Auch Johann Wolfgang von Goethe hat was zu sagen:
„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“
Als ich vor kurzem vom Laufen heimkehrend an der letzten Straßenkreuzung auf die grüne Ampel warten musste, drang durch meine Kopfhörer ein eigenartiges, nicht zum normalen Straßenlärm passendes Geräusch. Ich musste erst ein bisschen schauen, um herauszufinden, was da los war … ein LKW hatte Grobschotter verloren, der sich nun in einem breiten und langen Streifen dahinzog und sich lautstark gegen die darüberfahrenden Autos wehrte. Im ersten Moment dachte ich natürlich: Da sollte jetzt aber schnell jemand kommen und zusammenkehren, bevor jemand oder etwas von einem aufgewirbelten Stein getroffen wird.
Jetzt aber, da Goethe zu mir spricht, entsteht ein anderes Bild: Diese Steine, dunkelschwarz glänzend, waren sicher auf dem Weg zu einer Baustelle – einem Hausbau, einer Gartengestaltung, einer Straßenherstellung -, um dort Puzzlesteine zu einem großen Ganzen zu werden. Durch das Hoppala des LKWs wurden sie nun aber ihrer Bestimmung beraubt. Und schon ist Mitleid da!
Mitleid ist eigentlich etwas Schönes, da es ein Zeichen von Empathie ist; man fühlt sich in das Leid des anderen ein und zeigt ihm damit, dass er einem etwas bedeutet.
Ihr Steine, da draußen auf der Straße: Ihr wurdet mir zwar brutal in den Weg gelegt und habt es trotzdem geschafft, etwas Schönes entstehen zu lassen!