Advent 2020 – # 19

„Wer aus seiner gewohnten Bahn geworfen wird, meint manchmal, dass alles verloren ist.

Doch in Wirklichkeit fängt nur etwas Neues an.“

Jeder hat doch so sein Morgenritual – oder? Mein Wochentags-Morgenritual zB dauert gut 2 Stunden lang! Der Auslöser ist der Alarm des Weckers, dem ich meistens mit einer Art Freude begegne, seltener mit einem genervten „Oh nein!“ Die ersten Schritte führen direkt in den kleinsten Raum der Wohnung, danach zurück in die Küche, um ein Glas warm-heißes Leitungswasser zu trinken, dann zum Zähneputzen. Das Zusammenstellung des Laufgewands erledige ich schon am Vorabend, damit ich morgens nicht lang überlegen muss. Nach dem Laufen und noch vor dem Duschen folgen ein paar sanfte Yoga-/Dehn-Übungen für Rücken und Beine – gekrönt von einem Kopfstand. Nach der Körperpflege folgt die Ratlosigkeit vor dem Kleiderschrank, denn schließlich will ich auch im homeoffice adrett anzusehen sein. – Von Montag bis Freitag die gleiche Leier. Doch wehe, es regnet in der Früh – das wirft für einen kurzen Moment meinen ganzen Plan durcheinander. Da wird die Hand aus dem Fenster gestreckt, um zu erfühlen, wie nass es tatsächlich ist, da wird herumüberlegt … ja / nein / vielleicht? …, denn mein Laufcredo lautet: Nass vom Schweiß, aber nicht nass vom Regen!

Alles Peanuts im Vergleich zu der Erschütterung, der wir alle miteinander in diesem Jahr nicht entgehen konnten. Da wurde oft der gesamte Tagesablauf durcheinandergebracht, da wurden wir mit Situationen konfrontiert, für die wir erst einmal ein wenig Zeit zum Begreifen gebraucht hätten – allein, diese Zeit wurde uns nicht gegönnt – eine Achterbahn der Gefühle!

Andererseits: wenn man mal so richtig durchgeschüttelt wird, sieht man Vieles auch wieder mit anderen Augen. Festgefahrene (Verhaltens-)Muster werden unter einem anderen Licht / einer anderen Perspektive gesehen – dazu ein banales Beispiel: wenn mein Blick im Kopfstand dem Boden nahe ist, sehe ich viel deutlicher den Staub, der sich auf dem Boden ausbreitet, als wenn ich stehe. Diese Erkenntnis führt dazu, dass ich alsbald zum Swiffer oder Staubsauger greife (oder unseren Robbie – Staubsaugerroboter – die Arbeit machen lasse) und damit einen Prozess auslöse, der alles zum Glänzen bringt.

Deshalb sehe ich dieses „Aus-der-Bahn-Geworfen-Werden“ eher als – zugegebenermaßen – erzwungenen Perspektivenwechsel, der interessante Aspekte bewirken kann. – Man muss nur offen dafür sein!