen schaut, wird deutlich, ob es sich um ein ehrliches, freundliches Lächeln handelt oder um ein hämisches, böses Grinsen.

„Normale“ Zeiten gibt es seit Monaten nicht mehr! Und weil der Mund bedeckt bleiben muss, müssen die Augen umso mehr Strahlkraft entwickeln. Die Lippen kann man mit aufpolsterndem Balsam oder knallroten Lippenstift hervorheben (sorry: ist vorwiegend uns Frauen vorbehalten!), die Zähne mit entsprechender Pasta bleichen und weißer machen. Aber wie die Augen schminken, damit sie mit Strahlkraft lachen? Es wäre jetzt wahrscheinlich die richtige Zeit für Wimpernverlängerung und Augenbrauen-Bürsten, für Augentropfen und Anti-Augenringe-Behandlung. Doch wer hat Zeit und Lust dazu? Leute-Treffen ist derzeit nicht und im Video-Call mutiert jedes Gesicht sowieso zum Zombie.

WIE also sollen wir uns ein liebevolles Lächeln schenken?

Advent 2020 – # 07

Auch Johann Wolfgang von Goethe hat was zu sagen:

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“

Als ich vor kurzem vom Laufen heimkehrend an der letzten Straßenkreuzung auf die grüne Ampel warten musste, drang durch meine Kopfhörer ein eigenartiges, nicht zum normalen Straßenlärm passendes Geräusch. Ich musste erst ein bisschen schauen, um herauszufinden, was da los war … ein LKW hatte Grobschotter verloren, der sich nun in einem breiten und langen Streifen dahinzog und sich lautstark gegen die darüberfahrenden Autos wehrte. Im ersten Moment dachte ich natürlich: Da sollte jetzt aber schnell jemand kommen und zusammenkehren, bevor jemand oder etwas von einem aufgewirbelten Stein getroffen wird.

Jetzt aber, da Goethe zu mir spricht, entsteht ein anderes Bild: Diese Steine, dunkelschwarz glänzend, waren sicher auf dem Weg zu einer Baustelle – einem Hausbau, einer Gartengestaltung, einer Straßenherstellung -, um dort Puzzlesteine zu einem großen Ganzen zu werden. Durch das Hoppala des LKWs wurden sie nun aber ihrer Bestimmung beraubt. Und schon ist Mitleid da!

Mitleid ist eigentlich etwas Schönes, da es ein Zeichen von Empathie ist; man fühlt sich in das Leid des anderen ein und zeigt ihm damit, dass er einem etwas bedeutet.

Ihr Steine, da draußen auf der Straße: Ihr wurdet mir zwar brutal in den Weg gelegt und habt es trotzdem geschafft, etwas Schönes entstehen zu lassen!

Advent 2020 – # 06

„Du bist einzigartig.“

Eine einfache Liebeserklärung oder eine spannende Weisheit? Ein bisschen von beidem!

Es ist diese Einzigkeit – ausgeprägt in feinen Nuancen wie auch in kompakter Zusammensetzung, die jeden einzelnen von uns Milliarden von Menschen speziell und unverkennbar macht.

Amüsante Einzigartigkeit im äußeren Erscheinungsbild (selbst eineiige Zwillinge sind nie identes Abbild des anderen), frohlockende Einzigartigkeit im Charakter. Ob hier die Konstellation der Sterne zum Zeitpunkt der Geburt der Taktgeber ist oder ob das Umfeld, in dem wir die ersten Lebensjahre verbringen, prägt, oder ob es ein Zusammenspiel von allem ist, bleibt wahrscheinlich ein Rätsel auf ewig und steter Streit unter Wissenschaftlern.

Ich finde es einfach gut, ICH zu sein, mit allen Ecken, Kanten, Kurven, unlösbaren Gleichungen und Algorithmen: I am what I am!